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Das Problem bei vielen E-Bikes: das Auf- und Absteigen. © Depositphotos

E-Bike-Unfälle: Es ist nicht nur die Geschwindigkeit

Marco Diener /  Viele E-Bike-Unfälle sind aufs hohe Tempo zurückzuführen. Aber auch die Bauweise der E-Bikes ist ein Problem.

Letztes Jahr starben in der Schweiz 24 E-Bike-Fahrer bei einem Unfall, 2189 wurden verletzt, 586 davon schwer. Das geht aus der Strassenverkehrsunfall-Statistik 2025 hervor. Jeweils rund vier Fünftel der Getöteten, der Schwer- und der Leichtverletzten waren mit einem langsamen E-Bike unterwegs. Langsame E-Bikes (Unterstützung bis 25 km/h) sind allerdings auch deutlich stärker verbreitet als schnelle (Unterstützung bis 45 km/h). Und: Die Dunkelziffer dürfte vor allem bei den Leichtverletzten hoch sein.

Ein grosses Problem der E-Bikes ist die hohe Geschwindigkeit und die grosse Beschleunigung. Diese überfordern manch einen E-Bike-Fahrer. Fast 60 Prozent der E-Bike-Unfälle sind denn auch selbst verschuldet.

Oft unterschätzen allerdings auch andere Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit von E-Bikes. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) schreibt: «Es ist deshalb sehr wichtig, mit dem E-Bike defensiv und vorausschauend zu fahren. Dazu gehört auch, auf Fehler der anderen Verkehrsteilnehmenden vorbereitet zu sein.»

Die Bauweise

Doch das Problem von E-Bikes ist nicht nur die hohe Geschwindigkeit. Es ist auch die Bauweise. Die Rahmen sind so gebaut, dass trotz des Motors genügend Bodenfreiheit besteht. Das heisst: Das Tretlager, wo die Pedalen befestigt sind, liegt bei manchen Modellen 35 Zentimeter ab Boden. Bei einem normalen Velo sind es um die 27 Zentimeter.

Der Grund für diesen Unterschied: Viele E-Bikes wiegen gegen 30 Kilo. Sie sind so schwer, dass sie sich nicht Treppen hochtragen lassen. Deshalb werden sie hochgeschoben. Dabei kann das Kettenblatt – oder was teurer käme – der Motor aufschlagen. Deshalb ist jeder Millimeter zusätzliche Bodenfreiheit willkommen.

Aber gleichzeitig ist die grosse Bodenfreiheit auch eine Gefahr – beim Auf- und vor allem auch beim Absteigen. Wer den Sattel auf die richtige Höhe eingestellt hat, kann nicht im Sitzen absteigen. Er muss vor dem Absteigen aufstehen. Und dann vom Pedal aus auf dem Boden Tritt finden. Nur ist das nicht ganz einfach, wenn das Tretlager und damit auch das Pedal 8 Zentimeter höher liegt als bei einem gewöhnlichen Velo – vor allem in Notsituationen.

Die BfU schreibt denn auch: «Ältere Velo- und E-Bike-Fahrende scheinen anfälliger zu sein für Stürze beim Aufsteigen/Anfahren sowie beim Abbremsen/Absteigen.» Die Beratungsstelle hält fest, dass ein «automatischer, höhenverstellbarer Sattel (bei niedrigen Geschwindigkeiten abgesenkt)» das Problem entschärfen könnte. Prototypen existieren bereits.

Für die Hersteller «kein Problem»

Gegenüber der Konsumentenzeitschrift K-Tipp spielten die Hersteller das Problem vor vier Jahren herunter. Tour de Suisse schrieb, das hohe Tretlager schütze den Motor und das Kettenblatt. Bergamont ergänzte: Wenn der Fahrer in einer Kurve weiterpedale, dann sei die Gefahr, dass er den Boden berühre, geringer, wenn das Tretlager hoch liege. Diamant argumentierte gleich. Und Flyer betonte, es seien auch Modelle mit niedrigerem Tretlager im Sortiment.

Hier trotzdem die wichtigsten Tipps fürs Absteigen:

  • Niemals absteigen, bevor das Velo steht.
  • Immer zuerst das Gesäss heben und auf die Pedale stehen.
  • Dann anhalten.
  • Zur Seite kippen lassen – am besten immer auf die Gleiche, damit es zur Gewohnheit wird – und den Fuss aufsetzen.
  • Wie das geht, zeigt dieser Film.
  • Keine Jacke anziehen, die beim Absteigen am Sattel hängen bleiben könnte.
  • Wer den Sattel sehr niedrig einstellt, kann absteigen, ohne das Gesäss aus dem Sattel zu heben. Wie beispielsweise auf einem Mofa. Nur ist dann das Fahren sehr mühsam und anstrengend, wenn die Beine derart zusammengefaltet sind.

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