Biden Sanktionen Luftballon

Sanktionen der USA und ihrer Verbündeten gegen Russland: Viel heisse Luft? © ThePioneer

«Putin muss sich nicht fürchten: Der Westen ist ein Maulheld.»

Urs P. Gasche /  Die «härtesten Sanktionen» seien hauptsächlich Futter für die Medien, meint Journalist Gabor Steingart und präsentiert Zahlen.

«Sanktionen [gegen Russland. Red.] können nur glaubwürdig sein, wenn sie die Führungselite dieses nuklearbewaffneten Schwellenlandes so spalten, dass von innen heraus Alternativen zum gegenwärtigen Machthaber entstehen.»

Das erklärte Gerald Schneider, Professor für internationale Politik an der Universität Konstanz, am 24. Februar in der NZZ.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssten die Sanktionen so umfassend sein, dass der Westen stark steigende Heizöl-, Benzin- und Gaspreise sowie grössere Turbulenzen auf den Finanzmärkten in Kauf nimmt.

Dies sei mit den bis jetzt angekündigten Sanktionen nicht der Fall. Deshalb werde das erwähnte Ziel verfehlt, meint Gabor Steingart. Der frühere Wirtschaftsjournalist schrieb am 24. Februar als Herausgeber der «Morning Briefings»:

«Die Regierungen in London, Paris, Washington und Berlin wollen beim westlichen Publikum den Eindruck erwecken, sie würden den russischen Machthaber jetzt so richtig in die Zange nehmen. Es soll Führungsstärke demonstriert werden. Doch die Wahrheit sieht deutlich anders aus.» 

Steingart zählt sieben Gründe auf, weshalb die bis jetzt angekündigten Sanktionen Putin und seine Kreise «nicht ernsthaft stören»:

Russland Verschuldung
Russland ist einer der am wenigsten verschuldeten Staaten
  1. Die gesamte staatliche Verschuldung Russlands beträgt laut Internationalem Währungsfonds weniger als 15 Prozent (siehe Grafik oben). Wäre Russland Teil der Eurozone, stünde das Land an der Spitze.
  2. Der Handel mit russischen Staatsobligationen in Fremdwährungen ist allen US-Amerikanern schon seit 2019 verboten.
  3. Der russische Staat ist arm, aber solide finanziert. Auslandschulden in Höhe von 56 Milliarden Dollar stehen Währungsreserven von rund 630 Milliarden Dollar gegenüber.
  4. Die russischen Bank-Manager haben von den Sanktionen wenig zu befürchten. Denn die bisherigen Sanktionen richten sich (noch) nicht gegen die grössten staatlichen Banken Sber und VTB, welche den Energiesektor finanzieren. [Bisher hat nur der britische Premierminister Boris Johnson bekanntgegeben, dass die Guthaben der VTB in Grossbritannien eingefroren werden sollen. Johnson sagte, er befürworte auch einen Ausschluss Russlands aus dem Finanztransaktionssystem Swift, wohl wissend, dass andere westliche Staaten dagegen sind.
  5. Die Röhre Nord Stream 2 war bisher leer. Deshalb beeinflusst die Suspendierung den Devisenhaushalt Russlands kaum.
  6. Das Einfrieren von Oligarchen-Geldern auf westlichen Konten kann diese kaum von Putin abwenden. Dieser kann seine Freunde aus dem riesigen Staatsschatz von 630 Milliarden Dollar entlöhnen.
  7. Für die USA und Deutschland ist der Handel mit Russland wirtschaftlich von marginaler Bedeutung. Nur 0,37 Prozent aller Exporte der USA gehen in die Russische Föderation. Der Handel Russlands mit China ist wertmässig doppelt so hoch wie der Handel mit Deutschland.
    [Für Russland sind Importe aus Deutschland, den Niederlanden, den USA und aus Italien allerdings wichtig, weil es sich dabei vor allem um technologisch hochwertige Güter handelt.]
Russland Handelspartner
China ist bereits mit Abstand der wichtigste Handelspartner von Russland

Gabor Steingart zieht folgendes Fazit:

«Der Westen ist ein Maulheld vor dem Putin sich im derzeitigen Stadium des Geschehens nicht fürchten muss. Das „härteste Sanktionsregime gegen Russland“, wie die britische Aussenministerin Liz Truss behauptete, ist weniger für Putin als für die Medien gemacht. Man will gar nicht die Wirklichkeit erreichen, sondern nur die Schlagzeile des nächsten Morgens.»

