Fieberthermometer Medikamente

Bestimmte Wirkstoffe können zur Überhitzung beitragen. © FreerLaw /Depositphotos

Hitze: Vorsicht bei Einnahme von Blutdrucksenkern

Martina Frei /  Eine ganze Reihe von Medikamenten kann bei Hitze Probleme verursachen. Manchmal ist eine vorübergehende Dosisreduktion sinnvoll.

«Triple whammy», dreifacher Hammer, wird die Kombination aus drei sehr häufig verordneten Medikamenten genannt. Denn dieses Trio kann das Risiko für schwere Nebenwirkungen erhöhen – besonders bei Hitze.

Zum «dreifachen Hammer» gehören: ein Blutdrucksenker vom Typ ACE-Hemmer oder Sartan (solche Wirkstoffe enden auf -pril oder -sartan), dazu ein entwässernd wirkendes Medikament (oft umgangssprachlich «Wassertablette» genannt) plus ein sogenanntes NSAR-Schmerzmittel wie zum Beispiel Ibuprofen.

Der ACE-Blutdrucksenker kann das Durstgefühl vermindern, die Wassertablette bewirkt, dass der Körper mehr Wasser ausscheidet und das Schmerzmittel reduziert die Nierendurchblutung. Alles zusammen führt im dümmsten Fall zu einem schweren Nierenschaden. Hitzebedingter Flüssigkeitsmangel erhöht dieses Risiko. Das ist der «vierte Hammer». Ältere Menschen verspüren oft (zu) wenig Durst.

Blutdrucksenker eventuell pausieren

Hitze bewirkt, dass sich die Adern weiten. Dadurch kann der Körper mehr Wärme abgeben und das schützt vor Überhitzung. Aufgrund der weiter gestellten Adern sinkt jedoch der Blutdruck – was die Wirkung aller Blutdrucksenker verstärkt.

Wer einen Blutdrucksenker einnimmt, sollte deshalb während Hitzeperioden den Blutdruck messen. Liegt der obere Wert mehrfach höchstens bei 110, ist – in Absprache mit der Hausärztin – eine Dosisreduktion oder ein Pausieren des Medikaments sinnvoll, bis die Hitzeperiode vorüber ist. Schwindel, Benommenheit oder ein Sturz können Anzeichen eines zu tiefen Blutdrucks sein. Der untere Blutdruckwert sollte nicht tiefer sein als 70.

Bei der Einnahme von Betablockern können sich die Arterien nicht so weiten wie sonst. Das bremst die Wärmeabgabe. 

Hitze plus stärkere Hautdurchblutung führen bei starken Schmerzmittelpflastern dazu, dass der Körper den Wirkstoff besser aufnimmt. Im Extremfall kann das zur Vergiftung führen.

Mittel für die Harnblase oder Betablocker können Überhitzung begünstigen

Schwitzen ist für den Körper eine weitere Möglichkeit, um sich abzukühlen. Bestimmte Wirkstoffe bremsen aber die Schweissproduktion und begünstigen deshalb eine Überwärmung. Dazu zählen sogenannte «anticholinerg» wirkende Substanzen, die beispielsweise gegen Urininkontinenz oder gegen starke Schmerzen eingesetzt werden. Auch einige Arzneimittel gegen Parkinson, Depression, psychische Erkrankungen oder Epilepsie wirken anticholinerg und führen deshalb eher zur Überhitzung.  

Problematisch können laut der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda) auch Antidepressiva vom Typ SSRI sowie Arzneimittel mit dem Wirkstoff Methylphenidat sein (bekannt zum Beispiel unter dem Markennamen Ritalin), weil sie die natürliche Temperaturregulation des Körpers verändern.

Bei einer Überhitzung wird die Haut heiss und trocken, der Puls schlägt schnell und es kann zu Muskelkrämpfen oder Verwirrtheit kommen. Vorbeugend rät die Abda zu kühlenden Umschlägen, Fussbädern oder die Unterarme mit Wasser zu kühlen.

Das «Journal of Health Monitoring» hat eine Tabelle für Fachpersonen mit den wichtigsten unerwünschten Wirkungen von Medikamenten bei Hitze veröffentlicht. Weitere Tabellen finden sich hier und hier.

Tabelle Medikamente und Hitze
Fachtabelle Medikamente und Hitze. Für eine grössere Auflösung bitte hier klicken (S. 15).

Ausscheidung von Medikamenten beeinträchtigt

Entwässernd wirkende Blutdrucksenker sowie Abführmittel verstärken den mit dem Schwitzen einhergehenden Flüssigkeitsverlust. Die «Wassertabletten» können überdies zum Absinken des Natriumspiegels im Blut führen. Das gilt auch für manche Medikamente gegen Diabetes (die entsprechenden Wirkstoffe enden auf –gliflozin). 

Pro Kilo Körpergewicht benötigt ein Mensch täglich etwa 30 Milliliter Wasser (Wasser in Nahrungsmitteln zählt mit). Zusätzlich muss die Menge an Flüssigkeit ersetzt werden, die man durch die Hitze, beim Sport, bei körperlich anstrengender Tätigkeit oder bei Fieber verliert. Eine zu geringe Trinkmenge kann die Ausscheidung vieler Arzneimittel beeinträchtigen. Dann wirken sie unter Umständen stärker.

Eine Dehydrierung zeigt sich daran, dass der Körper nur noch wenig Urin produziert und der Urin konzentrierter, dunkler wird. Haut und Zunge werden trocken. Kneift man die Haut auf dem Handrücken als Falte zusammen, bleibt diese Falte länger ‹stehen› als sonst.

Zu den Personengruppen, die auf Hitze sensibler reagieren, gehören Menschen mit Herzkrankheiten, Demenz, Nierenschwäche oder mit Diabetes. Beim Diabetes funktioniert die Hitzeanpassung nicht immer einwandfrei. Auch bei der Lungenkrankheit COPD ist Vorsicht angebracht, einerseits wegen der erhöhten Feinstaub- und Ozonbelastung während Hitzeperioden, andererseits weil schnelleres Atmen eine Verschlimmerung begünstigen kann. Die erhöhte Atemfrequenz dient dem Körper ebenfalls zur Wärmeabgabe als Schutz gegen Überhitzung.

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Dr. med. Martina Frei
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