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«Wir sind noch nicht am Ziel» © Patrick Chappatte in «International Herald Tribune»

Gefährliches Ankurbeln der Wirtschaft

Red. /  Die US-Zentralbank bläht die Geldmenge noch mehr auf – ein fast verzweifelter Versuch, die Wirtschaft anzukurbeln.

upg. Um die Zinsen nahe bei null Prozent zu lassen, kauft die US-Zentralbank Federal Reserve FED für weitere Milliarden US-Staatsanleihen und Hypothekenpapiere auf. «Lockere Geldpolitik» nennt man das. «Locker» ist jedoch eher der Umgang mit dem steigenden Risiko einer gigantischen Finanzblase, welche nicht mehr ohne grosse Wirtschaftskrise bewältigt werden kann.
Die «NZZ» titelt ihren Kommentar zu FED-Chef Bernankes Politik in ihrer zurückhaltenden Art: «Leichtes Geld und tiefe Zinsen für eine ungewissen Zukunft».
Seit das FED versucht, die Wirtschaft mit einer Geldschwemme zum Wachstum zu bringen und Arbeitsplätze zu schaffen, hat es bereits Billionen von Dollars per Computer-Klick aus dem Nichts geschaffen und die Geldmenge ins fast Unermessliche aufgebläht. Doch diese Finanzpolitik hat – trotz Inkaufnahme grosser Risiken – ihre Ziele nicht erreicht. Wie eine Trotzreaktion pumpt das FED die Geldblase einfach noch mehr auf, in der Hoffnung, Arbeitsplätze zu schaffen.
Das Problem: Diesen Billionen geschaffener Dollars stehen keine realen Werte gegenüber. Der Tag wird kommen, an dem die Leute das Vertrauen verlieren, dass sie für Dollars reale Gegenwerte zu heutigen Preisen kaufen können. Wer Monopoly gespielt hat weiss, dass die Ausgabe von Geld den Wert des vorhandenen Geldes mindert.
Die Versuche der USA, aber auch der europäischen Zentralbank, mit einer Wachstumspolitik des letzten Jahrhunderts Arbeitsplätze zu schaffen, sind bisher kläglich gescheitert. Trotz Zinsen von fast null Prozent investiert die Wirtschaft zu wenig. Vielmehr werden die Milliarden an der Börse verzockt, deren Kurse losgelöst von wirtschaftlichen Realitäten in Schwindel erregende Höhen schnellen.
Die «Märkte», also Spekulanten, können heute Billiggeld zum Kauf von Wertpapieren und Immobilien einsetzen, auch wenn diese noch so risikoreich sind. Die Höhe des Zinses hängt schon lange nicht mehr von den eingegangenen Risiken ab. Die viel gepriesenen Markt-Mechanismen sind ausser Kraft – doch niemand scheint es zu stören.
Die Verlierer sind schon heute die «Normalos», deren «sicher» angelegtes Erspartes sogar an Wert verliert, weil die Inflation in vielen Ländern grösser ist als die Verzinsung. Und wenn dann der Tag kommt, an dem den Spekulanten das Jubeln im Halse stecken bleibt, geraten wiederum zuerst diejenigen in existenzielle Probleme, die von der heutigen Geldschwemme nicht profitieren können.
Der nächste grosse Stolperstein für das «leichte Geld» wird die nächste sogenannte «Fiskalklippe» in den USA sein. Können sich ab Oktober die Republikaner und Demokraten in den USA wiederum nicht, bzw. erst in letzter Minute auf ein Budget einigen, kann die Gefahr eines teilweisen Staatsbankrotts das noch vorhandene, fast blinde Vertrauen zerstören.

Siehe


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keine

Zum Infosperber-Dossier:

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Die Euro- und Währungskrise

Noch mehr Geldspritzen und Schulden bringen die Wirtschaft nicht mehr zum Wachsen. Sie führen zum Kollaps.

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Eine Meinung zu

  • am 21.09.2013 um 13:38 Uhr
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    Schettino der II. , Ben Bernanke wird beim Fed bald über Bord gehen, wie Schettino der I. vorzeitig und ohne triftigen Grund. Es ist davon auszugehen, dass die Zuschauer ihm den gleichen Applaus wie Schettino dem Ersten spenden werden… E.s ist davon auszugehen, dass die Reparatur des weitweiten Finanzsystems ebenso unvergleichlich viel teurer ausfallen wird als deren Gestehungskosten, genau gleich wie die Erstellungskosten im Vergleich zu den Bergungskosten der «Costa Concordia"!

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