Der Westen hatte beim Androhen von Sanktionen allenfalls mit einem Angriff auf Gebiete des Donbass gerechnet, aber nicht mit Angriffen in der ganzen Ukraine. Es ist deshalb möglich, dass sich die Nato-Staaten doch noch auf schärfere Sanktionen einigen. Allerdings würden beispielsweise eine Ausschluss vom Swift-System oder ein Boykott russischen Erdgases gross Opfer kosten, welche die Bevölkerungen in Westen direkt zu spüren bekämen.

Weiterführende Informationen


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine. Gabor Steingart war Wirtschaftsjournalist in Berlin und Miteigentümer der deutschen Handelsblatt-Gruppe. Heute gibt er den Newsletter «Morning Briefing» heraus.
_____________________
Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Zum Infosperber-Dossier:

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30 Meinungen

  • am 25.02.2022 um 11:39 Uhr
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    Soso: «Sanktionen [gegen Russland. Red.] können nur glaubwürdig sein, wenn sie die Führungselite dieses nuklearbewaffneten Schwellenlandes so spalten, dass von innen heraus Alternativen zum gegenwärtigen Machthaber entstehen.»
    Ein «nuklear bewaffenetes Schwellenland» … das eine Raumstation betreibt und bis vor kurzem das einzige Land war, das dorthin auch fliegen konnte? Das die halbe Welt mit Gas und Öl versorgt, gerade den größten Supercomputer der Welt baut, Hyperschallraketen in Dienst hat, von denen westliche Militaristen nur träumen können – in ihren Albträumen? Und so jemand ist Professor für internationale Politik? Auf welchem Planeten?? Vielleicht sollte jemand mal einen Realitätscheck machen, bevor er sich so dermaßen blamiert.

    3
  • am 25.02.2022 um 11:39 Uhr
    Permalink

    Dieser Analyse wirkt plausibel. Tatsächlich werden Sanktion wohl erst wirken, wenn sie auch jene Länder schmerzen, welche sie erlassen haben. Das müsste zu einem «Moment der Wahrheit» führen, der die Entscheidungsträgerinnen und -träger zu einer klaren Haltung zwingt. Er wird wohl nie eintreffen. Reflexartig sehnen sich alle nach einem «Business as usual», Krieg hin oder her – auch das ist plausibel, wird aber die Verachtung entscheidender Stellen für den «weichen Westen» steigern. Die Stabilität Russlands ist eine Wundertüte. Dass Putin von einem Tag auf den anderen aus seinem Amt entfernt und mit einer fadenscheinigen, unpräzisen Begründung (Krankheit, was weiss ich?) ersetzt wird – mir scheint das ein reelles Szenario. Eine der wichtigsten Fragen in diesem Konflikt: Wie geschlossen steht die Gefolgschaft hinter ihrem Führer? Da könnte es noch zu Überraschungen kommen.

    2
  • am 25.02.2022 um 12:01 Uhr
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    Wenn man wirklich den Frieden will, so muss man Russland einbinden und nicht gegen Russland die Opposition suchen! Die Einigung liegt auf der Hand: eine Einigung mit Russland bedeutet, die Ukraine bleibt selbstständig und unabhängig und erklärt ihre Neutralität nach dem Vorbild der Schweiz (Wiener Kongress II ist gefordert!) vor der UNO. Damit kann die Ukraine weiterhin sich Richtung Westen orientieren, wenn sie dies vorzieht. Das Geld lockt ja aus dem Westen, obwohl der Westen bankrott ist….! Aber ein Nato-Beitritt ist ein «No-Go» für immer und ewig! Dies an die Adresse der USA, dem Verursacher der Ukraine-Krise!

    3
    • am 25.02.2022 um 23:02 Uhr
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      Darf man noch nachfragen, was Sie unter «Ukraine» verstehen? Mit Krim, ohne Krim? Mit den Gebieten Luhansk und Donezk oder ohne? Mit den ganzen Gebieten L und D, oder nur den Teilen entlang der Minsk-Linie? Oder darf Russland da und dort noch einen zusätzlichen Ecken Territorium für sich abzwacken, beispielsweise um die Wasserversorgung der Krim sicherzustellen? Die Idee, dass der Westen Russland etwas schuldig sein soll, wird nie zu einem einvernehmlichen Ziel führen.

