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© woc Katholikinnen fordern seit langem die Weihe von Frauen zu Priesterinnen © woc

Keine Priester-Frauen: «Der Patriarchalismus ist das Problem»

Barbara Marti /  Früherer Benediktiner-Abt fordert die Kirche auf, Frauen zu Priesterinnen zu weihen. Es gebe kein theologisches Argument dagegen.

Martin Werlen, ehemaliger Abt des Schweizer Klosters Einsiedeln, fordert in seinem neuen Buch die katholische Kirche auf, Frauen zum Priestertum zuzulassen.

«Patriarchale Auslegung»
Darin kritisiert der in der Schweiz populäre Benediktiner die «patriarchale Auslegung von Priestertum». Damit falle die katholische Kirche weit hinter Apostel Paulus zurück. In seinem Römerbrief spreche dieser stets die ganze Gemeinde an, nicht nur die Männer, schreibt Werlen. Und im Galaterbrief von Paulus heisse es: «Aufgrund der Taufe gibt es nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich.» Wer Frauen das Priestertum mit der Begründung verweigere, dass nur ein Mann den Mann Jesus vertreten könne, habe «Glaubensprobleme, die in der Taufe wurzeln». Man könne nicht glaubwürdig behaupten, dass alle Getauften teilhaben am Priestertum Christi und gleichzeitig Frauen vom Priestertum ausschliessen. Frauen würden dieselbe Taufe empfangen wie Männer.

Veränderbare Tradition
Der Ausschluss der Frauen von der Priesterweihe sei eine Tradition, die geändert werden könne. Dies werde ihm auf dem Weg seiner Gottsuche immer klarer, schreibt Werlen. Die Gegner des Frauenpriestertum würden mit Traditionen argumentieren, «die nicht im Evangelium gründen, sondern in dem ihnen immer noch selbstverständlichen Patriarchalismus». Sprache und Kultur seien Traditionen, die den Alltag und damit auch das theologische Denken prägen und über Jahrhunderte von der «patriarchalen Vorherrschaft» geprägt worden seien. «Ich bin je länger je mehr überzeugt, dass der Ausschluss der Frau vom Weihepriestertum eine der Traditionen ist, die geändert werden können und müssen», schreibt Werlen. Paulus spreche die ganze Gemeinde an, nicht nur die Männer. «Wenn jemand meint, auf diese Formulierungen komme es nun aber doch nicht an, möge doch einfach einmal eine Woche lang alle maskulinen Formulierungen mit femininen ersetzen. Wahrscheinlich wird ihm auch aufgehen, dass es doch drauf ankommt und er nicht einfach selbstverständlich mitgemeint ist. Aufgrund der Taufe gibt es ’nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich’».

«Schwache Argumente gegen Priesterinnen»
Ähnlich wie Werlen argumentiert der katholische Theologe Michael Seewald. In einem Artikel für die «Herder Korrespondenz» schrieb er letztes Jahr, die katholische Kirche schliesse aufgrund ihrer Autorität und nicht aufgrund guter Argumente Frauen vom Priesteramt aus. Papst Johannes Paul II. habe seine Entscheidung gegen die Weihe von Frauen weder als Dogma noch als unfehlbar deklariert, schreibt Seewald. Weitere Debatten dürften deshalb kein Tabu sein.
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Martin Werlen, Zu spät. Eine Provokation für die Kirche, Hoffnung für alle, Herder Verlag 2018, Preis: 25.50 CHF
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Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Barbara Marti ist Redaktorin und Herausgeberin der Online-Zeitung «FrauenSicht».

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