Phosphorbombe in Vietnam 1966

Ein US-Flugzeug beim Abwurf einer Bombe mit weissem Phosphor 1966 in Südvietnam. © United States Air Force via Wikimedia Commons

US-Präsident Trump bestellt bei Bayer Phosphor und Glyphosat

Martina Frei /  Donald Trump stuft Phosphor und das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat als sicherheitsrelevant ein – «für die Landesverteidigung».

«Der Bayer-Konzern hat in den USA einen grossen Rüstungsauftrag erhalten. Das US-amerikanische Militär bestellte beim Leverkusener Multi für seine Waffenschmiede in Pine Bluff, Arkansas, das Glyphosat-Vorprodukt Phosphor.» Das berichtet die konzernkritische «Coordination gegen Bayer-Gefahren» (CBG). Es handle sich um einen Vertrag mit fünfjähriger Laufzeit und unbestimmter Liefermenge. Der geschätzte Gesamtwert belaufe sich auf rund 5,6 Millionen US-Dollar.

Eine Verordnung US-Präsident Donald Trumps vom 18. Februar 2026 trägt den Titel: «Stärkung der Landesverteidigung durch Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung mit elementarem Phosphor und glyphosatbasierten Herbiziden». Die Begründung: «Elementarer Phosphor ist in den Lieferketten der Verteidigungsindustrie weit verbreitet und daher für die militärische Einsatzbereitschaft sowie die nationale Verteidigung von entscheidender Bedeutung. Er ist ein wesentlicher Ausgangsstoff für Nebel-, Leucht- und Brandmittel …».

«Die ganze Stadt wurde weiss»

Die CBG erinnert an eine traurige Vorgeschichte: «Nach Recherchen von Amnesty International schoss die israelische Armee IDF 2023 solche Bomben aus Pine Bluff im Südlibanon ab. Sie explodieren in der Luft und schaffen grossflächige Nebelwände. Nach Angaben der IDF schützen die Artillerie-Geschosse auf diese Weise die eigenen Truppen.» Die ganze Stadt sei weiss geworden, zitiert die CBG einen Bewohner von Dheira, das 2023 im Zentrum eines solchen Einsatzes gestanden habe. «Noch Tage danach klagte er über Atemnot.»

Auch beim Vorhaben, aus der Grenzregion eine menschenleere Pufferzone – eine sogenannte Sicherheitszone – zu schaffen und die Menschen aus ihren Häusern zu vertreiben, würden Phosphor und Glyphosat für das israelische Militär eine wichtige Rolle spielen. Zu einem solchen Einsatz sei es der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge am 3. März in der Gegend um Yohmor gekommen. «Dem Abfeuern ging eine Aufforderung an die BewohnerInnen der Stadt sowie von 50 weiteren kleineren oder grösseren Ortschaften im Umkreis voraus, ihre Häuser zu verlassen.» Das israelische Militär habe sie angewiesen, sich «mindestens 1000 Meter von den Dörfern weg auf offenes Gelände» zu begeben.

Fruchtbares Ackerland vernichtet

«Die Mittel dienen dazu, Ackerböden zu zerstören und den LandwirtInnen so ihre Existenz-Grundlage zu nehmen. Glyphosat kommt dabei nach Angaben staatlicher libanesischer Quellen in Konzentrationen zur Anwendung, die die übliche Dosierung um das 20-30-Fache übersteigt. Dementsprechend kontaminiert sind die Böden.» Tausende Hektar an Anbau-Flächen seien bereits verloren gegangen.

Bayer decke rund 40 Prozent des globalen Glyphosat-Marktes ab, so die CBG. Die israelische Einfuhr-Statistik für 2024 habe China als Top-Importeur von Glyphosat angeführt, gefolgt von Deutschland, der Schweiz, Belgien und Grossbritannien.

