Reaktion Teheran 8 April

Irans Staatsfernsehen informiert am 8. April, als ob die USA Irans Forderungen akzeptiert hätten. © Iranian State TV

Nahezu aussichtslose Verhandlungen zwischen den USA und Iran

Urs P. Gasche /  Der «10-Punkte-Plan» Irans und der «15-Punkte-Plan» der USA liegen meilenweit auseinander. Das zeigt ein Vergleich.

Irans vorgeschlagener«10-Punkte-Plan» kann nicht der Grund gewesen sein, dass Präsident Trump in die zweiwöchige Waffenruhe einwilligte. Denn Irans Forderungen widersprechen den Vorstellungen der USA diametral. 

Trotz Trumps völkerrechtswidriger Rhetorik, es würde eine «ganze Zivilisation sterben» und er werde «den Iran zurück in die Steinzeit bomben», verlangt der iranische «10-Punkte-Plan» lauter Zugeständnisse der USA. 

Doch offensichtlich hält Trump das Risiko für zu gross, dass eine Ausweitung des Krieges seine politische Zukunft gefährden würde. 

Als Trump die Waffenruhe verkündete, bezeichnete er Irans «10-Punkte-Plan» zwar als eine «brauchbare Verhandlungsgrundlage». Doch das kann aus seiner Sicht nicht stimmen: 

  • Schiffe, die vor dem Krieg auf der Strasse von Hormus freie Durchfahrt hatten, sollen künftig von Iran kontrolliert werden und eine Gebühr zahlen müssen.
  • Iran soll für seine Kernkraftwerke weiter Uran anreichern dürfen.
  • Die USA, die Uno und die IAEA sollen alle Sanktionen gegen Iran aufheben.
  • Die USA sollen alle Kampftruppen aus der Region abziehen.

Es handelt sich um die gleichen Forderungen, die Iran schon erhoben hatte, bevor die USA und Israel in Iran 13’000 Ziele bombardierten. Jetzt kommt als weitere Forderung Irans noch die Hoheit über die Strasse von Hormus dazu.

Zwei unvereinbare Verhandlungsgrundlagen

Der «10-Punkte-Plan», den Iran am 6. April via Pakistan der US-Regierung als Verhandlungsgrundlage übermittelte, war die Antwort auf den «15-Punkte-Plan», den die USA am 24. März Iran zukommen liessen. 

Der genaue Wortlaut der beiden Listen mit den jeweiligen Maximalforderungen ist offiziell nicht veröffentlicht. Doch er ist aus verschiedenen Quellen in Iran, Pakistan, den USA und China weitgehend bekannt. Im Folgenden seien die wichtigsten Unterschiede dokumentiert:

   
 «15-Punkte-Plan» der USA«10-Punkte-Plan» Irans
AtomprogrammAbbau der zentralen Anlagen. Keine Anreicherung mehr. Abgabe der Bestände.Recht auf Anreicherung für zivile Zwecke.
Raketen & DrohnenKeine Raketen mit mittlerer und grosser Reichweite.Keine Selbstbeschränkung
Strasse von HormusWiedereröffnung und freie Passage als Vorbedingung.Anerkennung iranischer Kontrolle/Souveränität und Regelung des Durchgangs auch mit Gebühren.
Regionale US-PräsenzUS‑Präsenz bleibt.Abzug der US‑Truppen aus der Region.
Sanktionen/
Entschädigung
Schrittweise Lockerung/Aufhebung bei Einhaltung.Vollständige Aufhebung plus Reparationen für Kriegsschäden.
   

Der «10-Punkte-Plan»

Medien berichten immer wieder über den «10-Punkte-Plan» Irans, den Präsident Trump als Verhandlungsgrundlage für «brauchbar» erklärte, wenn auch verbesserungsbedürftig. Im Folgenden seien alle zehn Punkte – wie sie bisher bekannt wurden – dokumentiert:

  1. Die USA garantieren, Iran nicht erneut militärisch anzugreifen.
  2. Die USA anerkennen die iranischen Kontrolle über die Strasse von Hormus.
  3. Die USA anerkennen das iranische Recht auf Urananreicherung für zivile Zwecke.
  4. Die USA heben alle primären Sanktionen gegen Iran auf. (Es geht um das Verbot von US-Bürgern, US-Unternehmen und Banken, mit Iran Geschäfte zu machen.)
  5. Die USA heben alle sekundären Sanktionen auf. (Alle ausländischen Unternehmen, Banken und Personen, die mit Iran geschäften, werden vom US-Markt und vom Dollarsystem ausgeschlossen.)
  6. Beendigung sämtlicher Resolutionen des UN‑Sicherheitsrats gegen Iran.
  7. Beendigung der Resolutionen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA gegen Iran.
  8. Zahlung von Entschädigungen für im Krieg erlittene Schäden Irans.
  9. Die USA ziehen ihre Kampftruppen aus der Region ab.
  10. Ende der Kriegshandlungen auf allen Fronten, einschliesslich der Angriffe gegen Hisbollah im Libanon.

