Gatekeepers

Ex-Geheimdienst-Shin Bet-Kommandanten vergleichen Israel mit Nazi-Deutschland © democracy_now

Islamisten-Aufmarsch in Baden befürchtet

Christian Müller /  Die Stadt Baden wählt am 3. März einen neuen Stadtammann. Geri Müller, Kandidat der Grünen, wird auch als Israel-Kritiker bekämpft.

Die Stadt Baden im Aargau wählt einen neuen Stadtammann. Von den drei Kandidaten im ersten Wahlgang am 13. Januar hat sich der Drittplatzierte, Markus Schneider von der CVP, zurückgezogen. Jetzt stehen sich noch Roger Huber von der FDP und Geri Müller von den Grünen gegenüber. Obwohl Geri Müller im ersten Wahlgang ein paar wenige Stimmen mehr erhalten hat als Roger Huber, werden diesem mehr Chancen eingeräumt. Man geht davon aus, dass mehr freiwerdende CVP-Stimmen an den bürgerlichen Kandidaten gehen werden. Doch so ganz sicher ist das noch nicht.

Die Aargauer Zeitung, die in Baden gleichzeitig die Lokalzeitung ist, votierte am Samstag, 16. Februar, in einem halbseitigen Kommentar klar zugunsten Roger Huber – mit einem ebenso klaren Argument: Baden soll unter bürgerlicher Führung verbleiben. Das sei, so die AZ, ein Erfolgsmodell. Gegen den Grünen Geri Müller kämpft aber auch die Israelitische Kultusgemeinde Baden. Sie wirft Geri Müller Sympathien zu den Hamas in Gaza vor und eine einseitig kritische Haltung gegenüber Israel. Geri Müller, als Nationalrat Mitglied der Aussenpolitischen Kommission, habe sogar einmal drei Vertreter der Hamas in Bern offiziell empfangen.

Baden als Wallfahrtsort für Islamisten und Antisemiten?

Die Aargauer Zeitung hat auch diesem Kritik-Punkt viel Platz eingeräumt. Einen anonym bleiben wollenden Sprecher der Israelitischen Kultusgemeinde zitierte die AZ so: «Wird Geri Müller Stadtammann, droht Baden zu einem Anziehungspunkt für Islamisten und Antisemiten zu werden.» Und die lokale Zeitung zitierte auch eine weitere Quelle: «Auf Jewiki.net wird ausserdem darauf hingewiesen, dass Geri Müller in öffentlichen Aussagen Parallelen zwischen der Situation im Gazastreifen und dem Holocaust gezogen hat. ‚Diese Art von Holocaust-Relativierung’, lehrt Jewiki.net, ,wird als Sekundärer Antisemitismus bezeichnet.’»

Der Vergleich stammt aus Israel selber

Dass die Badener Angehörigen der Israelitischen Kultusgemeinde nicht gerade zum Israel-kritischen Flügel der in der Schweiz ansässigen Juden gehören, ist bekannt. Die progressiven und Israel-kritischen Juden sind eher in Zürich, Basel oder Genf anzutreffen. Trotzdem erstaunt es, wenn der Vergleich Gaza mit dem Holocaust ausgerechnet einem Schweizer Politker angelastet wird, obwohl er auch in Israel selber durchaus geäussert wird. Auch aus prominentem Munde!

Gerade Ende Januar ist – in den USA! – ein Dokumentar-Film des israelischen Regisseurs Dror Moreh als bester Dokumentarfilm für einen Oscar nominiert worden: The Gatekeepers. Er zeigt Interviews mit sechs ehemaligen Chefs des israelischen Geheimdienstes Shin Bet, die sehr offen darüber reden, wie sie mit den Palästinensern umgegangen sind. Und auch einer dieser Shin Bet-Commanders zieht unmissverständlich den Vergleich zwischen Israel und Nazi-Deutschland. Ein Video der Organisation «Democracy now» zeigt dies in aller Klarheit.

Geri Müller hat nichts zu verbergen

Würde dieser Dokumentarfilm eines jüdischen, in Israel lebenden Regisseurs in Baden noch vor den Wahlen am 3. März öffentlich gezeigt, wer weiss, ob Stadtammann-Kandidat Geri Müller nicht sogar ein paar zusätzliche Stimmen erhalten würde – für sein mutiges Engagement zugunsten der unterdrückten Palästinenser.

PS vom 3.3.2013:

Das Thema wurde nach der Publikation dieses Artikels am 18. Februar auch in anderen Medien ausserhalb von Baden und des Aargaus aufgegriffen. Am 3.3.2013 war Wahltag. Bei rund 55 Prozent Stimmbeteiligung wurde Geri Müller mit 2822 Stimmen gegen 27788 für den Gegenkandidaten Roger Huber, also mit 34 Stimmen mehr, zum Stadtammann gewählt.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine

Zum Infosperber-Dossier:

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9 Meinungen

  • am 18.02.2013 um 15:56 Uhr
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    Dass man Israel kritisiert, wenn es – wie andere Völker auch – Menschenrechtsverletzungen begeht, finde ich richtig. Gaza mit dem Holocaust zu vergleichen, scheint mir aber ein völliger Fehlgriff zu sein.