      5
    • am 26.02.2022 um 20:46 Uhr
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      @gute Frage Herr Pestalozzi, ich bin leider weder Spitzenpolitiker noch Pontius Pilatus! Dies sind natürlich auch Fragen, die gelöst werden müssten. Warum sollte die Krim zurück zur Ukraine, nachdem Nikita Chruschtschow die die Krim der Ukraine schenkte. Als er dies tat, konnte er sich nicht vorstellen, dass die Ukraine mal ein selbstständiger Staat würde, er war überzeugt, die Ukraine sei ein Brudervolk. Somit war die Krim ein «Göttigeschenk» an die Ukraine, dem Brudervolk.
      L und D, ob ganz oder nur Teile, das müssen wir zwei heute Abend nicht ausknobeln.
      Ich wiederhole ganz einfach, eine neutrale Ukraine (mit und ohne L und D) ist mehr als die halbe Miete, es ist die Rettung! Der Krieg muss sofort beendet werden, aber die USA sperren sich, für diese Lösung Hand zu bieten, weil sie eben die Nato nicht als Verteidigungsbündnis betrachten. Warum denn all diese Osterweiterungen??
      Und schliesslich noch die Frage, ob der Westen Russland etwas schuldig sei. Studieren Sie doch die Weltgeschichte seit dem Hitler-Stalin Pakt, dies war das Verderben für ganz Europa, da wurde Russland von Hitler über den Tisch gezogen, aber Russland hat schliesslich den Sieg der Allierten ermöglicht, weil Hitler in Stalingrad besiegt wurde, deshalb gehörte Russland zu den Siegern zusammen mit den Alliierten. Sie bekamen, forderten auch ihre «Beute», so Osteuropa inkl. die baltischen Staaten, doch diese Staaten haben sie alle an den Westen wieder abgetreten.

      0
    • am 27.02.2022 um 15:37 Uhr
      Permalink

      Die Neutralität der Ukraine müsste über die Köpfe der Bevölkerung hinweg entschieden werden (aber das liegt wohl in der Natur der Neutralität, bei der Schweiz, Österreich und Finnland war es ja nicht anders). Die NATO-Osterweiterungen erfolgten einvernehmlich zwischen jenen Staaten und dem Verteidigungsbündnis, die sich offenbar vor der Russischen Förderation fürchten und sich aktiv um eine Mitgliedschaft bemühten. Aber der Neutralitätsstatus wird jetzt ja auch von der Ukraine als mögliche Lösung gesehen. Hoffen wir das Beste für die leidgeprüfte Bevölkerung.

      0
    • am 26.02.2022 um 21:26 Uhr
      Permalink

      @Pestalozzi
      Das Abzwacken mit militärischen Mitteln von Rohstoffvorkommen hier und dort ist legitim?
      Bitte gleiche Maßstäbe setzen.

      0
  • am 25.02.2022 um 13:41 Uhr
    Permalink

    Wo bleiben die relativierenden Kommentare Ihres Herrn Müller? Hat ihm der Kriegsverbrecher Putin den argumentativen Boden unter seiner Tastatur weggezogen? Jene Journalisten sind am glaubwürdigsten, die den Mut haben, eigene frühere Fehleinschätzungen zu thematisieren.

    8
    • am 25.02.2022 um 16:39 Uhr
      Permalink

      @ Markus Schneider – Ihre Frage ist absolut berechtigt. Obwohl ich kein Freund von Schnellschüssen bin und immer lieber zuerst gut recherchiere und gut überlege, was zu schreiben ist, habe ich heute Morgen einen Kommentar zum gegenwärtigen Geschehen in der Ukraine geschrieben. Meine Kolleginnen und Kollegen haben mich aber gebeten, ihn noch nicht zu veröffentlichen, sondern erst morgen Samstag, zusammen mit einem Kommentar eines meiner Kollegen. Damit soll nicht zuletzt verdeutlicht werden, dass es keine «Infosperber-Meinung» gibt, sondern nur persönliche Meinungen der Autoren. Ich bitte Sie deshalb um Verständnis.

