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Protest gegen den Stellenabbau bei Tamedia. © SRF

Wozu Journalisten? Es gibt ja Konserven!

Marco Diener /  Tamedia entlässt schon wieder Journalisten. Es braucht sie nicht mehr. Denn die Zeitungen drucken alte Artikel.

Am Dienstag veröffentlichte der «Tages-Anzeiger» – wie viele andere Zeitungen aus dem Tamedia-Verlag auch – einen Artikel mit dem Titel: «Manchmal hängen wir zu lange an Beziehungen, die nicht mehr funktionieren».

Am 15. April 2025 hatte der «Tages-Anzeiger» einen Artikel mit dem Titel «Manchmal hängen wir zu lange an Beziehungen, die nicht mehr funktionieren» veröffentlicht.

Finden Sie, lieber Leser, liebe Leserin, einen Unterschied? Nein? Dann liegen Sie richtig. Der «Tages-Anzeiger» hat den Artikel nach anderthalb Jahren nochmals abgedruckt. Das steht in einer Fussnote: «Dieses Interview ist erstmals im April 2025 erschienen. Im Oktober 2026 wurde es aktualisiert und erneut publiziert.»

Finde die Unterschiede!

«Aktualisiert» ist allerdings etwas hochgegriffen. Denn die Unterschiede zwischen den beiden Artikeln sind minimal:

  • 2025 begann ein Satz mit dem Hauptsatz und endete mit dem Nebensatz. 2026 war es umgekehrt: Nebensatz vor Hauptsatz.
  • Aus «kürzlich» wurde neu «2025».
  • Ein Satz ist umgestellt – ohne inhaltliche Änderung.
  • Und an einer Stelle ist der bestimmte Artikel «die» eingefügt.

Damit hat es sich. Von einer Aktualisierung fehlt also jede Spur.

Ausser vielleicht beim Porträt der interviewten Psychologin Janina Bühler: Vor anderthalb Jahren war sie Assistenzprofessorin in Mainz. Nun ist sie Professorin in Freiburg im Breisgau.

Gängige Praxis

Schon letzte Woche hatte Infosperber über Wiederholungen in den Tamedia-Zeitungen berichtet. Ganz offensichtlich ist das jetzt das Geschäftsmodell von Tamedia: mit minimalem Aufwand das Maximum aus dem Abomarkt herausholen.

Das steht allerdings ein bisschen im Widerspruch zu dem, was der Verlag auf seiner Website verspricht: «Tamedia verbindet Qualität mit Innovation, um zu begeistern. Als Teil der TX-Group gestaltet Tamedia die Zukunft der Medien.»

Nun: Besonders innovativ sind alte Artikel nicht. Und ob so «die Zukunft der Medien» aussieht?

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Finde die Unterschiede! Für eine höhere Auflösung hier klicken.

Infosperber aktualisiert wirklich

Hin und wieder veröffentlicht auch Infosperber einen Artikel ein zweites Mal. Aber nicht als plumpe Wiederholungen. Sondern unter bestimmten Bedingungen und Voraussetzungen:

  • Es braucht einen aktuellen Anlass. Artikel ohne Bezug zur Aktualität werden nicht erneut veröffentlicht.
  • Die Artikel werden tatsächlich aktualisiert, nicht bloss retouchiert.
  • Der Hinweis, dass es sich um einen aktualisierten Text handelt, steht am Anfang, nicht am Schluss. – So werden die Leser schon vor dem Lesen darauf aufmerksam, nicht erst nach dem Lesen.

Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Zum Infosperber-Dossier:

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Kritik von Zeitungsartikeln

Printmedien üben sich kaum mehr in gegenseitiger Blattkritik. Infosperber holt dies ab und zu nach.

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