Werden aus klaren Erkenntnissen auch die Konsequenzen gezogen?

Christian Müller /  Das NATO-Debakel in Afghanistan mit über 100'000 Kriegsopfern müsste für alle Beteiligten Anlass sein, über die Bücher zu gehen.

US-Präsident Joe Biden hat noch am 14. August 2021, nur zwei Tage vor der Tragödie auf dem Airport von Kabul, wörtlich sagen können: 

«Over the past several days, I have been in close contact with my national security team to give them direction on how to protect our interests and values as we end our military mission in Afghanistan. First, based on the recommendations of our diplomatic, military, and intelligence teams, I have authorized the deployment of approximately 5,000 U.S. troops to make sure we can have an orderly and safe drawdown of U.S. personnel and other allied personnel, and an orderly and safe evacuation of Afghans who helped our troops during our mission and those at special risk from the Taliban advance.»

Oder zu deutsch: «In den vergangenen Tagen stand ich in engem Kontakt mit meinem nationalen Sicherheitsteam, um ihm die Richtung vorzugeben, wie wir unsere Interessen und Werte schützen können, wenn wir unseren Militäreinsatz in Afghanistan beenden. Erstens habe ich auf der Grundlage der Empfehlungen unserer diplomatischen, militärischen und nachrichtendienstlichen Teams die Entsendung von etwa 5000 US-Soldaten genehmigt, um einen geordneten und sicheren Abzug des US-Personals und anderer verbündeter Kräfte sowie eine geordnete und sichere Evakuierung der Afghanen zu gewährleisten, die unseren Truppen während unseres Einsatzes geholfen haben und die durch den Vormarsch der Taliban besonders gefährdet sind.»

Diese ersten und wichtigsten Sätze in seinem Speech nur zwei Tage vor der Katastrophe zeigen einmal mehr, dass der US-Präsident mitsamt seinem politischen Beraterstab über die reale und hochaktuelle Situation miserabel informiert war. Dabei darf nicht vergessen bleiben: Joe Biden war von 2009 bis 2017 – unter Barack Obama – immerhin acht Jahre lang Vizepräsident der USA und ist insofern für die lange Dauer dieses unnötigen Krieges mitverantwortlich! Dass die allermeisten US-Amerikaner von fremden Ländern mit ihren anderen Kulturen eh keine Ahnung haben, das weiss jeder, der schon mal in den USA war und mit US-Amerikanern in diesem Punkt ins fachkundige Gespräch kam. Wie soll man eine andere Kultur «verstehen», wenn man nicht einmal bereit ist, andere Sprachen zu lernen? Es ist ja so einfach: Die ganze Welt soll gefälligst so leben und denken, wie es die US-Amerikaner tun. 

Nichts desto trotz haben Dutzende von NATO-Mitgliedern und auch einige weitere europäische Staaten freiwillig im Afghanistan-Krieg mitgemacht und damit akzeptiert, dass bei diesem Einsatz allein die USA das Sagen haben. Die USA haben auch im Alleingang beschlossen, den Krieg in Afghanistan zu beenden und abzuziehen – und dies, unter Zurücklassung grosser Waffen- und Kriegsmaterialbestände, sogar deutlich schneller als angekündigt. Das totale Debakel der NATO-Truppen in Afghanistan macht denn auch unerwartet deutlich, wie unfähig die NATO ist und wie sie sich selber total falsch einschätzt. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg machte noch nie eine so hilflose Figur wie in diesen Tagen. 

Hauptverbündete und Hauptmitläufer beziehungsweise Hauptmitkämpfer im zwanzig Jahre dauernden und extrem teuren Krieg in Afghanistan waren die Briten und die Deutschen. Beide Staaten haben sich dem Diktat der USA ohne Widerspruch gefügt. Haben auch sie die Situation total falsch eingeschätzt? Oder haben sie sich einfach blind und taub und stumm der US-Führung gefügt?

