Woher den nötigen Optimismus holen?

Christian Müller © aw
Christian Müller / 14. Dez 2019 - In zwei Wochen beginnt ein neues Jahr. Gute Wünsche, nicht nur für die Gesundheit, sind doppelt gefragt …

Auch chronische Optimisten haben es zurzeit nicht einfach: An der Spitze des mächtigsten Staates der Welt Donald Trump. An der Spitze des grössten Landes in Lateinamerika, Brasilien, Jair Bolsonaro. In der Türkei Recep Tayyip Erdoğan. An der Spitze der EU in Brüssel Ursula von der Leyen. Und Premierminister Boris Johnson im Vereinigten Königreich jetzt mit einer stärkeren Tory-Mehrheit im Unterhaus als kaum einer vor ihm. Woher soll da das Glück der Menschheit kommen – und unsere Zuversicht?

Der Chefredaktor der CH-Media-Zeitungen – des Quasi-Monopols der Regionalzeitungen von Grenchen/Solothurn im Westen bis St. Gallen im Osten und Luzern/Uri im Süden – Patrik Müller, hat dazu eine Idee: Man kann sich auf die Schweiz verlassen. Da ist alles stabil und also auch «ganz okay».

Die Ansprüche an die Politik sind offensichtlich bescheiden geworden. Im Bundesrat wurde einer bestätigt, der bisher vor allem Negativ-Schlagzeilen gemacht hatte: der Tessiner Ignazio Cassis. Es ging, um in der Denkart und Terminologie der NZZ-Chefredaktion zu reden, allein um den Machterhalt der Rechten, gegen alles Wissen um die Fehlbesetzung vom 20. September 2017. Und der ehemalige Doppelbürger Italien/Schweiz, der der politischen Karriere zuliebe seinen italienischen Pass 2017 zurückgegeben hat – gleich übrigens wie der US/UK-Doppelbürger Boris Johnson, der der politischen Karriere zuliebe seinen US-Pass 2016 zurückgegeben hat –, wurde Bundesrat-intern nun auch noch als Aussenminister bestätigt. Ein nachvollziehbarer Entscheid allerdings: Damit kann wenigstens die Beschädigung eines weiteren Departementes verhindert werden.

Aber mit dieser Personalie nicht genug. Präsident der Staatspolitischen Kommission des Nationalrates ist jetzt der Aargauer SVP-Promi Andreas Glarner geworden. Ausgerechnet! Andreas Glarner ist nicht nur ein «Scharfmacher», wie ihn die Aargauer Zeitung bezeichnet, sondern auch ein Fremdenhasser und Menschenverächter erster Güte. Seine Sprache, nicht nur im Gespräch, auch schriftlich und öffentlich, besagt alles.

Ein Muster? Bitte:

«Die Kriminalität hat dank offenen Grenzen und Kuscheljustiz europäisches Niveau erreicht. Kein Wunder – wir haben ja den ehemaligen Krawallmachern von 1968 geradezu den roten Teppich für ihr schändliches Tun ausgelegt.»

«Eine multikulturelle Gesellschaft, durchseucht von Heerscharen von Integrationsbeauftragten, Sozialarbeitern, Jugendarbeitern, Schulsozialarbeitern, Schuldenberatern, Lebensberatern, Mediatoren, Kulturschaffenden und soziokulturellen Animatoren. Schon klar, denn die Sozialindustrie und die Linken produzieren sich ihre Jobs gleich selber. Und wenn es mal wieder zu wenig Stellen hat, setzt man die Armutsgrenze etwas hinauf und schon hat man ein paar zehntausend ‹Arme› mehr, für die man wieder Programme fordert …»

«Nur kommen dank Familiennachzug eben nicht nur Arbeitskräfte, sondern eine grosse Zahl mehrheitlich unterdurchschnittlich Begabter, dafür überdurchschnittlich gebärfreudiger Einwanderer, welche sich zum grossen Teil am Honigtopf unseres Sozialsystems laben und unsere Schulen an den Rand des Zusammenbruchs bringen.»

«Finden wir die Kraft, all die Sozialschmarotzer, ihre linken Helfershelfer und die Politiker, Manager und Verbandsfunktionäre, die den Staat und unsere Firmen als Selbstbedienungsladen betrachten, in die Wüste zu schicken? Packen wir es an, bevor die Schweiz endgültig vor die Hunde geht!»

Alles nachzulesen in Glarners Gastkommentar in der Aargauer Zeitung vom 10. Mai 2013 – oder in einem Infosperber-Kommentar vom 13. Mai 2013.

Und so einer, ausserhalb der politischen Ämter ein Unternehmer und privat gemäss Wikipedia ein Millionär – ist heute Präsident der Staatspolitischen Kommission.

Es ist, mit solchen Leuten in politischen Spitzenpositionen, wahrlich nicht einfach, Optimist zu bleiben. Auch nicht in der Schweiz.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine.

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Wahre Worte, und es wird sich nichts ändern, bis die Wähler und Wählerinnen den Zepter in die Hand nehmen und den Politikern auferlegen, Lösungen auszuarbeiten oder abgewählt zu werden. Das wäre dann die echte Demokratie. Das Links/Rechts-Schema ist nämlich überholt und führt zu den von Ihnen zitierten Menschen an der Spitze. Vielleicht ist es an der Zeit, dass InfoSperber eine entsprechende Bewegung anschiebt?
Michel Mortier, am 16. Dezember 2019 um 15:28 Uhr

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