Kenza Drider und Hind Ahmas mit Nikab: Sie wollen das Burkaverbot in Frankreich kippen © innpi

Kenza Drider und Hind Ahmas mit Nikab: Sie wollen das Burkaverbot in Frankreich kippen

Nikab-Trägerin wehrt sich durch alle Instanzen

Barbara Marti / 18. Feb. 2012 - Hind Ahmas wurde gebüsst, weil sie vor einem französischen Gericht nur mit Nikab erscheinen wollte, der nur die Augen frei lässt.

In Frankreich sind bereits mehrere Frauen zu Geldbussen von jeweils etwa 140 Euro (170 Franken) verurteilt worden, weil sie gegen das Burka-Verbot im öffentlichen Raum verstossen haben. Ein Pariser Gericht hat mit Hind Ahmas eine dieser Frauen zu 15 Tagen Staatskunde-Unterricht verurteilt, weil sie die Busse nicht zahlen will. Falls sie wie angekündigt auch den Unterricht verweigert, drohen ihr zwei Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von rund 30’000 Euro (36’000 Franken).

«Die Richter brauchen Staatskundeunterricht»

Hind Ahmas weigerte sich, ohne Nikab, der nur die Augen frei lässt, vor dem Gericht zu erscheinen. Sie durfte deshalb nicht an der Verhandlung teilnehmen. Gegenüber französischen Medien sagte sie: «Die Richter brauchen Unterrichtsstunden in Staatskunde, nicht ich.» Ihren Fall will Hind Ahmas falls nötig bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte weiter ziehen. Sie wird dabei von der Vereinigung «Touche pas a ma Constitution» unterstützt.

Präsidentschafts-Wahlkampf als Plattform

In Frankreich ist das Burka-Verbot im öffentlichen Raum letzten Frühling in Kraft getreten. Seither provoziert die 32-jährige Hind Ahmas, Sprecherin der selbst ernannten Präsidentschaftskandidatin Kenza Drider, die französische Öffentlichkeit. So haben die beiden Frauen im Nikab eine Veranstaltung von Jean-Francois Copé, Generalsekretär der Regierungspartei UMP, besucht.

Drider will den Präsidentschaftswahlkampf im Nikab bestreiten. Sie hat allerdings die nötigen Unterschriften für ihre Kandidatur noch nicht gesammelt.

Frankreich hat europaweit als erstes Land ein Burka-Verbot für den öffentlichen Raum beschlossen. Mittlerweile ist in Belgien ein ähnliches Verbot in Kraft. In den Niederlanden schlägt die Regierung ebenfalls ein Burka-Verbot für den öffentlichen Raum vor.

Quebec: Burkaverbot in Wahllokalen

In Kanada hat die konservative Regierung ein Gesetz verabschiedet, das die Burka während Einbürgerungsfeiern verbietet. Frauen, die den Eid auf ihre neue Heimat ablegen, müssen ihr Gesicht zeigen. Im Einwanderungsland Kanada ist diese Neuregelung heftig umstritten. Die französischsprachige Provinz Québec will die Burka im öffentlichen Raum ganz verbieten. Ein Burka-Verbot für Wahllokale ist bereits in Kraft.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Herausgeberin und Redaktorin der Zeitschrift «FrauenSicht».

Weiterführende Informationen

Kommentar zum Thema Burka-Verbot von Christian Müller auf infosperber
Kommentar zum Thema Burka-Verbot von Robert Ruoff auf infosperber
Dossier «Wie weit geht die Toleranz gegenüber Fundamentalisten?»

Meinungen / Ihre Meinung eingeben

Ähnliche Artikel dank Ihrer Spende

Möchten Sie weitere solche Beiträge lesen? Spenden an unsere gemeinnützige Stiftung SSUI machen es möglich. Spenden Sie 5 CHF per SMS mit dem Keyword Infosperber 5 an 9889 («Infosperber 5» an 9889).

Grössere Spenden via PayPal oder direkt aufs Spendenkonto IBAN CH0309000000604575581 (SSUI)
BIC/SWIFT POFICHBEXXX
Clearing-Nummer 09000

Ihre Spenden können Sie von den
Steuern abziehen.

