NZZ: Lügner dürfen öffentlich reden

Christian Müller © aw

Christian Müller /  Am Swiss Economic Forum durfte auch der ehemalige Nato-Generalsekretär auftreten: Wir sollen von den USA lernen!

Das hat gerade noch gefehlt: Am Swiss Economic Forum SEF in Interlaken durfte auch der ehemalige dänische Ministerpräsident und spätere Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen auftreten. Zur Erinnerung: Rasmussen war jener Politiker, der im dänischen Parlament zuhanden der Weltöffentlichkeit die Beteiligung am US-Angriff auf den Irak propagierte und dabei wörtlich sagte: «Der Irak hat Massenvernichtungswaffen. Das ist nichts, was wir nur glauben. Wir wissen es!» Was uns der US-Angriff auf den Irak mit total erlogener Begründung und der zur – bisher immer katastrophalen – US-Strategie gehörende «Regime Change» mit einem daraus entstandenen «failed state» gebracht haben – bis und mit der jetzigen Flüchtlingskrise als Folge des syrischen Bürgerkrieges – wissen wir.

Nichts destotrotz hat das Swiss Economic Forum diesen Herrn Anders Fogh Rasmussen an die neuste SEF-Tagung für ein Referat eingeladen. Und Anders Fogh Rasmussen hat alle Erwartungen erfüllt: Er empfiehlt Europa, näher an die USA zu rücken, von den USA zu lernen, unter anderem, weil (gemäss NZZ) «wirtschaftliche und militärische Entwicklung sich nicht trennen lassen.» Siehe den Artikel auf NZZonline.

Im Advisory Board – im Beratungsgremium – des Swiss Economic Forum SEF sitzen etliche prominente Damen und Herren, so etwa SRG-Generaldirektor Roger de Weck, NZZ-CEO Veit Dengler, aber auch die SP-Ständerätin Pascale Bruderer Wyss. Die Frage sei erlaubt: Wer um Himmelswillen hat dem SEF geraten, den notorischen Kriegshetzer Anders Fogh Rasmussen als Referenten einzuladen? Und was sagen die «Premium Partner» des Swiss Economic Forum dazu, darunter die Swisscom, die BKW und die UBS, und die Medien-Partner, darunter an erster Stelle die NZZ, aber auch die SRG?

Da kann man wirklich nur noch leer schlucken. Es lebe der Krieg!

* * * * * * *

Nachtrag: Gemäss einer Randnotiz der AZ vom 11.6.2016 hat die NZZ, die schon vor fünf Jahren als Aktionärin beim Swiss Economic Forum SEF eingestiegen ist, per Ende Juni 2016 das ganze Aktienkapital des SEF übernommen. Da wundert der Auftritt von Anders Fogh Rasmussen schon gar nicht mehr, stimmt doch seine Nato-Begeisterung perfekt überein mit der neuen politischen Ausrichtung der NZZ seit Übernahme der Chefredaktion durch Eric Gujer. – Mal sehen, wie weit sich der sogenannte Advisory Board, dem unter anderem auch SRG-Generaldirektor Roger de Weck und SP-Ständerätin Pascale Bruderer angehören, diesen Kurs mittragen wird.

Wir haben uns erlaubt, jetzt auch die Headline dieses Sperberauges zu ändern und die NZZ darin zu erwähnen (cm).


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine

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Kalter_Krieg

Der Kalte Krieg bricht wieder aus

Die Grossmächte setzen bei ihrer Machtpolitik vermehrt wieder aufs Militär und gegenseitige Verleumdungen.

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13 Meinungen

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    am 11.06.2016 um 12:11 Uhr
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    Wenn Lügner öffentlich Redeverbot hätten, müssten Kongresse und Tagungen abgeschafft und sogar Parlamente geschlossen werden. Leider ist die Unwahrheit, die Rasmussen damals verbreitete, für politische Handlungsanweisungen lehrbuchmässig, im Prinzip nun mal nichts besonderes. Kriegsgründe sind, wie man der Forschungsliteratur entnehmen kann, erst recht den Klassikern Machiavelli und Nietzsche, oft aufgestülpt. Sofern es nicht um spezielle Fälle persönlichen korrupten Eigennutzes geht, gilt die Lüge als anerkanntes Mittel der Politik, mit der Bedingung freilich, dass es gut gemeint sein muss. Auch Finanzpolitik, Griechenland betreffend, und die europäische Asylpolitik wären ohne systematisches Lügen nicht praktikabel. Andererseits scheint zum Beispiel die Wahlpropaganda von Donald Trump mit dem altmodischen Begriff der Lüge kaum einzufangen, sie ist eher noch schlimmer, falls das möglich ist. Aufhorchen lässt, was Mario Widmer in der WW schreibt: «Moral, Ethik und derartig pseudoreligiöser Schmus wie politische Korrektheit sind auch und vor allem Anzeichen der Degeneration einer Kultur, einer Gesellschaft.» Als Lehrer der Ethik weise ich solches Denken zurück. Aber Goethe, eher klüger als Mario Widmer und vielleicht sogar als Christian Müller, machte die bedenkenswerte Anmerkung, «dass man vom moralischen Standpunkt keine Weltgeschichte schreiben kann». Eher muss man wohl den Moralismus kritisieren, um in Sachen Moral und Ethik das Bad nicht mit samt dem Kinde auszuschütten.

