Screenshot 2026-09-29 at 09-57-52 Rooted in Zurich How one building has shaped the legacy of Julius Baer Julius Baer

Inszeniert sich gerne grossspurig, bekam nun aber von der Finma aufs Dach: Bank Julius Bär. © juliusbaer.com

Scharfe Kritik der Finma: Julius Bär gab Benko eine Milliarde

Lukas Hässig /  Der Bericht der Finma ist vernichtend. Die Rede ist von ignorierten Warnsignalen und Provisionen in Millionenhöhe.

Die Finma publiziert die längste Straf-Mitteilung ihrer Geschichte: gegen die Zürcher Bank Julius Bär. Sie schreibt, die Bank habe «in schwerer Weise gegen aufsichtsrechtliche Bestimmungen verstossen».

Der Pranger ist nötig. Zum fünften Mal innert zehn Jahren musste die Finma gegen die Bär ein Enforcement durchführen. Eines alle zwei Jahre.

Diesmal ging’s um besonders Happiges. Die Nummer 1 unter den Schweizer Privatbanken hatte zeitweise über eine Milliarde Franken an René Benko vergeben. Sie trickste mit einer Tranche, die sie übers Jahresende 2022/2023 dem Schein nach verbuchte. Was die Bank in der grossen Benko-Liquidation teuer zu stehen kommt.


Auszug aus der Mitteilung der Finma:

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Scharfe Kritik der Finma.


Eine Wiederholungstäterin der Sonderklasse

Die Bank verliert den Grossteil dieser Summe. Insgesamt hatte Bär 600 Millionen in den Sand gesetzt. «Warnsignale ignoriert», «Provisionen in Millionenhöhe» für Interne und Externe, «Interessenkonflikte und Fehlanreize». So steht es im Finma-Bericht.

Rote Lichter überall, doch Julius Bär gab Vollgas – trotz früherer Finma-Strafen in den Fällen Fifa, Petroleos de Venezuela, Pierin Vincenz, Petrobras. Eine Wiederholungstäterin der Sonderklasse. Nichts gelernt, immer auf tutti.

Für die Benko-Kredite sei die Bank Bär «weder organisatorisch noch personell richtig aufgestellt» gewesen, schreibt die Finma heute früh.

Auch bei zwei Russen-Oligarchen habe die Julius Bär einfach weggeschaut. Diese seien politisch exponierte Personen (PEP) gewesen, und die Bär-Aufpasser hätten das gewusst. Doch sie gaben grünes Licht, weil «ein Mitarbeiter der Bank eine Empfehlung zugunsten des PEP-Kunden» abgegeben habe.

Bei diesem habe sich dann später gezeigt, dass er «enge persönliche Verbindungen zur Familie des PEP-Kunden» gehabt habe. Das heisst: Der Bär-Relationship Manager beteuert, dass der Oligarch sauber sei, und gehört selber zum engsten Umfeld des Milliardärs.

Und die Bank prüft nichts, sieht nichts, macht nichts.

Die Finma findet es nicht mehr lustig. Doch sie lässt die Bank Bär vom Haken. Diese muss nur noch 250 statt wie bisher 500 Millionen Zusatz-Eigenkapital für riskantes Geschäften bereithalten.

Zudem darf sie wieder freier Business machen mit PEPs und Krediten. «This is a recognition of our efforts over the past 20 months», jubiliert der Chef Stefan Bolliger auf seinem Linkedin-Konto.

Er und die von ihm zuoberst installierte Truppe bei der Julius Bär waschen sich die Hände in Unschuld: «The renewed management team, in alignment with Finma, initiated and implemented a series of measures to swiftly address these long-standing legacy matters.»

Dabei traut die Finma Bollinger & Co. noch nicht so richtig. Bis 2032 pocht die Aufsichtsbehörde auf «Berichte» der Bank über ihre «Risiko-, Fehler- und Compliance-Kultur». Drei Ex-Bär-Leute nimmt die Finma ins Visier. Gegen sie laufen Gewährsverfahren. Die Finanzchefin Evie Kostakis musste gehen, ebenso Riskchef Oliver Bartholet.

Und natürlich sind die «alten» Boris Collardi und Bernhard Hodler längst weg, ebenso wie Philipp Rickenbacher und Romeo Lacher. Collardis Mediensprecher betont, sein Klient habe nichts mit dem Ganzen zu tun.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Der Autor ist Redaktor und Inhaber des Portals Inside Paradeplatz, auf dem dieser Beitrag zuerst erschien.
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