Texas Democratic candidate for US Senate James Talarico midterm election rally

Gute Reise, Elon: James Talarico an einer Wahlkundgebung in Houston, drei Tage vor der Wahl. Musk fand Rechenzentren im Weltraum nach der Wahl «gerade ziemlich attraktiv». Für die Wählenden in Texas gilt dasselbe offenbar für Musk. © EPA/Laura Brett

Musk: Auf Erden an Texas gescheitert

Daniel Ryser /  158 Millionen Dollar gegen James Talarico – vergeblich. Nun zieht es Elon Musk mit seinen Rechenzentren ins Weltall. Gute Reise.

Die NZZ berichtete am Mittwoch, Google habe in Finnland illegal 530 Hektaren Wald abholzen lassen für den Ausbau seiner Rechenzentren. Anfängliche Freude (Arbeitsplätze!) habe inzwischen in ohnmächtige Wut umgeschlagen, weil das finnische Gesetz offenbar für eine solche Zerstörungsaktion keine Sanktionen vorsieht – und weil der Schaden an der Natur angerichtet ist. Die Rechenzentren werden zum Zentrum politischer Debatten. Und sie entscheiden in den USA inzwischen Wahlen.

«Newsweek» titelte gestern Mittwoch: «Elon Musk hat fast eine halbe Milliarde Dollar für schwere Niederlagen bei den Zwischenwahlen verschwendet.» Allein in Texas verbrannte Musk 224 Millionen Dollar, um James Talarico als demokratischen Senator und Gina Hinojosa als demokratische Gouverneurin zu verhindern. Der 37-jährige Theologe Talarico wurde schliesslich erster demokratischer Senator aus Texas seit 1988, Hinojosa wurde erste demokratische Gouverneurin seit 1990. Nachdem sich Talaricos Sieg abgezeichnet hatte – allein gegen ihn hatte Musk mindestens 158 Millionen Dollar aufgebracht –, postete der Tech-Milliardär auf X: «Rechenzentren im Weltraum erscheinen gerade ziemlich attraktiv.»

Talarico hatte während seines Wahlkampfs einen «Plan zur Rechenschaftspflicht von Rechenzentren» präsentiert. Eine zentrale Forderung lautet, dass in Texas die Umsatzsteuerbefreiung für diese Branche aufgehoben werden soll. Der Plan, so berichtete «Newsweek», fordert geschlossene Wasserkreisläufe und ein Mitspracherecht der Gemeinden, bevor Rechenzentren gebaut werden.

Gegenüber MS Now sagte Talarico vor zwei Wochen: «Elon will unser Land. Er versucht bereits, einen unserer wunderschönen Staatsparks hier im Süden von Texas zu kaufen. Er will unser Wasser für diese KI-Rechenzentren. Er will unsere Steuergelder. So wie damals, als er diesen verrückten Doge-Prozess inszeniert hat, und er will seinen ganz persönlichen US-Senator. Und genau das glaubt er, mit Ken Paxton erreichen zu können.»

Seinen persönlichen Senator hat Musk nicht bekommen. Da haben auch 158 Millionen Dollar nichts gebracht. Gescheitert ist auch «Data Center Darline» Graham, siehe Infosperber von gestern, die das konservative, bibeltreue South Carolina zu einer Big-Tech-Oase machen wollte. Die Bibeltreuen wollten das nicht. Die Demokratin Annie Andrews gewann in South Carolina den ersten demokratischen Senatssitz seit 1998.

Womöglich sind das erfreuliche Nachrichten fürs Wallis. Dort kämpft der Verein «Schutz vor Satellitenstrahlung Region Leuk» gegen Musks Pläne: Am Rand des Naturparks Pfyn-Finges will er vierzig zweieinhalb Meter hohe Starlink-Antennen bauen. Sie würden so viel Strom verbrauchen wie 400 Einfamilienhäuser (Infosperber berichtete). Mit ein bisschen Glück für die Walliser nimmt Musk die Antennen gleich mit ins Weltall. Oder die Walliser Behörden, die das Projekt im Stillen durchwinken wollten, finden dank der neuen politischen Welle in den USA plötzlich etwas Mut und versenken eine der grössten geplanten Starlink-Bodenstationen Europas. Die Argumente dafür liefern die US-Demokraten.

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