PFAS in Uhrenarmbändern: Klage gegen Apple zugelassen
Eine Smartwatch ist mehr als nur ein Gadget – sie ist ein ständiger, dauerpräsenter Gefährte. Kaum noch spürbar, begleitet sie ihren Träger mit unzähligen Funktionen durch Tag und Nacht. Sie erledigt die Kommunikation, misst Puls und Bewegung, Schlaf und Stress – und erinnert sanft daran, sich mehr zu bewegen. Ein digitaler Zwilling, der dafür gemacht ist, hautnah beim Nutzenden zu sein, rund um die Uhr.
Was aber, wenn der digitale Begleiter dabei potenziell giftige Ewigkeitschemikalien abgibt? Und wenn der Hersteller das weiss und dennoch nichts unternimmt? Diesen Sachverhalt sollen seit mehr als einem Jahr US-Gerichte klären. Eine Sammelklage gegen Apple hat dazu im März eine weitere Hürde genommen.
Vor allem teure Smartwatch-Armbänder enthielten PFAS
Der Hintergrund: Vor zwei Jahren untersuchten Forschende der US-Universität Notre Dame 22 Kunststoffarmbänder von Smartwatches und Fitness-Trackern. Einige enthielten hohe Mengen PFAS, darunter vor allem eine Chemikalie namens Perfluorhexansäure (PFHxA). Besonders bemerkenswert: In Armbändern teurer Marken wie Apple, Nike, Fitbit (Google) und Samsung fanden die Forschenden mehr PFAS als in günstigen Alternativen.
Die Studie erregte einiges Aufsehen. Unter anderem deshalb, weil eine andere Studie der Universität Birmingham zeigte, dass PFAS in «erheblichem Mass» über die Haut aufgenommen werden können. Unter den 17 dabei untersuchten PFAS befand sich auch die bekannte giftige Chemikalie PFOA (Perfluoroktansäure).
PFOA enthält acht Kohlenstoffatome und ist damit relativ gross. Kürzerkettige PFAS werden leichter aufgenommen, fanden die Forschenden heraus. Zu diesen gehört PFHxA, das sechs Kohlenstoffatome enthält. Gerade für diese Chemikalie waren die Ergebnisse aber nicht ganz eindeutig – PFHxA wurde absorbiert, aber in geringerem Masse als angenommen.
Dauernutzung auf verschwitzter Haut besonders kritisch
Menschen nehmen PFAS hauptsächlich über Lebensmittel und Wasser auf, das hat sich durch diese Studien nicht geändert. Weil Fitnessuhren quasi ständig getragen werden, engen Hautkontakt haben und verschwitzte Haut potenziell mehr Chemikalien aufnimmt, lösten die Ergebnisse trotzdem einige Besorgnis aus. Eine Uhr mit Ewigkeitschemikalien, die in den Körper wandern können, möchte niemand tragen.
Grosse Hersteller wie Samsung und Apple sahen sich Anfang letzten Jahres nicht nur zahlreichen Nutzeranfragen, sondern auch Klagen gegenüber. US-Gerichte mussten klären, ob die Hersteller ihre Kundinnen und Kunden bewusst einem vermeidbaren Risiko aussetzen.
Klage gegen Apple zugelassen, Samsung einigt sich aussergerichtlich
Samsung, das wegen des Galaxy-Watch-Armbands verklagt wurde, erreichte zwischenzeitlich eine aussergerichtliche Einigung. Das Unternehmen entging so einer Klärung des Vorwurfs.
Eine Sammelklage gegen Apple wurde im März von einem Gericht in Kalifornien zugelassen und hat damit eine weitere Hürde genommen. Das Gericht wies einen Antrag Apples auf Abweisung der Klage zurück.
Die Klägerinnen und Kläger konzentrieren sich dabei hauptsächlich auf irreführende Werbeversprechen Apples: Apple werbe mit Gesundheits-, Umwelt- und Fitnessversprechen und animiere Käufer gleichzeitig, ein Armband mit «gefährlichen Chemikalien» Tag und Nacht zu tragen, ohne auf diese potenzielle Gefahr hinzuweisen.
Statt PFAS am Arm: auf Alternativen ausweichen
Fluorelastomere wie PFHxA sollen die Armbänder schmutz-, fett- und abriebfest machen. Ein wichtiger Punkt. Wer eine Tracker- oder Fitnessuhr trägt, weiss gut, wie das Armband nach einiger Zeit aussehen kann.
Alternativlos sind PFAS in Uhrenarmbändern jedoch nicht. Fachleute empfehlen, auf andere Materialien auszuweichen, etwa PFAS-freie Lederarmbänder, Metall oder Silikon. Dazu könne man sich beim Hersteller erkundigen, ob das Armband PFAS enthalte.
Es könne auch helfen, die Armbänder nicht ganz so eng zu tragen, empfahl die von «20 Minuten» befragte Dermatologin Yael Adler. Dann können sie ihre Tracker-Funktion freilich weniger gut erfüllen. Insgesamt brauche es mehr Forschung zum Thema, da die vorliegenden Studien nur wenige PFAS untersucht hätten.
In der EU demnächst verboten
Apple erklärte als Reaktion auf die Sammelklage, seine Armbänder seien sicher. Das Unternehmen verwies auf eine Selbstverpflichtung von 2022, in der sich Apple verpflichtete, PFAS schrittweise aus seinen Produkten zu entfernen. Apple lasse zudem alle Materialien von unabhängigen Stellen prüfen.
Die aktuelle Gesetzeslage dürfte die Hersteller ohnehin dazu bringen, ihre Materialien zu überprüfen. Es sei denn, sie lassen sich darauf ein, in der EU und den USA unterschiedliche Produkte zu verkaufen. In der EU und vermutlich auch in der Schweiz dürfen PFHxA-haltige Uhrarmbänder ab Oktober 2026 nicht mehr verkauft werden.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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