Die Zahlen der Spitaleinlieferungen sollten das wichtigste Kriterium für Massnahmen sein. © AA
Die Zahlen der Spitaleinlieferungen sollten das wichtigste Kriterium für Massnahmen sein. © AA

Das irreführende Starren auf die Corona-Fallzahlen (3)

Urs P. Gasche / 12. Okt 2020 - Die Pandemie sei faktisch vorbei, sagen zwei Experten: «Doch die gängigen Testverfahren bringen das Virus nie zum Verschwinden.»

Die derzeitigen Massnahmen gegen die Corona-Epidemie sollen dafür sorgen, dass es keine zweite Welle mit vielen Hospitalisierten und Gestorbenen gibt. Dieser dritte Teil informiert über Argumente von Experten, wonach eine solche zweite Welle höchst unwahrscheinlich sei. Ein erster Teil hat dargelegt, weshalb es fragwürdig ist, steigende Fallzahlen als Hauptkriterium darüber entscheiden zu lassen, ob Läden, Restaurants und Schulen geschlossen oder Grossveranstaltungen abgesagt werden.

Der zweite Teil dieser Artikelreihe zeigte auf, warum etliche Testresultate, also statistisch erfasste Corona-Fälle, falsch sein können. Je vollständiger bessere Tests die tatsächlich Infizierten erfassen können, desto mehr unter den Nicht-Infizierten werden fälschlicherweise ebenfalls positiv getestet. Die Schrotmunition trifft dann alle, aber eben auch Unbeteiligte.

Das würde nur dann nicht zutreffen, wenn ein Test in der Praxis sowohl alle Infizierten als auch alle Virusfreien zu 100 Prozent fehlerfrei identifizieren könnte. Doch einen solchen Test hat es noch nie gegeben (siehe Teil 2).

Auch eine Fehlerquote von weniger als einem Prozent bei der Spezifität (Treffsicherheit bei Nicht-Infizierten) führt dazu, dass Tests selbst in einer völlig virusfreien Bevölkerung positive Resultate ergeben. «Die gängigen Testverfahren und das vermehrte Testen von symptomfreien Personen führen auch zu mehr falsch-positiven Resultaten, so dass das Virus [statistisch] vielleicht nie verschwindet», erklärt Carl Heneghan, Direktor des Zentrums für evidenzbasierte Medizin der Universität Oxford und Chefredaktor der BMJ Evidence-Based Medicine.

Weil heute immer mehr Menschen getestet werden, darunter immer mehr ohne Symptome, und weil Kontrolltests nach positiven Resultaten nur selten gemacht werden, beurteilt Mike Yeadon*, langjähriger Forschungsleiter beim Pharmakonzern Pfizer, den einseitigen Fokus auf die «Fallzahlen» äusserst skeptisch: «Heute sind wahrscheinlich mehr als die Hälfte der positiv Getesteten gar nicht positiv. Und von den gefundenen Infizierten sind längst nicht alle noch ansteckend.» Yeadon bezieht sich auf Grossbritannien, wo im September pro 100'000 Einwohner dreimal so viele Personen getestet wurden wie in der Schweiz. Der Slogan «testen, testen, testen» sei kontraproduktiv.

«Die Pandemie ist faktisch vorbei»

Seit Anfang August werden steigende Zahlen von positiv Getesteten gemeldet. Trotzdem kam es bisher weder zu entsprechend mehr Hospitalisierten noch zu entsprechend mehr Todesfällen. Im Klartext heisst das: Wenn nicht getestet würde, käme gegenwärtig niemand auf die Idee und würde niemand merken, dass eine Pandemie herrscht. Mike Yeadon sagt es so: «Wenn das Fernsehen nicht ständig Fallzahlen der Getesteten verbreiten würde, käme man aufgrund der Hospitalisierungen und der Todesfälle zum Schluss, dass die Pandemie im Wesentlichen vorbei ist. Es gibt keine wissenschaftlichen Daten, die auf eine zweite schwere Welle hinweisen.»

Die Fallzahlen hätten sich seit Anfang Jahr auf und ab bewegt, aber die Kurve der Todesfälle sei seit März und April zurück auf ein tiefes Niveau gesunken. Auch Professor Nicolas Müller vom Universitätsspital Zürich meint, man könne «gegenwärtig nicht von einer zweiten Welle sprechen, weil die Zahlen nur langsam steigen».

