Tunesische Auswanderer sind keine Flüchtlinge

Urs P. Gasche / 15. Feb 2011 - Medien sprechen von Tausenden von «Flüchtlingen», obwohl ihnen nach dem Sturz des Diktators weder Verhaftung noch Folter droht.

Der Begriff «Flüchtling» wird missbraucht und verwässert, und zwar zum Schaden all derjenigen, welche in ihrem Heimatland aus politischen Gründen mit willkürlicher Verhaftung, Gefängnis und Folter rechnen müssen. Solchen echten Flüchtlingen gewährt die humanitäre Schweiz Zuflucht und Schutz.

Sind die Schweizer im 19. Jahrhundert geflüchet?

Wenn Medien jedoch Massen von Menschen, die mangels Arbeit zu Hause auswandern und ihr Glück in reichen Staaten suchen, als «Flüchtlinge» bezeichnen, wird dieser Begriff abgewertet. Wer der weiteren Zuwanderung in der Schweiz kritisch gegenüber steht, wird echte Flüchtlinge bald in denselben Topf werfen. Denn «Flüchtlinge» sind offenbar das gleiche wie Immigranten und Einwanderer.

Der Begriff «Wirtschaftsflüchtling» gibt wenigstens einen Hinweis darauf, dass es sich nicht um politische Flüchtlinge handelt. Doch im allgemeinen Verständnis sind Menschen, die aus wirtschaftlicher Not auswandern, keine Flüchtlinge. In unseren Geschichtsbüchern würde es nie heissen, im 19. Jahrhundert seien Zehntausende aus der Schweiz geflohen, weil es hier Hungersnot gab. Nein, sie sind ausgewandert oder als Fremdwort ausgedrückt emigriert.

Die NZZ spricht von tunesischen «Migranten»

Als wohltuende Ausnahme ist die NZZ vorerst nicht dem «Flüchtlingsstrom» aufgesessen, sondern schrieb auf der Frontseite von «Migranten» (in späteren Beiträgen wechselte sie wieder zu «Flüchtlingen»). Die Bezeichnung «Migranten» schliesst eine Verwechslung mit politischen Flüchtlingen aus. Der Begriff ist auch richtig, weil man noch nicht weiss, in welchen Ländern sich diese Tunesier aufhalten werden, bevor sie sich in einem niederlassen können oder nach Tunesien zurück geflogen werden.

Sobald sie in einem Land bleiben können, sind es keine «Migranten» mehr, sondern «Immigranten» oder «Eingewanderte». Trotzdem bezeichnen Medien in Deutschland die dortige ausländische Bevölkerung regelmässig als «Migranten», was den falschen Eindruck wecken kann, die meisten dieser Menschen würden eines Tages in ein anderes Land weiter wandern und seien nur vorübergehend in Deutschland.

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