Die Phosphor-Geschütze können überdies schwerste Verbrennungen verursachen, da weisser Phosphor bei Kontakt mit Sauerstoff meist sofort zu brennen beginnt. «Die Brand-Wirkung von weissem Phosphor kann zum Tod oder zu grausamen Verletzungen führen, die lebenslanges Leid verursachen», zitiert die CBG Ramzi Kaiss von Human Rights Watch. «Zu den anderen Nebenwirkungen zählen Beeinträchtigungen von Nieren-, Herz- und Leberfunktionen. Hunderte Geschädigte gibt es bereits.» Die libanesische Initiative Public Works habe seit dem 8. Oktober 2023 insgesamt 397 abgefeuerte Phosphor-Geschosse gezählt; allein vom 3. März bis zum 17. Mai 2026 seien in über 36 Regionen im Südlibanon solche Geschosse niedergegangen.

Wichtig für den Vorsprung der USA in der Landwirtschaft

Laut der US-präsidialen Verordnung ist elementarer Phosphor ausserdem eine «unverzichtbare Komponente bei der Herstellung von Halbleitern, die für viele Verteidigungstechnologien – etwa Radar, Solarzellen, Sensoren und Optoelektronik – zentral sind. Zudem gewinnt er zunehmend an Bedeutung für moderne Lithium-Ionen-Batterietechnologien, die in den Lieferketten einer Vielzahl von Waffensystemen zum Einsatz kommen.» Und ausserdem sei er wichtig für die Herstellung von Herbiziden auf Glyphosat-Basis, die wiederum entscheidend seien, um den «Vorsprung der USA in der Landwirtschaft» zu halten. Für solche Unkrautvernichtungsmittel gebe es keine Alternative. US-Landwirte könnten dank der Glyphosat-basierten Herbizide hohe Erträge zu niedrigen Produktionskosten einfahren.

Die «Coordination gegen Bayer-Gefahren» ruft den Leverkusener Chemiekonzern auf, Glyphosat und elementaren Phosphor nicht länger als Dual-Use-Güter zu vermarkten. Gemeint sind damit Produkte, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können. Sie erinnert daran, dass die jetzige Bayer-Tochter Monsanto während des Vietnam-Kriegs zu den Hauptlieferanten des damals eingesetzten Pestizids Agent Orange zählte, «aber auch der Leverkusener Multi trug das Seinige dazu bei, das Chemiewaffen-Arsenal der US-Streitkräfte aufzufüllen». Brigitte Hincha-Weisel von der CBG rekapituliert die unrühmliche Geschichte: «Bayer hat im Ersten Weltkrieg Chemie-Waffen produziert, im Zweiten Weltkrieg die Waffenarsenale der Nazis gefüllt und auch danach noch mörderische Geschäfte nicht zu knapp betrieben. Es wird Zeit, dass der Konzern endlich mit dieser unheilvollen Tradition bricht.»

Oberstes US-Gericht entschied im Sinn von Bayer

In den USA hatte Bayer wegen Glyphosat Massenklagen am Hals, die den Konzern schon Milliarden kosteten. Der Chemieriese setzte deshalb alle Hebel in Bewegung – intensives Lobbying und Spende an die Partei des US-Präsidenten eingeschlossen –, um das Problem zu beseitigen (Infosperber berichtete).

Im Juni 2026 erzielte Bayer «in den milliardenschweren Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten in den USA einen wichtigen Erfolg vor dem obersten Gericht des Landes», so «SRF»: «Bayer-Chef Bill Anderson, der das Ruder in Leverkusen im Juni 2023 übernommen hatte, verfolgt das Ziel, die US-Rechtsstreitigkeiten bis Ende 2026 signifikant einzudämmen. Diese hatte sich Bayer 2018 mit der Übernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto ins Haus geholt. Nach einer ersten Niederlage in einem Glyphosat-Prozess stiegen die Klägerzahlen.»

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Zum Infosperber-Dossier:

Glyphosat

Der Unkraut-Killer Glyphosat

Das in Landwirtschaft (mit «Roundup-Ready»-Saatgut) und Hobbygärten versprühte Herbizid ist in der Kritik.

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