Nach der zweiwöchigen Waffenruhe

Diese Ausgangslage für Verhandlungen lag schon vor, bevor die USA und Israel gegen Iran Krieg führten. Es ist praktisch ausgeschlossen, dass es in Pakistans Hauptstadt Islamabad innerhalb von zwei Wochen zu einer Verhandlungslösung kommt.

Reinhard Schulze, emeritierter Professor für Islamwissenschaft, schätzt die Aussichten auf «Journal21» wie folgt ein:

«Zwei Wochen sind sehr wenig, um Jahrzehnte der Feindschaft zu überbrücken. Wahrscheinlicher ist, dass Islamabad nicht das Ende markiert, sondern den Beginn eines langen, indirekten und mühsamen Prozesses: über Geheimkanäle, mit langen Übergangsfristen und gegenseitigen Teilzugeständnissen. Weit entfernt vom grossen Schlussakt, aber möglicherweise nah genug an einem tragfähigen Ergebnis. Die Waffenruhe hat die Waffen zum Schweigen gebracht. Ob sie auch die Logik des Krieges durchbricht, wird sich erst Monate nach den Verhandlungen in Islamabad entscheiden.»


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8 Meinungen

  • am 10.04.2026 um 11:50 Uhr
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    Danke fũr den hilfreichen Vergleich der Verhandlungspunkte un deren Analyse.

    Israel ist – Regierung und Opposition gleichermaßen – empört über das Cease fire und machte mit dem furchtbaren Massaker auf eine Trauer-Gemeinde, Wohnblöcke, ein Einkaufszentrum mit Hunderten von Toten sofort klar, dass es beim Cease fire Libanon nicht einbezieht, wie Iran es fordert, und auch sonst alles tun wird, um einen Frieden zwischen USA und Iran zu sabotieren. Dieser bedeutete, Iran wūrde nicht mehr gemäß den jahrzehntelangen Träumen Netanhahus und inzwischen praktisch der gesamten weißen, jüdischen israelischen Gesellschaft von den USA zerstört, annihiliert werden.

    Israel will explizit die permanente Expansion (“Greater Israel”) und die Hegemonie über Westasien. Der Iran und alle Résistance-Gruppen wie Hizbollah und Hamas, die sich gegen das völkerrechtswidrige, Ethnic Cleansing und Genozid gebildet haben und sich mit aller Kraft dagegen wehren, sind da im Weg. Israel will keinen Frieden.

    • am 11.04.2026 um 10:58 Uhr
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      Es sind der Worte viele über Israels Verhalten gewechselt worden – ohne daß sich etwas zum Besseren gewandelt hätte. Im Gegenteil.Man sollte die Perspektive von militärisch-politisch wechseln auf die strafrechtliche Zielsetzung hinsichtlich der Täter. Vom Mittelalter mit der Todesstrafe ging der Weg über Zuchthaus, Gefängnis,Umerziehung zur heutigen Zielsetzung , nämlich der Resozialisierung der Täter. Daher die entscheidende Frage : Wie können die israelischen Täter RESOZIALISIERT werden , damit sie wieder verläßliche Mitglieder der Völkergemeinschaft werden.Denn nur so kann es überhaupt eine Chance für Frieden in Nahost geben. Antworten werden gesucht!

      • am 12.04.2026 um 12:57 Uhr
        Permalink

        Gunther Bosse, Braunschweig am 11.04.2026 um 10:58
        DW Matthias von Hein 19.03.2023: Irak-Krieg: Nach der Lüge folgte der Völkerrechtsbruch..Die Gesamtzahl der Todesopfer des Irakkriegs liegt je nach Schätzung zwischen 200.000 und einer Million Menschen; ..».

        Sie schreiben: «…wie können die israelischen Täter RESOZIALISIERT..» Sie werden sich wohl alle Mitglieder der Regierung Nethanjahu beziehen, wie die «Resozialisiert» werden könnten, weil die den Befehl für Einmarsch in den Gaza-Streifen gaben. Die Ursache des heutigen Nahost-Desasters ist wohl die «Bush-Irak-Lüge». Das könnte wohl heissen, wenn man Ihre Aussagen richtig versanden hat: auch auch George W. Bush und sein Team müssen thearpiert werden – nicht mehr zu lügen. Könnte wohl auch möglicherweise für Mr. Trump gelten.

