Beitrags ylsL0ke5rVdRBtrW

Simone Richner (rechts) trage den Helm «verkehrt herum», behauptete die «Berner Zeitung». © bernerzeitung.ch

«Berner Zeitung» stellt Politikerin bloss – und blamiert sich

Marco Diener /  Die «BZ»-Redaktion schiesst einen groben Bock. Zu ihrem Fehler steht sie nicht. Bis ein Leser Druck macht.

Die «Berner Zeitung» berichtete über die Social-Media-Aktivitäten der Stadtberner FDP-Parlamentarierin Simone Richner. Sie poste «hier ein paar Schwingfest-Bilder, da ein Open-Air-Konzert, dort einen Ausflug mit der Familie – und natürlich regelmässig ein Häppchen ernste Politik».

Kürzlich tat sie das nach einer Velotour. Zum Bild schrieb die «Berner Zeitung»: «Stutzig macht beim Betrachten des Fotos bloss Richners Helm, der offensichtlich verkehrt herum auf ihrem Kopf sitzt. Angesichts der permanenten Hitze kann so was aber schon mal passieren – und es stellt sich die Frage: Ist der Helm tatsächlich verdreht auf dem Kopf? Oder doch der Kopf verkehrt unter dem Helm?»

Das war dann ein bisschen peinlich. Denn Richner trägt den Helm natürlich nicht verkehrt herum. Sie trägt ihn richtig. Sie hat bloss das Visier hochgeklappt. Ein Leser kommentierte denn auch gleich:

flach Mettler 2

Auf der Redaktion schrillten offenbar die Alarmglocken. Das war ja zu peinlich: sich über eine Politikerin lustig zu machen und dabei selber einen Bock zu schiessen. Die «Berner Zeitung» korrigierte die Passage (Bezahlschranke). Neu lautete sie so:

Screenshot 2026-08-10 at 16-56-09 Velohelm verkehrt Berner Politiker patzen auf Instagram


So weit so gut. Wenn sich der Tamedia-Verlag nur nicht so gerne seiner Transparenz rühmen würde. Im Leitfaden «Qualität in den Medien» steht ausdrücklich:

Screenshot 2026-08-10 at 16-57-48 Qualitaetsmonitoring_2023_DE.pdf

Doch für die Leserschaft war die Fehlerkorrektur nicht «einsehbar». Auch nicht «auf den digitalen Kanälen». Und schon gar nicht «mit Zeitangabe der Veränderung und Verweis auf den früheren Wortlaut». Eine öffentliche Entschuldigung an Simone Richner blieb ebenfalls aus.

Das zeigt: Mit der Transparenz hat es der Tamedia-Verlag nicht so. Und der Leitfaden ist das Papier nicht wert, auf den er gedruckt ist.

Es brauchte dann schon einen Leser, der die Radaktion an ihr selbst formuliertes Transparenz-Gebot erinnerte:

Screenshot 2026-08-11 at 07-32-29 Velohelm-Panne auf Instagram Reto Müller am Marché-Concours

Dann endlich stand die Redaktion zu ihrem Fehler:

Screenshot 2026-08-11 at 07-33-04 Velohelm-Panne auf Instagram Reto Müller am Marché-Concours

Weiterführende Informationen


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
_____________________
➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren SPENDEN möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.

Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:



_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

Zeitungen_1

Kritik von Zeitungsartikeln

Printmedien üben sich kaum mehr in gegenseitiger Blattkritik. Infosperber holt dies ab und zu nach.

War dieser Artikel nützlich?
Ja:
Nein:


Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.

Direkt mit Twint oder Bank-App



Spenden


Ihre Meinung

Lade Eingabefeld...