Die weltweiten Fallzahlen auch bei der John Hopkins University auf der Titelseite. © JHU

Das irreführende Starren auf die Corona-Fallzahlen (1)

Urs P. Gasche / 10. Okt 2020 - Statt sachlich einzuordnen wird dramatisiert. Das verspielt Vertrauen in Behörden und Experten und nährt Verschwörungsphantasien.

Medien und Behörden verbreiten in diesen Tagen mehr denn je an erster Stelle, wie viele neue Corona-Fallzahlen es pro Tag oder Woche gegeben hat. Steigende Fallzahlen entscheiden darüber, ob Läden, Restaurants und Schulen geschlossen oder Grossveranstaltungen abgesagt werden. Und wohin ohne Quarantäne gereist werden kann.

Die Problematik von reinen Fallzahlen

Infosperber informiert bereits seit April über fünf Probleme mit den Fallzahlen:

1. Fallzahlen ohne gleichzeitige Angabe der Zahl der durchgeführten Tests sind unseriös. Denn je häufiger getestet wird, desto mehr «Fälle» findet man (Infosperber vom 10.4.2020 und vom 16.4.2020).
Die Grafik auf der Titelseite der NZZ vom 8.10.2020 übertreibt optisch die gegenwärtigen Neuinfektionen im Vergleich zum Frühjahr, weil sie die Anzahl der Tests nicht berücksichtigt.

2. In internationalen Vergleichen müssen Fallzahlen pro 100'000 Einwohner angegeben werden. Dann liegen die USA mit ihren über 200'000 ausgewiesenen Todesfällen an neunter und nicht an erster Stelle (Infosperber vom 25.9.2020).

3. Fallzahlen ohne gleichzeitige Angabe, wie viele der positiv Getesteten überhaupt an Krankheitssymptomen leiden und an welchen, können den irreführenden Eindruck wecken, bei den vielen «Fällen» handle es sich um Erkrankte (Infosperber vom 26.4.2020 und vom 25.9.2020). Auch beim Begriff «Infizierte» meinen viele, es handle sich um Erkrankte und/oder Ansteckende. So wünschte etwa der Fussballreporter des Matches Schweiz-Kroatien den beiden positiv getesteten Spielern Xherdan Shaqiri und Manual Akanji «gute Besserung», obwohl die beiden gar nicht krank waren.

4. Zudem sind etliche der positiv getesteten «Fälle» zum Zeitpunkt des Tests nicht mehr ansteckend, auch wenn sie vorher Krankheitssymptome hatten.

«Zu Unrecht als Ansteckende behandelt»

«Viele Tests erkennen noch lange Zeit nach einer Infektion Spuren des Virus. Deshalb werden viele [längst nicht mehr ansteckende] Menschen zu Unrecht als Fälle behandelt, welche die öffentliche Gesundheit bedrohen.»
Carl Heneghan, Direktor des Zentrums für evidenzbasierte Medizin der Universität Oxford und Chefredaktor der BMJ Evidence-Based Medicine (Quelle: Spectator).

5. Je mehr Personen getestet werden, die keinerlei Krankheitssymptome haben und höchstwahrscheinlich virenfrei sind, desto mehr Getestete erhalten fälschlicherweise ein positives Testresultat und werden zu «Fällen» (Infosperber vom 19.6.2010).

Es geht nicht um «Fälle», sondern um Schwerkranke und zu früh Verstorbene

Die derzeitigen Corona-Massnahmen sollen dafür sorgen, dass es keine zweite Welle mit vielen Hospitalisierten und Covid-Toten gibt. Wenn nun statistisch steigende Fallzahlen gar nicht dazu führen, dass es – selbst Wochen später – zu deutlich mehr Spitaleinweisungen und Todesfällen kommt, besteht das Risiko, dass aufgrund der Fallzahlen unverhältnismässige Massnahmen ergriffen werden.

Der frühere Forschungsleiter beim Pharmakonzern Pfizer, Mike Yeadon*, sieht keine zweite Krankheitswelle, jedoch vermehrt falsche Testresultate. Deshalb kritisiert er Massnahmen, welche die USA, Grossbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland oder die Schweiz erlassen haben (z. B. hier auf Youtube). Unterstützt wird Yeadon in England von Professor Carl Heneghan. Auch er sieht «gegenwärtig keine Evidenz für eine zweite Welle». Heneghan ist Direktor des Zentrums für evidenzbasierte Medizin der Universität Oxford und Chefredaktor des BMJ Evidence-Based Medicine.