Gerade in den letzten Monaten, seit der Abwahl Donald Trumps und der Wahl von Joe Biden zum neuen US-Präsidenten, haben vor allem auch in Deutschland – und dort erst recht jetzt vor den eigenen Bundestagswahlen – fast alle grossen Medien und alle grossen Parteien sich dafür ausgesprochen, sich noch näher an die USA zu binden. Hatte der Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll noch selber vor dem Pershing II-Lager in Mutlangen bei Schwäbisch Gmünd gegen die Einlagerung von Atombomben durch die US-Amerikaner demonstriert, so war die nach ihm benannte Heinrich-Böll-Stiftung, die die politische Mutterstiftung der Partei «Bündnis 90/Die Grünen» ist, sogar Mitinitiantin einer prominenten Kampagne für zusätzliche Annäherung an die USA. Infosperber hat darüber detailliert berichtet.

Milos Zeman, der tschechische Staatspräsident und gelegentliche Sprücheklopfer, hat für einmal die richtige Frage gestellt: Ist die Zeit der NATO nicht einfach abgelaufen

Nachdem die richtige Gelegenheit, anlässlich des Zusammenbruchs der Sowjetunion 1991 und des damit verbundenen Wegfalls eines realen Feindes auch gleich die NATO zu liquidieren, – nicht zuletzt natürlich auch im Interesse der Rüstungsindustrie – «verpasst» wurde, wäre jetzt nach dem Afghanistan-Debakel wieder eine Gelegenheit, über die Bücher zu gehen und Konsequenzen zu ziehen. Aber die europäischen Länder müssten die Konsequenzen ziehen , die Kommentare aus den USA zum Afghanistan-Debakel lassen im Gegenteil sogar noch Schlimmeres erwarten.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Zum Autor Christian Müller deutsch und englisch.
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

 

Zum Infosperber-Dossier:

afghanistan

Der Nato-Krieg in Afghanistan

Seit 2001 führt die Nato unter Führung der USA in Afghanistan einen «Krieg gegen den Terror».

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23 Meinungen

  • am 22.08.2021 um 11:35 Uhr
    Permalink

    In Afghanistan wurden keine Erkenntnisse gewonnen, welche nicht mindestens seit 100 Jahren bekannt waren, als da sind:
    1. Man kann Kriege gegen Armeen, aber nicht gegen Völker gewinnen.
    2. Man kann Werte kulturübergreifend nicht ex-, importieren.
    In Vietnam, Afghanistan, Irak kämpfte die US- Armee mit oder ohne NATO immer gegen das Volk, nicht gegen die Machthaber und nicht gegen die Armee. Die USA/ NATO waren ausnahmslos immer in der Rolle des Aggressors, der Tod und Vernichtung bringt.
    Die islamischen Völkern haben mit der Scharia, China mit dem Konfuzianismus ein ausgezeichnetes Wertesystem, auf dem man Rechtsstaatlichkeit aufbauen kann. Die westlichen Werte sind ihnen völlig fremd und werden das ihnen immer bleiben. Auch in ferner Zukunft werden arabische, persische, indische und chinesische Staaten ohne westliche Werte leben, ohne deshalb als rückständig zu gelten. Westliches taugt nur im Westen, nirgends sonst.

    3
    • am 23.08.2021 um 06:31 Uhr
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      Herr Schrader, Sie bringen’s auf den Punkt.
      Ich möchte noch auf die traurige Feststellung des Autors dieses erklärenden Artikels zu sprechen kommen, nämlich, dass Grossbritannen und Deutschland «sich dem Diktat der USA ohne Widerspruch gefügt haben»: Der Kriegsverbrecher und bigotte Freund von GWB, Toni Blair, hat das doch durch die Unterstützung der «Angriffe auf das irakische und afghanische Volk» vorgemacht, und die Deutschen erlauben dem US-Militär bis heute – ohne dass die populäre Frau Bundeskanzlerin je ein Wort dazu geäussert hat, dass diese schrecklichen, menschenzerfetzenden und jeden Winkel der Erde erreichenden Drohnen ihr Ziel und damit ihre terroristische Wirkung entfalten können- und das Grossmaul GWB nannte diesen Krieg «den Krieg gegen den Terror»: Der grösste Terrorist wollte die viel kleineren «Terroristen» auf der ganzen Welt ausradieren.
      Die jeweilige Regierung in Stockholm und London hat CIA den den US-Präsidenten bei deren Verbrechen unterstützt und die Gerichte im Land angewiesen, die Folterung des mutigen Julian Assange durch eine Scheinjustiz zu unterstützen. Der Sonderberichterstatter für Folter fasst es in seinem Buches «Der Fall Julian Assange» so zusammen: «Mit der Verfolgung von Assange soll ein Präzedenzfall etabliert werden, der es den Mächtigen künftig nicht nur erlaubt, ihre Verbrechen geheim zu halten, sondern der die Enthüllung solcher Verbrechen sogar strafbar macht.» Und das Volk schaut auch jetzt wieder zu.