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  • am 18.02.2013 um 20:17 Uhr
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    G. Müller nennt die Hamas als “soziale Bewegung”. Auch seine deutsche Schwester im Ideologie Denken, Claudia Roth, will mit dem “pragmatischen Teil der Hamas” verhandeln!
    Wie kann man so naiv und so verblendet sein um solche Behauptungen aufzustellen? Was ist sozial an Hamas? Ihre Frauenfeindlichkeit? Ihre Menschlichkeit, wenn sie Homosexuelle mit dem Tod bestraft? Ihre Nähe zu den Muslim-Brüdern, die weltweit die Sharia einführen wollen? Oder, wer ist der pragmatische Teil der Hamas? Hamas selbst sieht sich nämlich als Teil der globalen Jihad-Kriege, deren erklärtes Ziel ist, die westlichen Zivilisations-Errungenschaften abzuschaffen? Also auch unsere Schweizer Kultur und Lebensweise ist massivst betroffen!
    Nach meiner Meinung, ist Geri Müller inkl. seine Unterstützer, antijüdisch, antiisraelisch und untergraben zudem, damit die ganze freie westliche Welt!
    Für mich ist Müller weder als Nationalrat noch als Stadtpräsident tragbar und eine Schande für die ganze SCHWEIZ..!!!!

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  • am 19.02.2013 um 06:19 Uhr
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    Peinlich was Walter Gurtner Geri Müller unterstellt und dann gleich noch alle abgegriffenen Klischees undifferenziert bedient.
    Es täte gut Israels Verhalten gegenüber der arabischen Bevölkerung kritisch zu überdenken und zu hinterfragen. Die ständig weiteren, widerrechtlichen Okkupationen und Annektierungen von palästinensischem Gebiet. Die ständige Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung durch Israel. Apartheit pur.
    Solange Israel diese Politik ungestraft unter der schützenden Hand Amerikas betreiben kann und darf – solange ist leider auch die Hamas in diesem Gebiet im Aufwind. Ständig die gleich billigen Ausreden Israels um ja nicht in einen echten Dialog mit ihren Nachbarn treten zu müssen sind ebenso tragisch wie gefährlich.
    Zu guter Letzt sind so intolerante Mitbürger wie Walter Gurtner eine Schande für die Schweiz. Nicht ein Geri Müller, der sich zu Recht mit Mut und Anstand für eine rechtlose Minderheit stark macht!

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  • am 19.02.2013 um 14:29 Uhr
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    Peinlich, sind eure Kommentare, welche einen gemeinsammen Nenner kennen, nämlich den Antijudaismus und die Legitimation von menschenverachtenden Regimen von sämtlichen Arabischen-Staaten inkl. der Palästinensern welche täglich ihre eigenen Menschen massakrieren und ermorden, zb. Syrien aktuell 70’000 Kinder und Frauen….!
    Das sind aktuelle Tatsachen, aber das interessiert euch Müller-Freunde ja nicht….
    Geri Müller verharmlost zb. das totalitäre Iran, die menschenverachtende Hamas und deren Terrorattentate. Gleichzeitig kritisiert er einseitig und mit doppeltem Standard Israel, delegitimiert es und dämonisiert es.
    Trotzdem scheint euch das an Geri Müller nicht zu stören, ihr schaut alles lieber durch eure rosarote Brille, darum nachfolgend noch ein paar weitere interessante Quellen zu Geri Müller:

    1. Geri Müller bei Schawinski
    http://www.youtube.com/watch?v=qxMjMXdJdhc

    2. Geri Müller, die Hamas und die Juden:
    http://www.aargauerzeitung.ch/schweiz/geri-mueller-die-hamas-und-die-juden-126059795

    3. Die Nationalräte Vischer und Müller bei den Verschwörern
    http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Die-Nationalraete-Vischer-und-Mueller-bei-den-Verschwoerern/story/17277238

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  • am 19.02.2013 um 20:42 Uhr
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    Walter Gurtner, Ihre undifferenzierten Unterstellungen zeigen ein sehr tiefes, um nicht zu sagen gar primitives Niveau. Sie können durchaus eine andere Meinung vertreten – aber Sie sollten Ihre Einwände auf einer anständigeren Ebene darlegen…!
    Israel betreibt, ob es Ihnen passt oder nicht, eine menschenverachtende Politik gegenüber der arabischen Bevölkerung. Dies kann auch mit Ihrer Aufzählung von Taten (die ich auch nicht unterstütze) extremer arabischer Organisationen und Regierungen nicht als Rechtfertigung für Israels Palästinapolitik herhalten.
    Und damit wären wir wieder bei Geri Müller, der sich, wie gesagt, zu Recht mit Mut und Anstand für eine rechtlose Minderheit einsetzt.

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  • am 20.02.2013 um 05:58 Uhr
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    Ich überlasse es der verehrten Leserschaft, wer wohl hier der wahre primitive und unanständige Schreiberling ist…!!!

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  • am 28.02.2013 um 13:14 Uhr
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    Wie sieht denn diese «menschenverachtende Politik gegenüber der arabischen Bevölkerung» aus, Herr Dietschi? Dass israelische Araber Karriere machen können in Armee, Politik oder Justiz? Dass eine Araberin Miss Israel werden kann? Dass Araber an den israelischen Unis studieren können? (Versuchen Sie mal als Israeli, an einer arabischen Uni zu studieren).

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