Niemand weiss mit Sicherheit, ob es zu einer zweiten Corona-Welle kommt, die wieder viele intensive Behandlungen und Todesopfer fordert. Das Virus könnte sich zum Beispiel so verändern, dass es gefährlicher wird. Yeadon und Heneghan argumentieren jedoch, dass erstens das bisherige Pandemiegeschehen sowie zweitens der Verlauf früherer Virus-Epidemien eine solche Entwicklung wenig wahrscheinlich machen. Die gegenwärtigen Fallzahlen-Statistiken halten sie für fehlerhaft. Im Folgenden fassen wir ihre wichtigsten Argumente zusammen.

Fallzahlen sind ein falsches Kriterium

Der menschliche Körper trägt viele Viren mit sich herum. Man spricht daher vom Virom des Menschen. So gibt es Viren, die Masern, Mumps, Influenza oder Aids verursachen können. Nach durchgemachter Krankheit sind Menschen gegen einige Viren immun. Es existieren jedoch auch Viren, die nie krank machen.

  • Ziel der öffentlichen Gesundheitspolitik ist es, schwere Erkrankungen und Todesfälle möglichst zu reduzieren. Handeln sollten staatliche Behörden vor allem dort, wo Unbeteiligte angesteckt werden oder wo sie Schadstoffen ausgesetzt sind.

Auch im Fall der Corona-Epidemie dürfen Versammlungsverbote, Quarantänen, Reisebeschränkungen, Distanzhalten und Masken nur Mittel zum Zweck sein: Als Mittel sollen solche Massnahmen verhindern, dass sich das Coronavirus ausbreitet. Der Zweck oder das Ziel besteht jedoch darin, möglichst viele schwere Erkrankungen und Todesfälle zu vermeiden.

Deshalb sind die gegenwärtigen Corona-Massnahmen nur zu rechtfertigen, wenn sie tatsächlich zu deutlich weniger schweren Erkrankungen und Todesfällen führen. An diesen zwei Zielgrössen oder Endpunkten kann man messen, ob die getroffenen Massnahmen verhältnismässig sind.

Trotz steigender Fallzahlen kommt es zu sehr wenigen Spitaleinweisungen und Todesfällen

Seit Anfang August werden fast täglich oft in alarmierender Art steigende Zahlen von positiv Getesteten gemeldet. Trotzdem kam es bisher in den meisten Ländern weder zu entsprechend mehr Hospitalisierten noch zu mehr Todesfällen.

  • Im Klartext heisst das: Wenn nicht getestet würde, käme niemand auf die Idee und würde zurzeit niemand merken, dass eine Pandemie herrscht.

Der Hauptgrund ist schnell ausgemacht: Es steckten sich diesen Sommer fast nur Jüngere an, die wegen des Virus nur ganz selten schwer erkranken (Infosperber vom 1.9.2020).

Und offensichtlich haben diese Jüngeren ihre Eltern und ihre Grosseltern in Alters- und Pflegeheimen nur selten angesteckt, denn sonst wäre es inzwischen zu mehr Spitaleinweisungen und Todesfällen gekommen. Ein Grund kann sein, dass diese Einrichtungen ihre Bewohner heute deutlich besser schützen als vor dem Lockdown. Nur «innerhalb der Familien und bei grossen Familienanlässen» sei das Ansteckungsrisiko immer noch gross, sagt Professor Nicolas Müller, Infektiologe am Universitätsspital Zürich.

Natürlich ist bei den Spitaleinweisungen eine zeitliche Verzögerung zu berücksichtigen. Nach Auskunft von Müller vergehen «nach dem Auftreten der ersten Krankheitssymptome häufig zwischen 8 und 12 Tage», bis schwer Erkrankte in ein Spital eingeliefert werden. Doch trotz dieser Verzögerung hätte es bei Ansteckungen der älteren Risikogruppen in der letzten Zeit zu steigenden Spitaleinweisungen kommen müssen. Denn die statistisch erfassten «Fallzahlen» stiegen bereits seit Anfang August merklich an, ohne dass Spitaleinweisungen oder Todesfälle bis heute entsprechend zugenommen hätten.