Was die Todesfälle in der Schweiz betrifft: In den Monaten seit März sind insgesamt sogar weniger Menschen gestorben (sämtliche Ursachen berücksichtigt) als durchschnittlich im gleichen Zeitraum der letzten Jahre. Es wird vermutet, dass der Lockdown dazu beigetragen hat, weil die Menschen weniger riskant gelebt haben.

Immunsystem bereits auf Corona trainiert?

Dass Hospitalisierungen und Todesfälle trotz gestiegener Fallzahlen auf tiefem Niveau bleiben, kann nach Yeadon auch damit zu tun haben, dass etwa ein Drittel der Bevölkerung eine Basis-Immunabwehr gegen Sars-CoV-2 besitzt, weil die Betroffenen schon früher an anderen Corona-Viren erkrankt waren. Er stützt sich dabei unter anderem auf einen Bericht von Peter Doshi im British Medical Journal.

Nach Angaben von Yeadon überleben heute nach neusten Schätzungen 99,8 Prozent aller Infizierten. Der Anteil der Todesfälle an der Gesamtzahl der Infizierten (inklusive Dunkelziffer) betrage 0,26 Prozent, sagt Yeadon. Dies entspreche der Grössenordnung, wie sie von Ioannidis oder Streeck bereits im Mai und Juni angegeben worden sei.

Geholfen haben auch bessere Therapien.

Zum Vergleich: Bei einer schweren Influenza-Welle würden 99,9 Prozent aller infizierten überleben. Auch eine Influenza könne zu sehr schweren Erkrankungen führen.

Andere Stimmen warnen

upg. Einige Experten befürchten, dass es in der Folge der steigenden Fallzahlen doch noch zu viel mehr Spitaleinweisungen kommt. Die an der Universität Bern tätige Epidemiologin Nicole Low beispielsweise, Mitglied der Task Force des Bundes, zeigt sich beunruhigt, weil der Anteil der Positiven unter den Getesteten steige. «Das ist wirklich schlimm», sagte sie am 7. Oktober in der NZZ. Low schlägt eine höhere Testkadenz vor und fordert eine generelle Maskenpflicht in Läden und neue Restriktionen für Veranstaltungen.
Tamedia-Zeitungen berichteten: «EU-Kommission schlägt Alarm – Die Angst vor der nächsten Corona-Welle hält Europa in Atem». Laut der Europäischen Infektionsschutzbehörde ECDC sei die Corona-Entwicklung in Spanien, Grossbritannien, Frankreich und Österreich «besorgniserregend». In Grossbritannien und Spanien komme es zu steigenden Spitaleinlieferungen.

«Grosse zweite Pandemie-Wellen sind die Ausnahme»

Dass es bei Virus-Epidemien zu einer gefährlichen zweiten Welle komme wie bei der Spanischen Grippe am Ende des Ersten Weltkriegs, sei die Ausnahme, sagt Yeadon. Es sei zudem kein Coronavirus gewesen, das die Spanische Grippe ausgelöst habe, sondern das Influenza-Typ-A-Virus H1N1.

Bei Corona-Epidemien wie der SARS-Epidemie von 2003 und der MERS-Epidemie von 2012 sei die grosse Welle in verschiedenen Kontinenten zeitlich verschoben aufgetreten, aber zu einer zweiten grossen Welle im gleichen Land sei es fast nirgends gekommen.

Um die Gefährlichkeit der Corona-Pandemie ins richtige Verhältnis zu stellen, präsentiert Yeadon folgende Grafik:


Anzahl der Todesfälle an der Gesamtzahl der Infizierten (einschliesslich Dunkelziffer). Quelle: European Centers for Disease Control and Prevention CDC. Grössere Auflösung hier.

Abwägen der Verhältnismässigkeit

Yeadon und Heneghan betonen, dass älteren Menschen mit Vorerkrankungen auf jeden Fall ermöglicht werden muss, sich vor einer Ansteckung mit Sars-Cov-2 zu schützen. Entsprechende Dienstleistungen seien bereitzustellen. Doch viele der getroffenen Massnahmen für die ganze Bevölkerung halten Yeadon und Heneghan für unzweckmässig. Sie glauben, dass sich der gesamte wirtschaftliche und soziale Schaden dieser Massnahmen wahrscheinlich als grösser herausstellen werde als der Nutzen.

