Piusbrüder in schwarzer Soutane: Auserwählte auf dem einzig richtigen Weg © srf

Piusbrüder in schwarzer Soutane: Auserwählte auf dem einzig richtigen Weg

Chef der Schweizer Piusbrüder attackiert den Islam

Kurt Marti / 12. Jun 2016 - «Von den vielen Millionen Europäern werden nicht mehr viele bleiben», orakelt der Chef der Piusbruderschaft in der Schweiz.

Pater Henry Wuilloud ist der Distriktobere der erzkatholischen Piusbruderschaft in der Schweiz und er ist ein Sympathisant des umstrittenen Churer Bischofs Vitus Huonder. Gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag» erklärte er: «Wir von der Priesterbruderschaft St. Pius X. stärken Bischof Vitus Huonder den Rücken, weil er die reine Lehre des Katholizismus vertritt.»

Die Piusbruderschaft ihrerseits geniesst grosse Sympathien in rechtskonservativen Kreisen, beispielsweise der Unterwalliser SVP und CVP (siehe Infosperber: «Sodom und Gomorra: Pius-Brüder flehen den Papst an»). Prominentester Messgänger der Piusbrüder ist der Walliser CVP-Ständerat Jean-René Fournier.

Phantasterei eines Auserwählten

Auf der Internetseite der Piusbrüder prophezeite Wuilloud in einem wirren Rundschreiben* vom letzten Mai dem dekadenten Europa nichts Gutes und ortet in allen Übergewichtigen Menschen ohne Moral. Aber jene Europäer, die «ihren Bauch zum Gott machen» würden, hätten «keine Selbstverteidigung» und würden «schnell liquidiert». Und weiter in seiner apokalyptischen Phantasterei: «Auch von den vielen Millionen Europäern werden nicht mehr viele bleiben. Nur jene Menschen werden bleiben, die ihre Hoffnung auf Gott gesetzt und ihr Schicksal in die Hand genommen haben.»

Nur wer zu den richtigen Mitteln greife – Wallfahrten, Exerzitien, «der tägliche Rosenkranz» und die «Liebe zu den Sakramenten» – nur diese Auserwählten würden «die Leistungsfähigkeit» haben, «um zu reagieren und eine neue Frucht einer christlichen Zivilisation wiederherzustellen». Das sei immer der gleiche Vorgang und die Lehre aus der Geschichte: «Verfolgung, Bekehrung, Wiederherstellung». So habe sich die katholische Kirche «immer entwickelt».

Ähnlich apokalyptische, ja martialische Töne, waren auch schon vom Generaloberen der Piusbrüder, Bernard Fellay, zu hören. Kurz vor Weihnachten 2013 rief er zu einem neuen Kreuzzug auf – «bis zur Hingabe seines Lebens».

«Gut besuchte Moscheen» als Strafe

Doch was ist der Hintergrund dieser Äusserungen von Pater Wuilloud? Der «Höhepunkt der Verhöhnung» besteht laut den Worten von Wuilloud darin, dass «die zahlenmässig wachsende Religion der Islam ist». Sogar Pfarrer hätten es gewagt, sich über die frühere Kirche lustig zu machen – man habe es gewagt, «unsere schöne katholische Religion auf schlimmste Art zu misshandeln» und die Strafe dafür seien «gut besuchte Moscheen und leere Kirchen!»

Von einem «Höhepunkt» spricht Wuilloud, weil «die Lehre des Islam von einer betrüblichen, erschreckenden und deprimierenden Armut» sei. Heute gebe es «kein Jenseits mehr». Deshalb gebe «man uns ein Imitat», den Islam.

Auch die Piusbrüder seien nicht immun gegen Fehlentwicklungen, obwohl sie versuchten, dem Glauben und der Tradition treu zu bleiben. Aber man könne auch «den Weg der Dickleibigkeit nehmen oder jenen der minimalistischen Religion und Muslim werden!»

Stossgebet zum Freund der Diktatoren

Zum Schluss seines Schreibens schickt Pater Wuilloud noch ein Stossgebet zum Gründer der Piusbruderschaft ins Jenseits: «Möge Erzbischof Lefebvre, der uns vor 25 Jahren verlassen hat, sich unserer aus der Ewigkeit erinnern und uns einen doppelten Anteil seiner missionarischen Liebe mitteilen.»

