M Grapefruit 2000

Ein Kilo Grapefruits aus Südafrika für 3.95 Franken © is

Pflücker speist man mit 2 Rappen pro Kilo ab. Migros schweigt.

upg. /  Pro Kilo nur fünf Rappen mehr zahlen, damit Pflücker den 2,5-fachen Lohn erhalten! Die Margen der anderen müssten gleich bleiben.

Ein Kilo Grapefruits aus Südafrika kosteten im September 3.95 Franken. Davon erhält der Grapefruit-Pflücker in Südafrika zwei Rappen.

Bei den Grapefruits ist es gleich wie bei den T-Shirts oder anderen Textilien aus Asien: Ein Aufpreis von wenigen Rappen oder von zwei, drei Franken könnte die Löhne der Niedrigstverdienenden schlankweg verdoppeln. Nur müssten die Margen der Händler und Zwischenhändler nicht in Prozenten, sondern in absoluten Beträgen festgelegt werden und unverändert bleiben.

Doch, so wie es heute ist, würde ein kleiner Aufpreis für die Konsumentinnen und Konsumenten nicht an die Ärmsten der Produktionskette weitergegeben. Die Grosseinkäufer begnügen sich damit, von ihren Lieferanten ein schriftliches Versprechen zu erhalten, dass die in Südafrika, Indien oder Bangladesch geltenden Mindestlöhne eingehalten werden. Diese Mindestlöhne sind ohnehin schon Armutslöhne. Und häufig werden von diesen Mindestlöhnen noch Wegkosten, Verpflegung oder Unterkunftskosten abgezogen. Auch unbezahlte Überstunden sind nicht selten. Die meist schlecht organisierten Arbeiterinnen und Arbeiter können sich kaum wehren, weil sie zum Überleben auf die Arbeit angewiesen sind.


Die Grapefruits der Migros als Beispiel

Im September verkaufte die Migros schweizweit Grapefruits aus Südafrika für 3.95 Franken das Kilo. In Aktion gab es das Stück für 60 Rappen. Infosperber stellte der Migros folgende Fragen:

Wie setzt sich der Preis für ein Kilo dieser Grapefruits ungefähr zusammen – vom Pflücker bis ins Gestell der Migros?

Antwort der Migros-Medienstelle:
«Bitte haben Sie Verständnis, dass wir keine detaillierte Kostenaufteilung auf Stufe einzelner Produkte, Lieferanten und Beschaffungsketten offenlegen.»

Von welchen Farmen beziehungsweise Produzentengruppen stammen diese Grapefruits? Welche unabhängigen Kontrollen führt die Migros bei diesen Lieferanten zu Mindestlöhnen, Kosten für Unterkunft und Verpflegung, Arbeitszeit durch? Welche Prüfstelle hat in welchem Zeitraum das letzte Mal die Arbeitsbedingungen der Pflücker dieser Grapefruits beurteilt? Welche Massnahmen hat die Prüfstelle empfohlen?

Antwort der Migros-Medienstelle:
«Wir können aus Gründen des Lieferantenschutzes und der Vertraulichkeit keine Angaben zu einzelnen Exporteuren, Packhäusern, Farmen oder Produzentengruppen sowie keine lieferantenspezifischen Auditberichte, Prüfergebnisse oder Empfehlungen veröffentlichen. Im Bereich Früchte und Gemüse verlangt die Migros eine Zertifizierung nach GLOBALG.A.P. und eine Zertifizierung nach einem anerkannten Sozialaudit-System.»

Nach unseren Informationen verdient ein Pflücker rund 2 Rappen pro Kilo. Ist dies plausibel?

Keine Antwort der Migros-Medienstelle.


Zwei Rappen pro Kilo für die Pflücker

Ein Arbeiter oder eine Arbeiterin pflückt mindestens 560 Kilo pro Tag oder 70 Kilo pro Stunde (einschliesslich Einteilen, Befüllen, Leeren, Pausen). Der Mindeststundenlohn beträgt rund 1.50 Franken pro Stunde. Der Pflücker verdient also an einem Kilo Grapefruits rund zwei Rappen (150/560). Pro Tag kommt er auf einen Lohn von etwa 12 Franken – für das Pflücken von über 560 Kilo Grapefruits..