  • Es ist nicht sachgerecht, die Zahl der «Fälle», also der positiv Getesteten, ständig als wichtigstes Kriterium in den Vordergrund zu stellen. Es ist auch abwegig, Massnahmen allein von der Zahl der positiv Getesteten pro 100'000 Einwohner abhängig zu machen. Als Kriterium viel relevanter sind die Entwicklung vor allem der Spitaleinweisungen sowie diejenige der Todesfälle (siehe 1. Teil).

Wo man sich am ehesten anstecken kann

upg. Zu den häufigsten Ansteckungen kommt es, wenn sich viele Menschen in geschlossenen Räumen nahekommen, vor allem wenn noch viel geredet, gesungen oder gejubelt wird. Der unterschiedliche Nutzen verschiedener Klima- und Lüftungsanlagen ist noch wenig erforscht.

Weiter kommt es darauf an, wie lange man sich und wie nahe man sich in der Nähe von Ansteckenden aufhält. Das gilt auch für längere Bahnfahrten, sofern fremde Personen näher als zwei Meter entfernt sitzen.

Häufiges Lüften reduziert das Risiko in solchen Innenräumen. Auch Masken reduzieren das Risiko. Um zu erfassen, wie gross der Nutzen von Masken ist, müsste man wissen, wie viele Menschen an bestimmten Orten und wie lange ungefähr eine Maske tragen müssen, damit ein Ansteckungsfall verhindert wird. Sind es ungefähr 10‘000 oder 300‘000? Diese Zahl wird in Clubs und Chören geringer sein als in Zügen. Auf dem offenen Deck von Schiffen wiederum dürfte es über eine Million Masken brauchen, damit eine einzige Ansteckung verhindert wird. Denn im Freien, vor allem wenn es noch luftig ist, ist es äusserst unwahrscheinlich, sich mit dem Virus anzustecken.

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26 Meinungen

Herr Gasche: Was Sie oben schreiben, passt doch irgendwie überhaupt nicht zur aktuellen Welle zB in Paris, Madrid und Rom, wo sich die Intensiv-Betten der Spitäler immer mehr füllen.
Konrad Staudacher, am 12. Oktober 2020 um 12:44 Uhr
@Staudacher. Vergleiche mit dem Ausland sind fragwürdig. Die Situation in Paris, Madrid, Liverpool und Rom sind nicht mit der Schweiz vergleichbar. Es gibt bei uns viel weniger Risikogruppen, weil Covid-19 vor allem in eng zusammenlebenden, wirtschaftlich Schwachen sowie in schlechten Verhältnissen in Alters- und Pflegeheimen zuschlägt. Obiger Artikel bezieht sich auf Deutschland, die Schweiz und viele andere Länder in Europa. Es gilt, die Entwicklung der Spitaleinweisungen in den Vordergrund zu stellen, um Massnahmen zu treffen.
Urs P. Gasche, am 12. Oktober 2020 um 13:04 Uhr
Hallo, kurz und bündig, ich bin Schweizer, 70-jährig und lebe seit meiner Pension in Holland,m der Hochsee-Seglerei wegen. - Dort ist es üblich, dass Einwohner ab 65 jährlich zur Gratis-Grippe-Impfung aufgeboten werden. Die letzten drei Jahre haben wird das auch befolgt. Nach kürzlicher Auskunft meines Hausarztes waren das die üblichen «Lebend Viren» Impfungen. Da ich als ein leicht erhöhter Risikopatient gelte, war diese Vorsorge normal. - Nun, wegen Reisen nach Deutschland hatte ich einen PCR Test machen müssen. Der war, wie erwartet «Positiv». Klar, mein Arzt erklärte mir, dass durch die voraus gegangenen Impfungen der PCR Test natürlich reagiere (wie in der überwiegenden Fachwelt bestätigt). - Für mich sind also drei Konklusionen zu treffen:
1. Ich hatte in den letzten drei Jahren kaum eine spürbare Grippenerkrankung (das Kleine übliche, wie immer).
2. Durch diese Impfungen erklärt mir der Arzt ist mein eigenes Immunsystem aktiviert worden und reagiert eben auf genau diese Viren-Impfung. UND DAS SEI JA DER ZWECK DER ÜBUNG!

