Kommentar

FDP-Ständeräte machen UBS-Ermotti reich und happy

Lukas Hässig © zvg

Lukas Hässig /  Handeln die Freisinnigen irrational? Oder sind sie käuflich? Sie wollen keine strengen Regeln für die UBS.

Vor 25 Jahren versenkte die Zürcher FDP die Swissair. Jetzt vergoldet sie die UBS-Topshots. Diese wollen mit wenig Kapital maximal verdienen. Das schaffen sie jetzt – Freisinn sei Dank.

Die FDP-Ständeräte waren gestern entscheidend dafür, dass die UBS keinen einzigen harten Kapitalfranken aufbringen muss. Stattdessen kann die letzte Schweizer Grossbank Milliarden frischer AT1-Anleihen herausgeben. Das sind die Todesspiralen-Bonds, welche die CS am Ende über die Klippe stiessen.

Nie mehr CS, lautete denn auch die Forderung nach dem Untergang der Paradeplatz-Bank. Dreieinhalb Jahre später haben die FDP-Ständeräte alles vergessen. Die AT1-Anleihen jedenfalls taugen in der Krise nichts. Sie reissen die Schuldnerin erst recht in die Tiefe. Gemäss «Financial Times» würde die UBS «$16bn new AT1 bonds» benötigen.

Haben die bürgerlichen Ständeräte einfach irrational entschieden? Oder werden sie dafür belohnt?

Zum Beispiel mit baldigen Jobs weit oben in der UBS? Verwaltungsrats-Sitze in Konzern und Schweizer Einheit? Die Bank hat 1700 Milliarden angelegt. So gross ist ihre Bilanzsumme. Hinzu kommen noch viel mehr ausserhalb der Bilanz. Als Derivative. Explodiert dort ein kleiner Teil, gehts schnell um einige Dutzend Milliarden.

2008 waren es die Schrott-Hypotheken, die zum Crash führten. Die trugen ein Triple-A, waren aber Minus-C. Ein mathematischer Humbug, basierend auf Statistiken, kreiert von Atom-Physikern, die es ins Bonus-Banking verschlagen hatte. Als die Subprime-Granaten explodierten, war die UBS pleite. Die Schweiz musste sie mit 70 Milliarden Risikoeinsatz retten.

Fast-forward: 2023 sprang erneut der Bürger ein. Damit die CS nicht das ganze Land in die Tiefe riss, brauchte es 257 Milliarden. Dreieinhalb Mal so viel wie 15 Jahre zuvor. Der Faktor leuchtet ein: Die ganze Finanzwirtschaft hatte sich in der Zwischenzeit etwa so stark aufgebläht.

2038 wäre es nach simpler Annahme wieder so weit. Gehts an den Märkten im gleichen horrenden Tempo weiter, bräuchte es dann 500 oder noch mehr Milliarden.

Hat die Schweiz so viel Pulver?

Die 20 Milliarden hartes Kernkapital, gegen die sich Sergio Ermotti stemmte, hätten die UBS in einer Grosskrise nicht gerettet. Aber sie hätten die Bank über die nächsten Jahre vielleicht davon abgehalten, unkalkulierbare Risiken einzugehen. Jetzt drohen solche Risiken just im Investment-Banking. Dort, wo die UBS ihre Nahtod-Erlebnisse hatte, legt sie erneut zu wie sonst nirgends.

Die FDP-Cracks im Stöckli wischten Einwände wie diese vom Tisch. Sie frassen Ermotti aus der Hand: Gebt uns gleich lange Spiesse, sonst übernimmt uns ein US-Gigant – dieses Schreckgespenst malte der Tessiner an die Wand.

Für Ermotti, der selber im Investment-Banking gross geworden ist, war es ein Kinderspiel, der Monster-Bank ein super-konseratives Mäntelchen umzuhängen.

Die Realität sieht allerdings anders aus. Amerikanische Grossbanken haben 5 bis 6 Prozent «Leverage Ratio». Gemeint ist das Verhältnis von echtem, eigenen Kapital zur Bilanzsumme. Bei der UBS sind es 4,5 Prozent. Damit ist die UBS ein «Outlier», ein Ausreisser.