      3
    • am 23.08.2021 um 12:31 Uhr
      Permalink

      Ihr Kommentar ist hanebüchen, aber dank Meinungsfreiheit müssen wir ihn tolerieren. Kommentieren mag ich ihn nicht.

      4
    • am 25.08.2021 um 12:41 Uhr
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      «Westliches taugt nur im Westen, nirgends sonst»
      Konsequent nach dieser Logik dürfte man dann aber auch Asylgesuche aus nichtwestlichen Ländern nicht nach westlichen Kriterien beurteilen. Wollen Sie das auch?
      Konflikte zwischen verschiedenen Kulturen liessen sich theoretisch durch eine rigorose Abschottung der verschiedenen Kulturräume vermeiden. In der Praxis ist das schwierig.

      Grundsätzlich bin ich schon einverstanden mit Ihnen, dass der Westen nicht versuchen sollte, seinen Lebensstil der ganzen Welt aufzudrängen. In der Realität wird es leider etwas komplizierter. Nicht zuletzt, weil viele Leute in anderen Kulturkreisen sehr wohl den westlichen Lebensstil (oder Teile davon) übernehmen wollen.

      0
  • am 22.08.2021 um 12:21 Uhr
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    Die amerikanischen Präsidenten scheinen alle von Napoleon abzustammen … … : «Wer nicht für mich ist, ist gegen mich !»

    — UND die Geschichte lehrt uns diesbezüglich -wieder einmal- , dass kaum einer je aus der Geschichte lernte. —

    Wie viele Vietnams, Iraks, Libyen, Afghanistans wollen «wir» uns noch leisten ?! Wenn «wir» nicht zügigst aus der jüngeren Geschichte lernen, werden wir selbst bald (in 20 bis 100 Jahren) «Geschichte» sein !

    Die EU, DE und GB waren seither sicher nicht «blind, taub und stumm» gegenüber den USA ! .

    Sondern wir liesen uns von unsrem grossen » ?! B r u d e r ?! » mit Zuckerbrot und Peitsche unterbuttern.

    Warum mussten «wir» denn überhaupt Kriege führen ?! Kein einziger dieser Kriege war
    n o t -wendig. Alleine unsere (rasant schwindende) wirtschaftliche Überlegenheit genügt, Sinn-volles zu gestalten –

    statt jahrzehnte langem Töten, Morden, Unterdrücken, Zerstören

    eine «für uns nützliche» Beziehung aufzubauen !

    China zeigt uns seit Jahren, wie wir es v i e l besser hätten machen können und auch müssen ! Was uns China voraus hat ?! Eine sehr intelligente und sehr Zukunfts-orientierte Staats-Führung, die tatsächlich die un-eingeschränkte Macht hat, den Staat zu führen –

    anstatt

    sich von «Interessen-Gruppen» am Nasenring führen zu lassen !

    Siehe beispielsweise «Corona» !

    Ob «wir» wohl aufwachen können/dürfen, bevor es zu spät ist ?!
    Oder lieber warten, bis unser » Licht» ausgeschaltet wird ?!

    wolfge
    scheinbar.org

    3
  • am 22.08.2021 um 12:31 Uhr
    Permalink

    Nein,
    man bringt jetzt noch grösse Verunsicherung in den asiatischen Raum, denn die USA möchte die führende Weltmacht bleiben. Wo kommen wir den hin, wenn der Dollar als Weltreserveleitwährung durch die chinesische und andere Währungen abgeschafft wird, dann wäre die USA schlagartig bankrott. Da kann man schon mal ordentlich zündeln und bei günstiger Gelegenheit Benzin hinterherschütten. Das Pentagon ist zu allem bereit, wenn der Wirtschafts- und Rohstoffkrieg nicht den gewünschten Erfolg bringt.
    Einer der nächsten Winter kann sehr kalt, wirklich sehr sehr kalt werden…