Andere Stimmen warnen

upg. Einige Experten befürchten, dass es in der Folge der steigenden Fallzahlen doch noch zu viel mehr Spitaleinweisungen kommt. Die an der Uni Bern tätige Epidemiologin Nicole Low beispielsweise, Mitglied der Task Force des Bundes, zeigt sich beunruhigt, weil der Anteil der Positiven unter den Getesteten steige. «Das ist wirklich schlimm», sagte sie am 7. Oktober in der NZZ. Low schlägt eine höhere Testkadenz vor und fordert eine generelle Maskenpflicht in Läden und neue Restriktionen für Veranstaltungen.
Tamedia-Zeitungen berichteten: «EU-Kommission schlägt Alarm – Die Angst vor der nächsten Corona-Welle hält Europa in Atem». Laut der Europäischen Infektionsschutzbehörde ECDC sei die Corona-Entwicklung in Spanien, Grossbritannien, Frankreich und Österreich «besorgniserregend». In Grossbritannien und Spanien komme es zu steigenden Spitaleinlieferungen.

Viel mehr positiv Getestete bei sehr wenigen Hospitalisierungen und Todesfällen: Diese Entwicklung gilt seit Anfang Juli nicht nur für die Schweiz und Deutschland, sondern auch für Grossbritannien, Italien und die USA. Zu einem leichten Anstieg der Hospitalisierungen kam es in Europa lediglich in Spanien, Frankreich, Belgien und Tschechien.

Entwicklung der Todesfälle im Vergleich zur Entwicklung der «Fälle»

Die folgenden Grafiken zeigen die Entwicklung der täglich gemeldeten positiv getesteten Fälle (rote Linien) und der täglich gemeldeten Todesfälle (schwarze Linie ganz unten) seit dem 1. Juni 2020 (Quelle: Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten ECDC).

Schweiz

Deutschland

Grossbritannien

USA

Weltweit

Entwicklung der Zahl der weltweit täglich bestätigten positiv Getesteten (rote Kurve) und der täglichen Todesfälle (schwarze Kurve). Quelle: Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Nur in Spanien stiegen die bestätigten Todesfälle von nur wenigen im Juni auf gegenwärtig rund 150 täglich. In Italien dagegen blieben die Todesfälle seit Juni wie in anderen europäischen Ländern konstant tief.

Spitaleinweisungen in der Schweiz

Eine weitere Grafik zeigt, dass in der Schweiz die konstant tiefen Spitaleinweisungen (blaue Kurve) keine Korrelation aufweisen mit den Zahlen der positiv Getesteten (orange Balken). Offensichtlich haben die vielen jüngeren Infizierten auch im Laufe der Zeit bisher nur zu wenigen schweren Erkrankungen der älteren Risikogruppen geführt.


Tägliche Spitaleinweisungen wegen Corona in der Schweiz (blaue Kurve). Täglich positiv Getestete (rote Balken). Daten: BAG. Grafik: Petro Vernazza

Aufgrund obiger Daten und Ausführungen kommen Mike Yeadon, Carl Heneghan und etliche andere Epidemiologen und Experten zu folgendem Schluss:

  • Es ist nicht sachgerecht, die Zahl der «Fälle», also der positiv Getesteten, ständig als wichtigstes Kriterium in den Vordergrund zu stellen. Es ist auch abwegig, Massnahmen allein von der Zahl der positiv Getesteten pro 100'000 Einwohner abhängig zu machen. Als Kriterium viel relevanter sind die Entwicklung vor allem der Spitaleinweisungen sowie diejenige der Todesfälle.

Wo man sich am ehesten anstecken kann

upg. Zu den häufigsten Ansteckungen kommt es, wenn sich viele Menschen in geschlossenen Räumen nahekommen, vor allem wenn noch viel geredet, gesungen oder gejubelt wird. Der unterschiedliche Nutzen verschiedener Klima- und Lüftungsanlagen ist noch wenig erforscht.

Weiter kommt es darauf an, wie lange man sich und wie nahe man sich in der Nähe von Ansteckenden aufhält. Das gilt auch für längere Bahnfahrten, sofern fremde Personen näher als zwei Meter entfernt sitzen.

