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Europäische Bauern würden sich bedanken, wenn ihre Preise von Rohstoffbörsen abhängen würden © 2 Trust

Rohstoffe für Banken nicht mehr interessant

Markus Mugglin /  Seit die Preise für Rohstoffe nicht mehr spekulativ schwanken, ziehen sich Credit Suisse und andere Banken vom Geschäft zurück.

Des einen Freud ist des anderen Leid. Für einmal sind die Rollen anders verteilt als üblich. Den FAO-Generaldirektor freut es, dass auf den Agrarmärkten relative Ruhe herrscht. Die Credit Suisse hingegen leidet unter der «low volatility» und gibt den Handel mit Rohstoffen auf.
Er habe dieses Mal eine positivere Botschaft, äusserte sich neulich FAO-Generaldirektor Jose Graziano da Silva erfreut bei der Präsentation des Berichts über die Aussichten der globalen Landwirtschaft. Die Preise sinken weiter und sollen in zwei Jahren zurück sein auf dem Niveau vor 2008, also bevor die Agrarmärkte völlig aus dem Ruder liefen und in mehreren Dutzend Ländern zu Hungerrevolten geführt hatten.
Was dem FAO-Chef gefällt, missfällt der Credit Suisse. Sie beklagte diese Woche die geringe Profitabilität im Rohstoff-Business. Neue Regulierungen machten ihr zu schaffen, aber auch die «low volatility environment» speziell im Rohstoff-Bereich. Deshalb baut sie ihr Rohstoffbusiness ab.
Überraschend kommt der Rückzug nicht. Die CS macht nur, was vor ihr schon mehrere Grossbanken getan haben. Die Barclays, die Deutsche Bank, JPMorgan und Morgan Stanley. Sie alle beklagten das schlechte Geschäft mit den Rohstoffen und gaben es deshalb auf oder bauten es zumindest ab.
Je mehr Volatilität umso mehr Gewinn
Zwar haben die zehn grössten Banken in diesem Sektor auch letztes Jahr noch Gewinne erzielt. Doch längst nicht mehr so viel wie in den Krisenjahren 2008 und 2009. Als die Agrarpreise wie auf einer Achterbahn steil anstiegen und bald wieder abstürzten, haben die Banken noch dreimal so hohe Gewinne erzielt als 2013. Die Rohstoffmärkte waren so volatil wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr – offensichtlich ganz nach dem Geschmack der Finanzinvestoren.
Wegen des Rückzugs der Banken und anderer Finanzinvestoren gibt es jetzt rund ein Drittel weniger Kapital auf den Rohstoffmärkten. Da stellt sich die Frage, ob der Rückzug und die gleichzeitige Beruhigung der Märkte nur Zufall ist.
Eher nicht. Eine neue Studie der bei der UNO-Organisation für Handel und Entwicklung UNCTAD tätigen Experten David Bicchetti und Nicolas Maystre legt jedenfalls diesen Schluss nahe.
Weniger Kapital und ruhigere Märkte
Die beiden hatten in einer früheren Studie nachgewiesen, dass sich die Preise verschiedener Rohstoffe in den Krisenjahren praktisch im Gleichschritt mit den Preisen von Aktien entwickelt haben. Das sei jetzt nicht mehr so. Seit weniger spekulatives Kapital in die Rohstoffmärkte fliesst, bewegen sich die Aktien- und Rohstoffpreise wieder sehr verschieden. Das gilt insbesondere für Rohöl, aber auch für Agrarprodukte wie Mais, Zucker oder Weizen im Vergleich zu den Aktienpreisen.
Seit Mitte 2012 werde nicht mehr nach der Logik der «Finanzialisierung» der Märkte investiert, die angetrieben vom Glauben an einen lang anhaltenden «Rohstoff-Superzyklus» auf steigende Preise setzten und Preisausschläge auch verstärkten. Jetzt bilden sich die Rohstoffpreise wieder stärker auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage. Und da sieht es im Moment gut aus. Die Produktion von Weizen, Oelsaaten und Mais steigt und übertrifft die ebenfalls steigende Nachfrage. Die Reservelager sind gut gefüllt, stellt man bei der FAO zufrieden fest. Und deshalb dürften die Marktturbulenzen der letzten Jahre nicht so schnell zurückkehren.
Eine Garantie gibt es allerdings nicht. Wenn sich jetzt die Preise auf den verschiedenen Märkten wieder gegenläufig bewegen, so könnten die Rohstoffe erneut als Teil einer diversifizierten Anlagestrategie interessant werden, äusserten sich die UNCTAD-Forscher Bicchetti und Maystre besorgt gegenüber der «Financial Times» (16. 4. 2014). Es könnte dann wieder mehr Kapital ins Rohstoffgeschäft fliessen und neue Kursbewegungen provozieren.
Börsenprofis selbstkritisch
Auch wenn die spekulationskritischen Ergebnisse der UNCTAD-Experten in der Wissenschaft umstritten sind, die Praktiker scheinen ihnen nicht zu widersprechen. Das geht aus einer neuen Umfrage hervor, welche die Nichtregierungsorganisation «foodwatch» in Auftrag gab. 90 Prozent von 180 befragten Rohstoffhändlern, Brokern und Analysten haben freimütig eingeräumt, dass die Finanzspekulation die Preise an den Warenterminmärkten antreibe. Eine grosse Mehrheit meinte auch, die Börsenpreise beeinflussten die realen Preise der physischen Ware.
Immerhin spielt das im Moment keine grosse Rolle. Die Volatilität ist gering. Die Banken mögen es beklagen, die Produzierenden und Konsumierenden tun es bestimmt nicht.

Weiterführende Informationen


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Der Autor hat kürzlich im Auftrag von „Alliance Sud“ die Studie „Nahrungsmittelspekulation – (k)ein Problem?“ verfasst.

Zum Infosperber-Dossier:

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