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    am 11.06.2016 um 15:28 Uhr
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    Da hat Pirmin Meiet wohl recht, nur in der Politik war das seit immer so müssen wir wissen. Auch denke ich, dass viele nicht-Politiker/innen diese Lügengeschichten die ja von der Presse fleissig verbreitet werden dazu benützen, die eigene Meinung zu verbreiten um Zustimmung oder Ablehnung zu generieren was besonders gut mit Facebook funktioniert. Damit bekommen diese Schreiberlinge eine Bestätigung ihrer eigenen Meinung aber sonst keinen Nutzen.
    Zum Artikel selber muss ich sagen, dass Lügner/innen in der Politik eben «normal» sind in der Schweiz genau so wie in der ganzen Welt. Also müsste ich diese Menschen nicht ernst nehmen, dh. mich in allen Belangen der Politik fernhalten. Nun ist aber alles Politik und ich will an bestimmten Teilen von allen auch teilhaben um meine Meinung ggf. einzubringen. Das ich damit nicht oft recht wahrgenommen oder einfach ignoriert werde ist klar, also müsste ich auch Lügen verbreiten. Also, ich versuche es mal, zuerst auf Facebook, bei Gelegenheit, zB. zum Fall des VBZ Einkaufes bei Bombardier, mal sehen was dabei rauskommt. Kaufte die Swiss Airline nicht Flieger bei Bombardier (mit Zustimmung der Lufthansa), also, das hatten die Leute von Siemens oder Stadler-Rail doch glatt vergessen.
    So leicht entferne ich mich vom Thema der öffentlichen Lügner! Ja und? Die Lüge ist doch viel interessanter als die Wahrheit, nicht wahr? Schliesslich soll Politik auch der Unterhaltung dienen, damit die Teilnehmer bei den Sozialmedia etwas zum posten erhalten.

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    am 11.06.2016 um 16:11 Uhr
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    @Löffler. Neben Lügen oder nicht Lügen geht es natürlich auch noch um die Frage, ob man etwas genau genug weiss, um sich darüber integer äussern zu können. Noch meiner Meinung war dies wohl die «eigentliche Lüge» von Rasmussen, dass er damals etwas behauptete, was er nicht genau wusste und so eine «Legitimation» für Kriegshandlungen schuf. Im Zweifelsfall sollte man eigentlich auch Gerüchte wie Lügen behandeln. Vielleicht noch ein Zitat von Ignazio Silone: «Man sollte nicht für den Schein arbeiten. Die entmutigendste Wahrheit ist immer noch ermutigender als die ermutigendste Lüge."

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    am 12.06.2016 um 09:12 Uhr
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    Die Verschwörungsstory von den Massenvernichtungswaffen des Iraks, an die Rasmussen vermutlich glaubte, hatte kurze Beine. Schon 2005 entschuldigte sich Colin Powelll, dass er im gutem Glauben diese fabrizierte Geschichte der US-Geheimdienste als Aussenminister der USA vor der UNO Sicherheitsrat im Februar 2003 vorgetragen hatte.

    Die Lüge oder die Verschwörungstheorie des Tonkin Zwischenfall, die von der US-Regierung erfunden wurde, um 1964 einen Grund zu haben Nordvietnam zu bombardieren, deckte Daniel Ellsberg erst sieben Jahre später auf.

    An die Osama Bin Laden Verschwörungstheorie von den Terrorattacken vom 11. September 2001 glauben heute immer weniger Leute. Zu viele Ungereimtheiten sind in dieser Story enthalten, wie sie sofort nach den Attacken von der Bush Administration präsentiert wurde. Architekten, Ingenieure und Piloten haben ausführlich diese ganze Osama Bin Laden Al Kaida Verschwörungstheorie untersucht, diese so perfekten Terrorattacken auf das World Trade Center in New York, auf das US Kriegsministerium Pentagon in Washington, die Lahmlegung der ganzen Luftabwehr der USA am 11. September 2001, der seltsame Einsturz eines dritten Wolkenkratzers im World Trade Center, ohne das ein Flugzeug hineingeflogen war usw.