Häufiges Lüften reduziert das Risiko in solchen Innenräumen. Auch Masken reduzieren das Risiko. Um zu erfassen, wie gross der Nutzen von Masken ist, müsste man wissen, wie viele Menschen an bestimmten Orten und wie lange ungefähr eine Maske tragen müssen, damit ein Ansteckungsfall verhindert wird. Sind es ungefähr 10‘000 oder 300‘000? Diese Zahl wird in Clubs und Chören geringer sein als in Zügen. Auf dem offenen Deck von Schiffen wiederum dürfte es über eine Million Masken brauchen, damit eine einzige Ansteckung verhindert wird. Denn im Freien, vor allem wenn es noch luftig ist, ist es äusserst unwahrscheinlich, sich mit dem Virus anzustecken.

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  • Ein zweiter Teil behandelt ein weiteres Problem mit den Fallzahlen: Immer mehr positiv Getestete sind gar nicht infiziert: hier.
    Ein dritter Teil bringt Aussagen von Experten, dass die Corona-Epidemie trotz steigender Fallzahlen praktisch vorbei sei: hier.

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Infosperber-DOSSIER:

Coronavirus: Information statt Panik

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FUSSNOTE
*Mike Yeadon war früher Forschungleiter beim Pharmakonzern Pfizer. Er hatte sich auf Krankheiten der Atmungsorgane spezialisiert. Später gründete er die Biotech-Firma Ziarco, welche 2016 von Novartis 2016 gekauft wurde.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Keine

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20 Meinungen

Von Interesse sind auch die Fallzahlen nach Altersgruppen. Bei 10-29 J übersteigen die aktuellen Werte die historischen Zahlen massiv. Aber es gibt in der Tat kaum Hospitalisierungen und keine Todesfälle.
Josef Hunkeler, am 10. Oktober 2020 um 10:19 Uhr
Wenn man sich auf die Spitaleinweisungen verlässt, hinkt man hinterher! Dass es weniger Alte in den Spitälern hat, ist darauf zurückzuführen, dass sie sich jetzt mehr als im März/April schützen, weil sie wissen, was sie erwartet. Sie haben mehr Angst als die Jungen, denen es oft egal ist, wenn sie die «Grippe» bekommen. Nur trifft es leider auch manchmal Junge schwer und auch sie haben in seltenen Fällen gravierende Folgeerscheinungen. Das wird gerne verdrängt. Party first!
Ruedi Beglinger, am 10. Oktober 2020 um 12:00 Uhr
@Beglinger. Wer wegen Covid-19 in ein Spital muss, muss dies innerhalb von 8-12 Tagen nach der Ansteckung. Die Zahlen der Spitaleinweisungen hinken also den Ansteckungen nicht weit hinterher. Die Fallzahlen der positiv Getesteten beziehen sich auf den Zeitpunkt des Tests und nicht auf den Zeitpunkt der Ansteckung. Der Unterschied ist also nicht gross und es scheint fahrlässig, Versammlungs- und Reiseeinschränkungen vor allem oder alleine von der statistisch unsicheren Entwicklung der positiv Getesteten abhängig zu machen.
Urs P. Gasche, am 10. Oktober 2020 um 12:11 Uhr
'Als Kriterium viel relevanter sind die Entwicklung vor allem der Spitaleinweisungen sowie diejenige der Todesfälle.'
Das ist falsch, die Schwere der Krankheit ist für die Bewertung der Pandemie irrelevant. Es zählen nur die Inzidenz- und die Prävalenzraten. Die medizinische Beurteilung der Krankheit zählt nicht.
Ralf Schrader, am 10. Oktober 2020 um 12:23 Uhr
Sehr geehrter Herr Gasche,

es ist nicht korrekt die reduzierten Todesfälle bei Covid19 ALLEIN auf die häufigere Testung jüngerer Menschen zurückzuführen.

Auch die Sterberate CFR bei den Älteren ist teilweise dramatisch gesunken.

Zitat: «This analysis shows that the fatality rate from COVID-19 has declined in all age groups, and the older age groups drive the overall reduction"

https://www.cebm.net/covid-19/declining-covid-19-case-fatality-rates-across-all-ages-analysis-of-german-data/

Zudem scheint nicht nur der CFR zu sinken auch der IFR sinkt, wie Oxford an zwei Datensets zeigt.

Zitat:"
ONS figures imply an IFR as of 4 August estimated at 0.49% (ONS 95% Credible interval, 0.36% to 0.67%).
The IFR estimated was higher at 2.63% at the start of our 8-week series on 23 June.

