China verlegt Rechenzentren unter Wasser
Zehn Kilometer vor der Küste Shanghais und in zehn Metern Tiefe werden in China zukünftig Daten verarbeitet. Das Shanghai Lingang Unterwasser-Rechenzentrum ist das erste, das mit Strom aus einer nahen Offshore-Wind-Anlage betrieben wird und laut den Entwicklern zu 95 Prozent mit erneuerbarer Energie arbeitet.
Offizieller Projektstart war bereits im Juni 2025. In einer ersten Phase bauten die Projektpartner Hi-Cloud Technology und das staatliche Unternehmen China Communications Construction ein Demo-Rechenzentrum mit einer Kapazität von 2,3 Megawatt auf. Auf Bildern sieht man eine gelbe Konstruktion mit vier Stützen. Die Server befinden sich nach bebilderten Berichten in versiegelten Kapseln unter Wasser.
Im Februar wurde die zweite Projektphase angekündigt, in der die Demo-Anlage für 226 Millionen US-Dollar auf 24 Megawatt erweitert wurde. Im Mai wurde Phase 2 abgeschlossen und das neuartige Rechenzentrum für den kommerziellen Betrieb geöffnet.
Unterwasserbetrieb soll das Kühlproblem angehen
Damit haben die Projektpartner nicht nur recht günstig gearbeitet. Nach Angabe der chinesischen Regierung braucht das Rechenzentrum in der Freihandelszone Lingang ein Fünftel (22,8 Prozent) weniger Energie als eine vergleichbare Einrichtung an Land. Das ist nachvollziehbar – zwischen 25 und 40 Prozent seiner Energie benötigt ein Rechenzentrum laut dem «Guardian» für die Wasserkühlung. Eine Unterwasseranlage benötigt dazu kein Süsswasser und belegt fast keinen Boden.
Die Energieeffizienz (Power Usage Effectiveness, PUE) der Anlage liegt nach Angaben der Entwickler bei einem Wert von etwa 1,15, was zu den Spitzenwerten zählt. Der Durchschnitt für Rechenzentren an Land liegt bei etwa 2,0.
Süsswasserbedarf: Null
Auch in anderen Teilen der Welt schiessen neue Rechenzentren in Folge des KI-Booms wie Pilze aus dem Boden. Wegen ihres grossen Energie-, Land- und Wasserbedarfs gibt es umfangreiche Kritik und häufig Proteste. Das Institut für Wasser, Umwelt und Gesundheit der Universität der Vereinten Nationen warnte, dass der Wasserbedarf von Rechenzentren bis 2030 auf 9,3 Billionen Liter ansteigen könnte. Genug, um den Wasserbedarf aller 1,3 Milliarden Einwohner Subsahara-Afrikas für ein Jahr zu decken, vergleicht der «Guardian».
Wie die Einwohnerinnen und Einwohner Chinas dazu stehen, ist schwer zu sagen. Für Chinas Regierung jedenfalls hat der Bau neuer Rechenzentren nationale Priorität. Im Shanghai Lingang UDC werden Computer mehrerer Unternehmen betrieben. Das grösste ist China Telecom, dazu kommen Serviceprovider wie Link-Wise.
Nicht das erste Unterwasser-Rechenzentrum
Wegen der Ressourcenersparnis werden Pilotprojekte mit Unterwasser-Rechenzentren in der Branche mit grossem Interesse beobachtet. Eine Abkürzung dafür gibt es auch schon: UDC steht kurz für «Underwater Data Center». Hi-Cloud betreibt bereits seit 2023 ein Rechenzentrum bei einer Insel im südlichen China, allerdings nicht mit Offshore-Wind als Energiequelle.
Schon 2018 führte Microsoft vor der schottischen Küste einen Versuch mit einer Unterwasser-Anlage durch, die nach zwei Jahren wieder an die Oberfläche geholt wurde. Ein sehr sinnvolles Unterfangen, argumentierte das Tech-Unternehmen. Die Hälfte der Weltbevölkerung lebe weniger als 193 Kilometer (120 Meilen) von einer Küste entfernt.
Das Minirechenzentrum bei Orkney bestand aus einer Kapsel, die 36 Meter (117 Fuss) tief versenkt wurde. Um die Korrosion zu minimieren, wurde sie mit trockenem Stickstoff gefüllt.

Nach Angaben von Microsoft lief die Unterwasseranlage stabiler als Rechenzentren an Land. Während des Betriebs seien auch nur ein Achtel der Hardware-Bestandteile, die normalerweise ausfallen, kaputtgegangen. Ein Effekt, der mindestens teilweise dadurch zustande gekommen sei, dass es an äusseren Einflüssen fehlte. Mit anderen Worten: In einer stickstoffgefüllten Unterwasserkapsel laufen keine Menschen herum, die Dinge kaputtmachen könnten. Korrosion findet mangels Sauerstoff und Feuchtigkeit auch nicht statt.
Und wie sieht es mit den Dingen aus, die Menschen ausserhalb der versenkten Rechenzentren kaputtmachen können? Eine Unterwasseranlage ist eine Baustelle wie andere auch, nur eben nicht an Land. Und wo etwas gekühlt wird, erwärmt sich etwas anderes – in diesem Fall das Meerwasser.
Ökologische Risiken im Meer, zum Beispiel weil Sedimente aufgewirbelt würden oder weil das Wasser sich erwärmen könnte, seien höchstwahrscheinlich beherrschbar, müssten jedoch weiter beobachtet werden, führt der «Guardian» an. Rick Stafford, Meeresbiologe an der Bournemouth University, den die Zeitung befragte, hält Unterwasser-Rechenzentren für «eine wahrscheinlich gute Idee». Die Kühlung könne zwar zu lokal höheren Wassertemperaturen führen, deren Auswirkungen seien aber nicht weitreichend.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
_____________________
➔ Solche Artikel sind nur dank Ihren SPENDEN möglich. Spenden an unsere Stiftung können Sie bei den Steuern abziehen.
Mit Twint oder Bank-App auch gleich hier:
_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.









Ihre Meinung
Lade Eingabefeld...