Rüstungslobby. The Left

Planspiel der Waffenlobby © The Left

Gegen einen «Scheinriesen» rüstet Europa mit Milliarden auf

Urs P. Gasche /  Die russische Armee entpuppe sich als «Scheinriese» und sei «konventionell keine Bedrohung». Das schreibt NZZ-Chef Eric Gujer.

Am 8. Juni 2022 vertrat ich auf Infosperber die Meinung, dass es keinen Grund zum Aufrüsten gebe, denn «der Krieg schwächt Russland». Die Lobbys der Militärs und der Rüstungskonzerne würden die Kriegsbilder ausnutzen, um Gefahren an die Wand zu malen und sich bei den Politikern für ihre Interessen durchzusetzen.

Nicht erst der jetzige Krieg schwächt Russland. Am 27. August kommt NZZ-Chefredaktor Eric Gujer in einem Frontseite-Leitartikel zum Schluss, dass die militärische Stärke Russlands schon vorher massiv überschätzt worden sei: «Westliche Beobachter waren davon ausgegangen, dass die Armee nach postsowjetischem Zerfall umfassend modernisiert worden sei. Welch ein Irrtum.»

Es fehle «an vielem, was den zeitgenössischen High-Tech-Krieg ausmacht», darunter «Präzisionswaffen, multisensorische Aufklärung und genaue Zielerfassung». Die meisten Panzerfahrzeuge würden «auf Entwicklungen aus den siebziger Jahren» basieren und seien «gegen Projektile der ukrainischen Infanterie unzureichend geschützt». Flugzeuge der fünften Generation – wie der amerikanische F-35 – hätten in Russland «die Serienproduktion noch nicht erreicht».

Fazit von Erich Gujer: «Diese Armee ist ein Scheinriese.»

Streitkräfte, «die wie vor achtzig Jahren kämpfen», fährt Gujer fort, «verlieren für jeden halbwegs gerüsteten Gegner viel von ihrer Bedrohlichkeit». Moskaus Armee werde «mit syrischen Milizen fertig – und sonst?». Helmut Schmidt habe die Sowjetunion einmal als «Obervolta mit Atomraketen» bezeichnet. «Drei Jahrzehnte der Reformversuche haben an der Gültigkeit dieses Aphorismus nichts geändert», meint Gujer. Jedenfalls sei Russland «in einem konventionellen Schlagabtausch keine Bedrohung für die Nato».


Es war und ist nicht davon auszugehen, dass Russland westliche Nachbarstaaten militärisch angreift

Die Lobbys der westlichen Militärs und der Rüstungskonzerne behaupten zwar das Gegenteil. Doch der Putin-Clan, Patriarch Kyrill und die Staatsmedien würden es selbst mit allen Propaganda-Tricks kaum schaffen, den Russinnen und Russen weiszumachen, dass auch Polen, die baltischen Staaten oder Finnland zur russischen Identität gehören oder es dort eine Nazi-Regierung zu bekämpfen gebe, welche einen Genozid an Russen verübe.
Was die Schweiz betrifft, ist nicht nachvollziehbar, weshalb Russland dieses Land angreifen sollte. Die Schweiz verfügt über zwei attraktive Werte für andere Staaten: die technologisch hochstehende Industrien und die Nord/Süd-Alpentransversalen. Ein Krieg würde beides zerstören, womit die Schweiz für einen Angreifer wertlos würde.

Russland ist nicht mehr in der Lage, Teile anderer Nachbarländer militärisch zu annektieren