MRC figures imply an IFR as of 28 July estimated at 0.30% (MRC Credible interval. 0.22% to 0.4%), having been estimated at a higher 0.69% at the start of our 8-week series on 23 June."

https://www.cebm.net/covid-19/estimating-the-infection-fatality-ratio-in-england/

Mit freundlichen Grüßen

Jens Happel
Jens Happel, am 10. Oktober 2020 um 12:39 Uhr
Die Aufgabe der Presse sei die Einordnung der Fakten. Genau diese Aufgabe wird durch das tägliche Zitieren von nackten Zahlen fast durchgehend verweigert.
Matthias Wiesmann, am 10. Oktober 2020 um 12:54 Uhr
Vielen Dank! Ich bin überall einverstanden. Warum «Viel mehr positiv Getestete bei sehr wenigen Hospitalisierungen und Todesfällen..."? Eine weitere Erklärung könnte sein:

Christian Althaus wurde am 8.10. im «Bund» zitiert, dass die aktuelle Dunkelziffer bei den Fallzahlen um zwei liegen könnte, und früher bei zehn. Dann wären es bereinigt aktuell total 15x weniger positive Fälle als im Frühjahr, wenn seine Schätzung stimmt. Es hat auch 15x weniger Hospitalisierungen und 30x weniger Verstorbene. Wenn man dazu noch die falschen Positiven bei den Fallzahlen nimmt, die in Infosperber thematisiert wurden und werden, und grob 50% annimmt (realistisch bei PCR-Tests, die nicht doppelt erfolgen), wären die bereinigten Fallzahlen aktuell 30x kleiner als damals. Das heisst, der grosse Unterschied zwischen Frühjahr und Herbst beim Verhältnis Fallzahlen/Sterblichkeit, könnte rein mathematische Ursachen haben und die offizielle Schweiz sollte endlich dazu übergehen, die Fallzahlen wissenschaftlich korrekt anzugeben, mit Fahlerbereichen, und sie nicht überzubewerten, wie gerade jetzt wieder der Fall ist.
Theo Schmidt, am 10. Oktober 2020 um 13:03 Uhr
Das sagt und schreibt eine Gruppe schon seit mindestens 15 August 2020 an Behörden Vertreter und Task-Force gerichtet. Die 1. Antwort war, dass die vorhandenen Zahlen noch in Grafiken umgewandelt werden. Das hat die Taskforce dann tatsächlich gemacht. Aber die Medien haben weiterhin immer nur die Fallzahlen veröffentlicht (und Fälle / Infizierte sollen in den Köpfen der Leser gleichgesetzt werden mit, das seien Kranke). Fast 2 Monate immer dieselben unreflektierten Angaben, hat seine Wirkung. Vor kurzem haben die Medien angefangen mehr Angaben zu präsentieren. Aber der Titel muss unbedingt weiterhin heissen die Fallzahlen seien gestiegen, auch wenn hinter her im Text steht, es seien tatsächlich nur wenig Tote und wenig Hospitalsierte.
Carlos Werner Schenkel, am 10. Oktober 2020 um 13:40 Uhr
Und wer macht jetzt endlich Druck beim Bundesrat und den kantonalen Regierungen mit diesem Unsinn aufzuhören, statt ihn noch weiter ins Extreme zu steigern? Es ist höchste Zeit, bevor die Schäden (an der Wirtschaft aber auch an den Psychen der Menschen) irreparabel sind.
Hans-Peter Rauber, am 10. Oktober 2020 um 14:06 Uhr
Urs P. Gasche meint, solange es in Krankenhäusern keine Probleme gibt, solle man sich nicht darum kümmern, dass die Infektionszahlen immer weiter steigen. Auf den ersten Blick mag das einigen Leuten, die das Problem nur oberflächlich betrachten, plausibel erscheinen.
Wenn man es aber nicht ganz so oberflächlich betrachtet, ist offensichtlich, dass ein grosses Problem in Europa darin besteht, dass viel zu sehr auf Leute, die Positionen wie die von Urs P. Gasche äussern gehört wird. Wenn die Zahlen weiter steigen, wird es früher oder später auch zu viele Erkrankte für die Kapazität des Gesundheitssystems geben. Dann ist es für alle einfachen, billigen Methoden zum Zurückdrängen der Pandemie zu spät. Wenn die absolute Zahl der Infektionen hoch ist, ist ein Absenken der Reproduktionszahl viel schwieriger und teurer.
Die ostasiatischen Länder und Neuseeland haben aus der Sicht von Urs P. Gasche wohl «überreagiert», aber mit ihren konsequenten, proaktiven Politik gegen die Ausbreitung des Virus nicht nur für die Gesundheit, sondern auch für die Wirtschaft sehr viel bessere Resultate erreicht. Wie Gasche zu sagen, man solle die Zahlen ruhig weiter steigen lassen, solange die Probleme nicht ganz offensichtlich sind, mag zu Applaus an einigen Stammtischen führen, aber im Vergleich zu erfolgreicheren Ländern ist das offensichtlich sowohl gesundheits- als auch wirtschaftspolitisch dumm und irrational.
Adrian Engler, am 10. Oktober 2020 um 16:13 Uhr
Vielen Dank für den sehr guten Artikel.
Leider hört und liest man in den Mainstream Medien nichts Vergleichbares und die Menschen lassen sich immer noch verängstigen mit diesem Theater.
Schön, dass es Leute wie den Rechtsanwalt Dr. Füllmich gibt, der in den USA eine Sammelklage startet, die sich u.a. auch gegen die Hersteller der PCR- Tests richtet. Er war der erfolgreiche Kläger gegen VW und Deutsche Bank.