    3
  • am 22.08.2021 um 13:06 Uhr
    Permalink

    Ohne grundsätzlich widersprechen zu wollen, möchte ich zu einigen aufgeführten Punkten doch das eine oder andere Fragezeichen setzen. Waren die dutzenden westlichen Geheimdienste tatsächlich so fundamental unfähig, oder haben sie einfach selektiv informiert? Das wäre nicht das erste und auch nicht das einzige Mal. Das Geld, welches in diese Kriege investiert wurde, ist es nicht in erster Linie der Rüstungsindustrie zugute gekommen und war damit eher Wirtschaftsförderung als eine Verlustrechnung? Ein Anteil daran wurde zweifellos auch dafür aufgewendet eine städtische Oberschicht zu alimentieren, die dem Westen gegenüber freundlich gesinnt ist. Die Grünen, stecken sie nicht, wie zu früheren Zeiten, die Sozialdemokratie im Dilemma, dass sie, um im Rahmen des derzeitigen Wirtschaftssystems mitregieren zu dürfen eben auch den bürgerlich-ideologischen Grundkonsens verinnerlichen müssen? Damit ist dann auch die urimperialistische Überzeugung verbunden, dass westliche Interessen auch am Hindukusch und anderswo gewahrt werden müssen.

    1
    • am 23.08.2021 um 10:32 Uhr
      Permalink

      Die Geheim-Dienste haben versagt !

      Von Anfang an waren klar:
      Die grosse Mehrheit der Einwohner Afghanistans war und ist immer auf der Seite der Taliban gewesen, weil diese «Gottes-Krieger» sehr geachtet wurden.
      Die «offizielle» Armee wa -aus dem gemeinsamen Glauben heraus, den die Taliban verteidigten- nie bereit, gegen die «Gottes-Krieger» zu kämpfen ! !!!

      Daran änderte sich n i c h t s ! Von Anfang an bis jetzt!!!

      In der «offiziellen» Regierung gab es kaum Persönlichkeite, die vom Volk geachtet und respektiert wurde.

      Also gab es -vom ersten Jahr an- nur eine «irrwitzige Lösung» in/mit Afghanistan: Mehr Ausländer als Einheimische dort anzusiedeln –
      oder den untauglichen Versuch, dorthin per westlicher Soldaten westliche Kultur «aufzupropfen» spätestens nach 3 «Lehr-Jahren» endgültig abzubrechen.

      Warum «man» weder ahnte noch wusste, dass die Taliban -ab der Information, dass wir «gehen» – das Land im Handstreich nehmen werden, wird wohl ein Geheimnis der «geheimen Dienste» bleiben.
      Abgesehen davon gibt es bis heute keinerlei Beweis dafür, dass der Angriff auf das World-Trade-Center 9-11 Afghanistan anzulasten wäre ! – Womit auch noch der behauptete Grund für unseren Angriffs-Krieg zerblasen wäre !

      Ein schreckliches Trauer-Spiel, vom ersten Tag an bis zum letzten Tag dieses Krieges, welches Deutschland (und unsere «Grünen») mit-zu-verantworten hat !

      wolfge
      scheinbar.org

      1
  • am 22.08.2021 um 13:39 Uhr
    Permalink

    Auf der Welt regiert das Recht des Stärkeren. Ich kenne keine Grossmacht, die lieb und nett ist.
    Die USA und Europa haben beide eine einigermaßen funktionierende Demokratie und einigermaßen Redefreiheit.
    Wäre zBsp. China 1945 vor der Wahl gestanden, wo sie die Atombombe abwerfen soll: in Deutschland oder in Japan……. vielleicht hätte man sich für
    Deutschland entschieden.
    Die USA sind unsere Verwandten.

    Deutschland und Grossbritannien haben beim Afghanistankrieg mitgemacht, weil sie Vasallen der USA sind und sein wollen. Europa konnte seit dem 2. Weltkrieg von einer langen Friedenszeit und von steigendem Wohlstand profitieren. Uns ging’s gut.
    Die moralische Verantwortung dafür und die Militärausgaben überließen wir den Amis.
    Mit der drohenden Klimakatastrophe und den weltweiten Cyber-Attacken beginnt HOFFENTLICH eine neue Zeit.
    Alle Menschen und Mächte sitzen im selben Boot ( Planeten ). Wir müssen jetzt alle zusammenarbeiten.
    Ich hoffe das Treffen von Biden und Putin ging in diese Richtung.