  • Das russische Militär konnte in sechs langen Kriegsmonaten nicht einmal den ganzen Donbass und die Schwarzmeerküste unter seine Kontrolle bringen. Der Krieg zerstört einen namhaften Teil der russischen Armee. Sie verliert hunderte Kampfflugzeuge und Panzer sowie einen grossen Teil ihres besten Militärpersonals. 
    Auf jeden Fall wird das russische Militär nach diesem Krieg noch schwächer sein als vorher. Es wird Jahre dauern, bis die russische Armee auch nur auf dem gleichen Level sein kann wie vor dem Krieg.
    Polen, die baltischen Staaten und bald auch Finnland gehören der Nato an. Die Nato ist Russland schon heute militärisch mit Kampfflugzeugen und logistisch haushoch überlegen.
  • Auch die russische Wirtschaft wird stark geschwächt aus diesem Krieg hervorgehen. Neben den hohen Kriegskosten bekommt Russland die Folgen der drastischen Sanktionen Monat für Monat stärker zu spüren. Die Leidensfähigkeit der russischen Bevölkerung ist bekannt, aber auch diese hat Grenzen. Um einen konventionellen Krieg zu führen, braucht es nicht nur das Militär, sondern auch eine genügend starke Wirtschaft. 

Die Fakten sprechen dagegen, dass Russland für Westeuropa und die baltischen Staaten oder für Finnland auf absehbare Zeit eine Gefahr darstellt. 

Die atomare Bedrohung

Eine Ausnahme wäre ein Angriff mit taktischen Atomwaffen: «Bei taktischen und operativ-taktischen Nuklearwaffen ist Russland eindeutig überlegen», erklärte Sicherheitsexperte und SVP-Politiker Albert A. Stahel gegenüber Infosperber. Und das sei «nicht zu unterschätzen». 

Doch vor solchen atomaren Vernichtungsschlägen können weder Kampfpanzer noch Kampfjets die Bevölkerungen schützen.

Es gibt deshalb keinen ausreichenden Grund, weshalb Deutschland für seine Sicherheit aufrüsten und sich dafür mit 100 Milliarden Euro verschulden muss. Und es gibt keinen überzeugenden Grund, weshalb die Schweiz für sechs Milliarden Franken 36 US-Kampfjets kaufen muss. Drohnen oder Flugabwehrgeräte wären – wenn schon – adäquater.

Alle diese Milliarden werden dringend zum Bewältigen existenzieller Probleme der Menschheit gebraucht.

Dessen ungeachtet werden das Pentagon, die vielen grossen Industriekonzerne, welche auch Waffen herstellen, sowie die von ihnen mitfinanzierten sogenannten Think Tanks und Stiftungen* weiterhin ausgeklügelte Narrative für die Politik und für die Medien verbreiten, wonach Putin-Russland das alte Sowjetreich wiederherstellen möchte und dazu auch tatsächlich in der Lage sei, sofern der Westen nicht massiv aufrüste.

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*Einige Think Tanks und Stiftungen

Einige von ihnen werden vom Pentagon oder der US-Regierung mitfinanziert. Etliche weisen nicht transparent aus, wer die «Spender» oder «Sponsoren» sind.