Am 13.7.20 schrieb das CDC: “Since no quantified virus isolates of the 2019-nCoV are currently available, assays [diagnostic tests] designed for detection of the 2019-nCoV RNA were tested with characterized stocks of in vitro transcribed full length RNA…”. Also damit das klar ist, es wird auf RNA eines Virus getestet, der nicht isoliert wurde und darum naturgemäss per se gar nicht existiert. Siehe https://www.fda.gov/media/134922/download auf S.40 im PDF. Die Situation ist heute immer noch gleich.

Was sich Exekutive und Legislative (Aufsichtspflicht) weltweit geleistet haben, gehört vor ein 2. Nürnberg Tribunal.
Elisabeth Heer, am 10. Oktober 2020 um 17:20 Uhr
Gratuliere für diese tolle Arbeit. Das wäre eigentlich die Arbeit des BAG. Das uns das BAG nicht so informiert ist ein Skandal sondergleichen. Die wie ersichtlich unrelevanten PCR Tests sind die Grundlage für Massnahmen, die über eine Million Tote zur Folge haben (900000 allein in Afrika) 100 Mio Menschen neu zu den allerärmsten gehören, Existenzen kaputt machen und uns Schweizer Steuerzahler direkt Fr 15000 pro Haushalt und noch viel mehr Folgekosten verursacht
Beat Schärer, am 10. Oktober 2020 um 18:44 Uhr
"Trotz steigender Fallzahlen kommt es zu sehr wenigen Spitaleinweisungen und Todesfällen"

Welche Spitäler sind gemeint? Die Spitäler in Madrid, Tschechien oder die Charité in Berlin?

Die Belastung des Gesundheitswesens hinkt den steigenden Infektionszahlen zeitlich hintennach und eine höhere Belastung unserer Spitäler in der Schweiz kommt wohl bald auf uns zu. Dies, wenn wir jetzt nicht sehr achtsam bleiben.

Dazu am 9.10.2020 in der Berliner Morgenpost:

Charité-Chef Heyo Kroemer sagte: … Bis vor drei oder vier Wochen habe es an der Charité eine „stabile Situation“ gegeben. Es seien zehn alte Covid-Fälle beatmet worden. „Seit zwei Wochen ist diese Phase vorbei“, sagte Kroemer, die Aufnahmezahlen und die Zahl der Beatmeten stiegen an. „Wir sind gezwungen, unsere sonstigen Aktivitäten einzuschränken“, so der Charité-Chef. …
Martin Walter, am 10. Oktober 2020 um 21:10 Uhr
Sehr geehrter Herr Gasche. Endlich vernehme ich, dass auch bei Ihnen die Erkenntnis reift, «dass das Vertrauen in Behörden und Experten langsam verspielt ist, dass (auch bei Ihnen?) Verschwörungsphantasien reifen.» Nur schade, dass sie diese nicht konkretisieren. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Ich wiederhole mich, aber mir drängt sich der Eindruck auf, dass Ihre Geduld mit den Buben die im Heuschopf mit Streichhölzern spielen grenzenlos ist. Da können die Buben Streichhölzchen nach Streichhölzchen anzünden, mit Engelsgeduld erklären Sie den Buben ihr Fehlverhalten und mahnen Besserung. Niemals werden Sie in Erwägung ziehen, dass die Buben das Schöpfli anzünden wollen - das darf, das soll, das kann nicht sein...
Chuen Gerber, am 10. Oktober 2020 um 21:54 Uhr
die ganze situation ist bekanntlich sehr komplex.