    1
    • am 23.08.2021 um 14:15 Uhr
      Permalink

      Ich möchte mich für den Ausdruck
      » lieb und nett » im 2.Satz meines obigen Artikels entschuldigen.
      Es könnte für Menschen höhnisch tönen, welche grosses Leid aufgrund von internationalen Macht»Spielchen»
      erleiden.

      0
    • am 25.08.2021 um 09:09 Uhr
      Permalink

      Ich bin vollständig mit Ihnen einverstanden, Herr Schmidlin.

      0
  • am 22.08.2021 um 14:00 Uhr
    Permalink

    Die Mitverantwortung Russlands bzw. der ehemaligen Sowjetunion wird mit keinem Wort erwähnt. Christian Müllers einseitige Sicht – einmal mehr – ist wenig hilfreich. Von Infosperber erwarte ich mehr, wenn Weltgeschehen eingeordnet wird.

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  • am 22.08.2021 um 15:19 Uhr
    Permalink

    Herr mueller, sie irren sich, die usa haben nicht den krieg in bzw. Gegen afghanistan beendet. Sie aendern ihre strategie. Die usa wollen mehr ressourcen in die auseinandersetzung mit china investieren koennen. Demgegenueber hat man den konflikt mit russland etwas zurueckgestuft. Dadurch wurde afghanistan weniger wichtig.

    Ich finde ihre einschaetzung einer katastrophe oder eines debakels nicht nachvollziebar. Angesichts der ungezaehlten toten, verstuemmelten und traumatisierten, welche die usa geschaffen haben, ist doch das, was sich jetzt abspielt zivilisiert. Das einige oder sogar viele afghanen bitter dafuer zahlen muessen, war doch von anbegin an einkalkuliert.

    Wie sie wissen, ist der konflikt schon in die oekonomische sphaere gehoben worden. Auf dieser ebene ist das toeten von afghanen billiger und wird nicht von jedem wahrgenommen. Hinzukommt, dass auf dieser ebene die instrumentalisierung afghanistans gegen russland billiger und effektiver ist.

    Die usa erklaeren nicht mehr den krieg. Sie befinden sich in einem permanenten krieg gegen den rest der welt. “Ob vasall oder nicht, bist du nicht willig, so brauch ich gewalt.” Die usa sind ein maffia-schlaeger auf internationalem parkett. Sollten die wirklich mal den hintern versohlt kriegen, was im moment nicht der fall ist, was waere schlimm dran?

    0
  • am 22.08.2021 um 15:20 Uhr
    Permalink

    Kriege, selbst wenn sie im Namen eines Gottes geführt werden, sind ein Teufelswerk. Krieg ist eine extrem zerstörerische Form des geilen Allerwelts-Prinzips «Konkurrenz belebt das Geschäft … und mit Verlusten muss gerechnet werden!». Andere beherrschen, andere unterwerfen, andere kontrollieren, andere fertig machen: das gehört zu diesem Modell von Teufeln, die ohne Rücksicht auf Verluste alle und alles kaputt machen.

    0
  • am 23.08.2021 um 09:22 Uhr
    Permalink

    Wie konnten die Taliban so leicht die Macht übernehmen? Die Extremisten in Afghanistan wurde auch deswegen so stark, weil die USA und Saudiarabien die islamistischen Kämpfer, Al-Kaida, in ihrem Kampf gegen die Rote Armee der Sowjetunion und die Regierung in Kabul seinerzeit massgeblich bewaffnet und unterstützt haben. Auch die Drohnengriffe und Bombardierungen der USA in den letzten Jahren in Afghanistan, in Somalia, Pakistan und anderen Staaten, die vor allem zivile Opfer forderten, waren Wasser auf die Mühle der fundamentalistischen Islamisten.
    Wichtig wäre heute auch zu untersuchen, wie es nach dem 11. September 2001 zu dem Krieg gegen den Terror kommen konnte, der in Afghanistan begann. Vier Flugzeuge sollen am 11. September entführt worden sein. Zwei Maschinen krachten in die beiden Türme des World Trade Center in New York, drei Wolkenkratzer stürzten ein. Ein Fluggerät raste in das Pentagon und ein Passagierflugzeug soll auf einem Acker abgestürzt sein. Steckte wirklich Osama Bin Laden mit seinen 19 mit Teppichmessern bewaffneten Selbstmördern hinter den Angriffen? Der offizielle Bericht über 9/11 basiert auf Aussagen von Gefolterten und auf Telefongespräche die damals technisch noch gar nicht möglich waren. Angehörige der Opfer der Terrorattacken vom 11. September, Feuerwehrleute und Helfer haben in New York zur Abklärung der Ereignisse einen Prozess angestrengt. Piloten, Architekten und Ingenieure verlangen eine neue Untersuchung von 9/11. http://www.ae911truth.org