3. Folglich bin Ich mit hoher Wahrscheinlichkeit immuisiert, trotzt des positiv Tests.

Natürlich wurde mir die Einreise nach Aachen untersagt, eben wegen diesem Test! Alle Argumente dazu nützen nichts, der «Preussenstaat» hat beschlossen und damit basta. Umkehren und heimreisen.

Dieses Beispiel am eigenen Leib bestätigt mir die gesamt Absurdität dieser Massnahmen. Grüsse aus Holland, Thomas
Thomas Rettenmund, am 12. Oktober 2020 um 13:29 Uhr
Die anhaltende Unfähigkeit oder Unwilligkeit des BAG, relevante Zahlen zu erheben und bekannt zu geben (z.B. Anteil symptomfreie Personen an der Gesamtzahl der getesteten und an der Gesamtzahl der positiv getesteten) müsste ein Skandal sein. Auch die Verweigerung von routinemässigen Nachtests bei allen positiv Getesteten ist stossend und nicht nachvollziehbar.
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese und andere anhaltende Missstände wesentlich mitverursacht werden durch ungenügende Fach- und Sachkompetenz insbesondere in der Geschäftsleitung des BAG. Gemäss dessen Website (https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/das-bag/organisation/geschaeftsleitung.html) kommen die zehn Mitglieder der Geschäftsleitung vor allem aus Verwaltungs- und Management-Karrieren, nur zwei stammen aus einschlägigen Berufsfeldern (ein Chemiker und ein Dr.med., der zugleich Diplom Informatiker ist), im übrigen ist die einschlägige Fach- und Sachkompetenz auf unteren Hierarchiestufen angesiedelt. Es kann nicht erstaunen, dass in diesem Gremium sachlich sinnvolle oder notwendige Massnahmen oft keine Mehrheit finden, sogar wenn sie (die Massnahmen) es überhaupt auf die Traktandenliste schaffen. Zwei Fachleute und ihre Argumente genügen aufgrund der Gruppendynamik nicht um ein Zehnergremium technisch-fachlich auf Kurs zu halten, und die Aufsichtsinstanzen (Departement, Bundesrat, Parlament) scheinen ihrer diesbezüglichen Aufgabe leider auch nicht gewachsen.
Nol Aders, am 12. Oktober 2020 um 14:46 Uhr
Die neuesten BAG-Zahlen erscheinen reichlich unwahrscheinlich. So hätte sich die Fallzahl von Woche 40 auf Woch 41 mit einem durchschnittlichen Faktor 2.4 vervielfacht. Der kleinste Multiplikator 1.52 betrifft AR, 1.53 UR. Im TI hätten sich die Fälle mehr als verfünffacht.

Dieses Resultat erscheint reichlich wenig plausibel. Hat sich wieder wer in der Zeile verguckt oder wurden die Testmethoden geändert ?
Josef Hunkeler, am 12. Oktober 2020 um 17:28 Uhr
Auch die neusten Meldungen aus GB stehen im klaren Widerspruch zu den eigenartigen Aussagen in diesem IS-Artikel. Sorry ...
Konrad Staudacher, am 12. Oktober 2020 um 19:41 Uhr
Der Artikel ist möglicherweise etwas von der Realität eingeholt worden. Die Aussagen von Carl Heneghan stammen vom 20. September, seither geht es wieder ab, in seiner Heimat noch viel schlimmer. Falsch-Positive Ergebnisse sind ein Problem wenn bei sehr wenigen Fällen sehr viel getestet wird, aber nicht wenn, wie derzeit in der Schweiz die Positivrate bei 9.1% liegt. Es fehlt im Artikel der Hinweis darauf, dass sich derzeit vor allem die Jungen anstecken und diese dann keine schweren Verläufe und sehr wenige Todesfälle haben. Es ist aber, wie sich gerade zeigt, nur eine Frage der Zeit bis dann das Contact-Tracing versagt (im Kt. ZH offenbar bereits soweit) und sich deshalb auch die Gefährdeten/Älteren bei den Jungen anstecken. Dann geht es noch eine Weile und die Hospitalisierungen/Todesfälle steigen wieder. Es passiert bereits. Man sieht das alles sehr schön hier:

https://www.srf.ch/news/schweiz/coronavirus-so-entwickeln-sich-die-corona-zahlen-in-der-schweiz
https://www.srf.ch/news/international/coronavirus-so-entwickeln-sich-die-fallzahlen-weltweit
Markus Kühni, am 12. Oktober 2020 um 20:19 Uhr
Ein Beitrag der ARD, wie man ihn nur selten von Massenmedien hört, sieht das Zählen von Corona - «Fällen» sehr ähnlich, wenn nicht gar gleich wie dieser Infosperber Beitrag:

https://www.youtube.com/watch?v=J3K3hjn5PAA

Ein starkes Stück ist dieser Film, mit einigen Verschwörungstheorien (sofern es denn welche sind) :