      0
    • am 25.02.2022 um 18:58 Uhr
      Permalink

      Herr Schneider, es gibt für Herrn Müller mE keine Fehleinschätzung. Was ich nicht verstehe ist das althergebrachte Gut / Böse – Schena, welches sich hartnäckig hält. Warten Sie, die guten Saubermänner ennet dem grossen Teich haben den nächsten Angriff auf unsere Banken schon im Ärmel. Was die Cowboys sagen, hat weltweit Gültigkeit. Dazu gehören Sanktionen, gefakte Satellitenbilder, lügende Aussenminister, und Geheimdienste die ausserhalb staatlicher Kontrolle schalten und walten können wie sie wollen. Das soll unsere Zukunft sein? Weltmacht Nr. 1, die überall das Sagen hat, und bestimmt, wann wo Krieg zu führen ist?

      2
    • am 25.02.2022 um 18:59 Uhr
      Permalink

      Ja, lieber Herr Müller
      Ich warte seit gestern gespannt auf Ihre Sicht der Dinge.
      Ich weiss: Gut Ding will Weile haben, doch die Ereignisse überschlagen sich derart, dass etwas Orientierung aus Sicht eines Kenners der Ukraine äusserst wertvoll ist.

      0
    • am 26.02.2022 um 04:39 Uhr
      Permalink

      Ich glaube nicht dass Hr. Müller einer Fehleinschätzung unterlegen ist.
      Zudem nennen Sie Putin einen Kriegsverbrecher. Widerspiegelt das Ihr Gut/Böse-Verständnis von Ost und West? Haben Sie Bush und Obama auch als Kriegsverbrecher gesehen? Obama hat sogar den Friedensnobelpreis erhalten.
      Wer jetzt die Augen aufreisst hat zuvor ziemlich tief geschlafen.

      0
    • am 28.02.2022 um 13:20 Uhr
      Permalink

      Genau, Herr Barmettler. Viele Friedens-Nobelpreisträger wurden Kriegsverbrecher.

      0
  • am 25.02.2022 um 13:53 Uhr
    Permalink

    Ein interessanter Beitrag. Die NATO-Staaten haben demnach dem Aggressor wirklich nicht viel entgegen zu stellen. Abgesehen von einem eventuellen Ausschluss aus dem Zahlungssystem SWIFT. Theoretisch könnten die NATO-Mächte allenfalls die Dardanellen-Passage zum Schwarzen Meer schliesse. Dies wäre aber ein gefährlicher Schritt gegen einen Weltkrieg zu. Gelibolu resp. Gallipoli wäre dann nicht zum Ersten Mal Kriegsschauplatz. Diese Idee wäre wahrscheinlich nicht so gut.

    Immerhin kann Xi Jinping doch etwas Gratis-Anschauungsunterricht geniessen, wie der Westen im Falle einer Taiwan-Aktion reagieren würde.

    Was haben wir doch für sonderbare Diktatoren in unserer heilen Welt!
    Und wie viele unserer linken Freunde doch immer nur das Gute im Menschen sehen wollen…

    2
    • am 26.02.2022 um 04:52 Uhr
      Permalink

      Ja Herr Hofer, inzwischen kann man nicht mehr sicher sein, wer als Linker bzw Rechter gelten soll.
      Hätten die Westmächte die berechtigten Sicherheitsinteressen Russlands ernst genommen, und wären auf die Bitten um Verhandlungen eingestiegen, müssten Sie Putin jetzt nicht als Aggressor titulieren.
      Zudem, alle die sich in den Lakaienzug der USA gesetzt haben, werden es zu spüren bekommen, wenn das Gas ausbleibt. Putin hat schon eine Bemerkung platziert – «ohne SWIFT kein Gas» . Frieren werden die Europäer eher als die Amerikaner. Ist das so schwierig zu begreifen?

      2
    • am 26.02.2022 um 18:23 Uhr
      Permalink

      Richtig, Herr Barmettler. Der Köppel ist ja auch dabei. Und den könnte man wahrlich nicht als ein Linker bezeichnen. Trotz seiner lauten Gosche ist er mir entgangen.