    Siehe auch: http://www.ae911truth.ch/

    Global Research Kanada: THE 9/11 READER. The September 11, 2001 Terror Attacks

    http://www.globalresearch.ca/the-911-reader-the-september-11-2001-terror-attacks/5303012

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    am 12.06.2016 um 22:07 Uhr
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    Das SEF ist wie das WEF nicht zum Wohl der Mehrheit aktiv. Sowohl SEF wie WEF sind stolz, Kriegsverbrecher wie Toni Blair zu den «Stars» zählen zu können. Solange die Untertanen dabei zuschauen und im Sofa sitzen bleiben, geht die extreme Unausgewogenheit auch via SRF – De Weck weiter. Kriegstreiber führen zu Wirtschaftswundern – aber nicht zu Lebensqualität.
    P.S.: Bevor Blair nach Davos kam, habe ich eine Klage bei der Bundesanwaltschaft deponiert. Resultat war zu erwarten: http://www.fairch.com/agieren-sie-mit/wef/kriegsverbrecher/

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    am 13.06.2016 um 07:18 Uhr
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    @Gagneux. Mit Ausdrücken wie «das Wohl der Mehrheit» schaffen Sie sich mutmasslich Erleichterung. Der Begriff hätte in seiner Plumpheit wohl auch in «Mein Kampf» Platz gehabt. Und beim Begriff «Kriegsverbrecher» sehe ich zwischen Blair und gewissen Generälen im Jugoslawienkrieg schon noch Unterschiede, fragen Sie Carla del Ponte oder andere Experten vom Haager Kriegsverbrechertribunal. Im Hinblick auf die unverfrorene Verwendung des Krieges als Mittel der Politik kann Blair wohl mit Churchill und Thatcher nicht gamz mithalten. Trotzdem sollte man auch letzteren gegenüber mit diesem Begriff zurückhaltend sein. Der Historiker oder der Politologe zum Beispiel hätte nicht mit der Verbalkeule seine Aggressionen loszuwerden, sondern eher zu analysieren und Zusammenhänge herzustellen. Andererseits hat ein Forum auch gewissermassen Stammtischfunktion.

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    am 13.06.2016 um 12:21 Uhr
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    Warum erfahren wir das nicht von «unserer Vierten Gewalt» bzw. von «unseren» (von den USA) gekauften Medien?
    Dies ist keine Hollywood-Kinoseichtheit, sondern der Ernst der Situation ist für einen Menschen der noch fähig ist zu Fühlen spürbar:
    Russische Pressekonferenz Mai 2016
    https://www.youtube.com/watch?v=p_bhJz-qg1k

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    am 13.06.2016 um 15:11 Uhr
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    In der Tat ! Da kann man wirklich nur noch leer schlucken ! – Der (zum Glück nicht mehr im Amt befindliche) NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen als Ehrengast am Swiss Economic Forum ! Instinktloser geht’s nimmer ! Ausgerechnet Rasmussen, dieser verantwortungslose Maulheld, welcher bei der verhängnisvollen Einkreisungspolitik der NATO gegenüber Russland tatkräftig mitgewirkt hat ! Ausgerechnet Rasmussen, dieser Kriegshetzer der ersten Stunde, massgeblich mitverantwortlich für das beispiellose politische Desaster im Irak und in Syrien ! Ausgerechnet Rasmussen, diesem Brandstifter, diesem hemmungslosen Propagandisten des als Kriegsverbrechen zu wertenden, völkerrechtswidrigen Angriffskriegs im Irak, wird am SEF devot und kritiklos gehuldigt. Und das „Weltblatt von der Zürcher Falkenstrasse“, welches schon seinerzeit G.W.Bush’s Kriegsabenteuer frenetisch bejubelt hat, spendet auch heute wieder brav seinen Beifall dazu ! – Nichts gelernt ! Alles vergessen !

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    am 1.07.2016 um 09:46 Uhr
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    Zur «Lügner"-Diskussion: Das Nidwaldner Landrecht von 1456 gibt als verbale Friedensbrüche die Bezeichnungen «Lügner», «Kuh-Gehiger» und dergleichen an, desgleichen ist Drohen mit der Waffe auch bereits eine Friedbruch. Interessant also, obwohl Lügen in der Politik wohl schon immer gängig waren, soll man gemäss Nidwaldner Landrecht den Gegner wenn immer möglich nicht als Lügner bezeichnen. Im Prinzip ist es eine Abmahnung gegen den Moralismus in der politischen Debatte. Dieses Niveau stammt aus der Zeit von Hensli Schriber, dem aus dem Engelberger Tal stammenden ersten Notator der Geschichte von Wilhelm Tell. So weit er sie wiedergibt, übrigens anders, realistischer als in der herkömmlichen Erzählweise, wollte er seinerseits kein Lügenmärchen verbreiten. So wusste Schriber bereits 1470, dass Tell in der Innerschweiz kein Familienname war. Zurück zum Thema Lügen: Verantwortungsloser Umgang mit nicht bestätigten und nicht erhärteten Nachrichten war es wohl, was beim Irakkrieg gegen Saddam Hussein eine Rolle spielte.

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    am 1.07.2016 um 09:48 Uhr
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    PS. «Kuh-Gehiger» ist einer, der es mit den Kühen treibt, also ein Sodomit. Im Sinn des Nidwaldner Landrechts war also die Beleidigung Erdogans, der es mit den Ziegen treibe, auch als Satire klar ein Friedensbruch. Die Frage nach der Wahrheit stellt sich bei solchen Beleidigungen gar nicht.

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