Wer von neuen AKWs schwärmt, soll einmal diese Tunnel besuchen
Ein erster Teil des finnischen Atommüll-Lagers «der neuen Generation» soll im Jahr 2030 in Betrieb gehen. Es heisst «Onkalo» oder Höhle. Es wird das weltweit erste geologische Tiefenlager für hochradioaktive Abfälle und wird 450 Meter tief in Granitfels gebaut.

Über hunderttausend Jahre sollen strahlende abgebrannte Brennstäbe aus Kernkraftwerken versenkt und gelagert werden. Während 100 bis 200 Jahren sollen sie noch überwacht und dann für mindestens 100’000 Jahre «versiegelt» werden.
Die Haftung übernimmt niemand. Das Risiko tragen die kommenden über 3000 Generationen von Menschen.
Dass Risiken bestehen, zeigt ein eindrücklicher Dokumentarfilm von Arte. Er wurde erstmals am 31. März 2026 ausgestrahlt und ist bis Ende Juni 2026 online verfügbar. Die PR-Stelle von «Onkalo» lud Journalisten ein, erste Tunnels, Endlagerbehälter und Musterräume zu besichtigen.
Wir betten die Arte-Dokumentation hier ein:
«Die Endlagerung in tiefen geologischen Formationen ist mit langfristigen Risiken und Unsicherheiten verbunden», stellten die wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags 2025 fest.
AKW-Lobbyisten verbreiten die Hoffnung, dass der gefährlichste Atommüll so bearbeitet werden kann, dass sein sein Volumen geringer wird und er deutlich weniger lang strahlt. Der Fachjargon nennt dies «Transmutation von Atommüll». Es geht um das Umwandeln langlebiger radioaktiver Isotope in kurzlebigere oder stabile Isotope.
«Damit soll die Endlagerung auf Zeiträume von Jahrhunderten begrenzt werden», erklärt der wissenschaftliche Dienst – also nicht mehr Jahrtausende.
Die deutsche Bundesgesellschaft für Endlagerung räumt auf ihrer Homepage ein: «Bis zu einem marktfähigen Konzept mit entsprechenden Anlagen vergehen Jahrzehnte.»
Die Schweizer Nagra meint auf ihrer Internetseite: «Eine Reduktion des Volumens und der Langlebigkeit des hochradioaktiven Abfalls wäre wohl theoretisch möglich. […] Ein Tiefenlager braucht es in jedem Fall.»
AKW-Lobbyisten hoffen zudem auf neue «Atomkraftwerke der vierten Generation», die einen Teil des Urans oder der Transurane spalten, so dass pro erzeugter Kilowattstunde weniger abgebrannte Brennelemente anfallen und ein Teil der langlebigen radioaktiven Aktinoiden in kurzlebigere Spaltprodukte übergeführt werden.
Allerdings würde «ein alternativer Reaktortyp ein Endlager nicht überflüssig machen», erklärt Christoph Pistner, Experte für nukleare Sicherheit beim Ökoinstitut in Freiburg.
Viele offene Fragen
Wer neue Atomkraftwerke befürwortet, sollte folgende Fragen beantworten:
- Darf man die Risiken des hochradioaktiven Mülls einfach vielen nächsten Generationen aufbürden?
- Soll man AKWs weiterlaufen lassen, so lange das Problem der angefallenen hochradioaktiven Abfälle nicht gelöst ist?
- Sollen bisherige und auch neue Kernkraftwerksgesellschaften für Unfälle eine Haftpflichtversicherung von mindestens 20 Milliarden Franken mit entsprechenden Rückstellungen abschliessen müssen? (Dann hätten sie ein Interesse, für maximale Sicherheit zu sorgen.)
- Wie werden Abfälle aus neuen AKWs behandelt und mit welchen Zeithorizonten?
- Wer trägt das Risiko, falls sich das Konzept der Abfallbehandlung später als untauglich erweist?
- Welche Studien zeigen, dass neue AKWs ein Endlager überflüssig machen – entgegen dem Befund des deutschen Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE)?
- Welche Studien weisen nach, dass neue AKWs sicherer, kostengünstiger und klimaverträglicher sind als eine Kombination von effizienterem Einsatz von Strom, Sparanreizen (statt heutigen Mengenrabatten), eine Reduzierung des Spitzenverbrauchs, Photovoltaik, Windkraft, Wasserkraft und Speichern?
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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