Plandemic II: Indoctornation

https://www.kla.tv/17312?autoplay=true

Darin werden auch die Rockefellers erwähnt, welche die Corona Tests massiv erhöhen wollen:

https://www.rockefellerfoundation.org/national-covid-19-testing-action-plan/

Mit dem «NATIONAL COVID-19 TESTING ACTION PLAN» sollen in den USA nun ab Oktober jede Woche 30 Millionen Einwohner getestet werden.
Dass so die «Fallzahlen» explodieren und weiterhin für massive Panik sorgen sollte klar sein.
Paolo Ermotti, am 12. Oktober 2020 um 22:50 Uhr
Ich schlage vor, dass, wer die Aussagen dieses Artikels glaubt, doch bitte für sich gänzlich auf die Corona-Massnahmen verzichten soll. Das kommt schon gut ...
- Ich habe kein Problem mit der Kritik an der Relevanz der BAG-Zahlen: Das ist nicht seriös. Und das Contact-Tracing unserer Kantonsbehörden ist (mit Ausnahme weniger Kantone) ebenso wenig seriös.
- Aber ich habe erhebliche Mühe mit der Behauptung, Covid-19 sei harmlos. Sorry ...
Konrad Staudacher, am 13. Oktober 2020 um 08:46 Uhr
@Kühne. @Staudacher. Von keinen Massnahmen war auf Infosperber nie die Rede. Doch das Tracing kommt offensichtlich an seine Grenzen. Deshalb muss diskutiert werden, ob es vielleicht zweckmässiger wäre, die Milliarden statt für Tracing und Lockdown-Folgen dafür auszugeben, dass sich die wirklich gefährdete Teile der Bevölkerung optimal und mit guter Lebensqualität vor einer Ansteckung schützen können. – Und siehe weiter oben: Vergleiche mit dem Ausland sind fragwürdig. Die Situation in Paris, Madrid, Liverpool und Rom sind nicht mit der Schweiz vergleichbar. Es gibt bei uns viel weniger Risikogruppen, weil Covid-19 vor allem in eng zusammenlebenden, wirtschaftlich Schwachen sowie in schlechten Verhältnissen in Alters- und Pflegeheimen zuschlägt.
Urs P. Gasche, am 13. Oktober 2020 um 09:09 Uhr
Sorry, wenn ich nachdopple: Jetzt ist es 'offiziell'. Denn das steht in der NZZ: Zitat
"
In den Zürcher Spitälern gibt es derzeit so viele Corona-Patienten wie zuletzt vor fünf Monaten. Anfang Mai überschritt die Anzahl der Hospitalisierten letztmals die 50er-Marke. Am Montag wurde ein solcher Wert nun erneut registriert. Zurzeit sind 51 Zürcherinnen und Zürcher auf Spitalpflege angewiesen, 7 müssen beatmet werden.

https://www.nzz.ch/zuerich/coronavirus-in-zuerich-immer-mehr-covid-19-patienten-im-spital-ld.1581376?
Konrad Staudacher, am 13. Oktober 2020 um 13:43 Uhr
@Staudacher. Es wäre gut, die weitere Entwicklung abzuwarten. Vorläufig handelt es sich im Promille aller Spitalpatienten. Schauen Sie mal nach, wieviele andere Patientinnen und Patienten derzeit in Zürcher Spitälern liegen. Was die nächsten Wochen in Sachen Corona bringen, hängt von Faktoren ab, die wir noch nicht kennen. Sobald die täglichen Spitaleinweisungen konstant zunehmen, sind Massnahmen zu ergreifen. Die Spitaleinweisungen erfolgen 8 bis 12 Tage nach Ansteckung. Fast alle der heute positiv Getesteten spüren kaum Symptome. Das Starren auf fast ausschliesslich auf die Fallzahlen ist deshalb nicht sachgerecht.
Urs P. Gasche, am 13. Oktober 2020 um 15:40 Uhr
Ich zitiere aus «Yes, Prime Minister»:
1) in phase 1, we say «nothing is gonna happen"
2) in phase 2, we say «something might happen but we shall do nothing about it"
3) in phase 3, we say «something is happening but there is nothing we can do"
4) in phase 4, we say «we maybe could have done something but it's too late now"

