Philosophielehrer Gaudron: Mit dem «Teelöffel-Beweis» gegen die Evolutionstheorie © youtube

Piusbrüder huldigen dem Kreationismus

Kurt Marti / 25. Apr 2017 - Der Chefdogmatiker der erzkatholischen Piusbrüder sagt: Die Evolutionstheorie ist «Märchenstunde». Gott hatte die Hand im Spiel.

Markus Bayer, Rektor der Piusbrüder-Schule Dominik Savio in Wil (SG), behauptete im St. Galler Tagblatt vom 13. Januar 2017: «Wir haben keine Probleme mit der Behandlung der Evolutionstheorie in unserem Unterricht». Die Behauptungen von Infosperber (Schulen der Piusbrüder im Licht des Bundesgerichts), wonach die Schulen der Piusbruderschaft die Kriterien einer Privatschule nicht erfüllten, seien falsch.

Evolutionstheorie als «Märchenstunde»

Tatsächlich steht die erzkatholische Piusbruderschaft auf Kriegsfuss zur Evolutionstheorie und huldigt dem Kreationismus, welcher wissenschaftliche Erkenntnisse der Evolutionstheorie mit biblischen «Wahrheiten» bekämpft. Das geht aus einem Video der Piusbrüder mit dem Titel «Konnte das Leben durch Zufall entstehen?» hervor.

Darin erklärt Piusbruder und Philosophielehrer Matthias Gaudron seinen braven Gymnasiasten, was von der Evolutionstheorie zu halten ist:

«Die Wissenschaftler können bis heute in ihren Laboratorien keine einzige lebende Zelle aus totem Material herstellen. Aber das, was die Wissenschaftler nicht können, soll vor vielen hundert Millionen Jahren der Zufall ganz von alleine, ganz problemlos geschaffen haben. Das ist wirklich lächerlich. Das ist vielleicht Märchenstunde, aber das ist keine Wissenschaft».

Der «Teelöffel-Beweis»

Wie Gaudron – laut «Spiegel» der «Chefdogmatiker der deutschsprachigen Piusbruderschaft» – weiter erklärt, ist «die einzige Alternative zur Zufallstheorie der göttliche Schöpfer». Durch den Zufall entstünden «keine neuen Organe und keine neuen Arten». Es müsse «wenigstens immer wieder ein Eingreifen Gottes gegeben haben.»

Um diese Behauptung zu veranschaulichen, greift Gaudron zum «Teelöffel-Beweis»: Wenn wir einen Teelöffel am Strand einer einsamen Insel finden würden, dann würde doch jeder sagen, dass ein Mensch diesen Teelöffel verloren hat. Keiner würde sagen, dass vor vielen hundert Jahren ein Erdbeben ein Stück Metall aus dem Felsen geschleudert habe, und dieses dann unter dem Einfluss von vulkanischer Hitze und dem günstigen Einfluss von Meeresströmungen zu diesem Löffel geformt worden wäre.»

Vom Teelöffel zum Auge

Vom Teelöffel springt Gaudron zu den Organen der Lebewesen, insbesondere zum menschlichen Auge: «Die Linse, die Netzhaut und die entsprechenden Partien im Gehirn hätten gleichzeitig zufällig entstehen müssen, um einen Vorteil zu verschaffen.» Neue Organe und neue Arten müssen laut Gaudron «von Anfang an einigermassen funktionsfähig gewesen sein, um einen Überlebensvorteil zu bieten.» Das könne Darwins Evolutionstheorie nicht erklären, da brauche es das Eingreifen Gottes.

Eine solche Auffassung auf der Grundlage der biblischen Schöpfungsgeschichte wird als «Kreationismus» bezeichnet, der vor allem von rechtskonservativen, fundamentalistischen Religionsgruppen vertreten wird, und der den heutigen Erkenntnissen der Biologie widerspricht, wonach sich Organe und Arten nach und nach entwickelt haben. Das menschliche Auge beispielsweise ist sukzessiv aus früheren Formen hervorgegangen.

Bildungsdepartement ist gefordert

Das Bundesgericht hat in einem wegweisenden Urteil das religiöse Wissen als Basis von allem Wissen gerügt, insbesondere die fehlende Trennung von religiösen und weltlichen Inhalten. Auch der Lehrplan 21 hält fest: «Die Schülerinnen und Schüler können Artenvielfalt in Beziehung zur Evolutionstheorie setzen».

Deshalb ist nun das Bildungsdepartement des Kantons St. Gallen gefordert, wo die betroffenen Piusbrüder-Schulen liegen, insbesondere die Abteilung Aufsicht und Schulqualität des Amts für Volksschule.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

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3 Meinungen

Zu dieser Thematik hat sich der Jesuit Teilhard de Chardin, dessen geistiges Erbe in der Deutschschweiz mit Nachdruck vom Theologen und Schriftsteller Josef Vital Kopp vermittelt wurde, aus christlicher Sicht hochqualifiziert geäussert. Damit «Gott seine Hand im Spiel» hat, muss eine Evolution, deren Verlauf im Einzelnen nicht als erforscht gelten kann, nicht ausgeschlossen werden. Natürlich geht die frühere Debatte mit der fundamentalistischen Ablehnung der Evolutionstheorie darauf zurück, dass Darwin geistesgeschichtlich zum Materialismus gezählt wurde. Aber auch das ist eine Debatte des 19. Jahrhunderts, gehört mithin zum Kulturkampf, über den am nächsten Donnerstag im Staatsarchiv Solothurn um 20 Uhr wieder mal debattiert wird, kein Luxus für eine tiefere historische, politische und geistesgeschichtliche Orientierung. Der Begriff des Fundamentalismus ist im übrigen nicht aus der Islamdebatte heraus entstanden, sondern aus der weltanschaulichen Umstrittenheit der Evolutionstheorie. Eine Theorie allerdings, die zur Weltanschauung gerinnt, wird, selbst wenn sie fortschrittlich ist, mit der Zeit zur Ideologie.
Pirmin Meier, am 25. April 2017 um 12:49 Uhr
Dilettanten quatschen über die Evolutionstheorie. Da kann natürlich nur vollkommener Blödsinn bei heraus kommen.
Dieser Chefdogmatiker hat Null Ahnung von Evolution. Er kennt nicht mal grundlegend Prinzip der Evolution (Zufällige Mutation UND natürliche Selektion. Und nicht nur Zufall).

Das führt dann zu der typischen 180 Grad Realitätsumkehrung von tief religiösen Menschen: Diejenigen die die wirklichen Märchen erzählen, nämlich religiöse Märchen, behaupten von klaren wissenschaftlichen Fakten, es wären Märchen.
Das ist kein Unterschied zu Chemtrail-Anhängern, Flat-Earthern und anderen vollkommen verblödeten Verschwörungstheoretikern.
Stefan Schmidt, am 25. April 2017 um 21:13 Uhr
Ach herjee - der «Teelöffel-Beweis» ist ja so etwas von originell, der war mir bisher nur mit Uhren bekannt. Weniger falsch, beziehungsweise geradezu zum Rohrkrepierer, wird er dadurch nicht: Dass der Löffel «erschaffen» wurde erkennen wir ja gerade daran, dass er sich vom natürlichen (nicht gezielt erschaffenen) Rest des Strandes deutlich abhebt.
Benjamin Spicher, am 02. Mai 2017 um 12:58 Uhr

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