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Fawzia Koofi fordert, dass die Geschlechter-Apartheid in Afghanistan im internationalen Recht als Verbrechen anerkannt wird, damit staatlich organisierte Diskriminierung von Frauen ein Ende hat. © Arte

Einladung für Taliban ist ein «Schlag ins Gesicht der Frauen»

Barbara Marti /  Die Taliban verweigern Frauen Menschenrechte. Dennoch lud die EU sie ein. Eine afghanische Politikerin kritisiert dies scharf.

Die EU-Kommission verhandelt mit den Taliban über die Abschiebung abgelehnter afghanischer Asylbewerber. Nach Angaben der EU ist dies keine diplomatische Anerkennung des Regimes. 

«Falsches Signal angesichts der Menschenrechtskatastrophe»

Fawzia Koofi kritisiert diese Einladung in einem Gastbeitrag für den «Guardian» scharf. Die ehemalige Abgeordnete im afghanischen Parlament, die 2020 an den Friedensgesprächen mit den Taliban teilgenommen hatte, ist heute Präsidentin der Exilorganisation «Women for Afghanistan». Die Einladung der EU für die Taliban sei das falsche Signal angesichts der Menschenrechtskatastrophe in Afghanistan, schreibt Koofi. Die Einladung könne die Taliban darin bestärken, Menschenrechte – insbesondere diejenigen von Frauen – weiterhin systematisch zu verletzen. Statt Verantwortliche für die Geschlechter-Apartheid in Afghanistan einzuladen, müsse die internationale Gemeinschaft sie vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zur Verantwortung ziehen. «Für afghanische Frauen und Mädchen ist dies eine Frage des Überlebens», so Koofi.

«Ein Vogel ist besser geschützt als eine Frau»

Seit der Machtübernahme vor fünf Jahren haben die Taliban zahlreiche Vorschriften erlassen, die Frauen und Mädchen ihrer Freiheitsrechte berauben. So drohen gewalttätigen Ehemännern maximal 15 Tage Haft – sofern die Ehefrau überhaupt Gewalt beweisen kann. Wer hingegen einem Tier Schaden zufügt, muss mit fünf Monaten Gefängnis rechnen. Koofi: «Ein Vogel ist besser geschützt als eine Frau.» Zuletzt erschwerten die Taliban Scheidungen für Frauen weiter. Faktisch hat nur noch der Mann das Recht auf eine Scheidung.

«Kultur der Straflosigkeit»

«Frauen in Afghanistan leiden jeden Tag unter der Apartheid», schreibt Koofi. «Sie werden aus dem öffentlichen Leben verbannt, zum Schweigen gebracht, sind Gefangene im eigenen Land und werden ihrer grundlegenden Menschenrechte beraubt.» Sie kritisiert eine «Kultur der Straflosigkeit» gegenüber den Taliban. Geschlechter-Apartheid müsse man im internationalen Recht als Verbrechen anerkennen, um staatlich organisierte Diskriminierung von Frauen wirksam bekämpfen zu können.

«Wir brauchen keine symbolische Solidarität»

Die Einladung der EU für die Taliban komme für Frauen und Mädchen in Afghanistan einem Verrat gleich. «Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Frauen und Mädchen in Afghanistan, die unter der Diskriminierung durch die Taliban leiden und dagegen kämpfen», so Koofi. Die Botschaft der EU sei verheerend: «Versprechen der internationalen Gemeinschaft an afghanische Frauen können aus politischen Gründen gebrochen werden.» Koofi fordert die EU auf, Geschlechter-Apartheid als Straftatbestand anzuerkennen, um die Straflosigkeit für die Verletzung von Frauenrechten zu beenden. «Wir brauchen keine symbolische Solidarität oder leere Worte, sondern Mut und Engagement von denen, die behaupten, für Gerechtigkeit einzutreten.»


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