Kommt ihnen das bekannt vor?
Christian Schürch, am 14. Oktober 2020 um 07:36 Uhr
Wenn das BAG-Kriterium zur Einreise-Quarantäne etwas Wert ist -- 60 Fälle pro 100'000 Einw. in 14 Tagen [in der Regel nach Kanton, bzw. Halbkanton, nicht etwa nach Anzahl Quadratkilometer] -- dann müssten ab dem 13.10.20 drei Viertel [76%] aller möglicher Gruppen [Kanton, Geschlecht, Altersgruppe], d.h. 315 von 416 möglichen Gruppierungen, mit Quarantäne bzw. Reiseverbot belegt werden.

Nur 2 Kantone - BL, SO - erfüllen als ganzes das BAG-Kriterium, wobei der Wert bei den Männern im SO mit 64/100000 Fällen immer noch über dem Ausschlusskriterium liegt.

Obwohl Kinder kaum getestet werden, schaffen es die Mädchen im Kt GR mit einem Inzidenzert von 71/100000 doch noch auf diese BAG-Liste.

Nach Altersgruppen zeigen nur 70-79J und 80+ in der Zentralschweiz Gruppenwerte, welche gemäss dem BAG-Kriterium Reisefreiheit erlauben würde. Leuten mit 20-29J und 50-59J müsste das Reisen auf der Basis dieser Kriterien ganz verboten werden.

Natürlich war all das vor einer Woche noch ganz anders... da erfüllten die meisten Gruppen [Kantone, Geschlecht, Altersgruppe] noch die BaG-Kriterien. Seit diesem Wochenende steht die Welt auf dem Kopf.

Entweder taugen die neuen Zahlen nichts, oder das BAG-Kriterium ist absurd.
In D gilt jetzt 50/100000 in 7 Tagen, wobei die territoriale Referenz immer noch nicht auf wissenschaftlicher Basis definiert ist. Eine Grosstadt am Rande einer Wüste oder eine Streusiedlung mit grossem Abstand zw. den Häusern wird hier immer noch fröhlich vermengt.
Josef Hunkeler, am 14. Oktober 2020 um 10:16 Uhr
Es gibt hartnäckige Schreibende wie Herrn Staudachers. Während wir im Jahr 2015 eine Zahl von rund 2500 an Grippe Verstorbenen der Zahl von 1800 Covid19 Gestorbenen gegenüberstellen, müssen doch alle Alarmglocken klingeln. 2015 gab es vom BAG lediglich eine Empfehlung auf mehr Hygiene und vitaminreiche Ernährung, während 2020 ein 100 Milliarden schwerer Lockdown, unmenschliche Massnahmen in Alters- und Pflegeheimen, sinnlose und schädliche Maskenpflicht, etc. befohlen wurden. Und das Volk spielt das ganze Spiel noch mit. Weshalb veröffentlicht unser ach so hochgeschätzter Bundesrat nicht mal die Zahlen derer, welche an verhinderten lebenswichtigen Operationen, an Verlust der Lebenslust bis hin zu Selbstmorden nur in diesem Jahr verstorben sind? Ich schätze es wären 10 bis 20 mal mehr als die MIT Corona Gestorbenen. Es wäre jetzt noch Zeit, dem Ganzen vehement entgegenzutreten!
René Lütold, am 14. Oktober 2020 um 11:08 Uhr
Vielleicht 'starren' wir mal auf die Zahlen, welche Watson heute publizierte: Link unten ...