Erzbischof Marcel selig wird an seinem Nachbeter seine helle Freude haben. 1985 erklärte Lefebvre in einem Schreiben an Papst Johannes Paul II. die Juden, Kommunisten und Freimauer zu Feinden der katholischen Kirche. Gleichzeitig sympathisierte er mit den katholischen Diktatoren Franco und Pinochet, aber auch mit Jean-Marie Le Pen, dem Chef des Front National, wie die New York Times an seinem Todestag schrieb. Logischerweise bezeichnete er die Erklärung der Menschenrechte als «gottlos» und «gotteslästerlich» und flehte die «allerseligste Jungfrau Maria» an, dem Papst «ihren Geist der Weisheit mitzuteilen, um dem Einbruch des Modernismus in das Innere der Kirche ein Ende zu setzen».

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* Die entsprechende Internetseite existiert plötzlich nicht mehr. Hier kann das pdf des Rundschreibens von Pater Henry Wuilloud heruntergeladen werden.

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

keine

Weiterführende Informationen

Dossier: Toleranz gegenüber Fundamentalisten?
Henry Wuilloud: Rundschreiben vom Mai 2016

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4 Meinungen

Wer versteht denn WAS unter dem Begriff «katholisch» und «erzkatholisch"?
Meines Wissens bewegt sich die Pius-X-Bruderschaft ausserhalb der römisch-katholischen Lehre bzw Kirche.
Trotzdem ist strenge Kritik auch innerhalb des «Systems» angebracht, Kriterien müssen zuerst die eigenen Grundsätze sein, z.B. das «Hauptgebot».
Ich habe «Kloster zu verschenken» zum 800-Jahre-Jubiläum der Dominikaner gesehen. Eine kritische Sebstrefelxion des Ordens, Hut ab! Nichts von Beschönigung.
Der Völkermord unter Papst Innocens III an den Katharern ist eine unglaublich brutale Geschichte, (die ich zum Anlass nachgelesen habe). Hexenverfolgung und andere unchristliche Scheusslichkeiten werden nicht verdrängt.
Es gibt in dieser alten Kirche nebst Selbstkritik auch Bewegung, trotz der Widerstände.
Ein Beispiel:
https://www.youtube.com/watch?v=C6YRYv9KVE0&t=1005s
Urs Lachenmeier, am 12. Juni 2016 um 20:31 Uhr
Die religiösen Idioten aller Couleur (neudeutsch: Religioten) waren schon immer für die Aufhetzerei und die daraus folgenden Kriegen verantwortlich. Das ist ein neuer Versuch Katholischer Extremisten. Wehret den Rüstungs-Aktionären!
Rolf Raess, am 13. Juni 2016 um 13:11 Uhr
natürlich, man kann sich jetzt auf diese Bruderschaft einschiessen, es wäre ja auch am EInfachsten, aber allein schon die Geschehnisse in der Schwulenbar in den USA belegen doch, in relativ krasser Art und Weise, dass es wohl dieses Mal nicht die erzkonservativen Vertreter der katholischen Lehre sein werden, die für die möglicherweise zukünftigen Religionskriege verantwortlich zu machen sind.

Ob aber die westliche Welt, und ihre Kulturen, diesen Anlass als Grund dafür erkennen werden, dass die sogenannt christlichen Kulturen ununterbrochen Terrain abgeben, und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis VIELES, was uns als modern, aufgeklärt, und deshalb wohl auch NORMAL angepriesen wird, keine Gültigkeit mehr haben wird, ist eine Frage, die zum heutigen Zeitpunkt von Niemandem beantwortet werden kann.

Es ist halt nicht ALLES machbar, was kulturell machbar ist. Und wie weiter sich die christliche Lehre von ihren eigenen ursprünglichen Werten entfernt, desto brutaler wird das Erwachen wohl werden, wenn erst mal die anderen Kulturen die Mehrheiten, auch in unserem Land, repräsentieren werden.

Glaube und Religion sind keine frei definierbaren Variablen, zumindest nicht für den ISLAM. Man wird es noch erkennen, auch wenn man heute noch nicht daran glauben mag, dessen bin ich absolut sicher.
Ernst Jacob, am 13. Juni 2016 um 13:53 Uhr
Es muss sich doch alles an der MENSCHLICHKEIT messen lassen! Wer andern das Existenzrecht abspricht, spricht gegen die Menschlichkeit, ob nun extrem religiös oder extrem areligiös!
Am Anfang war das Wort... oder vor den Schandtaten war die Aufhetzung. Aus welcher Richtung auch immer. Aufhetzung ist abzulehnen.
Urs Lachenmeier, am 13. Juni 2016 um 16:26 Uhr

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