      Swift könnte möglicherweise mit einer Kryptowährung umgangen werden. Die Abhängigkeit des Westens vom Gas ist ein zusätzliches Handikap. Aber wem haben wir dies zu verdanken? Es sind jene, die seit Jahrzehnten die Atomkraft verteufeln und glauben, dass wir nur sparsam mit der Elektrizität umgehen brauchen, das wird dann zusammen mit Wasser, Sonne, und Wind ausreichen. Das wird es eben nicht! Und wenn wir schon dabei sind, was nützt uns der Sonnenschein, wenn irgendwo auf der Welt ein Vulkan im Ausmass des Tombora explodiert. Ein Umstand der die Sonnenanbeter nie in Betracht ziehen.

      Noch etwas zur NATO, Herr Barmettler. Gäbe es die NATO nicht, gäbe es keine freien baltischen Staaten. Möglich, dass auch Ungarn, Rumänien und Polen nicht eigenständig wären und durch den Westen wirtschaftlich und wissenschaftlich unterstützt würden.

      Zu guter Letzt empfehle ich Ihnen, Putins Lakaienzug sofort zu verlassen.

      4
  • am 25.02.2022 um 14:03 Uhr
    Permalink

    Einige erinnern sich vielleicht noch an die letzten Sanktionen gegen Russland wegen der Krimkrise. Diese Sanktionen haben vor allem deutsche und österreichische Unternehmen, besonders auf dem Agrarsektor, deutlich negativ getroffen – Sinn einer Sanktion muss doch aber sein, dem Gegner zu schaden und nicht der eigenen Wirtschaft. Ich habe wenig Vertrauen, dass unsere Politiker es ausgerechnet diesmal hinbekommen. Russland hat eine gut gefüllte Kriegsbörse, niedrige Schulden, kaum Kosten für ein Sozialsystem und eine große, aber vergleichsweise günstige und gut ausgestattete Armee, die global operieren kann. Sanktionen werden wiederum den Innovations- und Selektionsdruck auf die russische Wirtschaft erhöhen und vermehrt zur inländischen Herstellung von ehemals importierten Produkten führen – so geschehen z.Bsp. bei Milchprodukten, wo mithilfe öst. Investoren eigene Produktionsketten aufgebaut werden konnten. Russland ist mit fast allen Rohstoffen und deren Weiterverarbeitung autark. Auf den Nahrungsmittelsektor herrscht ebenfalls vollständige Selbstversorgung. Die Rüstungsindustrie ist ebenso kaum auf ausländische Zuliefer angewiesen. Putin geht gut vorbereitet in diesen Krieg.

    2
    • am 27.02.2022 um 22:24 Uhr
      Permalink

      @P. Schön. Aber die russische «autarke» Wirtschaft hat einen hohen Preis. Die Wirtschaft stagniert seit Jahren und Putin bracht einen Krieg um davon abzulenken und sich an der Macht halten zu können.

      2
    • am 28.02.2022 um 09:25 Uhr
      Permalink

      @Hanspeter Wüstiner: «…Putin bra[u]cht einen Krieg…»
      Ach, deshalb er schon vor 8 Jahren Deutschland, Frankreich und die demokratische Regierung der Ukraine unterwandert und dazu gebracht, Minsk-II zu unterzeichnen? Und deshalb hat er immer wieder scheinheilig verlangt, dass Minsk-II umgesetzt wird? Deshalb hat er auch – bis jetzt – gewartet, dass DE, FR und die Ukraine «aufwachen» und öffentlich erklären, dass sie gar keine Absicht haben, das Abkommen je umzusetzen. Was implizit bedeutet, dass zu den laut OSZE offiziell nur 14.000 Toten in der Ostukraine (darunter über 100 Kinder…!) in den nächsten Jahren ad infinitum noch «ein paar» dazukommen.
      Und weil er einen Krieg braucht, hat Putin auch gewartet, bis Selenski endlich erklärt, die Ukraine wolle sich wieder atomar bewaffnen. Uran und Plutonium sowie das Know-how (auch das aus den 80ern reicht noch zum Bombenbauen) hat die Ukraine ja dank 13 laufender, 3 stillgelegter und 1 zusammengeschmolzenen Reaktor noch genug. Vielleicht hat Putin jetzt auch selbst Angst bekommen, einige streng antirussische Demokraten in der Ukraine könnten bei der Bedienung dieser Atomkraftwerke ähnliche Fehler machen wie einst die Besatzung von Tschernobyl – und deshalb als eine der ersten Aktionen Tschernobyl besetzt, wo die kriegerischen Russen die Besatzung zwingen, ihnen zu Diensten zu sein und den normalen Betrieb bzw. die Sicherheit weiter zu gewährleisten. Da hat der Kreml-Chef wohl selbst Angst vor dem Krieg, den er dringend braucht…?

