Friedrich Brügger

Friedrich Brügger beantwortet Fragen des «Weltspiegel» © ard

VW wegen Sklaverei am Pranger – Schweizer Manager: «Blödsinn»

Urs P. Gasche /  Der VW-Konzern ist wegen hundertfacher Menschenrechtsverletzungen und Sklavenhaltung angeklagt. Direkt zuständig war ein Schweizer.

Als Nebengeschäft produzierte der Volkswagenkonzern im brasilianischen Urwald ab 1974 vierzig Jahre lang Rindfleisch für den Export. Jetzt werden dem VW-Konzern moderne Sklaverei, Menschenhandel und systematische Menschenrechtsverletzungen in Hunderten von Fällen vorgeworfen. Ein mutiger Priester und eine Staatsanwältin trugen notariell beglaubigte Aussagen zusammen. Das berichteten vor kurzem NDR, SWR und die Süddeutsche Zeitung.

Am kommenden 14. Juni findet in Brasilia eine aussergerichtliche Verhandlung statt. Es geht um hohe Schadenszahlungen.

Laut Anklage wurden Leiharbeiter auf der Farm wie Sklaven gehalten. Zwischen 500 und 1200 Männer mussten Unterkunft in Zelten und Verpflegung selber zahlen und verschuldeten sich damit. Private Sicherheitsleute hinderte sie daran, die Farm zu verlassen. Unter einem brutalen Regime sei gestraft, eingekerkert und geschossen worden. Malaria-Kranke wurden nicht behandelt. VW arbeitete eng mit der damaligen Militärdiktatur zusammen. Gegenüber der NZZ, die am 4. Juni ausführlich über die «Sklaverei» informierte, wollte der VW-Konzern nicht Stellung nehmen.

Peinlicher Auftritt des verantwortlichen Schweizer Managers

Als Manager war der Schweizer Friedrich Brügger der Hauptverantwortliche vor Ort. Erst nach vierzig Jahren kehrte er in die Schweiz zurück. Am 29. Mai 2022 konfrontierte ihn die «Weltspiegel»-Redaktion der ARD mit den Vorwürfen. Über diesen peinlichen Auftritt haben Schweizer Medien bisher nicht informiert.

«Die Vorwürfe sind völliger Blödsinn», meinte Brügger gut gelaunt. Das Aufarbeiten der Vergangenheit «führt ins Uferlose», selbst wenn etwas falsch war. Und er fuhr fort: «Irgendwo hört die Verantwortung eines Unternehmers auf. Wenn tausend Männer auf einem Haufen sind, liegt es auf der Hand, dass es nicht immer zart zugeht – und dann erst noch mitten im Urwald.»

Den Auftritt von Friedrich Brügger im «Weltspiegel» kann HIER ab Minute 3.38 verfolgt werden.

Der VW-Konzern liess ausrichten, dass Brüggers Aussagen nicht den Werten von VW entsprächen.

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Der «Weltspiegel» des ARD informiert am 29. Mai 2022 über die Sklavenhaltung des VW-Konzerns

Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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2 Meinungen

  • am 8.06.2022 um 11:40 Uhr
    Permalink

    Dieser selbsternannte Cowboy namens Brügger ist doch ein Super-Imageträger für Schweizer Werte. Vielleicht hat ja der Bauernverband Interesse an einem Engagement.

    1
  • am 8.06.2022 um 12:57 Uhr
    Permalink

    Vor nicht all zu langer Zeit gab es einen Bericht in dem eine UN-Menschenrechtskomission davon sprach dass der moderne Arbeitssklavenmarkt zunehmend grösser wird.
    Gemeint sind damit Arbeitnehmer die von ihrem Lohn nicht den Lebensunterhalt bestreiten können und unter Menschenunwürdigen Umständen arbeiten und leben müssen.
    Sklavenhalter sind die Industrienationen zu denen auch die Schweiz zählt da es auch dort Unternehmen geben würde die sich aus einer angeblichen Selbstverpflichtung stehlen.
    Unter diesen Umständen müsste man die Globalisierung verbieten.
    In einem anderen Bericht zu einem anderen Thema zu Ausserirdischen sagte ein Wissenschaftler das Ausserirdische erkennen würden das wir zivilisiert und intelligent sind. – Ich weiss nicht wen er damit gemeint haben könnte?

    1

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