Spende von den Steuern abziehen

Sie können Ihre Spende von Ihrem steuerbaren Einkommen abziehen. Für Spenden über 5 CHF erhalten Sie eine Quittung zu Handen der Steuerbehörden. Die Spenden gehen an die gemeinnützige «Schweizerische Stiftung zur Förderung unabhängiger Information» SSUI, welche die Informations-Plattform «Infosperber» ermöglicht. Infosperber veröffentlicht Recherchen, Informationen und Meinungen, die in der grossen Presse wenig oder gar keine Beachtung finden. Weitere Informationen auf der Seite Über uns

Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Spende!

schliessen

Eine Meinung

Totalitären Strömungen muss in allen Religionen mit laizistissch-rechtsstaatlicher Entschiedenheit entgegen getreten werden. Solche Strömungen – seien sie nun christlich, jüdisch oder islamisch geprägt – unterdrücken und entmündigen fast immer vorab die Frauen. Und erheben generell einen unterdrückenden irrational-reglementarischen Anspruch auf alle Lebensbereiche. Frauen in schwarze Säcke einzunähen, ist eine extreme Ausdrucksform solchen totalitären Religionswahns. Ein Verbot dieses mittelalterlichen Unfugs ist darum wichtig, weil sich vorab junge Frauen und Mädchen sonst kaum gegen solche religiös verbrämte, entwürdigende Übergriffe wehren können. Das betonen die meisten fortschrittlichen Frauen – vorab in Frankreich aber auch sonst in der Welt, wo sie für ihre Freiheiten kämpfen.
Das Argument, dass einige (verwirrte) Frauen ja «freiwillig» als «sprechende schwarze Leintücher» herumlaufen, hilft nicht weiter: Sexualverstümmelungen werden in Afrika auch oft von Frauen an Frauen und Mädchen begangen. Das macht die üble Sache nicht besser. N. Ramseyer
Niklaus Ramseyer, am 19. Februar 2012 um 11:58 Uhr

Ihre Meinung

Loggen Sie sich ein, um Ihre Meinung zu äussern. Wir möchten Missbräuche anonymer User möglichst vermeiden. Hier können Sie sich registrieren.
Sollten Sie ihr Passwort vergessen haben, können Sie es neu anfordern.

 

Am meisten gelesen

Am meisten Reaktionen

Aktuelle Dossiers

Die Euro- und Währungskrise

Euro-Münzen

Noch mehr Geldspritzen und Schulden bringen die Wirtschaft nicht mehr zum Wachsen. Sie führen zum Kollaps.
Dossier anzeigen

Cartoons von Patrick Chappatte

Patrick Chappatte

Der Genfer Karikaturist Patrick Chappatte nimmt mit spitzer Feder die Politik im In- und Ausland aufs Korn.
Dossier anzeigen

Die Politik der Pharmakonzerne

Pillen

Sie gehören zu den mächtigsten Konzernen der Welt und haben einen grossen Einfluss auf die Gesundheitspolitik.
Dossier anzeigen

Alle Dossiers anzeigen

Newsletter

Newsletter

Kreuzen Sie Themen an, die Sie interessieren. Den Newsletter dazu senden wir täglich oder wöchentlich. Gratis bestellen

IN KÜRZE: STEUERHINTERZIEHUNG ALS DELIKT

Philosophencafé

Noch vor zehn oder zwanzig Jahre wäre der neue BDP-Präsident mit seiner Aussage in die linke Ecke gestellt worden.
weiter

IN KÜRZE: Medien als Sprachrohr der Finanzmärkte

zvg

Kritik an deutschen Medien, welche die Wahlergebnisse in Frankreich und Griechenland im Gleichklang mit den Banken kritisieren.
weiter

BEVÖLKERUNG IN DER SCHWEIZ: PLUS 82'400 MENSCHEN

James Crydland Flickr / Creative Commons

Die Umweltvereinigung Ecopop macht sich Sorgen, weil die Bevölkerung in der Schweiz im Jahr 2011 stark zugenommen hat.
weiter

HÖCHSTE AUSZEICHNUNG FÜR PATRICK CHAPPATTE

ss

Der in Genf lebende Karikaturist Patrick Chappatte bekam in den USA den renommierten Thomas-Nast-Preis verliehen. Wir gratulieren!
weiter

SWISS WIRBT FÜR FRESSTOUR NACH NEW DELHI

ToastyKencc/upg

Zum «Crazy Food Walk» nach Delhi ködert die Swiss Kunden für 839 CHF. Indische Restaurants bei uns bieten dasselbe – ohne CO2.
weiter

Wer weiss die Antwort?

Was kann ich tun, damit meine Firma möglichst keine Steuern zahlen muss?

Es ist bereits 1 Antwort eingegangen.

Die Qualität unserer gesundheitlichen Versorgung ist schlechter als im Durchschnitt Europas. Das zeigt eine Studie aus Schweden.
weiter

Eine Werbekampagne gegen die Gratis-Zeitungen. Leider ist sie nur von der Solothurner Zeitung ins Blatt gesetzt worden...
weiter

Diese Rubrik enthält noch keinen Artikel