https://www.watson.ch/schweiz/international/663154064-fallzahlen-der-zweiten-coronavirus-welle-steigen-so-steil-wie-nirgends
Konrad Staudacher, am 15. Oktober 2020 um 06:58 Uhr
Wenn ich diesen Pfad lese und verstehe, dann ist das Ganze ein rein bürokratischer Hoax. Wenn jetzt selbst dIE WHO (Gates hörige) langsam zurückkrebst, muss etwas faul sein. Vielleicht die drohende Class-action in den USA ?? Oder der aktuelle Stand der Great Barrington Declaration, wo immerhin ca. 30'000 Fachleute sich dazu bekennen und insgesamt bereits über 500'000? Extrem stossend finde ich das sture Nachbeten des BAG, BR Berset (der als dip. Betriebsökonom, wie ich) selbstverständlich wenigstens von math. Statistik eine Grundahnung haben sollte. Was soll das Ganze denn?
Thomas Rettenmund, am 15. Oktober 2020 um 16:53 Uhr
A propos «Watson»: Bitte diese Grafik sorgfältig studieren:
https://swprs.org/wp-content/uploads/2019/10/medien-netzwerk-schweiz-hdz.png
... Wem gehört Watson...? Alles klar?
René Lütold, am 16. Oktober 2020 um 10:57 Uhr
@ Lütold: nein, während dem Lockdown sind insgesamt WENIGER Leute gestorben, u.a. weil es weniger Unfälle gab und weniger unnötige Operationen... ausserdem: ist das Jahr 2020 schon vorbei? mal sehen, wo wir Ende Dezember sind mit den Zahlen, ok? (ich hoffe natürlich, dass es nicht so schlimm wird, befürchte aber Übles wenn ich mir die leider wieder exponentielle Fallentwicklung ansehe und die ja wirklich so erstklassige Selbstverantwortung der braven, guten Schweizer, nein, die brauchen ja keine Anweisungen «von da oben», die wissen schon, wie man es richtig macht)
Christian Schürch, am 16. Oktober 2020 um 22:13 Uhr
Ich habe bisher die sog. «Verschwörungstheorien» als Blödsinn beurteilt. Das gilt immer noch (z.B. 9/11 sei eine Hollywood Prod. und dergleichen mehr). Aber langsam kann nich fast nicht mehr zweifeln, dass an der Bilderberger Geschichte mehr dran sein könnte als wir glauben. Denn eine so konzertierte Aktion, quer durch Politik und Medien, mit diesen fatalen Auswirkungen die wir erst in ein zwei Jahren wirklich spüren werden, kann nicht eine Kettenreaktion von einigen Politikern im Panikmodus und einem Stampede-Effekt entsprungen sein. Und wenn man noch berücksichtigt, mit welchen finanziellen Mitteln, z.B. der Berufs-Opportunist B. Gates, ins Geschehen eingereift.... dann kann man fast nicht mehr anders denken.
Thomas Rettenmund, am 16. Oktober 2020 um 22:23 Uhr
Sehr geehrter Herr Rettenmund: Bitte sehen Sie sich doch dieses Video an; Sie befinden sich auf dem richtigen Pfsd!;

https://youtu.be/0IyGRAN6P4s

lg
René Lütold, am 17. Oktober 2020 um 11:25 Uhr
S'Isch ja nur äs chlises Träumli gsii. Träumli sind so schnell verbii.

Am 12. Oktober berichtet Herr Gasche «Die Pandemie ist faktisch vorbei» «Im Klartext heisst das: Wenn nicht getestet würde, käme gegenwärtig niemand auf die Idee und würde niemand merken, dass eine Pandemie herrscht. Mike Yeadon sagt es so: «Wenn das Fernsehen nicht ständig Fallzahlen der Getesteten verbreiten würde, käme man aufgrund der Hospitalisierungen und der Todesfälle zum Schluss, dass die Pandemie im Wesentlichen vorbei ist. Es gibt keine wissenschaftlichen Daten, die auf eine zweite schwere Welle hinweisen.»"

Ja, genau. Und was im Ausland abgeht, hatte für die Schweiz keine Gültigkeit, weil: «Vergleiche mit dem Ausland sind fragwürdig. Die Situation in Paris, Madrid, Liverpool und Rom sind nicht mit der Schweiz vergleichbar. Es gibt bei uns viel weniger Risikogruppen, weil Covid-19 vor allem in eng zusammenlebenden, wirtschaftlich Schwachen sowie in schlechten Verhältnissen in Alters- und Pflegeheimen zuschlägt."

Und so weiter und so fort. Heute, nur fünf Tage später haben wir die grosse Alarmsituation. Die Konferenz der Gesundheitsdirektoren kann sich nicht einigen. Die Massnahmen unterscheiden sich von Kanton zu Kanton. Das Tracing ist ein Witz und verschlingt immense Ressourcen. Und die Infektionszahlen sind durch die Decke gegangen. Der Präsident der GDK bittet den Bundesrat, das Kommando zu übernehmen....

