Chappatte_Bienen_Front

«Sie machen unseren Honig, rettet die Bienen» – «Und wovon sollen WIR denn leben?» © Patrick Chappatte in «Le Temps»

NZZ plappert Argumente von Syngenta nach

upg /  Hinter dem Pestizidverbot zum Schutz der Bienen stehe eine «Aversion gegenüber der Agrochemie» kritisiert die NZZ.

Mit dem Verbot von Neonicotinoiden der Agrokonzerne Syngenta und Bayer würde die EU und die Schweiz «beträchtliche Ernteausfälle» in Kauf nehmen, schimpft NZZ-Wirtschaftsredaktor Sergio Aiolfi in einem Kommentar. Denn statt der jetzt verbotenen Pestizide kämen jetzt «weniger wirksame und unpräzise und weniger umweltschonende Spritzmittel» zum Einsatz.
Dieser Satz stammt ziemlich wörtlich aus den PR-Etagen von Syngenta und Bayer.
Kein Wort davon, dass sich in Italien die Bienen ohne Ernteeinbussen wieder erholt haben, nachdem dort ein Teilverbot dieser Neonicotinoiden erlassen wurde.
Als «Beweis» für die Unschädlichkeit von Neonicotinoiden führt Aiolfi an, dass sich die Bienen in Australien trotz grossflächigem Einsatz solcher Pestizide «guter Gesundheit erfreuen». Und in Schottland gehe das Bienensterben weiter, obwohl es dort eine neonicotinoid-freie Zone gebe.
Auch diese Argumente stammen aus der Küche der Agrokonzerne und wurden auch von der britischen Landwirtschaftbehörde ins Feld geführt.
Auf Gegenargumente von Greenpeace geht der NZZ-Wirtschaftsredaktor nicht ein. Niemand behauptet, dass die jetzt verbotenen Pestizide am Bienensterben allein schuld sind. Auch Aiolfi zählt als «mögliche Todesursachen» Parasiten, Luftverschmutzung, Beschädigung von Lebensräumen oder Nahrungsgrundlagen auf. Für Greenpeace ist klar, dass am Bienensterben viele Faktoren schuld sind, die sich gegenseitig verstärken können. Je nach regionaler und klimatischer Situation sei der Einfluss der Faktoren unterschiedlich. Die wissenschaftliche Datenlage belege, dass die Neonicotinoide einer der Faktoren sei, welche den Bienen schade. Davon liessen sich auch die Behörden der EU und der Schweiz offensichtlich überzeugen, obwohl die Industrie heftig gegen ein Verbot lobbyiert hat.
«Das Verbot ist eine sofort umsetzbare und wirksame Massnahme», erklärt Greenpeace, während die andern schädlichen Faktoren nur mittel- oder langfristig geändert werden können.

Siehe «Bienensterben: EU verbietet Syngenta-Gift» vom 29.4.2013

Weiterführende Informationen


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine

Zum Infosperber-Dossier:

Bienen_Befruchtet

Bienen werden Opfer von Pestiziden

Viele Nutzpflanzen brauchen Bienen zur Befruchtung. Doch Pestizide von Agrar-Konzernen machen sie krank.

Zeitungen_1

Kritik von Zeitungsartikeln

Printmedien üben sich kaum mehr in gegenseitiger Blattkritik. Infosperber holt dies ab und zu nach.

War dieser Artikel nützlich?
Ja:
Nein:


Infosperber gibt es nur dank unbezahlter Arbeit und Spenden.
Spenden kann man bei den Steuern in Abzug bringen.

IBAN: CH 0309000000604575581

Ihre Meinung

Lade Eingabefeld...