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  • am 23.08.2021 um 13:06 Uhr
    Permalink

    Als «klare Konsequenzen» sehe ich zwei grundsätzliche Optionen:
    1. Nato beibehalten und atomar weiter aufrüsten, dann ist Konfrontation und Krieg für die nächsten Generationen gesichert. Rendite der Rüstungsindustrie auch.
    2. Nato abschaffen (wie den Warschaupakt!) und die US-Rüstungsausgaben auf das Niveau von China senken, dann haben wir fast alle Voraussetzungen um uns den wesentlichen Menschheitsfragen zuzuwenden. Klima und Energie, etwa.

    0
    • am 24.08.2021 um 05:41 Uhr
      Permalink

      Und unbbedingt nötig von der Schweiz: Abschaffung der Armee, mehr Geld in die Friedensforschung!

      1
  • am 23.08.2021 um 14:00 Uhr
    Permalink

    Hat ein Krieg jemals ein Problem gelöst? Ich wünsche mir eine UNO-Charta, mit welcher sich alle Länder verpflichten, nie ein anderes Land militärisch anzugreifen. Für Soldaten aller Armeen gilt immer Kadavergehorsam. Mit Demokratie hat keine Armee etwas am Hut! Eigentlich sollte die Schweiz nun eine internationale Konferenz von beutenden Exponenten des Islam einberufen, die u.a. in einer Resolution über Grundwerte des Islam münden könnte. Nur der Einfluss bedeutender Vertreter des Islam aus der ganzen Welt kann die Taliban in dem Sinne beeinflussen, dass sie z.B. Frauen und Männer als gleichwertig anerkennen. Längerfristiges Ziel sollte eine weltweite Trennung von Staat und Religionen sein. Im Namen von Religionen wurden über Jahrhunderte immer wieder Greueltaten verübt.

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    • am 24.08.2021 um 05:46 Uhr
      Permalink

      Sehr geehrter Herr Ruch,

      eine gute Grund-Idee – aber wegen zu tief eingebranntem Glauben sooo einfach nicht zu verwirklichen, Leider.

      Warum sind wir denn Mohammedaner, Christ, Jude, Hindu, und .. und .. und ?
      Doch einzig aus dem Grund,
      weil wir in einen Glauben hineingeboren wurden !
      Und alle glauben ganz fest an i h r e n Glauben, weil sie diesen als Kind von Menschen, denen sie vertrauten, als -fast- einzige Wahrheit «ein-ge-prägt» bekamen.

      DAS lässt sich nicht einfach «überschreiben», denn es hat Wurzeln in uns geschlagen.
      Ausserdem gäbe es auf einmal Millionen»Verkünder», die «brotlos» würden, weil man sie nicht mehr braucht – und hunderte Millionen, die sich nicht «umerziehen» lassen.

      Also wird es vorab höchstens eine gegenseitige «wohlwollende Duldung» geben können. Wenn allen bewusst wid, «dass keiner für seinen Glauben etwas kann».

      Und dann -vielleicht- wird es in einigen hundert Jahren einen weltweit ähnlichen Glauben geben, mit regionalen Abweichungen –
      – und vor Allem ohne Glaubens-Kriege !

      Bis jetzt gings leider umgekehrt –
      dass -beispielsweise- Christen «andersgläubige» Christen bekriegten –
      und Moslems «andersgläubige» Moslems.

