Mit eiserner Faust die Hoffnungslosigkeit erhalten: Israelischer Soldat zählt seine Patronen. © Mondoweiss

Mit eiserner Faust die Hoffnungslosigkeit erhalten: Israelischer Soldat zählt seine Patronen.

Israel: Mit eiserner Faust zur Hoffnungslosigkeit

Christian Müller / 18. Jun 2017 - Die Hoffnungslosigkeit der Palästinenser müsse erhalten bleiben – mit «eiserner Faust» – fordert ein Strategie-Center in Tel Aviv.

Zynischer geht es wohl kaum mehr. Das BESA Center for Strategic Studies, ein zur Universität Bar-Ilan in Tel Aviv gehörender Think Tank, fordert aufgrund von statistischen Zahlen, dass die «Hoffnungslosigkeit» der Palästinenser «mit eiserner Faust» erhalten werden müsse. Denn, so die Argumentation, wenn Hoffnungslosigkeit herrscht, gibt es weniger Terrorismus-Tote, sobald aber wieder Hoffnung auf Frieden aufblüht, nimmt die Zahl der Terrorismus-Toten wieder zu.

Die hinter dieser Forderung stehende Logik ist so einfach wie unmenschlich und brutal: In einem absoluten Polizeistaat, mit totaler und gewalttätiger Unterdrückung einer religiösen oder ethnischen Minderheit und mit Unterbindung schon der kleinsten aufkeimenden Sehnsucht junger Menschen nach Freiheit und Unabhängigkeit, gibt es wenig Tote, zumindest nicht auf Seite der Unterdrücker. In einer Übergangsphase aber, wo junge, freiheitsdurstige Menschen sich im Kampf gegen die Unterdrücker mit Leib und Leben engagieren, nimmt die (statistische) Zahl der Konflikte – und damit auch die Zahl der Toten – naturgemäss zu. Das weiss jeder, der schon einmal ein paar Seiten in einem Geschichtsbuch gelesen hat.

Daraus aber die Forderung abzuleiten, die (von der eigenen Seite!) unterdrückten Menschen noch mehr zu knüppeln, ja, mehr noch: ihnen jede Hoffnung auf eine bessere Lebensperspektive mit «eiserner Faust» zu nehmen und die bereits bestehende Hoffnungslosigkeit mit «eiserner Faust» zu erhalten, ist Zynismus pur. Mit dieser Argumentation kann jeder autoritäre Machthaber, jeder Diktator, seine Gewaltherrschaft bestens legitimieren.

Und global zu Ende gedacht: Lass uns die Demokratie vergessen! Vergessen wir doch die – in etlichen Revolutionen erstrittenen – Freiheitsrechte! Kehren wir doch weltweit zurück zu Gewaltherrschaft und Diktatur! Das führt, auf Seite der Herrschenden, zu weniger Opfern – die Toten der Unterdrückten zählen, siehe die Statistik des BESA Centers für Strategische Studien in Tel Aviv, ohnehin nicht.

* * * * *

Der volle Text von Prof. Hillel Fischer vom BESA Center kann unten als PDF eingesehen und heruntergeladen werden (Wenn die Palästinenser hoffnungslos sind; auf Englisch).

PS:

Morgen Montag, 19. Juni 2017, findet zum gleichen Thema an der Universität Zürich eine öffentliche Veranstaltung statt. Persönlich anwesend ist Miko Peled, der Sohn des Sechstagekrieg-Generals Matti Peled. Er spricht zu zwei Fragen: Was habe ich von meinem Vater gelernt? Wie können Israelis und Palestinenser jene Feindschaft überwinden, die täglich Menschenleben fordert?

Die Veranstaltung findet unter der Obhut des Asien-Orient-Instituts statt, Abteilung Islamwissenschaft. Die Moderation liegt bei Erich Gysling, der regelmässig auch für Infosperber.ch schreibt. Vortrag und Diskussion in englischer Sprache.