      1
  • am 25.02.2022 um 15:11 Uhr
    Permalink

    Die Regierungen des sogenannten Westens vertreten, genauso wie Putin und seine Entourage, die Interessen des jeweiligen Kapitals und seiner Eigner. So gesehen ist hier Hans was Heiri. Die NATO hält sich zurück, weil in der Ukraine, anders als beim Mittelmeeranrainer Jugoslawien damals, zu wenig zu holen ist und sie hofft, Russland würde in den kommenden Jahren dann doch noch der Schnauf ausgehen und sei es, weil das Volk nicht mehr mitmacht. Der «Ostblock» ist ja nicht zuletzt zusammengeklappt, weil keine Glaubwürdigkeit mehr da war. Auch Despoten brauchen eine minimale Basis bei den Menschen, welche den Reichtum erarbeiten. Und die russischen Oligarchen haben sich, in Zypern oder sonstwo, längst EU-Pässe gekauft.

    2
  • am 26.02.2022 um 09:59 Uhr
    Permalink

    Es wirkt auch unglaubwürdig und abgedroschen immer wieder die gleichen Drohungen, gespickt mit Superlativen, auszustossen. Wurde nicht schon Iran und Nord Korea mit den «härtesten Sanktionen, die die Welt je gesehen hat» belegt? Und was hat es gebracht?

    1
  • am 26.02.2022 um 12:17 Uhr
    Permalink

    Putin hat diesen Krieg seit langem geplant. Wahrscheinlich wird die Regierung in Kiew bald durch eine Marionettenregierung ersetzt, welche vom ukrainischen Volk abgelehnt wird. Dann wird ein Partisanenkrieg gegen die Besatzer beginnen. Und diesen kann das russische Besatzungsregime nur langfristig verlieren. Dies Szenario und sein eigenes Volk sollte Putin fürchten.

    1
  • am 27.02.2022 um 19:14 Uhr
    Permalink

    Noch was an Hr. Ueli Hofer. Interessant, ich gehe weitgehend mit Ihnen einig. Aber zu zwei Punkten habe ich etwas nachzuschieben:
    1. Die NATO ist mE kein Verteidigungs-bündnis mehr, wie sie das mal war. Sie ist zu sehr dominiert von der Machtpolitik der USA. So gesehen berührt einem die Aussage von Angela Merkel schon befremdend, wenn sie den früheren Verteidigungsminister Peter Struck zitiert «Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt.» Und dann beschliessen die USA den fluchtartigen Rückzug aus Afghanistan, ohne Abstimmung mit ihren NATO-Partnern.
    2. Ich stelle fest, dass sich viele Kommentare weitgehend auf die Guten / Bösen beziehen. Ich persönlich fühle mich deshalb nicht Putin’s Lakaienzug. Ich habe die Entwicklung einfach seit längerer Zeit verfolgt und sehe, dass Russland weiss Gott allerhand unternommen hat, um zu seinen Sicherheitsgarantieen zu kommen. Es scheint kein potentes Gremium zu geben, welches den Staaten hilft, solche Problemstellungen zu lösen. Die USA mit der NATO haben RUS nur ausgelacht, nicht ernst genommmen und sogar noch militärisch provoziert. Also, wenn alle Diplomatie nur noch Zeitverschwendung ist (Blinken ein Lügner, Truss nicht im Bild, Baerbock noch nicht sattelfest) was ist dann zu tun? Umso mehr, wenn die Landsleute im Donbass und in Luhansk dauernd beschossen werden, und Ukraine ihre Aufgaben nicht macht? Wenn alles Reden nichts hilft, dann folgen eben Taten.

    0
    • am 28.02.2022 um 10:58 Uhr
      Permalink

      Nichts rechtfertigt diesen Angriffskrieg und die damit verbundenen Völkerrechtsverletzungen. Auch nicht frühere ungerechtfertigte, völkerrechtswidrige US Interventionen. Die Ukraine hat Russland nicht ansatzweise militärisch bedroht.

