Niedrigwasser am Mittelrhein 2018 © CC, onnola, flickr
n Zukunft wird es im Sommer weniger und im Winter mehr Wasser in den Flüssen haben. © NCCS
Durchschnittliche Rheintiefe in Kaub von Juni bis September. © WSV

Im Sommer tief, im Winter hoch – extreme Pegelstände in Sicht

Daniela Gschweng / 24. Feb 2019 - Niedrigwasser im Rhein brachte 2018 eine der wichtigsten Transportadern Europas zum Stocken. Das könnte in Zukunft öfter passieren.

2018 erreichte der Wasserstand des Mittelrheins ein Rekordtief. Der wichtigste Pegelstand für die Schifffahrt, der Rheinpegel in Kaub, wurde im Oktober mit gerade noch 25 Zentimetern gemessen – im Normalfall ist er fast zwei Meter höher. Dazu geführt hatte eine extrem trockene Wetterlage, die bis November, und nicht nur hier, zu aussergewöhnlich niedrigen Wasserständen führte.

Die Loreley, die sich einige Kilometer rheinabwärts befindet, glotzte von ihrem Felsen aus auf einen leeren Fluss. Wetterunfall. Vollsperrung auf Europas meistbefahrener Wasserstrasse. Der 800 Kilometer lange, sonst sehr geschäftige Fluss-Highway zwischen Rheinfelden und Rotterdam war teilweise nicht mehr schiffbar. Und viel zu warm.

Vollsperrung auf Europas meistbefahrener Wasserstrasse

Die toten Fische waren dabei das kleinste Problem. Es ist fast unmöglich, die Transportkapazitäten des Rheins auf dem Land zu ersetzen. Versorgungsengpässe im Süden Deutschlands und in der Schweiz waren die Folge. Benzin und Diesel wurden teurer, Süddeutschland und die Schweiz mussten ihre Reserven angreifen. Kraftwerke mussten wegen hoher Temperaturen und fehlendem Nachschub ihren Betrieb drosseln (siehe auch Infosperber: «Strom ohne Ströme?»). Der Gaspreis stieg um 13 Prozent. Die BASF kosteten die niedrigen Wasserstände um die 250 Millionen Euro, andere deutsche Unternehmen hatten deutliche Lieferengpässe, wusste «Bloomberg» zu berichten. Das deutsche Wirtchaftswachstum bekam wegen dieser Untiefen einen wetterbedingten Dämpfer. BASF-Chef Martin Brudermüller forderte umgehend Infrastruktur-Massnahmen.

Der Rhein wird seichter: Durchschnittliche Rheintiefe in Kaub von Juni bis September (Wasserstrassen- und Schifffahrtsverwaltung des deutschen Bundes, WSV)

Ab November normalisierte sich die Lage wieder, Ende Dezember konnten Tanker wieder mit voller Last fahren. Statistisch gesehen, so das Bundesamt für Umwelt, kommt eine solches Niedrigwasser am Schweizer Abschnitt des Rheins alle fünf bis zehn Jahre oder – bei einigen Messwerten – nur alle 100 Jahre vor. Durch den Klimawandel könnten sich extrem trockene Wetterlagen aber öfter wiederholen.

Dem Wasserschloss Schweiz geht die Batterie aus

Sommerliches Rhein-Niedrigwasser wird auf jeden Fall wahrscheinlicher, das sagten Experten schon vor fünf bis zehn Jahren voraus. Denn da wäre noch das schwindende Gletschereis in den Alpen. Bis Ende des Jahrhunderts wird es nach Schätzungen des NCCS (National Centre for Climate Services) im Einzugsgebiet des Rheins quasi keine Gletscher mehr geben.

In Zukunft wird es im Sommer weniger und im Winter mehr Wasser in den Flüssen haben (Prognose und Grafik: NCCS) Bild in grösserer Auflösung

Weil es wärmer wird, wird auch die Schneefallgrenze steigen. Es wird weniger schneien und mehr regnen, eventuell auch heftiger als jetzt. Die Pufferfunktion der Alpen – Schnee und Eis – geht dabei verloren. Die Folge sind niedrigere Wasserstände im Sommer und höhere Wasserstände im Winter. Paradoxerweise steigt dadurch sowohl die Wahrscheinlichkeit für Hoch- wie auch die Wahrscheinlichkeit für Niedrigwasser.