Aber nicht nach oben, wie Ermotti den Ständeräten weismachte, sondern nach unten.


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Keine. Der Autor ist Redaktor und Inhaber des Portals Inside Paradeplatz, auf dem dieser Beitrag zuerst erschien.
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6 Meinungen

  • 1.09.2026 at 18:02
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    Die UBS sieht das Resultat der ständerätlichen Kommission total anders: Sie findet die Empfehlung viel zu streng und schreibt im Presse-Communiqué vom 1. September: «“However, the WAK-S recommendations would lead to a significant increase in costs for UBS. [….] the recommendations would further increase the financing costs for the Swiss financial center and economy in an international environment in which other major financial centers are simplifying and streamlining their regulatory frameworks for banks.”

    Schlimmer, oder dümmer, geht es sicher nicht.

  • 2.09.2026 at 08:40
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    bz Benjamin Rosch 01.09.2026, 15.09; «Brandbeschleuniger»: Keller-Sutter kritisiert Ständeräte für UBS-Lösung..Heute ist das Auslandsgeschäft nicht vollständig mit hartem Eigenkapital unterlegt, sondern teilweise mit Fremdkapital. Das ist etwa so, wie wenn Sie eine Hypothek aufnehmen und dafür wiederum einen Kredit. Das kann gefährlich sein: Wertberichtigungen bei den ausländischen Töchtern schlagen sofort auf das Kapital des Stammhauses in der Schweiz durch. Das führt dazu, dass die Bank sich eventuell nicht mehr aus eigener Kraft stabilisieren kann – etwa mit einem Verkauf der ausländischen Beteiligung..»

    Das könnte wohl heissen, die Ständeräte, die sich für die UBS eingesetzt haben, könnten wohl intellekuell etwas überfodert gewesen sein die Folgen zu begreifen, die beschlossen wurden zum Wohle der Gross-Welt-Bank, wenn sich die UBS in den USA verzockt. Der Souverän muss wohl in Zukunft seine Ständeräte besser kontrollieren.
    Gunther Kropp, Basel

  • 2.09.2026 at 11:32
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    In Wirklichkeit ist es noch viel schlimmer! Die UBS gilt es aufzuspalten! Oder sie soll ins Ausland. Dann haben kleinere Banken eine Chance. Wir verwöhnen einen Dinosaurier und werden dafür bezahlen. FDP ist unwählbar! – Systemrelevante Dienste in privaten Händen dient privaten Interessen.

  • 2.09.2026 at 20:09
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    Korruption in der Schweiz? Nicht doch!
    Ein grosses Kompliment an Frau Bundesrätin Keller-Suter für ihr Engagement.
    Lassen wir doch das Volk entscheiden! Vielleicht ist das kluger? Oder doch nicht?

  • 2.09.2026 at 22:13
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    Name ist Programm. FDP = Für Das Portemonnaie

  • 2.09.2026 at 23:08
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    Das Problem besteht darin, dass besonders risikoreiche Geschäfte häufig über Offshore-Gesellschaften abgewickelt werden. Schweizer Aufsichtsbehörden können diese Gesellschaften jedoch meist nicht direkt prüfen und sind auf lokale Aufsichts- und Revisionsstellen angewiesen. Ob deren Bilanzen und Beteiligungsstrukturen die wirtschaftliche Realität tatsächlich widerspiegeln, lässt sich deshalb oft nur eingeschränkt beurteilen.

    Wie gefährlich solche Konstruktionen sein können, zeigte der Enron-Skandal. Der US-Konzern unterhielt rund 700 Gesellschaften auf den Cayman Islands, über die Risiken und Schulden verschleiert wurden. Der Zusammenbruch führte zu einem der grössten Unternehmensskandale der Wirtschaftsgeschichte und zu langjährigen Freiheitsstrafen für mehrere verantwortliche Manager.

    Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob der Ständerat die systemischen Risiken solcher Offshore-Strukturen ausreichend berücksichtigt hat. Scheitert ein solches System, trägt am Ende häufig ni

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