Bill Gates bevormundet Afrikas Bauern
Als Hauptgeldgeber des Landwirtschaftsprogramms AGRA will die «Gates Foundation» des Microsoft-Gründers «die Erträge und Einkommen von Millionen von Kleinbauern in Afrika steigern, … damit sie sich und ihre Familien aus Hunger und Armut befreien können».
Zu diesem Zweck propagiert das auch «grüne Revolution» genannte Programm die Umstellung vom traditionell kleinbäuerlichen Anbau auf intensive Landwirtschaft. Es verleitet die Bauern dazu, genverändertes und patentiertes, statt herkömmliches Saatgut zu verwenden. Es forciert den Betrieb von Monokulturen und den Einsatz von industriellen Agrarchemikalien sowie Düngemitteln auf Basis fossiler Brennstoffe.
Mit gut einer Milliarde US-Dollar hat die Stiftung seit knapp 20 Jahren das AGRA-Programm finanziert. Weitere Geldgeber sind in kleinerem Ausmass die «Rockefeller Foundation» sowie Deutschland und die Niederlande.
Auswirkungen von AGRA völlig kontraproduktiv
Mehrere unabhängig erstellte Forschungsberichte beweisen, dass die milliardenschweren landwirtschaftlichen Interventionen, welche AGRA seit 20 Jahren vorantreibt, den afrikanischen Kleinbauern nicht geholfen haben.
Im Gegenteil: Ihr Einkommen sei mehrheitlich geschrumpft, anstatt sich – wie versprochen – zu verdoppeln. AGRA habe dazu beigetragen, Hunger und Unterernährung im südlichen Afrika noch zu verschärfen, anstatt zu lindern. Das berichtet die unabhängige News-Plattform «USA Right To Know» mit Verweis auf Dutzende Quellen und die Daten der Welternährungsorganisation FAO.
Das Programm verursache zudem ökologische Schäden und zunehmende Verschuldung. Und es zerstöre die sozialen Strukturen der kleinbäuerlichen Gemeinschaften.
Auf Anfragen nach einer Stellungnahme habe die «Gates Foundation» nicht reagiert.
Die «Gates Foundation» spielt den Agrarmultis in die Karten
Ein weiterer Kritikpunkt ist der Interessenkonflikt, welcher dem Engagement von Bill Gates Stiftung innewohnt. Sie hat ihr Milliardenvermögen zu grossen Teilen in Agrar- und Chemiekonzernen investiert, welche direkt vom AGRA-Programm profitieren. Dazu gehören Multis wie Monsanto, Cargil, DuPont, Dow Chemical, BASF und Bayer. AGRA ziele ganz direkt darauf ab, den Einfluss und Absatz dieser Grosskonzerne in Afrika zu steigern und die gewachsenen kleinbäuerlichen Strukturen zu verdrängen. Dieses Ziel verfolge AGRA auch durch massive, strategische «Finanzhilfe» an landwirtschaftliche Forschungszentren und Regierungsbehörden in Afrika, konstatiert die News-Plattform «USA Right To Know». Es handle sich um gezielte politische Einflussnahme auf höchster Ebene.
Jeder Protest prallt an der Gates-Stiftung ab
Das «Southern African Faith Communities’ Environment Institute» (SAFCEI) und die breit abgestützte «Alliance for food sovereignty in Africa» haben mehrfach bei der «Gates Foundation» gegen die Förderung des AGRA-Programms protestiert, zuletzt im August 2024. Die Allianz ist das grösste zivilgesellschaftliche Selbsthilfe-Netzwerk Afrikas und vereint Mitgliedorganisationen aus 50 Ländern des Kontinents. Über 600 afrikanische Glaubens- und Gemeinschaftsführer fordern von Bill Gates Stiftung aktuell «Reparationen für den ökologischen und sozialen Schaden, der durch die industrielle Landwirtschaft verursacht wird, und einen gerechten Übergang zur Agrarökologie».
Auch darauf hat die «Gates Foundation» bis dato nicht reagiert. Die einzige Selbstkritik stammt von 2020, von AGRA-Verantwortlichen direkt. Das Ziel, die Erträge und Einkommen von Millionen afrikanischen Kleinbauern zu verdoppeln, habe man nicht erreicht, räumte AGRA damals gegenüber dem US-Newsmagazin «Politico» ein.
Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors
Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.








Bill Gates war nie ein Menschenfreund. Er hat Zeit seines Lebens nur im Eigeninteresse Geld und Einfluss kumuliert.
Bill Gates ist kein Philanthrop sondern ein knallharter Investor – wie wäre er sonst Milliardär geworden? Afrika braucht vor allem selbstbewußte, selbständige Bauern, die mit ihren eigenen alten, gut angepassten Sorten ihre Familien ernähren und den Überschuss zu vernünftigen Preisen auf den Märkten verkaufen können. Dazu muss vielerorts fruchtbare Bodenschicht aufgebaut und in Wasserrückhaltesysteme investiert werden. Die großflächige industrielle Landwirtschaft schafft das kaum. Kleine Projekte mit überschaubarer Zielsetzung und einer direkten Verbindung zwischen Geldgebern und Bauern aber schon. Hier gibt es viele Beispiele. Außerdem haben viele afrikanische Landwirte ein hohes Wissen über heimische Mischkulturen, Bodenaufbau und -lockerung und lokale Sorten, das dringend besser genutzt werden muss, anstatt wieder irgendein Fremdkonzept drüberzustülpen.