«National Endowment for Democracy». Sie wurde von Ronald Reagans CIA-Chef Bill Casey gegründet und finanziert u.a. NGOs in über hundert Ländern;
«Brookings Institution» ist laut Economist der prestigeträchtigste US-Think Tank;
American Enterprise Institute. Es «verteidigt die globale Leadership der USA» (eigene Angabe) und wird von Stiftungen, Konzernen und Einzelpersonen finanziert.
«Council on Foreign Relations». Unter den Mitgliedern sind ehemalige US-Aussenminister und CIA-Direktoren. 
«Heritage Foundation». Diese politische Forschungsinstitution hat das Motto «Leadership for America» («Führung für Amerika»). Es verfolgt nach eigenen Worten die Förderung «konservativer Politik auf der Grundlage der freien Marktwirtschaft, des minimalen Staats, der individuellen Freiheit, traditioneller amerikanischer Werten und einer starken nationalen Verteidigung».
«Stiftung Mercator» in Deutschland und der Schweiz;
«Victor Pinchuk Foundation» in der Ukraine;
«Quincy Institute for Responsible Statecraft». George Soros und die erzkonservative «Koch Foundation» finanzierten den Start im Jahr 2019.
«Young Leaders Programme von Atlantik-Brücke und Weltwirtschaftsforum». Siehe Dokumentation der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags;
«Atlantik-Brücke». Dieser Verein will die Zusammenarbeit und die Freundschaft zwischen Europa und den USA fördern.
«Atlantic Council». Nach eigenen Angaben: «Der Rat bietet ein wichtiges Forum für die Bewältigung der dramatischen wirtschaftlichen und politischen Veränderungen, die das einundzwanzigste Jahrhundert bestimmen, indem er sein einzigartig einflussreiches Netzwerk globaler Führungskräfte informiert und mobilisiert. Der Atlantic Council – durch die von ihm veröffentlichten Papiere, die von ihm entwickelten Ideen, die von ihm entwickelten zukünftigen Führungskräfte und die von ihm aufgebauten Gemeinschaften – prägt politische Entscheidungen und Strategien zur Schaffung einer freieren, sichereren und wohlhabenderen Welt.» 
Laut Wikipedia: «Sein Auftrag ist die Förderung von konstruktiver US-Führung und -Engagement in internationalen Angelegenheiten auf Basis der zentralen Rolle der atlantischen Gemeinschaft bei der Bewältigung der internationalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Bis zu seiner Nominierung 27. Februar 2013 als US-Verteidigungsminister war Chuck Hagel Vorsitzender.»
Bilderberg-Konferenzen. Die meisten Teilnehmer kommen seit jeher aus NATO-Staaten. Seit 1989 nehmen zunehmend Personen aus anderen Ländern an den jährlichen Konferenzen teil. Anmerkung von Wikipedia: «Aufgrund des rechtlich informellen Charakters des Treffens können keine ausführbaren Beschlüsse getroffen werden. Durch die Diskussionen soll ein Konsens über eine gemeinsame Denk- und Handlungslinie erreicht werden.»
«Luminate – Omidyar Network Foundation». Diese Stiftung erhielt 2020 Contributions, gifts, grants, etc. in Höhe von 53 Millionen Dollar, ohne die Geldgeber zu deklarieren.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

Kalter_Krieg

Der Kalte Krieg bricht wieder aus

Die Grossmächte setzen bei ihrer Machtpolitik vermehrt wieder aufs Militär und gegenseitige Verleumdungen.

Ukraine_Sprachen

Die Ukraine zwischen Ost und West: Jetzt von Russland angegriffen

Die Ukraine wird Opfer geopolitischer Interessen. Die Nato wollte näher an Russland. Seit dem 24.2.2022 führt Russland einen Angriffskrieg.

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21 Meinungen

  • am 28.08.2022 um 11:29 Uhr
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    Welch überraschende Einsicht von dieser Seite!

    1
  • am 28.08.2022 um 13:44 Uhr
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    Wenn die NZZ an der Falkenstrasse mehr weiss, als alle US-Geheimdienste zusammen, dann stimmt doch etwas nicht. Hat etwas Präsident Eisenhower 1960 recht gehabt, wenn er vor den US-Rüstungskonzernen und deren Aktionären warnte?
    Nach dem Zusammenbruch des Ost-Reiches Ende der 80er Jahre und die Bereicherung weniger Oligarchen – die das Geld in den Westen trugen (z.B. in den Kt.Zug) – hätte man Russland nicht unbedingt in die Knie zwingen sollen. Die eilige Osterweiterung der EU von Gierigen (Bush sen/Kohl), mit zweifelhaften Staaten aus dem Ostblock, war eine teure und unnötige Provokation. Sie hat auch den Zusammenhalt der EU (Brexit) gefährdet.
    Man fragt sich heute, ob Kiril I eventuell ein Geheimagent des US-Rüstungslobby’s ist.

    4
  • am 28.08.2022 um 13:51 Uhr
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    Endlich mal wieder etwas Gescheites aus dem Hause NZZ! Danke dem Infosperber für die Weiterverbreitung.

