Zähmt das Lehrplan-Monster!

Heinz Moser © hm
Heinz Moser / 10. Nov 2014 - Der Lehrplan 21 ist zur Umsetzung frei gegeben. Doch wohl ist es damit nur den wenigsten.

Die NZZ am Sonntag titelt zum Lehrplan 21: «Man muss das Lehrplan-Monster zähmen – nicht erschlagen». Ach so ist das. Da wurde von Expertinnen und Experten ein Monster in die Welt gesetzt. Und dieses müssen nun die Kantone und die Lehrerinnen und Lehrer in seine Schranken weisen. Der Lehrplan bietet also nicht Hilfe und Unterstützung, sondern er ist primär ein Feind, der wie ein wildes Tier erst einmal gebändigt werden muss.

Zwar haben sich die Erziehungsdirektoren an ihrer Pressekonferenz auf die Schultern geklopft: Um 20 Prozent wurde der Lehrplan gekürzt auf «nur noch» 470 Seiten. Und auch sonst sei man den Kritikern entgegengekommen, wenn nun gegenüber den Kompetenzen auch die Inhalte wieder wichtiger genommen würden.

Doch das Grundproblem ist die verfehlte Anlage des ganzen Projekts. Anstatt zu Beginn eine offene und öffentliche Diskussion zu führen, verschrieb man sich der Geheimdiplomatie. Der ganze Lehrplan wurde hinter verschlossenen Türen erarbeitet und mit einem strikten Verbot versehen, davon etwas auszuplaudern. Auf diese Weise am Schwanz aufgezäumt, muss die harsche Kritik am Ergebnis nicht überraschen. Jedenfalls hat auch die neue Fassung die Kritiker wenig überzeugt, obwohl die Erziehungsdirektoren mit ihren Anpassungen Kreide gefressen haben.

Ist das Lehrplan-Monster wirklich zu zähmen – oder vielleicht schon eine Totgeburt, die man gar nicht mehr erschlagen muss? Das wird davon abhängen, in wie vielen Kantonen es in den nächsten Monaten über Volksabstimmungen zur Ablehnung kommt. Im schlimmsten Fall wird die angestrebte Harmonisierung der Lehrpläne nur zu einem neuen Bildungschaos führen.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

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