Militärparade 2023 in Moskau.kremlin.ru CC BY 4.0

Militärparade 2023 in Moskau © kremlin.ru CC BY 4.0

Geld fast nur noch für Krieg, Schuldzinsen und Renten

upg /  Der Krieg gegen die Ukraine erlaubt es Russland nicht, in die Zukunft der Wirtschaft zu investieren. Die Zukunft sieht trübe aus.

Russisches Staatsbudget
  • Militär, Rüstung, Polizei, Nationalgarde und Justiz fressen über 40 Prozent des russischen Staatshaushalts.
  • Für Zinszahlungen für Staatsschulden gehen weitere 9 Prozent des Staatshaushalts weg – Tendenz steigend.
  • Für Zahlungen von Renten, Sozialleistungen Sozialhilfe sowie Leistungen an Kriegsopfer bleiben noch etwa 16 Prozent des Budgets. 
  • Die restlichen rund 36 Prozent des Budgets müssen reichen für die zivilen Aufgaben Gesundheitswesen, Bildung, Forschung, Wirtschaftsförderung, Kultur, Sport und Verwaltung.

Diese Zahlen sind Grössenordnungen, weil das Budget nicht voll transparent ist. 

Die Hälfte des Wohlfahrtsfonds geplündert

In rasantem Tempo verbraucht Russland seinen Nationalen Wohlfahrtsfonds, den es als finanzielles Polster für schlechte Zeiten mit Öl- und Gaseinnahmen aufgebaut hatte. Die liquiden Reserven des Fonds beliefen sich im Februar 2026 auf etwa 55 Milliarden Dollar, gegenüber 113 Milliarden Dollar vor dem Krieg. Das berichtet die «New York Times».

Während China und die USA massiv in KI und andere Spitzentechnologien investieren, konzentriert sich Russland auf Waffen. Deshalb figuriert Russland auf globalen Listen für Innovationen im KI-Sektor ganz am Schluss. 

Gravierend sind die wirtschaftlichen Folgen der vielen jungen Kriegstoten und -verletzten. Das Center for Strategic and International Studies in Washington schätzt, dass etwa 1,2 Millionen Russen getötet oder verwundet wurden. 

Als gravierendes Problem für die Wirtschaft kommt dazu: Laut einer Meta-Auswertung aus Daten von rund 70 Ländern befinden sich von über 800’000 russischen Staatsbürgern, die Russland verlassen haben, etwa 650’000 noch immer im Ausland – darunter viele Fachkräfte. 

Das alles habe die russische Wirtschaft und Gesellschaft derart geschwächt, dass die Zukunft des Landes nach Ansicht vieler Ökonomen gefährdet sei, schreibt die «New York Times». Schon vor dem Krieg war die Bevölkerungszahl rückläufig.

«Es wird viel Geld für Panzer, Granaten, Bomben, Militärleistungen und andere Dinge ausgegeben. Nichts davon hat einen bleibenden Wert, nichts davon trägt zu dem bei, was wir als Entwicklung bezeichnen», sagt Alexandra Prokopenko. Sie war Mitarbeiterin der russischen Zentralbank und arbeitet jetzt am Carnegie Russia Eurasia Center in Berlin.

Die Öl- und Gaseinnahmen Russlands sanken im letzten Jahr um fast ein Viertel, da die weltweiten Preise fielen. Die Sanktionen führten dazu, dass Russland überdies noch Preisnachlässe gewähren musste.

Noch ist Putin nicht gezwungen, den Ukraine-Krieg zu beenden. Doch musste Moskau die Mehrwertsteuer und die Unternehmenssteuern erhöhen und andere Massnahmen ergreifen, um genügend Geld zu erhalten. Der Druck auf die Bevölkerung wird stetig grösser.

In der Wirtschaft gibt es Kriegsgewinnler und Kriegsverlierer. Unternehmen, die mit der Rüstung und dem Militär zu tun haben oder vom Weggang ausländischer Unternehmen profitieren, erleben einen Boom. Der Rest der russischen Wirtschaft hat grösstenteils zu kämpfen. Die Gas-, Automobil- und Kohleindustrien stecken in der Krise. Kleinere Unternehmen versuchen, sich mit höheren Preisen und teuren Krediten zu retten.

Laut einer Umfrage im letzten Herbst von Chronicles, einem unabhängigen russischen Meinungsforschungs-Start-up, wären 59 Prozent der Russen im Alter von 18 bis 29 Jahren dafür, dass Russland den Krieg beendet, auch ohne die von Putin erklärten Ziele erreicht zu haben. Unter allen Russen waren immerhin 42 Prozent der Befragten dieser Meinung. 


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Zum Infosperber-Dossier:

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Die Ukraine zwischen Ost und West: Jetzt von Russland angegriffen

Die Ukraine wird Opfer geopolitischer Interessen. Die Nato wollte näher an Russland. Seit dem 24.2.2022 führt Russland einen Angriffskrieg.

