UBS-Dollar-Skandal: 200 von 2800 Kunden entschädigt
Die Untersuchung der UBS zu den «Derivate-Granaten» offenbart eine ganz neue Dimension: 2800 Privatkunden hatten oder haben solche strukturierten Dollar-Produkte. Davon hat die Bank 690 unter die Lupe genommen und schliesslich 231 Kunden konkret ein Angebot für Schadenersatz unterbreitet.
Schon 50 bis 60 Millionen an Entschädigungen
Mit 200 ist sie bis heute ins Reine gekommen. Kosten für die Bank: 50 bis 60 Millionen Franken. Die Untersuchung erfolgte auf Anordnung der Finma. Auf UBS-Seite waren höchste Chargen involviert, allen voran August Hatecke.
Der Chef des Schweizer Private-Bankings der Grossbank «pushte» die «Dollar-Bomben» in seinen montäglichen Berater-Sessions – mit Topseller-Hitparaden. Wer mehr Dollar-Derivate an den Mann brachte, konnte sich einen nächsten Spitzenbonus ausrechnen.
Verbier und St. Moritz als Epizentren
Die Epizentren von Hateckes Feldzug auf die Schweizer Privatkunden, darunter viele Rentner, lagen in der Region Ostschweiz, in zweiter Linie im Wallis, dort in Verbier. Zur Ostschweiz gehört insbesondere St. Moritz, wo die UBS-Berater reichen Schweizern, darunter solchen mit Domizil im Ausland, die «Strukis» ans Herz legten.
Diese versprachen eine Rendite von bis zu fünf Prozent – solange der Dollar-Kurs in einer fixierten Bandbreite blieb. Als Trump im April letzten Jahres allerdings den Zollhammer auspackte, sackte der Dollar förmlich ab. In den Depots der Hatecke-Kunden detonierten die Sprengsätze.
«I will fix this»
Seine Berater riefen die Betroffenen an – laut einer Quelle auch solche, die im Ausland lebten und niemals hätten über die Grenze beraten werden dürfen. «Keine Panik», raunten die UBS-Private-Banker den hyperventilierenden Kunden übers Kabel ins Ohr: «I will fix this.»
Eigenmächtig übernahmen die Berater laut dem Insider die Kontrolle über die Depots und Konten ihrer Klienten. Sie liquidierten die Produkte, brachten Hedges an, kauften weitere oder anderes. Ein wildes Durcheinander. «Unauthorized» Trading, nenne man das im Jargon, so der «Inside-Paradeplatz»-Gesprächspartner.
Schuld sind angeblich die Subalternen
Die UBS-Spitze sieht die Schuld bei einigen wenigen Subalternen. Den Ex-Chef der Region St. Gallen hat sie sanktioniert. Dieser konnte sich nicht wehren – er bot zu viele Angriffsflächen. Hatecke hingegen konnte sich halten. In anhaltenden Verhandlungen versucht er, weitere Kunden mit Lockangeboten für einen Deal zu gewinnen. Die UBS hatte letzten Sommer gesagt, sie habe rund 100 Betroffene entschädigt. Die Zahl hat sich seither also mehr als verdoppelt.
Bei der Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte in Zürich sind mehrere Strafanzeigen eingegangen. Damian Graf, ein aufstrebender Mann in der Behörde, sichtet die Vorwürfe. Ob er ein offizielles Ermittlungsverfahren eröffnet hat, bleibt geheim.
Strafanzeige auch wegen Betrugs
«Wir können Ihnen bestätigen, dass in von Ihnen genannter Sache Strafanträge gegen unbekannte Täterschaft wegen Widerhandlung gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb eingegangen sind», sagte ein Sprecher schon vor Monaten. «Diese befinden sich im Stadium der Vorprüfung. Weitere Auskünfte werden nicht erteilt.»
Inzwischen hat ein UBS-Kunde nicht nur wegen unlauteren Wettbewerbs eine Strafanzeige gegen die Bank eingereicht, sondern auch wegen Betrugs. Am Handelsgericht kämpft ein Betroffener gegen die UBS um viel Geld. Die beiden Seiten decken sich mit über 100-seitigen Gutachten ein.
Diese könnten gegenteiliger nicht ausfallen.
Während der Gutachter der Kläger den wahrscheinlichen Verlust aus den komplexen Produkten mit gut 110’000 Franken bezifferte, berechnete der Gutachter der UBS einen anzunehmenden Gewinn von 5000 Franken.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine. Der Autor ist Redaktor und Inhaber des Portals Inside Paradeplatz auf dem dieser Beitrag zuerst erschien.
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