Ben Gvir Netanyahu Bezalel Smotrich.Flash90

Vorsitzender der Partei Otzma Yehudit und Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir (links): 2007 wegen rassistischer Aufhetzung und Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verurteilt. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Finanzminister Bezalel Smotrich (rechts) vom «Religiösen Zionismus», der sich selbst als «stolzen Schwulenhasser» bezeichnete. © Flash90

Bestätigt: Netanyahu missbrauchte die Hamas für seine Strategie

Urs P. Gasche /  Israels Regierungschef erlaubte Katar, die Hamas finanziell zu stärken. Denn mit der Terroristen-Hamas musste er nicht verhandeln.

Im letzten Oktober sprach es Michel Lüders deutlich aus. Der deutsche Politik- und Islamwissenschaftler und langjährige Nahostkorrespondent der «ZEIT» erklärte:

 «In seiner langen Regierungszeit hat Netanjahu die Hamas in Gaza gerne toleriert. Denn diese Terrororganisation war für ihn eine Garantie, dass es nie einen unabhängigen palästinensischen Staat geben wird.»

Die «New York Times» hatte am 17. Dezember 2023 enthüllt, dass sowohl die Regierung Israels als auch diejenige der USA seit 2018 wussten, in welchen Vermögenswerten die Hamas Hunderte Millionen Dollar angelegt hatte. Trotzdem haben weder Israel noch die USA diese Firmen und Vermögen der Hamas mit Sanktionen belegt.

Die Strategie Netanyahus war alles andere als ein Geheimnis. Im März 2019 hatte Netanyahu auf einer Sitzung seiner Mitte-Rechts-Partei Likud zu seinen Likud-Kollegen gesagt: 

«Wer die Gründung eines palästinensischen Staates vereiteln will, muss die Hamas und den Transfer von Geld an die Hamas unterstützen […] Das ist Teil unserer Strategie, um die Palästinenser in Gaza von den Palästinensern im Westjordanland zu isolieren.»

Im gleichen Jahr 2019 sorgte die israelische Zeitung «Haaretz» für Schlagzeilen: 

«Mit Israels Einverständnis unterstützte Katar den Gazastreifen seit 2012 mit 1 Milliarde Dollar.»

Haaretz Zitat
Titel in «Haaretz»

Netanyahu wollte keinen Partner für einen Frieden

Infosperber hat bisher zweimal darüber informiert: Im Oktober 2023 mit dem Titel «Netanyahu hat die Hamas für seine Strategie missbraucht» und am 20. Dezember 2023 mit dem Titel «Netanyahu liess die Hamas-Terroristen absichtlich gewähren». Das jährliche Budget der Hamas von rund 2,5 Milliarden Dollar stammt von der Autonomiebehörde, von Steuern sowie aus Iran und Katar. Die Zahlungen aus Katar flossen nicht über dubiose Kanäle, sondern offiziell über Israel.

Am 2. März 2024 haben gleich fünf AutorInnen der Süddeutschen Zeitung in der Zeitung «Der Bund» auf zwei Seiten darüber informiert, «wie die Hamas Milliarden scheffelte». Sie bestätigten den Tatbestand: Laut Basem Naim, Mitglied des Hamas-Politbüros, wussten die Israelis über die Zahlungen aus Katar alles. Katar habe Israel sogar die Liste mit den Namen der Geldempfänger gegeben und die israelische Regierung habe ihr Veto einlegen können, falls ihr jemand nicht passte. Und weiter:

«Netanyahu glaubte, es sich bequem einrichten zu können. Seine Position: Es gibt bei den Palästinensern einfach keinen Partner für den Frieden. In der Öffentlichkeit schworen die Hamas und Netanyahu ihren Hass aufeinander. Im Stillen förderten sie einander lange. Genau so sei es gewesen, sagt der Katarer [Basem Naim] im Sheraton-Hotel. Bis zum 7. Oktober.

Sah niemand kommen, was in Gaza heranwuchs? Wieso unternahm niemand etwas gegen die Finanzströme? Sucht man Antworten darauf, stösst man auf Udi Levi. Einen Israeli, dem man sogar beim Videogespräch anmerkt, wie wütend er ist. Levi war mal der Mann, der im Auftrag des israelischen Staates die Geldquellen der Hamas trockenlegen sollte […] Netanyahus Entschluss, bewusst Geld an die Hamas fliessen zu lassen, nennt er ‹die schlechteste politische Entscheidung in der israelischen Geschichte› […] Auch der Mossad habe die Hamas am Ende finanziell mehr oder weniger machen lassen. So habe sich die Hamas zu einem Monster entwickelt. ‹Wir haben es zugelassen›, sagt Udi Levy.»


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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4 Meinungen

  • am 6.03.2024 um 11:51 Uhr
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    Trotz dieser Erkenntnisr ärgert sich Biden ohne ein Machtwort Kraft seines Amtes zu sprechen. Die westlichen Politiker ergehen sich in Terrorrethorik und -Angst. Und unsere Medien verstreuen das Soma der Judenfeinlichkeit, um den Genocid zu verdrängen. Warum sind die Friedesnkräfte so schwach? Wieso gibt es keine Netzwerke für den Frieden, die etwas bewegen können?

    • am 7.03.2024 um 13:31 Uhr
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      an Peter M Haller,
      es gibt solche Netzwerke schon:
      – Die irische und spanische Regierung fragen die Komissionschefin von der Leyen, ob die Grundlagen für das Assoziierungsabkommen Israel-EU noch bestehen.
      – Der IGH trifft Anordnungen für Israel, die einen möglichen Genozid verhindern sollen.
      – Auf der Berlinale wird praktisch geschlossen Front gegen die Haltung der israelischen Regierung gemacht. Man ahnt den Unterschied zwischen freier und staatlich bestellter Kunst.

      Allerdings kommt das alles sehr spät. Es wäre besser gewesen, wenn man Netanyahu früher klargemacht hätte, dass seine Politik gegenüber den Palästinensern in die Katastrophe führt.
      Wenn man schon ein Terrornest quasi zulässt, duldet bzw. fördert, dann darf man es nicht zu einem Massenmord wie am 7. Oktober kommen lassen. Hierfür trägt neben der Hamas auch Netanyahu persönlich die Verantwortung. Das ist grob fahrlässig.

  • am 6.03.2024 um 15:49 Uhr
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    Es ist bemerkenswert, wie eine perfide Strategie ganz offen und wiederholt ausgesprochen werden kann, sodass relevante Regierungsstellen und Presseorgange informiert sind, ohne dass sich in der demokratischen und rechtsstaatlichen Welt ordnende Kräfte dagegen massiv und effektiv wehren, also in den USA, in der EU oder in Deutschland.

    Das sagt doch einiges über unsere freiheitlich demokratische westliche Welt aus. Wir sehen hier, wie Macht Ohnmacht erzeugt. Unter dem permanenten Eindruck bzw. Erleben von Ohnmacht entsteht Radikalismus und Extremismus. Weimar kann sich wiederholen.

  • am 6.03.2024 um 16:04 Uhr
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    Es freut mich dass Infosperber hier den Michael Lüders erwähnt. Herr Lüders ist wohl die
    kompetenteste Ansprechperson wenn es um Zusammenhänge im Nahen Osten und in anderen Krisenregionen der Welt geht.
    Kein Wunder wird ist er in keiner deutschsprachigen Talkshow mehr eingeladen. Er wäre wohl ein Top Diplomat, eine Spezies von Politikern die es heute nicht mehr zu geben scheint.

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