    6
  • am 28.08.2022 um 14:27 Uhr
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    Urs P. Gasche schreibt: «Es gibt deshalb keinen ausreichenden Grund, weshalb Deutschland für seine Sicherheit aufrüsten und sich dafür mit 100 Milliarden Euro verschulden muss.» Auch falls diese Aussage bezüglich Russlands stimmen sollte, könnte die deutsche (und europäische) Aufrüstung weltpolitisch Sinn machen. Sie würde die totale Abhängigkeit Europas von den USA reduzieren. Für manche sieht es so aus, als ob Europa (inkl. Ukraine) das exterritoriale Schlachtfeld der USA gegenüber Russland wäre.

    5
    • am 29.08.2022 um 18:24 Uhr
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      Herr Geiger, leider befürchte ich, dass das «Sondervermögen» uns noch stärker an die USA binden soll. Einerseits hat Herr Scholz im Alleingang die Anschaffung unseliger F-35 beschlossen, die ja auch in der Schweiz kontrovers sind. Abermillionen aus deutscher Steuern wandern in die Kasse von Lockheed-Martin. Letzten Endes dienen diese Flugzeuge, die atomar bewaffnet werden können, nicht der deutschen Verteidigung, sondern der US-amerikanischen Drohkulisse gegen Russland.

      Dann war in den letzten Jahrzehnten die Mittelverwendung der Bundeswehr ein eher trauriges Kapitel, da ist viel Geld von McKinsey & Co verbrannt worden.
      Vergleicht man die Ausgaben in 2021(https://de.statista.com/statistik/daten/studie/157935/umfrage/laender-mit-den-hoechsten-militaerausgaben/) sieht man, dass Deutschland das siebthöchste Wehretat weltweit hatte, aber wo schlägt es sich nieder?

      Alles nur Förderung der Rüstungsindustrie, und wonaders heißt es dann wieder «Schuldenbremse»?

      1
  • am 28.08.2022 um 15:14 Uhr
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    Für die Welt am besten Demilitarisierung, zweitbesten «Gleichgewicht des Schreckens», Worstcase USA-«Full Spectrum Dominance». Die Nato (wahnwitzige Militärbudget-Übermacht schon bisher) sehe ich als Bluffdemokratie (ein Wolf, viele Underdogs), alleiniger Oberbefehl USA. Russland (und wir alle) als heutige Indianer aus USA-Sicht. Historisch REagierte Russland nur auf Angriffe. Russland ist das grösste und reichste Land des Planeten. Putin sagte (auf übliche Unterstellungen aus Westen) sinngemäss, Russland sei so gross, auch aus diesem Grund (neben anderen Gründen) sei der Expansionsvorwurf sinnlos. Und: es sei für Russland «eine Frage von Leben und Tod» (vgl. Kuba); der angekündigte Angriff Selenskys auf die Krim unter Nato wäre dann nur mit Atomwaffen beantwortbar; um das zu vermeiden bliebe (Minsk oder) Spezialoperation.
    Ich finde die Jagd der USA auf Russland durchsichtig, für uns suizidal. Young Global Leaders (wie Baerbock, Sanna Marin). Psychol.Film (Sinn) The Body Snatchers.

    4
  • am 28.08.2022 um 18:58 Uhr
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    In der heutigen (28.8.22) Sendung SF DRS: NZZ-Standpunkte versucht Eric Gujer, der schweizerische Stoltenberg, Micheline Calmy-Rey mit Fragen zur Ukraine und zur schweizerischen Neutralität, die die Antwort schon in sich tragen, auszutricksen. Sie hat ihm in ihren Antworten auf seine Fragen förmlich die Hosen abgesägt! Sehenswert!

    0
    • am 29.08.2022 um 12:12 Uhr
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      Danke für den Hinweis. Die Auslegeordnung und Interpretation der Neutralität durch Micheline Calmy-Rey war sehr hilfreich für mich. Spannend war auch die Körpersprache der beiden Micheline nach vorne gelehnt und aktiv, Eric Guyer zurückgelehnt, fast abwesend und die meisten Sätze mit «aber» beginnend. Sie war eine Brückenbauerin als Aussenministerin. Wenn ich an sie denke, kommt mir eine Fotografie aus diesen Tagen in den Sinn. Es zeigt Mahmud Ahmadinedschad und Micheline Calmy-Rey mit Kopftuch, beide herzhaft lachend. Es ist die einzig Aufnahme mit einem lachenden iranischen Präsidenten, die ich je gesehen habe.