      Es gäbe viel zu tun !

      wolfge
      scheinbar.org

      0
  • am 24.08.2021 um 00:53 Uhr
    Permalink

    Herr ruch, im prinzip bin ich ganz ihrer meinung. Es braucht ein verstaerktes friedensreglement der uno. Ich koennte mir vorstellen, dass:
    1. Mitglieder mt verwarnten mitgliedern keine beziehungen haben fuer die dauer der verwarnung, dass
    2. Mitglieder verwarnt werden, die gegen das friedensreglement verstossen, dass
    3. Bestandteil des reglements eine spezifikation der jedem mitglied erlaubten militaerischen einrichtungen, bewaffnung und soldatenanzahl ist, dass
    4. Jedes mitglied jedes jahr im voraus 10 % des bip an die uno zu gemeinschaftlichen zwecken ueberweist. Diese zahlungen wuerden einen entwicklungsfond speisen und zu einigen
    % fuer die unterhaltung von friedenskraeften dienen, die bei konfliktloesungen assistieren.

    Ich koennte mir noch paar andere gute sachen vorstellen.

    Aber

    Die derzeitige uno, damit ist nichts anzufangen. Die hat fuer mich weder irgendeine autoritaet noch irgendeine legitimitaet. Diese uno hat sich den zumutungen der usa ergeben und ist im prinzip ein ziemlich weitgehend aus wahington gesteuertes ding.

    Da man m.m. Nach nicht einfach auf die uno verzichten kann, vertrete ich nicht die forderung nach austritt aus und aufloesung der uno. Aber etwas neues, tatsaechlich neutrales, mit einem tick zuneigung zu den weniger entwickelten laendern wird dringend gebraucht.

    1
  • am 24.08.2021 um 05:43 Uhr
    Permalink

    Gewalt erzeugt immer Gegengewalt. Was man mit Gewalt erreicht, kann man nur mit Gewalt behalten. Das man Frauen nicht steinigen sollte, kann man nicht mit Gewaltandrohung bewirken, denn die Gewaltandrohung ist dasselbe wie Steinigen. Gewalt bringt man mit Gewalt nicht weg. Marshall Rosenberg, Gewalt und Friedensforscher, Kommunikationsspezialist für gewaltfreie Kommunikation, Gewaltprävention und Bildung, hatte dies immer wieder vorgeführt. Er zeigte, wie man mit Menschen mit anderen Werten kommunizieren kann, indem er in den schlimmsten Vierteln der US-Städte mit den dortigen Gangs Gespräche führte, welches als Folge die Banden-Kriminalität und Todeszahlen massiv sinken liess. Dafür kassierte er in den Usa leider von einigen Kreisen noch Hohn und Spott. In Europa dagegen war er sehr erfolgreich. Letztendlich nannte er die US-Regierung und dessen reiches Establishment eine «Gang» mit viel Macht durch Geld. Das Verhalten der meisten Regierungs-Gangs der Usa würde sich nicht vom Verhalten brutaler Drogengangs unterscheiden. Es werden in den Usa nicht weniger Frauen zu Tode geprügelt oder erschossen als in anderen Nationen mit anderen Werten gesteinigt werden. Zuerst wird geschossen, dann wird gefragt. Im globalen Vergleich gibt es keine Nation welche so viele vom eigenen Volk in seinen Gefängnissen Zwangsarbeiten lässt für einige Cents pro Stunde. Die Schweiz brüdert mit einer solchen Nation ohne die geringste Kritik, hatten wir das nicht schon mal?

    0
  • am 24.08.2021 um 11:50 Uhr
    Permalink

    Und schon wieder einmal mehr : Die ach so tollen Armeeexperten versagen auf ganzer Linie. Sie wollen oder können die Realität nicht sehen. Wahrscheinlich dürfen sie aus politischen Gründen nicht.

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  • am 24.08.2021 um 17:39 Uhr
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    Scheinbar haben Politiker und Journalisten in zwanzig Jahren einfach nicht mitbekommen, dass der Staatsaufbau in Afghanistan eine einzige Korruptionsmaschine war, an der westliche Unternehmen sehr viel und örtliche Kriminelle ein wenig verdienten. Das ist natürlich umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass sich alle Genannten gemeinsam besonders enger Verbindungen zum amerikanischen Sicherheitsapparat rühmen dürfen.

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