Damit die Weihnachtstage «froh» und «besinnlich» werden, müssen die Umsätze der Läden, Skigebiete und Fluggesellschaften stimmen.
Viele Läden seien gezwungen, Ausverkaufspreise anzubieten, weil das Weihnachtsgeschäft so schlecht laufe, jammerte ein Detailhändler in der Tagesschau. Ich entgegne: Die Menschen handeln doch vernünftig, wenn sie ihr Geld etwas vorsichtig ausgeben und für bevorstehende schlechte Zeiten etwas auf die Seite legen.
Schliesslich droht die Weltwirtschaft zu kollabieren, weil all die Anreize zum Konsumieren und Wegwerfen einen Schuldenberg in Billionenhöhe hinterlassen haben, vor dem sich heute alle Gläubiger fürchten.
Aus der Schuldenfalle können wir uns nur befreien, wenn wir weniger konsumieren. Es ist also ein gutes Zeichen, wenn das Weihnachtsgeschäft stagniert, wenn etwas weniger herumgeflogen wird, oder wenn nicht mehr so viele neue Autos gekauft werden.
Doch was ist mit den Arbeitsplätzen? Jeder Stellenabbau wird uns als Hiobsbotschaft verkauft. Ich frage: Leben und Konsumieren wir eigentlich, um zu schuften? Wer weniger konsumiert, braucht entsprechend weniger Geld, muss also entsprechend weniger erwerbstätig sein. Was gibt es in unseren wohlhabenden Ländern schöneres, als etwas weniger zu kaufen und dafür einen halben Tag weniger zu arbeiten oder zwei Wochen mehr Ferien zu geniessen, unter Inkaufnahme der Lohneinbusse?
Weniger Arbeit ist ein Segen. Allerdings muss die verbleibende Arbeit mit Anreizen auf diejenigen besser verteilt werden, die arbeitsfähig und erwerbswillig sind.
Wir wünschen uns «besinnliche Weihnachten». Das kann nicht heissen, den Läden zu Umsätzen zu verhelfen, möglichst viele materielle Güter zu schenken und selber zu konsumieren. Wenn besinnlich nichts mehr zu tun hat mit nachdenklich, tiefsinnig, kontemplativ, dann stehen uns buchstäblich besinnungslose Weihnachten bevor.
Ich wünsche Ihnen wirklich besinnliche und erholsame Weihnachten!
Keine. Autor des Buchs «Schluss mit dem Wachstumswahn – Plädoyer für eine Umkehr»
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