Bin richtig gespannt auf ihren Fortsetzungsartikel, lieber Herr Gasche.
Andreas Ochsenbein, am 17. Oktober 2020 um 14:10 Uhr
Nach bald einem Jahr Erfahrung mit Diagnostik & Therapie von «Covid-19» verursacht durch SARS-CoV-2 Virus (SARS: Severe acute respiratory Syndrome) wünschte ich mir als potentielle Spitalpatientin mehr Transparenz:
a) Gibt es Symptome die nur bei Covid 19 Patienten auftreten niemals aber bei Grippepatienten?
b) Mit welchen der vielen PCR SARS-CoV-2 Tests sind wieviele Testpersonen getestet worden (Überblick bei BAG - Swissmedic?)?
c) Welche PCR SARS-CoV-2 Tests reagieren besonders leicht positiv auch auf andere Coronaviren - Studien ?

Bei hospitalisierten Patienten mit positivem PCR SARS-Cov-2 Test:
1.) werden sie auch auf andere Viren und Hospitalismuskeime untersucht?
2.) mit welchen Medikamenten und Impfungen sind sie im Jahr vor der Hospitalisation behandelt worden
3.) Therapieerfolge und -misserfolge bei hospitalisierten Covid-19 Patienten mit welchen Medikamenten, Sauerstoffzufuhr, Intubation etc. - klinische Studien in der Schweiz?
4.) Werden die verstorbenen Covid-19 Patienten obduziert - hat der Pathologe Kenntnis über die prämortale Medikation und Therapie?

Ruth Morgenthaler
Ruth Morgenthaler-Jörin, am 18. Oktober 2020 um 08:13 Uhr
Neun Tage nach diesem Artikel kann man nur noch den Kopf schütteln. Wie zu erwarten haben wir nun bei den Spitaleinweisungen den Anstieg, den wir damals bei den Fallzahlen beobachten konnten. Leider sind nun auch die Todesfälle schon vorprogrammiert. Den Kopf in den Sand stecken war noch nie eine gute Idee bei Gefahren. Zur Erinnerung: Die Positivitätsrate der Tests in der Schweiz war am 12. Oktober schon bei 13%, und seit Ende Juli nie mehr unter 2%. Da macht 1% «false positives» einfach nicht mehr viel aus. (Quelle: corona-data.ch)
Stefan Heimers, am 21. Oktober 2020 um 18:14 Uhr
Nach worldometer (https://www.worldometers.info/coronavirus/country/switzerland/) steigen die Schweizer Fallzahlen seit Juli langsam und seit Oktober rasant. Man sehe sich die Kurve selber an, es gibt die zweite Welle. Dass diese Zahlen relevant sind beweisen die Todesfälle, die seit ca. 8. Oktober eindeutig ansteigen. Man hat zu Recht auf die Fallzahlen gestarrt. Bezüglich Todesfälle stehen wir heute etwa dort, wo wir am 18. März schon einmal gestanden sind. Da die Fallzahlen aber jetzt höher steigen als damals können wir trotz Fortschritten in der Therapie erneut explodierende Todesfallzahlen erwarten. Wir können von Glück reden, wenn es nicht schlimmer wird als im Frühjahr. Es kann keine Rede davon sein, dass die offiziellen Massnahmen unnötig und zu eingreifend sind, viel eher sind sie zu lax. Si tacuisses philosophus mansisses...
Lukas Fierz, am 21. Oktober 2020 um 21:06 Uhr
@Heimers und Fierz: Wenn man https://ibz-shiny.ethz.ch/covid-19-re/ konsultiert, die relativ wenig sagenden Fallzahlen wegklickt, und die Option auf 100'000 Einwohner zu normalisieren auswählt, sieht man, dass wir (gestern) bei den Hospitalisierungen bei einem Drittel bis Viertel des Peaks im Frühjahr sind und bei der Zahl Verstorbener etwa bei einem Zehntel, und es scheint momentan sogar eine Abnahme zu geben. Auch wenn die Zahlen wohl wieder steigen, eine «Explosion» ist das nicht.
Theo Schmidt, am 22. Oktober 2020 um 19:08 Uhr

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