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Transporte von Nutztieren sorgen oft für Stress und Leid. © Depositphotos

Ferkel leiden wegen Überproduktion

Daniela Gschweng /  Hunderte Schweizer Ferkel werden jede Woche nach Deutschland in einen Schlachthof transportiert. Tierschützer erstatten Anzeige.

Rund 900 Ferkel aus Schweizer Ställen werden seit Juni jede Woche zu einem Schlachthof bei Schwäbisch Hall in Baden-Wüttemberg gekarrt, wo sie geschlachtet werden. Grund dafür ist die Überproduktion im Land: Die Schweiz hat zu viel Schwein. Die Schweine, die in den Ställen stehen, können längst nicht alle verkauft werden. Einfach dort lassen können die Betriebe sie aber auch nicht, denn dann wird es zu voll. Das Fleisch tausender Schweine, die in der Schweiz geschlachtet wurden, wurde bereits eingefroren oder in Stücken und Hälften exportiert.

Das Problem der Schweinezüchter besteht seit fast einem Jahr. Vorgesehen wären für die zwei Monate alten Ferkel normalerweise noch sechs Monate Mast in Schweizer Ställen. Ihr Export ist eine rein wirtschaftliche Notfallmassnahme.

Die Fahrt nach Schwäbisch Hall dauert bis zu zehn Stunden. Zwei Stunden länger, als in der Schweiz erlaubt wäre. Eine grosse Belastung für die Tiere, schrieb unter anderem das «SRF», das zuerst berichtete. Ein Schlachter erklärte im Beitrag, es wäre möglich, die Tiere in der Schweiz zu schlachten.

Anzeige wegen Tierquälerei

Die Tierrechtsorganisationen Tier im Fokus (TIF) und Tier im Recht (TIR) haben deshalb Anzeige wegen Tierquälerei erstattet. Das meldete TIF am 10. September. Die Ferkel bezahlten mit Angst und Stress für die Fehler einer ganzen Branche, schrieb Tobias Sennhauser, Berner Stadtrat und Sprecher von TIF.

Die Zahl 900 ist eine Prognose. Sie stammt vom Schweinehalter-Verband Swissporcs, der Anfang Juni davon ausging, dass bis Ende November 22’600 Ferkel exportiert werden müssten. Tatsächlich seien «rund 5000 Ferkel in der Schweiz und 11’000 Ferkel im Ausland» geschlachtet worden, meldete der Fleischwirtschafts-Verband Proviande dann am 11. September. Die «verbliebenen Marktentlastungsmassnahmen würden per Ende September vorläufig eingestellt».

Falls sich diese Zahlen auf die Monate Juni bis einschliesslich August beziehen, wurden rund 850 Ferkel pro Woche nach Schwäbisch Hall gebracht, also etwas weniger als vorgesehen.

Die Würde des Tiers, die Transportvorschriften, das Gesetz

Ob die Anzeige gegen Swissporcs Erfolg hat, hängt davon ab, welche Gesetze berücksichtigt werden. Grundsätzlich ist es verboten, Tiere aus rein wirtschaftlichen Gründen zu quälen oder, im Amtsjargon, «tierschutzrelevanten Belastungen auszusetzen».

Ihre Würde muss gewahrt werden, ob sich ihr Leben wirtschaftlich lohnt oder nicht. Ferkel seien bereits bei der Zucht zahlreichen Belastungen ausgesetzt, sagt Sibel Konyo, rechtswissenschaftliche Mitarbeiterin bei TIR. Entfalle der Zweck der Lebensmittelproduktion, fehle bereits jede rechtliche Grundlage, diese Belastungen zu rechtfertigen.

Nach einem Bundesgerichtsentscheid aus dem Jahr 2024 rechtfertige ein rein betriebswirtschaftliches Interesse keine tierschutzrelevanten Belastungen, nimmt Yannik Haldenwanger auf «This is vegan» die Rechtslage im Einzelnen auseinander.

Nach Artikel 26 des Tierschutzgesetzes müsse mit Geld- oder Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren rechnen, wer die Würde eines Tiers missachtet. Ein reiner Verstoss gegen Transportvorschriften wird dagegen lediglich mit Bussen bis zu 20’000 Franken geahndet. Falls es einen Verstoss überhaupt gibt: Ein Tiertransport von mehr als insgesamt acht Stunden mit mehr als sechs Stunden reiner Fahrzeit ist in der Schweiz nicht erlaubt, in Deutschland schon.

Wellness-Lastwagen und «Schweizer Fleisch»

Artikel 26 des Tierschutzgesetzes verbiete das «unnötige Überanstrengen» von Tieren, Artikel 4 das «ungerechtfertigte Verursachen von Schmerzen». Davon könne gar nicht die Rede sein, finden die Verantwortlichen von Proviande und Swissporcs. Die Ferkel würden «in klimatisierten Speziallastwagen mit Lichtsteuerung und Wasserversorgung» transportiert. Der Transport sei von den Veterinärämtern bewilligt und werde überwacht. Die Schlachtung überschüssiger Schweine sei in der Schweiz nicht möglich gewesen, alles andere sei eine «Fehlinformation».

Ob es besonders imagefördernd ist, überschüssige Tiere ins Ausland zu bringen, wo weniger strenge Tierschutzstandards gelten, ist eine andere Frage. Proviande jedenfalls sieht keinen langfristigen Schaden an der Marke «Schweizer Fleisch».

Für die Produzenten ist die Aktion kein Grund zum Jubeln. Zu viele Schweine in den Ställen zu lassen, bedeutet Probleme mit dem Tierwohl an anderer Stelle. Auch der Preis blieb nicht stabil – ausser bei Bio-Fleisch, hat «This is vegan» recherchiert.

Das ursächliche Problem der andauernden Überproduktion von Tieren müsse endlich angegangen werden, sagt der Schweizer Tierschutz dazu. Jede Woche gebe es 5000 Schweine mehr, als nachgefragt würden. Mit dem Tierschutz sei das nur bedingt vereinbar.


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Keine
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