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Der Brand auf der Ölplattform Deepwater Horizon am 21. April 2010. © Richard Sullivan/Wikimedia Commons

Deepwater-Horizon-Katastrophe schädigt die Umwelt bis heute

Daniela Gschweng /  Die Deepwater-Horizon-Ölpest ist über 16 Jahre her. Das betroffene Ökosystem im Golf von Mexiko ist von Erholung weit entfernt.

Zwischen 2011 und 2015 ging die Tierpopulation im Golf von Mexiko um 60 bis 85 Prozent zurück. Bis 2023 hat sie sich kaum erholt. Natürliche Schwankungen können diesen drastischen Rückgang kaum erklären, schreiben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Nova Southeastern University in Florida in einer in «PNAS» veröffentlichten Studie und drücken sich dabei betont vorsichtig aus.

Der Fischbestand sank um rund 64 Prozent, die Anzahl der Kopffüsser wie Kalamare um rund 60 Prozent, die Bestände von Krustentieren wie Shrimps und kleinen Krebsen (Krill) um 62 Prozent. Arten, die die Nahrungsgrundlage für grössere Tiere darstellen, sind besonders betroffen.

Die Katastrophe von Deepwater Horizon

Am 20. April 2010 geschah im Golf von Mexiko eine der bisher schlimmsten bekannten Umweltkatastrophen der USA. Artenschwund und Ölpest nicht miteinander in Verbindung zu bringen, bedarf schon einiger Gehirngymnastik. An der BP-Ölplattform Deepwater Horizon gab es eine Explosion und anschliessend einen sogenannten Blowout. Aus einem zunächst nicht verschliessbaren Bohrloch liefen während 87 Tagen rund 800 Millionen Liter Rohöl in den Golf von Mexiko, weil alle Sicherheitsvorkehrungen versagten. Elf Menschen starben, dazu Millionen Meerestiere wie Schildkröten, Delfine, Fische, Krebse und Vögel. Mehr als 2000 Kilometer Küste wurden mit Öl verschmutzt. Der anhaltende Populationsrückgang könne fast keine anderen Ursachen haben, schreiben die Forschenden.

BP setzte nach dem Unfall obendrein einen sogenannten Dispergator namens Corexit ein – eine Chemikalie, die Öl in feine Tröpfchen verteilt und es dadurch weniger sichtbar macht. Ein Gift für die Optik sozusagen – eines der grössten Probleme für BP nach dem Unfall waren die Bilder des riesigen Ölteppichs. Zum Wettlauf um die Bilder, die nach der Katastrophe um die Welt gingen, gibt es hier ein hörenswertes Audio des WDR.

Corexit ist giftig und kann das Nervensystem sowie Leber und Nieren schädigen. Nach der Katastrophe meldeten zahlreiche Helfende, die damit in Berührung kamen, Probleme mit Augen, Haut und Lunge. Giftig ist die Chemikalie natürlich auch für Tiere, von denen sie aufgenommen wird.

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Die Bestandsdichte verschiedener Tiergattungen (Fische, Makrokrustentiere sowie Kopffüsser) im Golf von Mexiko veränderte sich nach 2011 deutlich und hat sich bis 2023 nicht erholt.

Für ihre Arbeit verglich das Forschendenteam mehrere Zählungen, die mit unterschiedlichen Methoden erfassten, wie viele Tiere im Golf lebten, besonders in der Tiefsee. Die erste Serie stammt von 2011 – ein Dreivierteljahr nach der Ölkatastrophe.

Vor dieser Zeit sei die Region kaum untersucht worden, sagt der Studienleiter Tracey Sutton gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Es gebe jedoch ein Projekt, das während der 1980er- und 1990er-Jahre einen kleineren Bereich des Golfes untersucht habe, schreibt das Forschendenteam in seiner Aufstellung. Dessen umfangreiche Daten lägen weit näher an den Zahlen von 2011 als an denen späterer Jahre. Besonders betroffen sind Krill und Laternenfische. Das ist bemerkenswert, weil diese Arten eine Hauptnahrungsquelle für grössere Tiere wie Wale oder Vögel darstellen.

Genetische Vielfalt hat abgenommen

Laternenfische sind eine der häufigsten Fischarten im Golf von Mexiko. Untersuchungen zeigen, dass ihre genetische Vielfalt seit 2011 deutlich abgenommen hat. Als Folge eines Fischsterbens mit anschliessender Inzucht ist das erwartbar und teilweise ein Zeichen der Erholung – die Bestände vergrösserten sich danach wieder.

Das US-Justizministerium belegte das Petrolunternehmen BP mit 4,5 Milliarden US-Dollar Strafe – der höchsten bis dahin verhängten Strafe für ein Umweltverbrechen. Laut der amerikanischen Wetter- und Ozeanografiebehörde Noaa beliefen sich Zahlungen BPs aus allen Zivil- und strafrechtlichen Verfahren auf 21 Milliarden Dollar. BP selbst gab die Kosten 2016 mit 44 Milliarden Dollar an. Einige der aus einem von BP bestückten Fonds bezahlten Projekte zur Wiederherstellung und Erfassung des marinen Lebens im Golf von Mexiko laufen noch heute.

Ob sich der Artenreichtum der Jahre vor 2011 je wieder einstellt, ist unklar. Auch unter normalen Umständen brauchen einige Arten viele Jahrzehnte, um sich von einer Katastrophe wie Deepwater Horizon zu erholen. Die beschädigten Tiefseekorallen könnten dazu hunderte Jahre benötigen. Und das Gift ist nicht weg.

Nicht vollständig zumindest. Von den 800 Millionen Litern ausgelaufenen Öls sind schätzungsweise 2 bis 16 Prozent dauerhaft auf den Meeresboden gesunken. Dazu kommen verbliebene Verschmutzungen an den Küsten von Louisiana, Mississippi, Alabama, Florida und Texas. Meeressäuger, Fische und Schildkröten hatten noch Jahre später fehlgebildete Lungen, Lebererkrankungen und andere Organschäden. Ölrückstände sind in die Nahrungskette gewandert und belasten die Natur bis heute, die Schadstoffkonzentration im Fleisch von Fischen und Tintenfischen ist noch immer erhöht.


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