Hautinspektion

Die Hautuntersuchung wird oft mit Hilfe eines Dermatoskops durchgeführt. © royalty / Depositphotos

Das Hautkrebs-Screening-Programm ist bisher ein Flop

Martina Frei /  Ohne und mit Screening sank die Sterblichkeit an Schwarzem Hautkrebs gleich. Das wirft die Frage nach dem Nutzen des Programms auf.

«Enttäuschend.» Auf diesen Nenner bringen deutsche Krebsepidemiologen das Ergebnis ihrer Studie zum Hautkrebs-Screening. Seit 2008 bezahlen die deutschen Krankenversicherungen allen Versicherten ab 35 Jahren in zweijährigem Abstand eine ärztliche Untersuchung auf Hautkrebs. Diese Früherkennung beim Haus- oder Hautarzt soll dafür sorgen, dass weniger Menschen an Hautkrebs sterben, insbesondere an Schwarzem Hautkrebs. 

Die Wissenschaftler wollten nun wissen, was dieses Screening bisher gebracht hat. Aufgrund mathematischer Modellierungen hatten sie erwartet, dass die Sterblichkeit an Schwarzem Hautkrebs dank des Screening-Programms innerhalb von zehn Jahren um rund 13 Prozent (relativ) sinken würde. In absoluten Zahlen wäre dies ein kleiner Erfolg gewesen: Nur drei von einer Million Erwachsenen hätte das Screening einen Hautkrebs-Tod erspart.  

Sterblichkeit ging überall etwa gleich stark zurück

Doch das Screening-Programm brachte nicht einmal diesen Erfolg. Zwar ging die Sterblichkeit an Schwarzem Hautkrebs in Deutschland zwischen 2009 und 2022 zurück. Doch auch in neun Nachbarländern, die kein Hautkrebs-Screening-Programm kennen, gingen diese Todesfälle in gleichem Umfang zurück. Zwischen 2009 und 2022 sank die Sterblichkeit am Melanom in diesen Ländern etwa gleich stark wie in Deutschland mit Screening-Programm. 

Die Annahme, das deutsche Hautkrebs-Screening-Programm werde die Sterblichkeit an Schwarzem Hautkrebs wirksam reduzieren, «wird durch dieses Resultat nicht gestützt», lautet die ernüchternde Bilanz der Krebsepidemiologen in «Jama Dermatology». Sie attestieren dem deutschen Hautkrebs-Screening-Programm eine «schlechte Leistung». Ihr Befund decke sich mit weiteren Studien zu diesem Screening.

Das Geld für dieses Screening, an dem etwa ein Drittel aller Anspruchsberechtigten teilnimmt, ist offensichtlich schlecht angelegt. Würden alle Versicherten ab 35 Jahren das Screening in Anspruch nehmen, kostete dies allein die Barmer-Krankenkasse mit rund 8,6 Millionen Versicherten rund 5,7 Millionen Euro pro Jahr, ergab eine Kostenaufstellung. Hochgerechnet auf alle Versicherten in Deutschland ab 35 Jahren ergibt dies über 32 Millionen Euro jährlich.

Vorteile gegen die Nachteile aufwiegen

Im Einzelfall kann das Screening zwar genützt haben, auf Bevölkerungsebene brachte es – bei einer Teilnahmequote von 32 Prozent – aber offensichtlich nichts, wie der nun angestellte Vergleich mit den Nachbarländern zeigt. Die niedrige Teilnahmequote könnte zu diesem Misserfolg beigetragen haben (sie war bei der mathematischen Modellierung allerdings schon so veranschlagt worden). Die Wissenschaftler raten in «Jama Dermatology», die Gründe für das enttäuschende Ergebnis des Screening-Programms näher zu untersuchen.

Eine mögliche Erklärung für den Rückgang der Todesfälle an Schwarzem Hautkrebs sind bessere Therapien, die überall Einzug hielten.

Die US Preventive Services Task Force (USPSTF) kam 2023 zum Schluss, dass es nicht genügend Beweise gebe, um ein bevölkerungsweites Hautkrebs-Screening für symptomfreie Erwachsene oder Heranwachsende zu empfehlen. Mangels Daten würden sich Nutzen und Schaden nicht gegeneinander abwägen lassen. In der Schweiz gibt es kein Hautkrebs-Screening-Programm.

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