      1
  • am 28.08.2022 um 19:45 Uhr
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    Expansionsgelüste werden Russland vom Westen und seinen Medien einfach zugeordnet – doch diese Sichtweise geht am russischen Realismus und Pragmatismus vorbei. Es wäre auch aus Sicht eines westlichen Normalos schlicht dumm, einen NATO Partner anzugreifen. Da ich Putin für einen Realo und Stategen halte, wird ihm dies nicht im Schlafe einfallen.
    Dieses westliche Narrativ führt bei uns zu einem Blindflug in dem ohne Navigationsgeräte die Wirtschaft gegen die Wand gefahren wird. Keiner reklamiert oder regt sich auf. Vielleicht bin ich ja der einzige, der jetzt schon 10% weniger Rente erhält und bei dem bei der letzten Überweisung aus dem Euroraum in die Schweiz der Frankenbetrag zum ersten Mal unter dem Eurobetrag lag.

    5
    • am 29.08.2022 um 19:24 Uhr
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      Leider wird nur noch über, aber nicht mehr mit Russland geredet.
      Kein kluger Weg, mit seinen Nachbarn umzugehen; man muss sich ja nicht gleich um den Hals fallen…

      2
    • am 30.08.2022 um 07:49 Uhr
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      @Martin Kutscher. Russland wollte mit Selenski nicht reden, sondern ihn wegbomben. Schlechte Voraussetzung für Gespräche….

      4
    • am 31.08.2022 um 00:10 Uhr
      Permalink

      Lavrov hat seit Jahren gesagt, «wir müssen reden». Doch der Westen wollte nicht und Selenskyj schon gar nicht.

      0
    • am 31.08.2022 um 09:09 Uhr
      Permalink

      Wie wir gelenkt werden ist auch aus der Wortschöpfung „Angriffskrieg“ zu ersehen. Es soll immer daran erinnert werden, wer der „Böse“ ist. Waren die Weltkriege keine Angriffskriege? Der Irakkrieg, der Afghanistankrieg? Da spricht niemand von Angriffskrieg. Subtile Lenkung ist die grösste Stärke der Wertegemeinschaft. Die ganze gelenkte Presse macht mit. Dass junge Ukrainer und junge Russen willentlich und wissentlich in den Tod geschickt weil das Gespräch von Biden und Stoltenberg mit Putin verweigert wurde, ist keine Schlagzeile wert.

      0
  • am 28.08.2022 um 23:01 Uhr
    Permalink

    Ja, offenbar wurde die effektive Bedrohung durch die russische Armee überschätzt. Das heisst nicht, dass es für die baltischen Staaten ein Fehler war der NATO beizutreten, und auch Finnland und Schweden haben offenbar eine andere Einschätzung der Lage. Der aktuelle politische Weg von Putin ist ganz klar auf Konfrontation mit dem Westen aus, was zum Schulterschluss und zur Neubelegung der klinisch totgesagten NATO geführt hat. Nichts deutet momentan darauf hin, dass Putin die politische und geografische Integrität seiner unmittelbaren Nachbarn respektiert – im Gegenteil. Deshalb ist die westliche Aufrüstung folgerichtig. Sobald Putin, bzw. sein Nachfolger sich wieder friedlich gibt, wäre die OSZE eine gute Plattform, um das zerstörte Vertrauen langsam wieder aufzubauen.

    15
    • am 29.08.2022 um 12:41 Uhr
      Permalink

      Die Konfrontation kam doch eher aus der durch den Westen gestützten Ukraine, die mit dem nicht umgesetzten Minsker Abkommen den Konflikt eskalierten

      4
    • am 29.08.2022 um 19:20 Uhr
      Permalink

      Die NATO Osterweiterung war einer der gröbsten Fehler europäischer Nachkriegsgeschichte, davor haben auch US-Experten gewarnt.

