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Professor Clemens Wendtner betreut seit Monaten Covid-19-Patientinnen und Patienten. © zdf

Corona Covid-19: Nutzen von Blutverdünnern bestätigt

Urs P. Gasche /  Risiko-Patienten sollten schon bei ersten Symptomen Blutverdünner erhalten, empfiehlt der Münchner Chefarzt Clemens Wendtner.

Professor Clemens Wendtner ist nicht der einzige, der den Nutzen von Blutverdünnern bejaht. Der Zürcher Professor Nils Kucher, Direktor der Klinik für Angiologie am Universitätsspital Zürich, ist ebenfalls zum Schluss gekommen, dass eine kontrollierte Abgabe von Blutverdünnern bei ambulanten Patientinnen und Patienten mit Vorerkrankungen zweckmässig sei. Bei Patienten ohne Vorerkrankungen rät er indessen davon ab. Auch sei noch unklar, welche Dosis von Blutverdünnern am zweckmässigsten sei. Eine Untersuchung an über 50-jährigen Patienten in häuslicher Quarantäne sei geplant.

Laut Wendtner könnten Blutverdünner bereits zu Hause, gleich nach dem Auftreten der ersten Symptome einer Sars-CoV-2-Infektion hilfreich sein, um einen schweren Krankheitsverlauf zu verhindern. Eine Therapie erst bei schwerer Erkrankung könne zu spät sein. Diese Aussagen machten Wendtner und Kucher in der NZZ am 23. Mai.

Infosperber hatte schon früh über einen möglichen Nutzen von Blutverdünnern informiert, weil das Virus Sars-CoV-2 die Blutgefässe in allen Organen angreifen und zu tödlichen Blutgerinnseln beziehungsweise Thrombosen führen kann.

Autopsiestudien in Basel, Zürich und Hamburg

Spät, aber doch noch begann man Covid-19-Tote einer Autopsie zu unterziehen, um festzustellen, welche Schäden das Virus tatsächlich anrichtet. Je mehr in Basel, Zürich und Hamburg autopsiert wurde, desto klarer wurde es: Das Virus greift Blutgefässe an und führt zu Thrombosen in Organen wie Niere, Leber, Lunge oder Darm. «Aus diesem Grund wird ein Drittel aller Covid-19-Patienten auf Intensivstationen dialysepflichtig», erklärte Clemens Wendtler in der NZZ. In manchen Fällen komme es zu einem Multiorganversagen. In der Lunge könne es zu tödlichen Lungenembolien kommen.

Das unterscheidet die schweren Verläufe bei Covid-19-Erkrankten von den schweren Verläufen bei Influenza-Erkrankten. Influenza-Viren können zwar auch jedes Organ schädigen und Symptome wie Leberschwellung, Leibschmerzen, Durchfälle oder Erbrechen verursachen. Schwerwiegender können Lungenentzündungen und bakterielle Pneumonien sein. Besonders gefährdet bei einer Ansteckung mit Influenzaviren sind Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen wie z.B. COPD.

Die Autopsien von an Covid-19-Verstorbenen haben inzwischen bestätigt, dass Sars-CoV-2 die ACE-2-Proteine als Eintrittspforte in den Körper nutzen können. Aus diesem Grund könnten Medikamente wie ACE-Hemmer und Sartane die Folgen von Covid-19-Erkrankungen verschlimmern, weil diese beiden Medikamentengruppen die ACE2-Enzyme im Körper erhöhen. Unter dem Titel «Covid-19: Hohes Risiko für Bluthochdruck- und Diabetespatienten» hatte Infosperber am 23. März darüber informiert.
Die Hersteller von ACE-Hemmern und Sartanen bestreiten eine ungünstige Wirkung bei Infizierten mit Sars-CoV-2.

Malariamedikament HCQ und Virenmedikament Remdesivir

Professor Clemens Wendter sagt, das Virenmedikament Remdesivir zeige bei der Hälfte seiner mit Covid-19-Patienten gute Erfolge. Laut einem vorläufigen Resultat einer Studie müssten die Patienten im Durchschnitt statt 15 nur 11 Tage im Spital bleiben. Auch die Sterblichkeit sei niedriger. Es brauche jedoch in Zukunft noch bessere Medikamente.
Professor Didier Raoult, der Covid-19-Partienten in Marseille behandelt, kämpft am dortigen Institut hospitalo-universitaire ebenfalls an der Front. Er klärt bei Patienten mit Symptomen auf Covid-19 zuerst Unverträglichkeiten ab und verabreicht dann sofort nach dem Auftreten erster Symptome das Malaria-Medikament Hydroxychloroquin (HCQ) und bei Bedarf zusätzlich das Antibiotikum Azithromycin. Die Behandlung daure in der Regel fünf bis sieben Tage und koste fast nichts. Dank der frühen Behandlung mit diesen Medikamenten seien in Marseille viel weniger Patienten gestorben. Swissmedic will das billige Medikament nicht «off label» angewendet wissen und warnte am 29. April vor «schweren Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen». Allerdings verschweigt Swissmedic, wie selten solche Nebenwirkungen bei kurzzeitiger Einnahme von HCQ sind.

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Infosperber vom 9. Mai 2020:
«Alle Corona-Patienten mit Blutverdünnern behandeln»
Infosperber vom 30. April 2020:

Covid-19 greift auch die Niere, das Herz und das Hirn an
NEJM, 21st may 2020:

Covid-19, Angiogenesis, and ARDS Endotypes
NEJM, 21st may 2020:

Pulmonary Vascular Endothelialitis, Thrombosis, and Angiogenesis in Covid-19
Infosperber-DOSSIER:

Coronavirus: Information statt Panik
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Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

Zum Infosperber-Dossier:

Coronavirus_1

Coronavirus: Information statt Panik

Covid-19 fordert Behörden und Medien heraus. Infosperber filtert Wichtiges heraus.

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2 Meinungen

  • Avatar
    am 24. Mai 2020 um 12:41 Uhr
    Permalink

    Das ist keine Neuigkeit. Ein Emmentaler Arzt sagt seit Wochen das gleiche aufgrund seiner Erfahrungen. Warum erwähnt man das nicht ?

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  • Avatar
    am 24. Mai 2020 um 12:48 Uhr
    Permalink

    @Mosimann. Über den Emmentaler Arzt hat Infosperber am 18. Mai informiert: «Corona: Therapie mit Blutverdünner im Emmental ‚erfunden‘. Im Emmental wurde die Anti-Covid-19-Therapie mit Blutverdünnern entdeckt. Ein Fachmagazin berichtet.»

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