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Kenza Drider und Hind Ahmas mit Nikab: Sie wollen das Burkaverbot in Frankreich kippen © innpi

Nikab-Trägerin wehrt sich durch alle Instanzen

Barbara Marti /  Hind Ahmas wurde gebüsst, weil sie vor einem französischen Gericht nur mit Nikab erscheinen wollte, der nur die Augen frei lässt.

In Frankreich sind bereits mehrere Frauen zu Geldbussen von jeweils etwa 140 Euro (170 Franken) verurteilt worden, weil sie gegen das Burka-Verbot im öffentlichen Raum verstossen haben. Ein Pariser Gericht hat mit Hind Ahmas eine dieser Frauen zu 15 Tagen Staatskunde-Unterricht verurteilt, weil sie die Busse nicht zahlen will. Falls sie wie angekündigt auch den Unterricht verweigert, drohen ihr zwei Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von rund 30’000 Euro (36’000 Franken).
«Die Richter brauchen Staatskundeunterricht»
Hind Ahmas weigerte sich, ohne Nikab, der nur die Augen frei lässt, vor dem Gericht zu erscheinen. Sie durfte deshalb nicht an der Verhandlung teilnehmen. Gegenüber französischen Medien sagte sie: «Die Richter brauchen Unterrichtsstunden in Staatskunde, nicht ich.» Ihren Fall will Hind Ahmas falls nötig bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte weiter ziehen. Sie wird dabei von der Vereinigung «Touche pas a ma Constitution» unterstützt.
Präsidentschafts-Wahlkampf als Plattform
In Frankreich ist das Burka-Verbot im öffentlichen Raum letzten Frühling in Kraft getreten. Seither provoziert die 32-jährige Hind Ahmas, Sprecherin der selbst ernannten Präsidentschaftskandidatin Kenza Drider, die französische Öffentlichkeit. So haben die beiden Frauen im Nikab eine Veranstaltung von Jean-Francois Copé, Generalsekretär der Regierungspartei UMP, besucht.
Drider will den Präsidentschaftswahlkampf im Nikab bestreiten. Sie hat allerdings die nötigen Unterschriften für ihre Kandidatur noch nicht gesammelt.
Frankreich hat europaweit als erstes Land ein Burka-Verbot für den öffentlichen Raum beschlossen. Mittlerweile ist in Belgien ein ähnliches Verbot in Kraft. In den Niederlanden schlägt die Regierung ebenfalls ein Burka-Verbot für den öffentlichen Raum vor.
Quebec: Burkaverbot in Wahllokalen
In Kanada hat die konservative Regierung ein Gesetz verabschiedet, das die Burka während Einbürgerungsfeiern verbietet. Frauen, die den Eid auf ihre neue Heimat ablegen, müssen ihr Gesicht zeigen. Im Einwanderungsland Kanada ist diese Neuregelung heftig umstritten. Die französischsprachige Provinz Québec will die Burka im öffentlichen Raum ganz verbieten. Ein Burka-Verbot für Wahllokale ist bereits in Kraft.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Herausgeberin und Redaktorin der Zeitschrift «FrauenSicht».

Zum Infosperber-Dossier:

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Pro und Contra Niqab-/Burkaverbot

Sind Niqab und Burka Teil der Religionsfreiheit oder Symbol einer fundamentalistischen Unterdrückung?

Toleranz gegenüber Fundamentalisten?

Forderungen nach präventiver Überwachung der Bürger, nach Verboten von Waffen oder der Burka stehen im Raum.

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Eine Meinung zu

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    am 19. Feb 2012 um 11:58 Uhr
    Permalink

    Totalitären Strömungen muss in allen Religionen mit laizistissch-rechtsstaatlicher Entschiedenheit entgegen getreten werden. Solche Strömungen – seien sie nun christlich, jüdisch oder islamisch geprägt – unterdrücken und entmündigen fast immer vorab die Frauen. Und erheben generell einen unterdrückenden irrational-reglementarischen Anspruch auf alle Lebensbereiche. Frauen in schwarze Säcke einzunähen, ist eine extreme Ausdrucksform solchen totalitären Religionswahns. Ein Verbot dieses mittelalterlichen Unfugs ist darum wichtig, weil sich vorab junge Frauen und Mädchen sonst kaum gegen solche religiös verbrämte, entwürdigende Übergriffe wehren können. Das betonen die meisten fortschrittlichen Frauen – vorab in Frankreich aber auch sonst in der Welt, wo sie für ihre Freiheiten kämpfen.
    Das Argument, dass einige (verwirrte) Frauen ja «freiwillig» als «sprechende schwarze Leintücher» herumlaufen, hilft nicht weiter: Sexualverstümmelungen werden in Afrika auch oft von Frauen an Frauen und Mädchen begangen. Das macht die üble Sache nicht besser. N. Ramseyer

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