      Hätten wir uns in Europa konsequent auf Basis der OSZE weiterentwickelt, statt uns von den USA die «Sicherheits»-Politik diktieren zu lassen, hätten wir das Schlamassel heute nicht.
      Eigentlich hätte die NATO zu gekonnt, aber ihr Zweck laut erstem Generalsekretär ist so aktuell wie eh: “keep the Soviet Union out, the Americans in, and the Germans down.”

      Ich sehe es nicht so, dass Putin auf Konfrontation aus ist, dann wären die Gasleitungen z.B. schon zu. Eher andersrum: «Russia is the target of one of the most ruthlessly effectively proxy wars» (https://www.washingtonpost.com/business/russia-is-right-the-us-is-waging-aproxy-war-in-ukraine/2022/05/10/2c8058a4-d051-11ec-886b-df76183d233f_story.html).

      Solange sich die USA in Europa tummeln – und da sehe ich kein Ende – wird Frieden in Europa ein Wunschtraum bleiben.

      (Afghanistan, war da was, «Wertewesten»?)

      2
    • am 30.08.2022 um 07:44 Uhr
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      @Martin Kutscher. Jedes souveräne Land hat das Recht Bündnisse nach seinen Bedürfnissen einzugehen, von dem her war die NATO Osterweiterung insbesondere für die baltischen Staaten überlebensnotwendig. Andersrum, wären sie schon lange wieder russische besetztes, bzw. annektiertes Gebiet.
      Der Krieg in Afganistan war sicher ein Fehler, aber macht es den äusserst brutal und menschenverachtenden Aggressionskrieg Putins gegen die Ukraine besser? Ist das für Sie in Ordnung, wenn vor unserer Haustür ein Staat angegriffen und plattgemacht wird nur weil er es wagte sich vom grossen Bruder zu emanzipieren? Auch wenn der Wertewesten nicht ohne Fehler ist, er unterscheidet sich von autokratischen Systemen in Russland, der Türkei, China dadurch, dass die Zivilgesellschaft nicht unterdrückt wird, dass es mit wenigen Ausnahmen Rechtssicherheit gibt und die Menschen sich für diese Werte einsetzen (Maidan, Tiennamen), sofern sie dann nicht brutal niedergeschossen oder eingekerkert werden.

      8
    • am 31.08.2022 um 03:07 Uhr
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      Das Bitten Putins vor einem Jahr nach einem Gespräch über den Status der Ukraine wurde von Stoltenberg und Biden verweigert. Die Presse der Wertegemeinschaft verweigert jede Erwähnung dieser Tatsache. Und so haben Stoltenberg und Biden, und auch der schweizerische Stoltenberg, so haben sie ihren eigenen Krieg. Putin hat sich provozieren lassen. Putin hat eben auch nicht das Format, das an seiner Stelle nötig wäre.

      0
  • am 29.08.2022 um 18:38 Uhr
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    Ich hatte mal wo gelesen- leider weiss ich nicht mehr wo- dass die russische Logistik sich sehr stark auf das Eisenbahnnetz stützt, und daher (russische Breitspur vs. europ. Normalspur) für einen gross angelegten Angriff auf Europa gar nicht geeignet wäre- die russische Militärdoktrin sei eben grundsätzlich defensiv ausgelegt.-
    Betreffend das konventionelle Kräfteverhältnis- bei einem E. Gujer bin ich mir nicht sicher, ob der überhaupt eine einigermassen neutrale Analyse hinkriegen könnte. Vielleicht liegt er mit seiner Einschätzung richtig, aber ohne weitere Quellen geht das alles in die Rubrik «Kann sein, oder auch nicht».-

    1
  • am 30.08.2022 um 12:37 Uhr
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    Unterliegen denn alle diese » Militärexperten» einem Aufrüstungs-Zwang ? Gibt es keinen, der diesem unsäglichen Gleichschritt entgegen treten ?

    0

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