dass man die fallzahlen nicht eins zu eins verwerten kann ist klar. es wird jetzt viel mehr getestet als im frühling. hinzu kommt, dass im frühling symptomatische personen nicht getestet wurden, wenn sie nicht zur risikogruppe gehörten. also wären damals die zahlen vermutlich bedeutend höher gewesen.
ich vermute, dass sich covid-19 bereits letztes jahr - noch unerkannt - stark ausgebreitet hat. in barcelona wurde das virus nachträglich im kanalisationswasser von frühjahr 2019 bereits nachgewiesen. weshalb es allerdings erst im frühling 2020 zu einer übersterblichkeit in europa (siehe «euromomo.eu") kam, kann ich mir noch nicht erklären. seither besteht keine übersterblichkeit mehr.

die tests sind leider weit davon entfernt, zuverlässig zu sein oder die infektiosität korrekt anzuzeigen. trotzdem sind sie momentan das einzig verfügbare mittel, präventive massnahmen zu erhöhen oder verringern.
wie herr engler bin ich der meinung, wenn man frühzeitig milde massnahmen ergreift, kann man möglicherweise verhindern, später drastische massnahmen verhängen zu müssen.
also lieber jetzt eine umfassende maskepflicht, als später vielleicht wieder lockdowns oder ähnliches. diese sind tatsächlich verheerend, da der wirtschaftliche ruin einer person auch deren psychische gesundheit «ruiniert».
und es gilt auch, einer übersterblichkeit wie im frühling rechtzeitig vorzubeugen.
Daniela Margelli Hartmann, am 11. Oktober 2020 um 08:27 Uhr
ich muss auf ein paar Fehler in Ihrem Bericht hinweisen. Sie schreiben «offensichtlich» haben die Jüngeren nicht die Älteren angesteckt. um die Realität mit dem Konjunktiv zu unterscheiden, müssen Sie hier von offenbar schreiben. Offensichtlich ist in dem Gschtürm über Corona nur, dass niemand weiss, was wirklich los ist, und jeder seine eigene Meinung als die Richtige annimmt. Auch schreiben Sie vom Risiko falscher Massnahmen, obwohl es sich um Wahrscheinlichkeit falscher Massnahmen handelt und nicht um Risiken. Es ist das Wort, das falsche Meinungen kreiert. So wie der Hinweis auf den Grafiken (die letzte Grafik: Covid-19. Diagnostizierte und hospitalisierte «Fälle» pro Tag. Es wurden nicht Covid-19 Fälle diagnostizert. Die «Fälle» zeigen lediglich die vom Virus SARS-Cov2 Befallenen, das heisst noch lange nicht, dass man Covid-19 hat. Covid-19 ist eine schwere Lngenkrankheit, die ausbrechen kann, wenn man nicht genug körpereigene Abwehrstoffe hat, und sich mit dem Virus infziert (bitte den Konjunktiv beachten «kann». Man darf also nur von den Hospitalisierten von Covid-19-Fällen sprechen, die anderen sind nur Covid-19-Verdächtige. ungefähr jeder hunderste Virus-Träger bekommt Covid-19 und jeder tausendste der Infizierten stirbt an Covid. Dies belegen die Zahlen weltweit. Dies bedingt aber, dass man weiss, welche Zahlen was bedeuten, und wie man sie zum rechnen benutzt. SARS-Cov2 ist Realität, Covid-19 ist Realität, Corona ist Fake, meine Aussagen sind alternative Fakten,
juerg wyss, am 11. Oktober 2020 um 09:35 Uhr
Muss nochmal schreiben, wegen blauem Kasten, «wo man sich am häufigsten anstecken kann». Man kann sich überall anstecken wo ein Mensch das Virus hat und der andere nicht, egal wieviele Menschen an einem Ort sind, der Ort betimmt nur die angenommene Häufigkeit, wieviele Personen von einer Person angesteckt werden können (Inzidenz). Auch diese dauernden Maskentheorien nerven total. Masken reduzieren die Ansteckung, wenn sie von Infizierten getragen werden, weil dort das Weitergeben minimiert wird. aber Schutz vor einer Ansteckung bietet eine Maske nicht (Bericht deutsche Apothekerzeitung Juli 2006 welcher aufgrund Vogelgrippe publiziert wurde). Der Logik nach müssen SARS-Cov2-Träger eine Maske tragen und SARS-Cov2-Verdächtige. Aber allen Gesunden zu suggerieren, dass sie krank sind, ist nicht nur fahrlässig, es ist krank.
juerg wyss, am 11. Oktober 2020 um 10:03 Uhr
@Wyss. Da man auch ansteckend sein kann, wenn man keine oder noch keine Symptome spürt, weiss niemand, ob er ein «Verdächtiger». Zudem gibt es seit der Apothekerzeitung von 2006 eine hinreichende Evidenz, dass Masken auch vor Ansteckung schützen (je nach Maske, je nach dem Tragen und je nach der Virenmenge in nächster Nähe eine Risikoreduktion von 20 bis 80 Prozent).
Urs P. Gasche, am 11. Oktober 2020 um 10:46 Uhr
@ Gasche schöne Argumentation, trotzdem haben Sie mich nicht korrekt verstanden. Meine Aussage ist, dass erst ein SARS-Cov2 Träger die Krankheit Covid-19 bekommen kann, und deshalb erst «Verdächtiger» sein können, wenn das SARS-Cov2 diagnostiziert wurde. Vorher ist man «nur» ein SARS-Cov2 Virus Verdächtiger, aber nicht ein Covid19 Verdächtiger. Ein Hinweis auf das Fehlen aller Informationen in Ihrer Argumentation ist, dass Sie in Ihrem ersten Satz das Verb vergessen haben, dass Ihren Satz erst zu einem ganzen Satz machen würde. Für mich ein klarer Beweis, dass Sie Fragmente ausblenden. Und was das Wort Evidenz angeht, bei so vielen Theorien kann es keine Evidenz geben, da das Augenscheinliche dem Namen nach nur augenscheinlich, aber keine Tatsache ist, und jeder seine subjektive Wahrnehmung als richtig annimmt. Auch brauchen wir nicht eine Risikoreduktion, wir brauchen eine Reduktion des Virus. Das Risiko sich mit SARS-Cov2 anzustecken beträgt 1:1. Das Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken kann reduziert werden, indem man Hotspots meidet, und nicht mit Masken. Masken sugerieren eine falsche Sicherheit, wie sich aus den steigenden Zahlen erkennen lässt. Die These, dass es mehr Infektionen gäbe, wenn man keine Masken tragen würde, ist keine These, es ist eine Hypothese.
juerg wyss, am 12. Oktober 2020 um 10:45 Uhr
Punkt 5 ist für mich nicht verständlich. Erst mit dem Inhalt des darüberstehenden gelben Kastens macht er für mich Sinn. Ich würde Punkt 5 demnach ungefähr wie folgt formulieren:

„5. Mit diesen Tests wird nicht unterschieden, ob jemand gerade momentan frisch infiziert und somit ansteckend ist, oder ob der „positiv“ Getestete den Virus schon zu einem viel früheren Zeitpunkt hatte, obwohl er gar nie krank wurde oder Symptome hatte. Die „Genesenen“, die inzwischen nicht mehr ansteckend sind, werden trotzdem Bestandteil der aktuellen Kurve, die somit zu Unrecht ansteigt. Korrekterweise dürften positive Fälle erst dann gezählt werden, wenn mittels Antikörpertest ausgeschlossen werden kann, dass der Getestete schon früher Kontakt hatte mit dem Virus.“

Ist ja logisch, dass die Kurve steigt. Irgendwann sind alle Einwohner positiv genesen, aber keiner mehr krank oder ansteckend. Und die Kurve schiesst trotzdem durch die Decke. Den Behörden Lesen und Schreiben beizubringen, ist für unsereins inzwischen täglich Brot.

Für mich persönlich ist die wichtigste Kurve die der Auslastung der Spitäler. Da diese natürlich hinterherhinkt, müssen gewisse vorkehrende Schutzmassnahmen eingehalten werden. Im Gedränge Masken zu tragen und Händewaschen mit Seife halte ich für durchaus zumutbar. Abgesehen davon sind dieses Jahr die Einkaufswägeli endlich so sauber, wie sie es schon immer hätten sein müssen :-)
Leonhard Fritze, am 12. Oktober 2020 um 14:26 Uhr

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