Je trockener es ist, desto grösser ist der Schmelzwasseranteil im Rhein. Bei der extremen Trockenheit 2003 stammte ein Drittel des Wassers im Rhein bei Basel aus Gletschereis, bei Lobith an der deutsch-niederländischen Grenze war es noch ein Fünftel. Besonders hart trifft diese Entwicklung den Mittelrhein, obwohl auch die Schifffahrt bei Basel in den letzten Jahren immer öfter betroffen war.

Der Fährmann Kevin Kilps, den «Bloomberg» auf der Autofähre bei Kaub begleitet hat, hat daraus schon Konsequenzen gezogen und zusätzliche Schwimmer an seiner Fähre angebracht. «Man kann sehen, wie die Pegel jedes Jahr niedriger werden», sagt er.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

«Europe’s Most Important River Is Running Dry», Bloomberg

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5 Meinungen

1540 war es noch schlimmer:

Schweiz:
„Es war eine Megadürre mit Ernteausfällen, explodierenden Lebensmittelpreisen und Wald- und Buschbränden“, sagt Teutsch-Zumtobel. „In Basel konnte man den Rhein durchqueren, die Elbe hatte nur zehn Prozent des sonst üblichen Durchflusses“, so der Fachmann.

Das Wasser wurde knapp. In der Schweiz fand sich eineinhalb Meter unter manchem Flussbett „kein Tropfen“, schrieb der Chronist Hans Salat. Brunnen, die noch Wasser beinhalteten, wurden bewacht, nur beim Glockenschlag wurde die Flüssigkeit ausgegeben. „Im ausgetrockneten Bodensee suchten die Menschen römische Münzen“, heißt es weiter. Die Insel Lindau war mit dem Festland verbunden. Tausende versuchten ihren Durst mit verunreinigtem Wasser zu stillen – und starben an Entzündungen des Dickdarms. ...

Fazit: Alles schon mal dagewesen und nicht so simpel als «menschgemacht» hinstellbar, wie das so leider viele Medien heutzutage tun.

Man stelle sich nur mal vor, wie die Alarmierungen formuliert wären, wenn wenn man 2018 hätte durch das trockenliegende Donaubett laufen können, wie einst 1540. Als Kontrast sollte man sich die historischen Hochwasserstände einmal ansehen. Für Wetter und Wassermengen, gibt es keine ISO-Normwerte, ganz egal was Politiker da an Gesetzen schreiben...

Hier ein Bezugsartikel:

https://diepresse.com/home/zeitgeschichte/4782130/Hitzewelle_1540-war-es-noch-schlimmer
Werner Eisenkopf, am 24. Februar 2019 um 12:48 Uhr
«Die toten Fische waren dabei das kleinste Problem.»
Aus der Sicht der Fische sieht das vermutlich ganz anders aus, zumal sie von all den zu vielen Kähne eh nur genervt werden.
Das Problem für die Menschen liegt nicht im Zusammenbruch einer längst nicht nach nachhaltigen Menge von überregionalen Warentransporten (auf dem Rhein und andern Flüssen und Meeren, auf Strasse und Schiene, in der Luft), sondern in existentiell massiven, durchaus selbstverschuldeten Eingriffen in den Lebensraum Wasser und Erde, auf den wir zwingend angewiesen sind.
Billo Heinzpeter Studer, am 24. Februar 2019 um 14:16 Uhr
Das Einzugsgebiet der Aare ist das eigentlche Wasserschloss der Schweiz und auch für das Potential für die Umwandlung in el.Energie, theor. max 4000 MW.
Die Aare ist unterhalb des Wasserschlosses der wasserreichste schweizerische Fluss; sie führt beim Zusammenfluss mit dem Rhein in Koblenz/CH 50 % mehr Wasser im Jahredurchschnitt als dieser. Aare ca. 555 m3/s, Rhein ca. 370 m3/s.

