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«Die Lage beobachten und abwarten». © Depositphotos

PFAS: Steuerzahlende bekommen die Rechnung

Daniela Gschweng /  Teure Sanierungskosten werden wahrscheinlich an den Steuerzahlenden hängenbleiben, zeigt ein Gutachten.

Immer weiter wird offenbar, wovor Fachleute seit Jahren warnen: Die Verschmutzung der Schweizer Böden und Gewässer mit gesundheitsschädlichen Ewigkeitschemikalien wird teuer. Sehr teuer. Wasser und Boden wenigstens stellenweise wieder sauber zu bekommen, kostet alle Beteiligten Milliarden.

Aufbringen werden diese Summen vor allem die Steuerzahlenden. Das ist das Ergebnis eines Rechtsgutachtens, das das Bundesamt für Umwelt (Bafu) im Juni 2025 still und leise veröffentlichte. Aufgefallen ist das den Journalistinnen und Journalisten des «Beobachter», die im Februar einen kurzen Bericht veröffentlichten.

Verursacherprinzip ist in der Praxis schwach

Das Verursacherprinzip ist zwar in der Schweizer Verfassung verankert. Es lasse sich aber kaum durchsetzen, resümiert Rechtsprofessor Felix Uhlmann von der Uni Zürich. PFAS, Mikroplastik oder Pestizide kämen durch «diffuse Quellen» in die Umwelt, die Zuordnung zum Verursacher sei kaum möglich. Mit anderen Worten: Für die Schädlichkeit von Stoffen, die sich überall in der Umwelt finden, weil sie breit eingesetzt werden, lässt sich kein Verantwortlicher finden. Deshalb zahlen am Ende alle.

Praktisch teilen sich bisher meist alle Beteiligten die Kosten – Unternehmen, Grundstückseigentümer, aber auch Gemeinden, Kantone und der Bund – also öffentliche Kostenträger. Das fiel auch der Eidgenössischen Finanzkontrolle auf. 2024 forderte sie, die Verursacher von Umweltverschmutzung stärker zur Kasse zu bitten. Zustande gekommen war das 45’000 Franken teure Gutachten also nicht nur aus Sorge um die Bürgerinnen und Bürger.

Ganz unerwartet kommt diese Rechnung nicht. Fachleute warnen seit mehr als zehn Jahren vor den hohen Folgekosten von PFAS und anderen persistenten Umweltgiften. Eine Studie im Auftrag des Nordischen Rats warnte schon 2019. Im vergangenen Jahr legte das «Forever Pollution Project» in Zusammenarbeit mit internationalen Medien eine erneute Schätzung vor, die deutlich höher ausfiel. Beteiligt war auch das SRF. Die jüngste Berechnung der EU wurde im Januar veröffentlicht. Die vier wichtigsten PFAS verursachen demnach allein Gesundheitskosten von 39,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Einmal mehr «Abwarten und Beobachten»

Während Unternehmen den USA längst Milliarden bezahlen, ziehen sich Private auf dieser Seite des Atlantiks mehr und mehr aus der Verantwortung. Versicherungen haben beispielsweise angefangen, PFAS-Sanierungskosten aus ihren Verträgen auszuschliessen.

Uhlmann rät «dem Gesetzgeber» dazu, «die Situation rund um die problematischen Stoffe (PFAS, Mikroplastik, Pflanzenschutzmittel etc.) genau zu beobachten». Oder mit anderen Worten: Nichts zu tun. Am Ende sei es eine politische Entscheidung, wie das Verursacherprinzip angewandt werde. Wie das Bafu dazu steht, konnte der «Beobachter» nicht in Erfahrung bringen. Auf eine Anfrage gab das Amt keine Antwort.

Damit wiederholt sich, was auch bei anderen Schadstoffen wie Ozon oder Feinstaub geschieht: Die Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz bezahlen dreimal für schädliche Chemikalien: an der Ladentheke, mit ihren Steuern und mit ihrer Gesundheit.

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Zum Infosperber-Dossier:

PFAS.Dossier.M&P

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Die «ewigen Chemikalien» PFAS bauen sich in der Natur so gut wie gar nicht ab. Fast alle Menschen haben PFAS bereits im Blut.

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