Montag, 19. Juni 2017, 19 bis 21 Uhr, Im Hauptgebäude der Universität Zürich, Hörsaal KOL F-101.

Und hier zum Interview mit Miko Peled im Echo der Zeit vom 18. Juni 2017.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

Weiterführende Informationen

Gideon Levy: Was ich selber gesehen habe! (auf Infosperber)
Israel wird immer dreister (auf Infosperber)
Israels Strategen drohen offen mit der Atombombe (auf Infosperber)
Zu weiteren Artikeln von Prof. Hillel Frisch vom BESA Center
Zum Infosperber-Dossier Israel
Wenn die Palästinenser hoffnungslos sind

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6 Meinungen

Danke Christian Müller!
ABER: Weshalb lesen wir solches nicht - oder höchstens knappstens dosiert - in unseren Mainstream Medien?

Ich sehe hier einen Zusammenhang mit der - ausgerechnet in den Mainstream Medien - gehörten Klage, die neuen Informationsmöglichkeiten der „Sozialen Medien“ und damit gemeint wohl auch die alternativen Medien wie InfoSperber oder Journal21 (interessanterweise mit einer grossen Zahl ehemaliger Mainstream Redaktoren), würden das Publikum ungefiltert mehr mit Fake-News als mit den richtigen Inhalten überfluten. Die LeserInnen könnten all das nicht mehr richtig einordnen.

Das war doch noch ganz anders in den guten alten Zeiten, als die Informations-Hoheit noch bei einigen wenigen Medien lag, die wussten, was wir zu wissen bekommen sollten.
Ruedi Knutti, am 18. Juni 2017 um 13:57 Uhr
Es gibt grosse Vorbilder dafür, wie mit «eiserner Faust» zu regieren ist. Jedermann kennt sie, auch das BESA-Zentrum kennt sie.
Ruth Obrist, am 18. Juni 2017 um 22:25 Uhr
Danke, Christian Müller! Bloss eine Frage: Warum wundern Sie sich, dass Israel so zynisch und gewalttätig seine Interessen durchsetzt wie j e d e s diktatorische Regime? Das liegt in der Natur der Sache. Ausbeutung und Unterdrückung anderer für seine Interessen kann nur gewalttätig und letzt-lich zynisch ausgeführt werden. Tröstlich ist wenigstens, dass noch alle diese Menschen verachtenden Herrschaften schändlich untergegangen sind. Und tröstlich ist auch, dass hinterher alle übrig gebliebenen Helfershelfer sich in Grund und Boden schämen müssen und im Abfalleimer der Geschichte landen. Zugegeben, ein schwacher Trost für die jetzt lebenden Plästinenser. Helfen wir ihnen darum jetzt mit BDS, mit Boykott, Desinvestition und Sanktion gegen Israel!
Paul Jud, am 19. Juni 2017 um 13:57 Uhr
Bleiben wir doch bei den Fakten. Die Hoffnung auf Frieden wird von der PLO blockiert. Wer die Juden ins Meer treiben will und darunter keinen Millimeter nachgibt, der will keinen Frieden. Die Führungsclique lebt gut mit all den Hilfsgeldern aus dem Westen und hat keinen Bedarf, daran etwas zu ändern.
Tim Meier, am 20. Juni 2017 um 08:07 Uhr
@Meier: Auch für Postfakten hat es noch Platz auf dem Misthaufen.
Paul Jud, am 20. Juni 2017 um 11:00 Uhr
Wie representativ ist das BESA-Center for Strategic Studies? Darf man aus seinen Äusserungen auf ganz Israel schliessen? Das wird im Artikel leider nicht beleuchtet.
Indirekt belegt ja Christian Müller mit dem Hinweis auf Miko Peled, dass es auch Israelis gibt, die anders denken.
Daniel Heierli, am 22. Juni 2017 um 11:29 Uhr

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