McAndrew

So präsentiert sich John McAndrew, der Informationschef von GB News, auf Twitter. © pd

Hass-Bekämpfer mobilisieren gegen britischen TV-Start

Rainer Stadler /  Am Sonntag geht in Grossbritannien ein neues Informations-TV auf Sendung. Kritiker fürchten sich vor einem rechtslastigen Kanal.

Sie kämpfen gegen Medien, denen sie vorwerfen, hasserfüllte Propaganda zu verbreiten. Im Visier haben sie insbesondere migrations- und ausländerkritische bzw. -feindliche Organe. Aufgewühlt durch Artikel in den britischen Zeitungen «Daily Mail», «Sun» und «Daily Express», nahmen sie 2016 ihre Tätigkeit auf. Ähnliche Initiativen starteten damals auch in Deutschland und den USA, wo nicht zuletzt «Breitbart News» und der damalige Trump-Supporter Steven Bannon Anstoss erregten.

«Stop Funding Hate» nennen sich die britischen Aktivisten, die Werbeauftraggeber dazu anhalten wollen, keine kommerziellen Botschaften auf missliebigen Kanälen zu platzieren. Ihr Motto auf Twitter lautet: «Don’t hate the media – change the media» – sittenkonformer Journalismus soll entstehen, indem bösartigen Abweichlern die finanzielle Grundlage entzogen wird.

Rupert Murdoch zieht sich zurück

Nun agitiert die Organisation seit einiger Zeit gegen ein Medium, das noch gar nicht auf Sendung ist. Es geht um den Informationssender GB News, der diesen Sonntag den Betrieb aufnehmen will. Verschiedene Medienbeobachter äusserten bereits im Vorfeld des Starts ihre Sorgen, dass nun in Grossbritannien ein Sender die Praktiken des populistischen, rechtslastigen US-Kanals Fox News kopieren könnte. In diesem Segment hatte auch der Fox-Besitzer Rupert Murdoch eine Marktlücke erkannt. Er bereitete ein entsprechendes Projekt für Grossbritannien vor. Doch er hat es inzwischen fallengelassen. Die Marktperspektiven erachtete er letztlich als zu ungünstig.

Die Initianten von GB News schätzen die Lage offensichtlich positiver ein. Sie wollen einen Fernsehsender errichten, der die Ereignisse personenorientiert, im Stil von Talkshows, reflektiert und kommentiert. Die Shows sollen so gestaltet sein, dass sie einen Ereignischarakter haben und damit vor allem live angeschaut werden. Im Gegensatz zu den führenden Sendern BBC und Sky News ist nicht vorgesehen, den Aktualitäten hinterher zu rennen. Sogenannte Breaking News gibt es also nicht. Dafür hätte GB News gar nicht die Kapazitäten.

«Platz für alle Stimmen»

Eine formale Ähnlichkeit zu Fox-News-Angeboten ist also erkennbar, doch die Befürchtungen der Kritiker kann der Informationschef von GB News, John McAndrew, nicht nachvollziehen. Das Meinungsspektrum der Belegschaft sei breit, sagte er am Donnerstag dem Branchenorgan «PressGazette». Alle Stimmen seien willkommen. Die Aktion von «Stop Funding Hate» bezeichnet er, der früher für die BBC, Sky News und NBC gearbeitet hat, als lächerlich. Gewiss gebe es Themen, bei denen man genauer hinschauen müsse. Wenn sein Sender sich deswegen ab und zu unbequem verhalte, sei das für ihn in Ordnung. Aber ein entzweiender, lärmiger Journalismus sei 180 Grad von dem entfernt, was man anstrebe. Das britische Rundfunkgesetz verpflichtet die Veranstalter ohnehin zu einer gewissen publizistischen Ausgeglichenheit, nicht im einzelnen Angebot, aber mit Blick aufs Gesamtpaket.

Eine rechte Färbung dürfte GB News allerdings haben. Den Vorsitz des Senders übernimmt Andrew Neil, der in Grossbritannien zu den konservativen Stimmen zählt. Er arbeitete früher für die BBC, den «Economist», die «Sunday Times» und die «Daily Mail». An der Gründung von Sky News war er massgeblich beteiligt. Neil sagte der «Financial Times» dieser Tage, dass der neue Kanal durchaus eine gewisse Gegenstimme zu den vorherrschenden Meinungen in den Medien sein werde. Er selber wird unter anderem eine Sendung moderieren, die «Wokewatch» und «Mediawatch» zum Thema macht – also Kritik am mediatisierten Zeitgeist.

Im Weiteren zählt zu den Investoren von GB News Sir Paul Marshall, ein bekannter Hedge-Fund-Manager, der sich an der Brexit-Kampagne beteiligt hat. Hauptinvestor ist mit 20 Millionen Pfund das US-amerikanische Fernsehunternehmen Discovery. Engagiert hat sich auch die in Dubai domizilierte Investmentfirma Legatum. Gemäss Schätzungen werden 60 Millionen Pfund in GB News investiert. Damit sollen pro Jahr 6500 Stunden Informationsangebote realisiert werden.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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2 Meinungen

  • am 12.06.2021 um 19:40 Uhr
    Permalink

    Danke Rainer Stadler für diesen Beitrag:-)
    Es stimmt mich zuversichtlich Wenn ich kritische Stimmen im Journalismus höre. Zu lange werden wir schon von nicht passenden Wahrheiten ferngehalten. Das Gleichmass ist voll und Journalismus kann sich wieder auf die eigentliche Aufgabe besinnen. Da kommt doch ein Licht in diesen finsteren Zeiten.

    2
  • am 12.06.2021 um 22:01 Uhr
    Permalink

    «Eine rechte Färbung dürfte GB News allerdings haben.» – Hier läuten bei vielen schon die Alarmglocken. «Rechts» ist bereits ein Synonym für Hass und alles Böse. Es wird vergessen, dass auch die «rechten» Parteien ins legale demokratische Gefüge gehören und ein Anrecht auf freie Meinungsäußerung im gesetzlichen Rahmen haben. Meines Wissens pochen alle «Rechten» auf die Beachtung der Grundrechte der Verfassungen. Die «rechten» Kanäle wie Fox News und Sky-News sind ein Fliegengewicht gegen den linken Mainstream. Falls wir überhaupt noch einen individuellen freien Meinungsbildungsprozess wünschen, sind solche Medien unentbehrlich.

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