      0
    • am 28.02.2022 um 21:09 Uhr
      Permalink

      Der Angriffskrieg läuft seit 2014 gegen die überwiegend russischsprachige Bevölkerung: 40 bei lebendigem Leib verbrannte Menschen in Odessa + eine unbekannte Zahl an Menschen, die am 9.5. – dem Tag des Sieges (der Sowjetunion über Deutschland – in Mariupol ermordet wurden, weil sie dieses Dateum wie nicht nur die Russen in der ehem. SU feierten, und 14.000 Tote im Donbass, davon mindestens 100 Kinder! Wo war Ihr «Protest» gegen DIESEN Krieg. Es ist DIESER Krieg, den RU jetzt mit einem «Enthauptungsschlag» gegen die Verantwortlichen beenden will.

      1
    • am 28.02.2022 um 21:37 Uhr
      Permalink

      @Würstinger
      Es geht nicht um militärische Bedrohungen sondern um wirtschaftliche Interessen. Und genau da lassen sich die europäischen Staaten von den USA bereitwillig einspannen.
      Es ist relevant ob ein Staat sich keinen Deut um Menschen- und Völkerrechte kümmert. Die Bilanz ist für die USA erheblich schlechter als die von Russland.

      0
    • am 1.03.2022 um 10:08 Uhr
      Permalink

      @Speiser: Sie haben völlig recht. Nur liegen Sie m.E. mit der Einschätzung falsch, «die europäischen Staaten [liessen sich] von den USA bereitwillig einspannen.» Der «adlige» polnische Russenfresser, Berater Carters und Lehrer Obamas, Brzezinski, erklärte die Europäer offen zu «tributpflichtigen Vasallen». Und es war genau derselbe Brzezinski, der mit «The Grand Chessboard» schon 1998 die geopolitischen Grundlagen für die Ereignisse in der Ukraine (mindestens) seit 2014 beschrieb – nicht: festlegte, denn das geschah schon fast 100 Jahre früher: Im Interesse der USA müssten (West) Europa und speziell Deutschland auf der einen und Russland auf der anderen Seite an einer Zusammenarbeit gehindert werden, wie dieser unsäglich Friedman schon vor Jahren kühl beschrieb: https://www.youtube.com/watch?v=krWiNBzcMto (mit einem Nachtrag von Condy Rice … erinnert sich noch jemand an diese «Russland-Expertin», die kein Wort Russisch sprach?)

      0
    • am 1.03.2022 um 21:01 Uhr
      Permalink

      Danke für den Link, ziemlich entlarvend.
      Rate jedem der sich für das was was zur Zeit im Bezug RUS und USA interessiert das Anzuschauen.

      0
    • am 1.03.2022 um 11:00 Uhr
      Permalink

      @kulawik und speiser. Es gibt wohl handfeste historische Gründe, weshalb die ehemaligen Comecon Mitglieder und verschiedenste ehemalige Sowietrepubliken sich der EU und Nato zuwenden und nicht Schutz, Prosperität und Wohlstand beim so «demokratischen und friedliebenden» Russland von Putin suchen.

      Die Rechtfertigung ergibt sich aktuell schon allein – aus staatlicher Sicht – aus dem jetzigen Agressionskrieg gegen die Ukraine und – aus menschen-/bürgerrechtlicher Sicht – z.B. dem Umstand, dass Demonstrationen gegen die offensichtlichen Völkerrechtsverletzungen von Putin und seiner Clique in Russland nicht zugelassen und mit Polizeigewalt unterdrückt werden.

      Ihre Argumentation kommt mir vor, wie jemand der häusliche Gewalt damit rechtfertigt, dass die Ehefrau zu wenig anhänglich und dankbar sei, zu selbstständig denke und handle, sich mit gewissen Nachbarn zu gut verstehe und darüberhinaus gar noch in die falschen Vereine eintreten möchte .

      1
    • am 1.03.2022 um 21:22 Uhr
      Permalink

      @Wüstiner
      Ich empfehle Ihnen den Link von Kuwalik anzusehen. Viele Fragen werden darin Beantwortet.

      0

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