Greenpeace: PFAS-Konzentration im Rhein deutlich zu hoch
Dass es bei Dürre weniger Wasser in den meisten Gewässern hat, kann jeder sehen. Was vorher an Schadstoffen darin war oder durch Zuleitung hinzukommt, konzentriert sich in Folge. «Infosperber» berichtete im August darüber, wie die Menge an Schadstoffen bei Niedrigwasser steigt.
Im Detail geht es dabei meist um sogenannte Mikroschadstoffe oder Spurenstoffe, zum Beispiel Arzneimittelrückstände, Pestizide, Metalle und langlebige Schadstoffe wie PFAS, die von Kläranlagen nicht immer herausgefiltert werden können.
Greenpeace testete das Niedrigstwasser des Rheins
Greenpeace hat dazu Zahlen: Die Umweltorganisation hat am 18. und 19. August bei Düsseldorf, Leverkusen und Krefeld Wasserproben des Rheins genommen. Das ist nicht nur der Rheinabschnitt, an dem die historisch niedrigsten Rheinpegel gemessen wurden. In der Gegend gibt es mehrere Industriestandorte, lokal benannt als «Chemparks».
Schon die Begleitdaten der Probennahme hören sich auffällig an: Das Wasser hatte einen pH-Wert von bis zu 8,4 und eine Höchsttemperatur von bis zu 30 Grad. Untersucht hat es Greenpeace anschliessend auf 20 verschiedene PFAS, PCB, PAK (polyaromatische Kohlenwasserstoffe) und Schwermetalle.
Vor allem viele PFAS
Von allen bestimmbaren Schadstoffen war besonders die Konzentration von acht PFAS hoch, vor allem diejenige der krebserregenden und fortpflanzungsschädigenden Stoffe PFOA (Perfluoroktansäure) und PFOS (Perfluoroktansulfonsäure) sowie PFBS (Perfluorbutansäure), die häufig als Ersatz für PFOS dient.
PFOS (Perfluoroktansulfonsäure)
wurde ab den 1960er-Jahren vom US-Unternehmen 3M in grossen Mengen produziert und eingesetzt, zum Beispiel in Feuerlöschschaum und Imprägniermitteln. Altlasten der persistenten Chemikalie finden sich grossflächig in fast allen Ländern. PFOS ist bioakkumulierbar, giftig und als «möglicherweise krebserregend» eingestuft. PFOS ist das am häufigsten bei Menschen gefundene PFAS und findet sich im Blut fast aller Menschen. Es wird erst nach mehreren Jahren wieder ausgeschieden. 2006 wurde die Verwendung von PFOS in der EU eingeschränkt, 2008 in Deutschland weitgehend verboten. 2009 wurde PFOS ins Stockholmer Übereinkommen über persistente Schadstoffe aufgenommen. Ab 2011 endete seine Nutzung in der Schweiz. 2015 wurde die Produktion in Deutschland eingestellt. 2019 wurden bis auf die Nutzung in der Verchromung alle Ausnahmen in der EU gestrichen. PFOS gelangt aber über Altlasten wie Klärschlämme und verschmutzte Feuerlöschplätze weiterhin in die Umwelt, vor allem ins Wasser. Die Chemikalie reichert sich auch in Tieren an und wurde in hohen Mengen in Fischen gefunden.
Die Messwerte für PFOS und PFOA lagen nochmals «um 30 bis 50 Prozent» über den bereits zu hohen Werten, die Greenpeace in Rheinwasserproben vom November 2024 gemessen hatte. Konkret fand das Labor
- PFOA-Konzentrationen von bis zu 3 Nanogramm pro Liter Rheinwasser (2024: bis 2,32 Nanogramm pro Liter).
- PFOS-Konzentrationen von 5,0 bis 7,1 Nanogramm pro Liter, (2024: 2,12 bis 4,16 Nanogramm pro Liter).
Der Grenzwert der Oberflächengewässerverordnung oder Umweltqualitätsnorm für PFOS liegt bei 0,65 Nanogramm pro Liter. Die Umweltqualitätsnorm (UQN) ist kein verbindlicher Grenzwert zur Wasserbehandlung, bestimmt aber die Qualität deutscher Oberflächengewässer. Für andere PFAS gibt es derzeit noch keinen UQN-Wert. PAK- und PCB-Werte in den Wasserproben waren nicht erhöht, Schwermetalle werden laut Greenpeace derzeit noch analysiert.
PFOS und Gesundheit
PFOS wird mit mehreren Krankheitsbildern in Verbindung gebracht, darunter Störungen des Hormonsystems wie Schilddrüsenfunktionsstörungen, Diabetes, verfrühte Pubertät, verminderte Spermienproduktion. Ausserdem gilt PFOS als mindestens beteiligt an Herz-Kreislauf-Krankheiten, Autoimmunkrankheiten, Bluthochdruck und Störungen des Immunsystems wie verminderte Reaktion auf Impfungen.
Wo PFAS im Rhein genau herkommen, ist unklar
PFOS ist verboten und wird in Deutschland seit vielen Jahren nur noch in einem Einzelfall (Verchromung) eingesetzt. Auch in Feuerlöschmitteln werden PFAS nur noch selten verwendet. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, können die hohen PFOS-Werte also nur aus Altlasten wie Deponien, belasteten Böden oder Rückständen in Produktionsanlagen stammen.
Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) werden aus dem Chempark Leverkusen noch immer regelmässig PFAS in den Rhein geleitet. Besonders problematisch ist die hohe Schadstofflast für die rheinabwärts gelegenen Länder, die das Wasser mit grossem Aufwand reinigen müssen. Der «WDR» berichtete vor Kurzem über den Unmut der Niederländer. Diese verlangen, dass der Verursacher in Leverkusen das Wasser reinigt, bevor es in den Rhein gelangt.
Greenpeace kritisiert, dass Unternehmen in der Nähe des beprobten Rheinabschnitts offenbar ihre Abwasserströme bei Dürre nicht anpassen, um den Schadstoffeintrag zu vermindern. Es sei ausserdem unerlässlich, die genauen Quellen des PFAS-Eintrags zu ermitteln.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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