Unseren eigenen Bauern würden wir dies nie zumuten

Was die reichen Länder ihren eigenen Bauern niemals zumuten würden, verlangen sie bedenkenlos von Kaffee- und Kakaobauern: Deren Einkommen hängen von den spekulativen Ausschlägen an den Rohstoffbörsen ab. Ethiker äussern Bedenken, dass die reichen Industriestaaten ihren eigenen Bauern Einkommen und Preise garantieren, jedoch Bauern in armen Ländern der Willkür von spekulativen, stark schwankenden Weltmarktpreisen von Mais, Getreide, Reis, Palmöl, Soja, Kaffee, Kakao, südländischen Früchten oder Baumwolle ausliefern. Einige halten diese unterschiedliche Behandlung sogar für rassistisch.

Weiterführende Informationen


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Zum Infosperber-Dossier:

AfrikaHilfe xx

Afrika: Ausbeutung und Hilfe

Die Industriestaaten profitieren von Hungerlöhnen und Kinderarbeit. An Korruption sind sie oft beteiligt.

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4 Meinungen

  • 6.10.2026 at 11:48
    Permalink

    Das Soziale bei der Migros ist im steilen Sinkflug, wenn überhaupt noch in der Luft. Gebana und Crowd Container liefern die Zahlen, die Migros nicht liefert. Leider vermisse ich bei allen Grossverteilern diese Transparenz, womit die Kunden (bei den Grossvertilern) nicht wirklich wählen können.

    • 7.10.2026 at 13:13
      Permalink

      Sie sagen es richtig Herr Ursprung:
      Deshalb Grapefruit nicht oder im Bioladen oder bei Gebana kaufen. Das ist die Lösung.

  • 7.10.2026 at 16:10
    Permalink

    Die Migros behauptet einfach. Kommt dann «alle Schaltjahre» jemand auf die Idee, nachzufragen . . .
    Migros behauptet:
    • Sozialstandards – Wir übernehmen soziale Verantwortung in der Lieferkette
    • Das Team Soziales des Migros-Kulturprozents fördert gezielt Inklusion, Chancengerechtigkeit, Quartierentwicklung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt
    Ich schrieb bereits 2009 auf SORGIM (heisst rückwärts MIGROS und ist die einzige unabhängige Organisation der über 2 Mio. MIGROS Eigentümer. SORGIM steht für die Sorge um die MIGROS): Von wem ist der Satz: «Das Bewusstsein, dass rings um uns Menschen sind, die ein Recht auf den ‹goldenen Überfluss› der Welt haben, aber ihren Anteil nicht erhalten, darf uns keine Ruhe lassen. Jeder an seinem Platz muss seinen Teil tun um das zu ändern.»? Von Marx, Jesus oder Duttweiler?

  • 9.10.2026 at 03:19
    Permalink

    Migros behauptet . . .
    Mein Leserbrief im Ktipp-Heft 2012:
    Saldo 15/2011 titelte: «Zürcher Beeren aus der Ukraine», obwohl auf den Produkten der Slogan «Aus der Region, für die Region» prangt». K-Tipp 14/2012 enthüllt: «Damit verstösst die Migros gegen ihr eigenes Reglement». Und ich dachte, ich löffle Region – dabei schiebt mir Migros-Chef Herbert Bolliger Beeren aus der verstrahlten Ukraine unter.
    Zum Slogan passend: Die Migros führt null Schweizer Haferflocken und Tiefkühlfrüchte. Boykottiert die Migros die Schweizer Landwirtschaft? Als Migros-Genossenschafter wehre ich mich gegen die ausderregion.ch-Heuchelei und fordere Bolligers Rücktritt. Seine Bio-Hirse «Made in China» darf er selber essen.
    Weitere Beispiele für Bolligers «Öko-Schiene»-Heuchelei: Migros verlangt beim Bundesamt für Gesundheit die Erhöhung des Pestizid-Grenzwertes für alle Reissorten.

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