US-Konzerne verschieben Milliarden-Gewinne in Steuerparadiese
Eigentlich wollte die OECD nach langen Verhandlungen verhindern, dass Konzerne ihre Gewinne in Steueroasen platzieren können. Sie haben dort oft weder Produktionsstätten noch Angestellte.
Anfang 2024 hatten die meisten Länder die OECD-Konzernmindeststeuer von 15 Prozent auf den Gewinnen eingeführt. Die Konzerne sollten gezwungen werden, ihre Gewinne in den Ländern zu versteuern, in denen sie erwirtschaftet worden waren.
Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.
Doch gleich am Anfang seiner zweiten Amtszeit hat Präsident Donald Trump die Mindeststeuer abgelehnt und zusätzlich US-Unternehmen, von denen ihn viele im Wahlkampf unterstützt hatten, massive Steuerermässigungen gewährt.
Doch diese waren grossen Konzernen offensichtlich nicht grosszügig genug. Jedenfalls verschoben sie weiter Milliardengewinne in Steueroasen. Eine Analyse der «New York Times» zeigt, dass US-Konzerne im Jahr 2025 so mindestens 40 Milliarden Steuern vermieden haben.
Die bevorzugten Niedrigsteuerländer sind Malta, Bermuda, Singapur oder die Cayman-Inseln – oft existieren dort lediglich Briefkastenfirmen ohne Personal, Büros oder operative Tätigkeit. Auch zu Schweizer Tochtergesellschaften haben US-Konzerne Gewinne verschoben, die sie in den USA oder anderen Ländern erwirtschaftet hatten.
Ein lokales Beispiel ist die Fluggesellschaft Lufthansa, welche Gewinne mittels interner verzerrter Verrechnungspreise zur Schweizer Tochter Swiss verschiebt. Deren Gewinne seien «erfreulich» und «eindrücklich», hatte die SRF-Tagesschau kommentiert, ohne die ausgewiesenen Gewinne zu hinterfragen.
Die markantesten Beispiele einiger US-Konzerne:
| Konzern | Gewinne 2025 verschoben nach | Vermiedene Steuern in Millionen Dollar |
| American Express | Insel Jersey | 423 |
| PayPal | Singapur | 50% der Steuern* |
| Abbott Laboratories | Malta | 336 |
| Pepsi | Bermuda | 691 |
| Honeywell | Schweiz | 25% der Steuern* |
| Quelle: NYT | * keine genaueren Angaben |
Besonders auffällig ist Malta. Die Mittelmeerinsel hat sich laut «New York Times» zu einem der beliebtesten Ziele für Gewinnverlagerungen entwickelt. Der Pharmakonzern Abbott Laboratories deklarierte dort beispielsweise seine gesamten globalen Gewinne über eine Tochtergesellschaft – obwohl diese keine Angestellten beschäftigt. Der steuerliche Effekt: Einsparungen von rund 336 Millionen Dollar in einem Jahr.
Auch die europäischen Regierungen haben dabei geholfen: Die EU erlaubte Malta, die globale Mindeststeuer erst Anfang 2030 einzuführen – ein zusätzlicher Anreiz für Konzerne.
Fazit der «New York Times»: «Für Staaten bedeutet dies erhebliche Einnahmenverluste. Für die internationale Steuerpolitik stellt sich die Frage, ob globale Mindeststandards ohne die Beteiligung der USA überhaupt durchsetzbar sind.»
Was Konzernen erlaubt ist, ist normalen Beschäftigten verboten. Sie dürfen ihre Lohnausweise nicht bei einer Briefkastenfirma in Malta oder Jersey abgeben, um ihre Steuerlast zu optimieren.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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