  • am 10.04.2026 um 12:54 Uhr
    Permalink

    Zur Aussage im Artikel: «..Trotz Trumps völkerrechtswidriger Rhetorik, es würde eine «ganze Zivilisation sterben»..» Eine Antwort: Mr. Trump wird wohl realisiert haben, dass er seine Droh-Tiraden gegen das Mullah-Regime militärisch nicht umsetzen kann, weil möglicherweise seine Berater ihm klar machten, das wird eine Kettenreaktion auslösen wird, so wie 1914, als der österreichisch-ungarischer Thronfolger in Sarajewo ermordet wurde. Darum wohl der überraschende Waffenstillstand mit den Mullahs. Es wird endlose Verhandlungen geben der Iran-Krieg-Konflikt wird zum Nebenschauplatz in der US-Innenpolitik, weil keine US-Soldaten werden geopfert werden müssen. Und das den US-Wähler als grössten historischen Sieg der Weltgeschichte aufschwatzen könnte, damit er die Zwischenwahlen im Herbst gewinnt und die Hoffnung haben könnte eine Zwangsamtsenthebung wäre nicht mehr möglich. Und er kann prahlen, die US-Wirtschaft hat den Hormuz-Profit und die EU versinkt.
    Gunther Kropp, Basel

  • am 10.04.2026 um 20:45 Uhr
    Permalink

    Ich empfehle das Studium des Kriegsverlaufs und der Verhandlungen im Vietnam-Krieg um das gegenwärtige Geschehen besser zu verstehen: die USA gingen damals von einem schnellen Sieg über Nordvietnam aus. Nach anhaltenden Mißerfolgen gingen sie unbelehrbar weiter davon aus; mehr vom Gleichen sollte den Sieg bringen. Das Resultat war ein entfesselter Bombenkrieg, eine Zerstörung jeglicher Infrastruktur, der bekannte Einsatz von Pflanzenchemikalien, Folter, das Massakrieren von harmlosen Dörflern, die in der dem US-Präsidenten präsentierten Statistik als getötete feindliche Soldaten ausgegeben wurden. Schließlich wurden sogar Laos und Kambodscha mit großen Zerstörungen in den Krieg gezogen. Nordvietnam baute trotz horrender Verluste eine effektive Luftverteidigung und eine schlagkräftige Armee auf, obwohl von UdSSR und VR China eher zurückhaltend unterstützt. Im Hintergrund wurde jahrelang ergebnislos verhandelt.

  • am 11.04.2026 um 06:38 Uhr
    Permalink

    Bitte hören Sie auf, despektierliche, rassistische, suprematistische Begriffe wie “Mullahs” oder “Mullah-Regime” zu benutzen, wenn Sie die iranische islamische Republik meinen. Aufgrund solcher Rhetorik wurde dieses Land jahrzehntelang diskreditiert, nachdem es es sich mit religiösem Backlash gegen die vom Westen eingesetzte
    Shah-Herrschaft inkl. brutalster Geheimpolizei gewehrt hat, die den gestürzten, demokratisch gewählten, säkularen Präsidenten Mossadecq gestũrzt hat, der das iranische Öl nicht dem Westen verscherbeln wollte. Solche Rhetorik missachtet, dass das iranische Volk in großer Mehrheit hinter der Regierung steht, wie es die millionenstarken Demonstrationen zeigen und die Massen von Leuten, die nach Trumps Steinzeit-Drohungen essenzielle Infrastrukturen wie Brücken und Energie-Anlagen mit ihrem eigenen Körper schǔtzten.
    Wer sind wir, die nicht mal gegen Israels Genozid einstehen dǔrfen, ohne mind. gebrandmarkt zu werden, die Regierungen anderer Staaten zu beleidigen?

    • am 12.04.2026 um 10:24 Uhr
      Permalink

      @Denise Ellenberger, Basel am 11.04.2026 um 06:38
      taz Ali Sadrzadeh 6.3.2026 7:03 : «Opposition in IranAlle wollen Freiheit …Das Wort Opposition ist manchmal irreführend. Die überwiegende Mehrheit, manche sagen bis zu 80 Prozent, der Iraner lehnt zwar jene Islamische Republik ab, die der getötete Oberste Führer Ali Chamenei repräsentierte. Doch es ist ein sehr mühsamer Weg, aus dieser Gegnerschaft eine ernsthafte Opposition zu gestalten.»

      Möglich, dass es noch Zeitgenossinnen und Zeitgenossen geben könnte, denen nicht bekannt sein könnte, dass es im Iran eine starke Oppostion gibt, weil wohl die meisten Iraner in Freiheit leben möchen.

  • am 11.04.2026 um 09:32 Uhr
    Permalink

    Trump bezeichnete den iranischen Plan nur in einem ersten Tweet als brauchbare Grundlage. Später sagte er, der Plan sei völlig unbrauchbar und anderslautende Berichte seien Fake News…

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