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6 Meinungen

  • am 16.03.2026 um 11:52 Uhr
    Permalink

    Wenn Russland finanziell zusammenbricht wäre das hervorragend. Gilt auch für die USA.

  • am 16.03.2026 um 15:35 Uhr
    Permalink

    Russland kommt immerhin ohne Neuverschuldung aus – Kredite aus dem Ausland gibt es ohnehin nicht – und hält große Goldreserven, die ständig aufgestockt werden. Dazu kommen unfassbar riesige Reserven an Bodenschätzen aller Art, die zum großen Teil noch nicht erschlossen sind. Die Auslandverschuldung ist verglichen mit den EU-Staaten und den USA ein Witz. Natürlich knirscht es jetzt im Gebälk: Arbeitskräftemangel, eine trotz aller Maßnahmen lächerliche Geburtenrate und großer Kapitalmangel, der eben genau die Erschließung des russischen Bodenreichtums behindert. Russland kann sich freilich komplett selbst versorgen, dabei noch Nahrungsmittel exportieren und ist einer der weltgrößten Düngemittelhersteller. Auch ist es von Energieimporten nicht abhängig und raffiniert alle Derivate selbst. Die meisten Bürger haben Wohnungseigentum und die Steuern sind sehr niedrig. Eine Weile wird es also noch weitergehen.

    • am 17.03.2026 um 07:40 Uhr
      Permalink

      >Paul Schön, Wien am 16.03.2026 um 15:35 Uhr:
      zit.(«..Eine Weile wird es also noch weitergehen.») Die Frage ist :wielange ist «eine Weile»`? -und DIE ist entscheidend. Ich verfüge nicht über ausreichende Kenntnisse/ Informationen um sie fundiert zu beantworten, aber ich rufe mir die Situation 1989/1990 in der damaligen UdSSR inErinnerung: eine wirtschaftliche Ruine. Und kann das heute signifikant anders sein? Investiert wurde in Rüstung = Scheinblüte wie ehemals in Deutschland durch Hitlers Aufrüstung. Will sagen : Putin hat mit dem Angriff auf Ukraine eine Torheit begangen, die ich auch auf Krankheit zurückführe.Dennoch glaube ich, daß er Rußlands reale Wirtschaftslage erkennt und DESHALB auf einen Brückenschlag aus Europa positiv reagieren würde – wenn denn ein Angebot, ein diplomatsiche Zeichen käme.. Ein Anfang wäre schon die deutliche Rote Karte an Trump. Die Absage Deutschlands zum Einsatz in der Straße von Hormuz wäre ein solches. Stop der Waffenlieferung an die Ukraine auch.

  • am 16.03.2026 um 16:29 Uhr
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    Da gleicht sich Russland ja immer mehr den USA an… bis auf die Volumen. Da kommt wohl noch länger niemand auch nur annähernd in Reichweite…

  • am 16.03.2026 um 18:36 Uhr
    Permalink

    Russland muss die Chips aus Waschmaschinen und Kühlschränken ausbauen (EU). Mit der Sperrung von SWIFT brach der Zahlungsverkehr zusammen und ging Russland Pleite – oder eben nicht (EU, USA).

    Die Rentenfonds in Russland seien geplündert heisst es im Artikel und ich erhalte von meinem Anlageberater einen Bericht zum US AHV-Fonds mit dem Titel «The Social Security Trust Fund Is Rapidly Approaching Insolvency», genauer: 2031. Ferner: «Werden keine Maßnahmen ergriffen, werden die Leistungen pauschal um 24 % gekürzt, was für fast 70 Millionen Rentner verheerende Folgen hätte und zu einer erheblichen wirtschaftlichen Belastung führen würde usw.» (Seeking Alpha).

    Gerade läuft es für Russland wunderbar, weil der gesalbte Präsident Trump nicht auf seinen Generalstab hören mochte, ihm die Munition ausgeht und die Strasse von Hormus zu ist.

    Warum nur wurde der weit gediehene Vertrag 2022 nicht akzeptiert? (General Kujat, Ukraina Pravda, Foreign Affairs – mit KI checken). Ist es heute besser?

  • am 17.03.2026 um 19:02 Uhr
    Permalink

    Ich muss diesen Artikel doch etwas kritisieren. Erstens nimmt man sicher nicht Washington Daten in einem US Proxy Krieg gegen Russland und es tut mir leid genau das ist es. Zweitens hat man Russland nicht nur vom Dollarsystem ausgeschlossen, was das aktuelle globale Finanzsystem noch abbildet, sondern sogar aus dem BIS ausgeschlossen (btw Nazi Deutschland war Teil davon wurde nicht ausgeschlossen). Die Russische Zentralbank hat mehr als genug Instrumente indirekt oder sogar direkt (wegen Ausschluss bzw hat keine negative konsequenz) die Wirtschaft zu stützen. Anderst als man es darstellt, ist Geld nicht das eigentliche Problem sondern Ressourcen, Energie und Menschen. 2 davon erfüllt es vollkommen.

    Also würde gerne tiefere zusammenhänge, mehr Kontext und verschiedene Ansichten sehen.

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