Der Ex-Banker Lucas Papademos ist neuer griechischer Ministerpräsident © ard

Der Ex-Banker Lucas Papademos ist neuer griechischer Ministerpräsident

Finanzmärkte übernehmen in der Politik das Zepter

R. L. / 10. Nov. 2011 - Entscheidend ist offensichtlich, was die US-Investmentbank Goldman Sachs will. Sie und die «Finanzmärkte» sagen, wer regieren soll.

In Griechenland wird der Ex-Banker Lucas Papademos neuer Premierminister. Er war früher Vizepräsident der Europäischen Zentralbank EZB und heute der Wunschkandidat der Finanzmärkte.

Wunschkandidat der Banken in Italien

Auch in Italien hat der Wunschkandidat der Banken und Finanzmärkte die grössten Chancen, Berlusconi mit einer Übergangsregierung abzulösen. Es ist nicht mehr wichtig, was die Rechte, die Linke oder die politische Mitte will, geschweige denn das Volk. Unter dem Titel «Italien bleibt im Visier der Märkte» stützt sich die NZZ heute ausschliesslich auf eine Analyse der Investmentbank Goldman Sachs. Unter drei Szenarien, die Goldman Sachs analysiert habe, befürworte die Investmentbank als «bestes Szenario» die Bildung einer Übergangsregierung, die vom früheren EU-Kommissar Mario Monti angeführt werden könnte. Am «negativsten» beurteile die Investmentbank vorzeitige Wahlen, die «für zusätzliche Unsicherheiten sorgen» würden.

Für die NZZ ist jedenfalls klar, dass der neue italienische Ministerpräsident «eine Persönlichkeit sein müsste, die auch die Finanzmärkte...überzeugen würde».

Auch der Tages-Anzeiger stellt die Interessen der Finanzmärkte in den Vordergrund: «Monti käme zweifellos der immense Druck der Märkte und der EU-Institutionen zugute.» Monti wäre «das Lieblingsszenario der Finanzmärkte, des Internationalen Währungsfonds IWF und der EU.» Diese würden von einem Experten wie Monti erwarten, dass er die nötigen Reformen und Sparmassnahmen ohne parteipolitische Rücksicht durchzieht.

Was gut oder schlecht ist, geben heute die «Finanzmärkte» vor, also weitgehend die Grossbanken mit ihren Milliardenwetten an den Börsen. Ob eine neue Regierung gut oder schlecht ist, wird an den Reaktionen der Börsen gemessen. Steigen die Aktienkurse, dann sind die richtigen Personen am Ruder. Sinken jedoch die Kurse, dann können Wirtschaftslobbys und mit ihnen die meisten Medien das Bashing lostreten.

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2 Meinungen

...übrigens ist der «Irrtum» von Standard & Poor's heute der NZZ eine kommentarlose 15-Zeilen-Agenturmeldung wert. Es soll bloss keiner sagen, die NZZ hätte das nicht registriert. Sie registrierte auch, dass einem UBS-Angestellten kürzlich 2300 Millionen irrtümlich durch die Finger flutschten oder dass die deutsche Hypo Real Estate sich irrtümlich um 50 000 Millionen verrechnete, und so über Nacht aus Verlusten schöne Gewinne machte. Diese Möglichkeiten haben Staaten und Politiker in aller Regel nicht. Drum sind sie eben dumm und unfähig, wie uns täglich nahe gebracht wird. Man muss nur die Könner aus der Finanzindustrie ranlassen. Die regeln das dann.
Fred David, am 11. November 2011 um 10:12 Uhr
Wer zum Teufel sind die anonymen «Märkte"? Und wer manipuliert sie? Heute morgen gab die Ratingagentur Standard & Poor's «irrtümlich» eine Meldung heraus, in der die Kreditwürdigkeit Frankreichs herabgestuft wurde. Die Meldung wurde später als falsch zurückgezogen. Die spielen mit ganzen Volkswirtschaften Pingpong. Und die unglaublich intelligenten «Märkte", denen wir alles überlassen sollen, übernehmen das einfach. Sind wir denn blöd, das alles als gottgegeben hinzunehmen?
Fred David, am 10. November 2011 um 23:43 Uhr

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