In Summe wird es in der Alpenregion in den Sommermonaten etwa 25% weniger Niederschläge geben und in den Wintermonaten etwa 5% mehr. Schnell steigend in den letzten 3 Jahren ist die Bewirtschaftung der Almen ein Problen damit, dass für die Kühen nicht genügend Wasser zur Verfügung steht. Nicht nur die ETHZ hat festgestellt, dass die Eisvolumen von Gletschern bisher zu hoch geschätz sind.
Der isolierende Winterschnee über dem Eis ist immer früher im Jahr weg.
(Aus einem Bericht auf 3sat über Veränderungen in der Alpenregion.)

Zu vertretbaren Kosten für die kleineren Verbraucher ist die sichere Versorgung der Schweiz mit el. Energie nur im grossen EU-Verbundsystem möglich.
Paul Meyer, am 24. Februar 2019 um 16:26 Uhr
Diejenigen, die noch immer noch glauben, der Mensch seit nicht die Ursache der rapid zunehmenden Klimaerwärmung, gehören schon bald zum Club der Einäugigen unter den Blinden.
8'000 Kohlekraftwerke weltweit dampfen konstant vor sich hin (allein in China sind es 825). Ergibt jeden Tag ein mit Kohle beladener Güterzug von 5'000 Kilometer Länge. Plus 90 Millionen Barrel Öl (à 159 Liter pro Fass) verbrennen wir alle 24 Stunden. Aufeinander gestapelt ergeben dieser Ölfässer einen Turm von 76'000 Kilometer Höhe, alle 24 Stunden. (Zahlen der US-Energy-Administration). Noch gar nicht einkalkuliert ist die Weltbevölkerungs-Explosion (alle 15 Jahre die Nettozunahme von einer Milliarde Menschen). Bis das Pariser-Klima-Abkommen je wirkt (wenn überhaupt), ist das Problem längst unumkehrbar.
Anton Suter, am 24. Februar 2019 um 22:02 Uhr
@n Anton Suder:
Der SPIEGEL, veröffentlichte bereits am 6. Oktober 2018 Interview mit Prof. Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und einer der Leitautoren des Weltklimarats (IPCC), das für für Furore, Überraschung und Ratlosigkeit sorgte.

Prof. Marotzke kündigte überraschend an, der Weltklimarat werde zur Erreichung des 1,5-Grad-Erwärmungszieles den Höchstwert für das C02-Budget auf etwa tausend Gigatonnen MINDESTENS VERDOPPELN.

Plötzlich werden also fünfhundert Gigatonnen – fünfhundert Milliarden Tonnen CO2 – als „nicht-erwärmungs-wirksam“ frei gegeben. Gleichzeitig wird in Deutschland auf das Härteste um die Abschaltung der letzten Kohlekraftwerke gerungen. Der jährliche CO2-Ausstoß eines durchschnittlichen Kohle-Kraftwerkes beträgt etwa 20 Mio. Tonnen. Folglich könnten weltweit zusätzlich 2.500 (zweitausendfünfhundert) durchschnittliche Kohlekraftwerke etwa zehn Jahre lang im Vollast-Betrieb Kohle verbrennen, um das riesige CO2-Budget zu verbrauchen, das so überraschend zusätzlich frei gegeben worden wird.

https://magazin.spiegel.de/SP/2018/41/159786817/index.html
DER SPIEGEL, 06.10.2018, S.111 - Druckausgabe
Noch mehr dazu, kann leicht gegoogelt werden.

Wer hätte DAS gedacht?
Was wird man wohl in einigen Jahren noch «neu» entdecken?

Außerdem bleibt es dabei, dass der grösste Luftverschmutzer Europas weiter qualmt, auf Sizilien residiert und keine Steuern zahlt: Die «Aetna Volcano SpA»...

Werner Eisenkopf
Runkel/D
Werner Eisenkopf, am 25. Februar 2019 um 10:16 Uhr

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