Jeder dieser Ärzte und die Ärztin kassierte über eine halbe Million Dollar © ProPublica

Diese Ärzte kassierten halbe Million von Pharma

Urs P. Gasche / 29. Mrz 2013 - Wie viel kassiert Ihr Arzt von der Pharmaindustrie? Was in der Schweiz geheim ist, kann man in den USA im Internet nachschauen.

Es geht nicht um den direkten Verkauf von Medikamenten durch Ärzte. Ein solcher ist in den meisten Ländern ohnehin verboten. Denn Ärzte sollen nicht bestimmte Medikamente verschreiben, nur weil sie daran mehr verdienen als an andern.

Vielmehr geht es um Honorare und Entschädigungen von Pharmafirmen an Ärzte für Vorträge an Kongressen und intransparente «Beratungstätigkeiten». Insgesamt 22 Ärzte haben von 2009 bis 2012 für Vorträge und Beratung von Pharmafirmen über eine halbe Million Dollar kassiert – nicht alle zusammen, sondern jeder Einzelne. Nicht mitgezählt wurden bei obigen Zahlen Zuschüsse für Reisen, Mahlzeiten oder Forschungsvorhaben, welche Pharmafirmen bezahlten haben.

Rekordhalter kassierte über eine Million Dollar

Rekordhalter von Pharmazahlungen in den USA ist der Psychiater und Spitaldirektor im US-Bundesstaat Tennessee Jon W. Draud. Allein für Vorträge und Beratungen kassierte Draud von sieben Pharmafirmen seit 2009 über eine Million Dollar. Das staatliche Museum von Tennessee organisierte kürzlich eine Ausstellung mit seiner Sammlung «African Art: The Collection of Jon Draud».

Seit die Pharmafirmen in den USA alle ihre Zahlungen an Ärzte offenlegen müssen, kann sie jedermann im Internet nachsehen. Die Plattform «ProPublica» hat die Daten sortiert, so dass man im Suchfeld den Namen eines bestimmten Arztes oder einer bestimmten Ärztin eingeben kann und sofort sieht, von welcher Firma wie viel Geld der Gesuchte oder die Gesuchte eingenommen hat. Bei diesen Zahlen sind auch Entschädigungen für Mahlzeiten und Reisen ersichtlich.

Man kann im Suchfeld auch den Namen der Pharmafirma eingeben und nachsehen, an wen und für welchen Zweck Zahlungen erfolgten. Von einer solchen Transparenz können wir in der Schweiz zur träumen.

FMH: «Pharmazahlungen an Ärzte und alle Leistungserbringer transparent machen»

Die Schweizer Ärztegesellschaft FMH würde auch in der Schweiz «mehr Transparenz begrüssen». Die Deklarationspflicht in den USA wäre nach Ansicht der FMH «ein durchaus gangbarer Weg». Nicht nur Pharma-Zahlungen an die Ärzte, sondern an sämtliche Leistungserbringer sollten die Pharmakonzerne offen legen, erklärte FMH-Kommunikations-Leiterin Jacqueline Wettstein.

Bis heute ist allerdings nicht bekannt, dass die FMH oder FMH-Ärzte im Parlament entsprechende Vorstösse eingeleitet haben, obwohl eine Revision des Heilmittelgesetzes zur Zeit im Gange ist.

Zu den Fragen, ob der Gesetzgeber aktiv werden sollte, oder ob die Pharmafirmen ihre Zahlungen wenigstens freiwillig im Internet bekannt geben sollen, wollte sich das Bundesamt für Gesundheit auf Anfrage nicht äussern.

Versprechen der Pharmabranche

Die Pharmakonzerne versprechen, Zuwendungen an Mediziner auch in Europa offen zu legen - allerdings erst ab 2016 und nur freiwillig. Das teilte der Pharmaverband vfa kürzlich in Berlin mit.

Bis zum Sommer werde der europäische Pharma-Dachverband EFPIA einen Transparenz-Kodex ausarbeiten, erklärte vfa-Sprecherin Susan Knoll gegenüber Spiegel-online. «Derzeit beraten die Pharmaverbände über die nationalen Grenzen hinweg.» Bis Jahresende komme die Umsetzung für Deutschland. «Ab Anfang 2015 sollen alle Daten erfasst und ab 2016 veröffentlicht werden.»

Die Spanne reiche von Honoraren für wissenschaftliche Vorträge über Vergütungen für Beratungsleistungen der Ärzte bis zu Einladungen zu wissenschaftlichen Kongressen, sagte der Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie, Holger Diener.

Die Debatte über die Pharmagelder hatte ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom vergangenen Sommer ausgelöst. Korruption niedergelassener Ärzte ist demnach nach geltendem deutschen Recht nicht strafbar - etwa die Annahme von Zuwendungen für die Verordnung bestimmter Arzneien.

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Siehe auch

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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Weiterführende Informationen

Pharmazahlungen nach Namen des Arztes oder der Firma suchen
Feds to Publicize Drug and Device Company Payments to Doctors Next Year

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Eine Meinung

Bravo Infosperber, Bravo, was für eine gute Journalistische Arbeit. Grossartig. Ein richtiges Ostergeschenk. Gruss Beatus Gubler www.streetwork.ch Basel
Beatus Gubler, am 29. März 2013 um 11:59 Uhr

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